mini|Wolfgang Bechtold (1971) Wolfgang Bechtold (* 17. Dezember 1908 in Mannheim; † 13. Januar 1990 in Lörrach) war ein deutscher Jurist, Verwaltungsbeamter, Funktionär der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP) und Landrat im Kreis Lörrach.
Herkunft und Ausbildung Bechthold war ein Sohn des badischen Verwaltungsjuristen Gustav Bechtold. Er war von April 1927 bis Dezember 1928 Offizieranwärter in der Reichswehr und legte dort die Fahnenjunker-Prüfung ab. Er schied aber krankheitsbedingt aus. Bechtold begann daraufhin ein Jura-Studium, welches er 1933 mit der Ersten und 1936 mit der Zweiten juristischen Staatsprüfung absolvierte.Michael Ruck: Bechtold, Wolfgang. In:
Karriere in der Zeit des Nationalsozialismus Daten zur beruflichen Entwicklung im NS-Staat
12. April 1933Erste juristische Staatsprüfung => Referendar 25. April 1933Eintritt in den Dienst des badischen Innenministeriums als Referendar 1. Mai 1933Eintritt in die NSDAP 17. Juni 1936Zweite juristische Staatsprüfung => Gerichtsassessor 4. August 1936Assessor im Probedienst der inneren Verwaltung 1. Oktober 1936Referent in der staatsrechtlichen Abteilung der Parteikanzlei 28. Mai 1937Regierungsassessor 30. September 1937Ende des ersten Einsatzes in der Parteikanzlei 1. Oktober 1937Beginn des Einsatzes im Reichswirtschaftsministerium 16. September 1938Regierungsrat 30. September 1938Ende des Einsatzes im Reichswirtschaftsministerium 1. Oktober 1938Regierungsrat und Referent in der staatsrechtlichen Abteilung der Parteikanzlei August 1940Beförderung zum Oberregierungsrat in der Parteikanzlei 1941Beförderung zum Bereichsleiter der NSDAP in der Parteikanzlei 31. Januar 1943Ende des zweiten Einsatzes in der Parteikanzlei 1. Februar 1943 bis 20. November 1944Landkommissar in Rappoltsweiler September 1943 Landrat in Schlettstadt 20. November 1944Flucht aus dem Elsass 1. Februar 1945 bis 20. Mai 1945Landrat in Emmendingen
Wolfgang Bechtold trat zum 1. Mai 1933 der NSDAP bei (Mitgliedsnummer 2.261.320).Bundesarchiv R 9361-IX KARTEI/1900648 Im Juli 1936 trat er nach Beendigung seines Studiums seinen Dienst in der badischen Innenverwaltung an. Vom Oktober 1936 an war Bechtold beurlaubt und vom badischen Innenminister Karl Pflaumer zum Dienst im Stab des Stellvertreters des Führers, Rudolf Heß’, in München abgeordnet. Er war ein Untergebener von Walther SommerSommer attestierte Bertold am 12. Februar 1937 „vorbildliches nationalsozialistisches Verhalten“. Bild 145 im Landesarchiv Baden-Württemberg. und indirekt von Martin Bormann.
Im Oktober 1937 wurde er zum Reichswirtschaftsministerium nach Berlin abgeordnet. Ab September 1938 war er in der Position eines Regierungsrats offiziell erneut in der badischen Innenverwaltung tätig, wurde aber bereits im Oktober wieder zum Stab Heß’ abgeordnet, wo er in der Abteilung von Gerhard Klopfer arbeitete.
Von 1943 bis 1945 war Bechtold in der durch die deutsche Besatzung konstituierten kommunalen Verwaltung des CdZ-Gebiets Elsaß tätig. Vom 1. Februar 1943 bis November 1944 als LandkommissarDie Stellung eines Landkommissars entsprach der eines Landrats in Baden. in Rappoltsweiler. Im September 1943 wurde Bechtold zusätzlich mit der Vertretung des Landkommissars des Landkreises Schlettstadt beauftragt. Bild 14 Schreiben von Bechtolds Anwalt Birlinger vom 10. Mai 1949 im Landesarchiv Baden-Württemberg.Michael Ruck: Bechtold, Wolfgang. In: nennt ihn bereits ab 1940 Landkommissar in Rappoltsweiler und dann Landrat in Markolsheim. Die Ernennung zum Landkommissar in Rappoltsweiler erfolgte jedoch erst 1943 und Markolsheim gehörte zum Kreis Schlettstadt.
Ende Januar 1945 floh er nach Südbaden. Bis zum Kriegsende war Wolfgang Bechtold 1945 noch unter dem NS-Regime kurzzeitig als kommissarischer Landrat von Emmendingen tätig und wurde am 23. Mai 1945 von der französischen Militärregierung durch Hubert Schnekenburger ersetzt.Michael Ruck: Schnekenburger, Hubert Georg Wilhelm. In: Nach eigener Aussage und Berichten von Zeugen bemühte er sich am 20./21. April 1945 mit anderen erfolgreich um eine kampflose Übergabe der Stadt Emmendingen an die französischen Truppen.Bild 50 Aussage von Bechtold vom 1. Oktober 1946 im Landesarchiv Baden-Württemberg.
