Das k.u.k. Infanterieregiment „Freiherr von Schikofsky“ Nr. 83 war ein ungarisches Infanterieregiment der Gemeinsamen Armee Österreich-Ungarns, das 1883 aus Abgaben anderer Regimenter aufgestellt wurde und in den Garnisonen der westungarischen Städte Komárom, Szombathely und Kőszeg stationiert war.
Da sich das Regiment hauptsächlich aus dem Ergänzungsbezirk Steinamanger/Szombathely rekrutierte, zu dem auch Gebiete gehörten, die heute Teil des Burgenlandes sind, bestand es aus gut einem Drittel deutschsprachiger Soldaten. Nach der Landnahme des Burgenlandes ging daher die Traditionspflege des Regimentes auf Einheiten des österreichischen Bundesheeres über. Aktuell ist das Jägerbataillon 19 in der Montecuccoli-Kaserne in Güssing der Traditionsnachfolger des ehemaligen k.u.k. Infanterieregiments.
Geschichte Historischer Hintergrund der Entstehung Mit der Heeresreform 1882/83 beabsichtigte der österreichische Generalstab unter der Leitung von Friedrich von Beck-Rzikowsky durch die „territoriale Dislokation“ der Streitkräfte deren Aufmarsch im Falle einer Mobilmachung zu beschleunigen. Dazu wurde das ganze Gebiet der Monarchie in 102 (berücksichtigt man noch Tirol und Vorarlberg in 103) Ergänzungsbezirke eingeteilt, wobei jeder dieser Bezirke ein Regiment aufzustellen hatte, sodass unter Berücksichtigung von 32 selbstständigen k.u.k. Feldjäger-Bataillonen Truppen für insgesamt 30 Infanteriedivisionen zur Verfügung standen. Die bestehenden Militärterritorialbehörden wurden außerdem in Armeekorps umgewandelt, denen die Divisionen und deren Regimenter fix unterstellt waren, sodass die Friedensgliederung auch der Kriegsgliederung entsprach.
Aufstellung des Regimentes Der durch die Heeresreform 1882/83 gebildete Ergänzungsbezirk Szombathely erhielt die Nummer 83 zugewiesen. Da seine Westgrenze bis an die Lafnitz reichte, umfasste sein Gebiet auch die heutigen burgenländischen Bezirke Jennersdorf, Güssing und Oberwart sowie Teile des Bezirkes Oberpullendorf.Übersichtskarte der Ergänzungs-Bezirks-Eintheilung 1894, Webseite www.mlorenz.at, abgerufen am 5. März 2018 Im Zuge einer Umorganisation trat der Ergänzungsbezirk Szombathely einige Gebiete, darunter die heutigen burgenländischen Bezirke Jennersdorf und Güssing, an den Ergänzungsbezirk 48 – Nagykanizsa ab.Militärterritorial- und Ergänzungsbezirkseinteilung 1908, Webseite www.mlorenz.at, abgerufen am 5. März 2018
Das vom Ergänzungsbezirk Szombathely aufzustellende Regiment erhielt ebenfalls die Nummer 83 zugewiesen, als Namensgeber fungierte Generalmajor Ferdinand Christoph Eberhard von Degenfeld-Schonburg, der neben seinem militärischen Rang auch für die Erziehung von Thronfolger Franz Ferdinand von Österreich-Este verantwortlich zeichnete.Karl Martin Werkmann: Otto von Habsburg: ein ungelöstes europäisches Problem, S. 133, 1932; (Ausschnittscan)
Aufgestellt wurde das k.u.k. Infanterieregiment „Graf von Degenfeld-Schonburg“ Nr. 83 am 1. Jänner 1883 aus Abgaben der Regimenter:Stellenbesetzung Infanterieregiment 83, 1909, Webseite www.mlorenz.at, abgerufen am 5. März 2018 k.u.k. Infanterieregiment „Freiherr von Loudon“ Nr. 29 – Temesvár k.u.k. Infanterieregiment „Freiherr Kussevich von Szamobor“ Nr. 33 – Arad k.u.k. Infanterieregiment „Freiherr von Jovanovic“ Nr. 43 – Wien k.u.k. Infanterieregiment „Alexander III. Kaiser von Russland“ Nr. 61 – Slavonski Brod
Entsprechend dem Egalisierungssystem der k.u.k.-Uniformen erhielt das Regiment die Farbe Dunkelbraun zugewiesen, während die Uniformknöpfe Weiß zu sein hatten.Übersicht der Infanterieeinheiten der k.u.k. Armee, Webseite www.mlorenz.at, abgerufen am 5. März 2018
Stationierungsorte und Unterstellungsverhältnis mini|Die Festungsstadt Komárom beherbergte den Regimentsstab und zwei Bataillone mini|Anton von Winzor, Kommandierender General des k.u.k. V. Korps, war kurzfristig Regimentsinhaber Die Einheiten des Regiments waren in folgenden Garnisonen stationiert: Regimentsstab: Komárom 1. Bataillon: Szombathely 2. Bataillon: Komárom 3. Bataillon: Kőszeg 4. Bataillon: Komárom
Obwohl sich das IR 83 aus dem Großraum Szombathely ergänzte, beherbergte die k.u.k Festungsstadt KomáromÖsterreichische Gesellschaft für Festungsforschung: Beschreibung der Festung Komorn, Webseite www.kuk-fortification.net, abgerufen am 5. März 2018 sowohl den Regimentsstab als auch zwei der vier Bataillone.