Nachkriegszeit Aufgrund seiner Tätigkeit für das NS-Regime war Bechtold vom 5. bis 31. Oktober 1945 im Freiburger Gefängnis inhaftiert und vom 16. Februar 1946 bis 30. April 1946 in französischer Untersuchungshaft. Vom 16. Januar 1947 bis 22. Dezember 1948 war er in politischer Internierung.Schreiben von Bechtolds Anwalt Birlinger vom 10. Mai 1949 im Landesarchiv Baden-Württemberg. Im Entnazifizierungsverfahren wurde er in die Gruppe der Minderbelasteten eingereiht und eine Bewährungsfrist von zwei Jahren festgelegt. Außerdem wurde er vom Oberregierungsrat zum Regierungsrat zurückgestuft. Ein Antrag auf Eingruppierung als Mitläufer statt Minderbelasteter wurde im Mai 1949 von der zuständigen Spruchkammer abgelehnt.Staatsarchiv Freiburg D 180/18 Nr. 1391, Bild 5 ff. Per 31. Dezember 1950 wurde die zweijährige Bewährungsfrist per Gnadenerweis beendet, womit die erneute Einstellung in den Staatsdienst ermöglicht wurde.Bild 2 Gnadenerweis vom 7. Dezember 1950 im Landesarchiv Baden-Württemberg.
Landrat in Kehl und Lörrach 1951 wurde Bechtold staatlich bestellter Landrat in Kehl, bevor er per 1. Mai 1955 zum Landrat des Kreises Lörrach ernannt wurde und ein Jahr später der erste vom Kreistag gewählte Landrat in Lörrach wurde. Diese Position hatte er bis zu seiner Pensionierung zum Jahreswechsel 1972/1973 inne.
Als Landrat von Lörrach setzte Bechtold in verschiedenen Bereichen Schwerpunkte. Während der baden-württembergischen Kreisreform von 1973 setzte er sich erfolgreich für den Bestand des Landkreises Lörrach ein. Bechtold förderte in seiner Amtszeit insbesondere verschiedene größere Bauprojekte im Landkreis. So etwa den Straßenausbau, um zu einer Stärkung des ländlichen Raumes beizutragen, oder den Bau des Kreisaltersheims in Weil am Rhein bzw. des Pflegeheims im Schopfheimer Ortsteil Wiechs. Zur Förderung der Tourismusbranche im Landkreis initiierte er 1956 die Gründung der Fremdenverkehrgemeinschaft Wiesental-Südschwarzwald.Siehe Donner S. 171
Ehrenamtlich war Bechtold beim Kuratorium Unteilbares Deutschland als Kreisvorsitzender tätig.Siehe Donner S. 172
Bechtold wohnte zuletzt in Lörrach.Walter Habel (Hrsg.): Wer ist wer? Das deutsche Who’s Who. 24. Ausgabe. Schmidt-Römhild, Lübeck 1985, ISBN 3-7950-2005-0, S. 64.
Publikationen Im Blick aufs Ganze. In: Das Markgräflerland, Jg. 31.1969, H. 1, S. 1 Digitalisat der UB Freiburg mit Berthold Allgaier Fremdenverkehr. In: Der Kreis Lörrach in Gegenwart und Zukunft. In:
Literatur Wolfram Angerbauer (Red.): Die Amtsvorsteher der Oberämter, Bezirksämter und Landratsämter in Baden-Württemberg 1810 bis 1972. Herausgegeben von der Arbeitsgemeinschaft der Kreisarchive beim Landkreistag Baden-Württemberg. Theiss, Stuttgart 1996, ISBN 3-8062-1213-9, S. 173–174. Horst Donner: Wir Gedenken: Landrat a. D. Wolfgang Bechtold. In: Unser Lörrach (21), 1990. Bodo Hechelhammer, Susanne Meinl: Geheimobjekt Pullach. Von der NS-Mustersiedlung zur BND-Zentrale, Ch. Links, Berlin 2014, ISBN 978-3-86153-792-2. Holger Impekoven: Die Alexander von Humboldt-Stiftung und das Ausländerstudium in Deutschland 1925-1945, Göttingen 2013, S. 355 beschränkt einsehbar bei Google
Weblinks
Bechtold, Wolfgang - Entnazifizierungsunterlagen aus dem Centre des Archives diplomatiques. Staatsarchiv Freiburg D 180/18 Nr. 1391 "Der Wunsch des Reichsostministers, probeweise einer kleinen Zahl von Esten … (Regest 26545)". Akten der Partei-Kanzlei der NSDAP. Berlin, Boston: De Gruyter Oldenbourg, 2022.
Einzelnachweise
Kategorie:Verwaltungsjurist Kategorie:NSDAP-Mitglied Kategorie:Landrat (Landkreis Lörrach) Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1908 Kategorie:Gestorben 1990 Kategorie:Mann