Das Regiment bildete zusammen mit weiteren Bataillonen die 66. Infanteriebrigade, deren Kommando ebenfalls in Komárom stationiert war. Übergeordneter Verband war die 33. Infanterie-Truppendivision, auch deren Kommando hatte in der Festungsstadt Komárom ihren Sitz. Die Division war zusammen mit der 14. Infanterie- und der 2. Kavallerie-Truppendivision sowie weiterer Verbände dem V. Korps unterstellt, dessen Kommando sich in Bratislava befand.
Geschichte bis 1914 Nachdem Graf Ferdinand Christoph Eberhard von Degenfeld-Schonburg bereits 1892 verstorben war, führte das Regiment noch 16 Jahre seinen Namen, bevor es ihn 1908 ablegte. 1909 gab es keinen Regimentsinhaber.
1910 trug das IR 83 kurzfristig den Namen des Kommandierenden Generals des vorgesetzten V. Korps, Freiherr Anton von Winzor. Nach dessen plötzlichen Tod im April 1910 übernahm die Einheit der stellvertretende Kommandant, Webseite www.austro-hungarian-army.co.uk, abgerufen am 5. März 2018 der k.k. und k.u. Landwehr, General der Infanterie Freiherr von Schikofsky,Portraitfoto Karl Freiherr von Schikofsky. bildarchivaustria.at; abgerufen am 5. März 2018 als endgültiger Regimentsinhaber.
Mobilmachung und Aufmarsch in Galizien im August 1914 mini|FZM Paul Puhallo von Brlog führte das V. Korps während der Schlacht in Galizien 1914 mini|Die Schlacht in Galizien 1914 Einen Monat nach dem Attentat von Sarajevo erfolgte am 28. Juli 1914 die Kriegserklärung Österreich-Ungarns an das Königreich Serbien. Zwei Tage später traten das Deutsche Kaiserreich und das Russische Kaiserreich in den Krieg ein, durch die Bündnissysteme schlossen sich weitere Länder an, sodass sich der lokale Balkankonflikt binnen weniger Tage zu einem Weltkrieg entwickelte.
Am 6. August kamen der Regimentsstab, das II. und IV. Bataillon aus Komárom sowie das III. Bataillon aus Kőszeg per Bahntransport in Szombathely an, um am nächsten Tag unter großer Anteilnahme der Bevölkerung den Treueeid abzulegen. Das I. Bataillon befand sich an diesem Tag schon in Galizien, wo es in Jasło an einer Militärparade teilnahm. Am 8. August bestiegen in Szombathely die Soldaten der drei zurückgebliebenen Bataillone die Transportzüge, welche sie bis zum 10. August über Komárom, Budapest, Prešov und Nowy Sącz nach Rzeszów brachten. In den Tagen darauf verlegte das Regiment an den San.
Die in Galizien sich bereitstellende k.u.k. Streitmacht gliederte sich in drei Armeen (von West nach Ost: 1., 4. und 3. Armee) und zwei flankierende kleinere Armeegruppen. Die am weitesten im Westen stehende k.u.k. 1. Armee unter ihrem Oberbefehlshaber Viktor Dankl bezog ihre Stellungen entlang des Flusses San. Die Armee gliederte sich (von West nach Ost) in das k.u.k. I., V. und X. Korps, insgesamt neun Infanterie- und zwei Kavallerie-Divisionen.
Unterstellungsverhältnis des Infanterie-Regiments 83: 1. Armee – General der Kavallerie Viktor Dankl V. Korps – Feldzeugmeister Paul Puhallo von Brlog 33. Infanterie-Truppendivision – Feldmarschalleutnant Karl Edler von Rebracha 66. Infanteriebrigade – Oberst Joseph Lieb Infanterieregiment 83 – Oberst Leopold Hofbauer
Die 33. Division, in deren Rahmen das IR 83 die meiste Zeit eingesetzt war, gliederte sich wie folgt: 65. Infanteriebrigade k.u.k. Infanterieregiment „Erzherzog Franz Ferdinand“ Nr. 19 (4 Bataillone) – Ergänzungsbezirk Győr k.u.k. Infanterieregiment „Schreiber“ Nr. 26 (4 Bataillone) – Ergänzungsbezirk Esztergom 66. Infanteriebrigade k.u.k. Infanterieregiment „Parmann“ Nr. 12 (3 Bataillone) – Ergänzungsbezirk Komárom k.u.k. Infanterieregiment „Freiherr von Schikofsky“ Nr. 83 (4 Bataillone) 33. Feldartilleriebrigade Feldkanonen-Regiment 15 (5 Batterien) Feldhaubitzen-Regiment 5 (2 Batterien) Divisionskavallerie 3. und 4. Schwadron k.u.k. Husarenregiment „Graf Radetzky“ Nr. 5
Das k.u.k. V. Korps setzte sich aus der 14. und 33. Division sowie der 37. Honved-Division zusammen. Dies entsprach auch der Aufstellung der Einheiten des Korps in West-Ost-Richtung, sodass sich die 33. Division und mit ihr das IR 83 direkt im Zentrum der k.u.k. 1. Armee befand.
Das Kriegsjahr 1914 August 1914: Schlachten von Kraśnik und Lublin mini|Russische Karte der Schlachten von Kraśnik und Komarów Am 22. August erhielt die k.u.k. 1. Armee den Befehl das 100 km nördlich gelegene Höhengelände zwischen Annopol bis Frampol zu erreichen, während 60 km weiter nördlich sich die russische 4. Armee bei Lublin in Versammlung befand und bereits erste Einheiten in Richtung Süden in Marsch setzte. Aus der zwangsläufig daraus resultierenden Begegnung entwickelte sich zwischen 23. und 25. August die Schlacht von Kraśnik.
Die Schlacht begann am 23. August auf dem linken Armeeflügel beim k.u.k. I. Korps und der 14. Division, der linken Flügeldivision des k.u.k. V. Korps. Während diese sich mit der russischen 45. Division bei Plochina, 10 Kilometer südlich Kraśnik gelegen, verlustreiche Gefechte lieferte, konnten weiter östlich die 33. Division mit dem IR 83 und die 37. Honved-Division ohne Feindberührung weiter nach Norden vorgehen.
Am 24. August entbrannte der Kampf entlang der gesamten Front des k.u.k. V. Korps. Der 14. und der 33. Division gelang es die russischen Einheiten von den Höhen südlich von Krasnik zu vertreiben, während das IR 83 von den Kämpfen vorerst verschont blieb und in den Bereich Szastarka nachgezogen wurde. Ihre Feuertaufe erhielten das III. Bataillon und die 2. Kompanie am 25. August, als sie am linken Divisionsflügel die Nahtstelle zur 14. Division verteidigen mussten und dabei von drei russischen Bataillonen angegriffen wurden.
Der Rückzug der russischen Armee in Richtung Lublin am Abend des 25. August markierte das Ende der Schlacht von Kraśnik. Während der 26. August ruhig verlief, begannen für die nach Norden nachrückenden k.u.k. Verbände bereits am nächsten Tag neue Kämpfe, die in der österreichischen Nachkriegsliteratur als Schlacht vor Lublin bezeichnet werden.
Am 27. August hatte das IR 83 den Auftrag, in einem Gebiet rund 20 Kilometer östlich von Kraśnik nach Norden vorzugehen. Dazu trat es morgens am linken Flügel der 33. Division in der Gliederung links I., dahinter III., rechts II. sowie IV. Bataillon als Reserve folgend, an. Gegen heftigen Widerstand der russischen Armee konnte das I./IR 83 rund drei Kilometer vorstoßen und das Gelände östlich von Rudnik erreichen. Da weiter westlich die 14. Division in heftige Kämpfe verwickelt war, befahl Regimentskommandant Hofbauer dem III./IR 83 den linken Nachbarn bei seinem Angriff zu unterstützen. Das Bataillon traf dabei auf gut ausgebaute russische Stellungen und trat, da das Gelände wenig Deckungsmöglichkeit bot, zum Sturmangriff an. Wie in einem Manöver ertönten Hornsignale und die Infanteristen, die Offiziere mit gezogenem Säbel voran, stürmten die russischen Linien und konnten dabei über 600 Gefangene einbringen und so der benachbarten 14. Division helfen, weiter nach Norden vorzudringen. Auf der rechten Angriffsseite kam das II./IR 83 bei Gatezow ebenfalls schneller voran als die Nachbareinheiten des IR 26. Als diese um die Mittagszeit von einem wuchtigen Gegenstoß getroffen wurden, konnte das II./IR 83 ebenfalls flankierend eingreifen und die Nachbartruppen unterstützen.
Diese militärischen Erfolge kosteten dem Regiment 40 Gefallene und 420 Verwundete, die rund 10 Prozent der Sollstärke entsprachen. Auch der k.u.k. 1. Armee hatten diese Kämpfe rund um Krasnik mit 15.000 Gefallenen, Verwundeten und Kriegsgefangenen rund ein Zehntel ihrer Gesamtstärke gekostet.
September 1914: Rückzug nach russischen Erfolgen