Herbert Hans Walter Gienow (* 13. März 1926 in Hamburg; † 2. Januar 2026Traueranzeige in der FAZ vom 10. Januar 2026, abgerufen am 10. Januar 2026) war ein deutscher Jurist und Industriemanager.
Bekannt wurde er insbesondere als langjähriger (1974–1991) Vorstandsvorsitzender der Klöckner Werke (heute Salzgitter Klöckner-Werke).
Leben Herbert Hans Walter Gienow wurde am 13. März 1926 als Sohn von dem aus Pommern stammenden Großhandelskaufmann Günther Gienow und der ehemaligen Telefonistin Margarethe Gienow, geborene Binder, in Hamburg geboren. Dort besuchte er die Grundschule und das Gymnasium Blankenese. 1941 zog die Familie wegen der schweren Luftangriffe auf Hamburg nach Düsseldorf, wo er auf das das Hindenburg-Gymnasium wechselte. Im Jahr darauf zog die Familie nach Pyritz (heute: Pyrzye), wo Gienow 1944 sein Abitur absolvierte. Unmittelbar danach wurde er in den Militärdienst eingezogen. Zum Ende des Krieges geriet er zunächst in amerikanische und dann in russische Kriegsgefangenschaft, die bis zum Dezember 1945 andauerte.
Daraufhin studierte der nun 20-jährige im Frühling 1946 Rechts- und Staatswissenschaften, an der Universität Hamburg, wo er beide Staatsexamina ablegte und nach der großen juristischen Staatsprüfung 1952 zum Dr. jur. promoviert wurde.
1953 ließ Herbert Gienow sich als Rechtsanwalt für Wirtschafts-, Steuer- und Schiffahrtsrecht nieder. Seine Praxis behielt er auch in den folgen Jahren bei, obwohl er sich mehr und mehr im Wirtschaftsmanagement engagierte. 1961 hatte noch das Wirtschaftsprüferexamen abgelegt.
Seit 1951 war er Mitarbeiter der Deutschen Warentreuhand AG, wo er zunächst eine Referendariatsausbildung und ein Praktikum absolvierte, später als Prokurist arbeitete und 1959 Vorstandsmitglied wurde.
Herbert Gienow war ab 1954 verheiratet mit Imina Gienow, geborener Brons, lebte in Hamburg und Hösel und hatte zwei Kinder (Hendrik und Jessica).
Beruf Im Jahr 1962 wurde der nun 36-jährige in den Vorstand des Duisburger Stahlkonzerns Klöckner Werke (heute Salzgitter Klöckner-Werke) befördert, wo er von 1974 bis 1991 als Vorstandsvorsitzender der Klöckner-Werke AG tätig war.
Er übernahm die Führung des Konzerns, die 1974 mit 3,6 Mio. Jahrestonnen zu einem der größten Stahlproduzenten der Bundesrepublik zählte. Angesichts der sich immer mehr zuspitzenden Stahlkrise hatte der Konzern große Mühe, sich zu behaupten. In dieser Zeit bewies Gienow, der gelegentlich als listenreicher „Odysseus der Stahlbranche“ bezeichnet wurde, Mut zu Alleingängen, die zu Teilen nicht unumstritten waren. Er unterlief die freiwilligen Produktionsbeschränkungen der deutschen und europäischen Wirtschaftsvereinigung Eisen- und Stahlindustrie, deren Sprecher er 1978 für kurze Zeit war. Allerdings war Klöckner durch die Konditionen des Quotenkartells benachteiligt worden, da die vereinbarten Quoten auf das Rekordjahr 1974 ausgerichtet worden waren, in dem das modernisierte Klöckner-Hüttenwerk in Bremen noch nicht auf Hochtouren arbeiten konnte – entsprechend niedrig fiel die Quote für Klöckner aus.
So kümmerte sich Gienow auch wenig um die Quotenbeschränkungen des im Oktober 1981 von der EG-Behörde verordneten europäischen Stahlzwangskartells. Gegen die Bußgelder der EG-Kommission erhob er gerichtlichen Einspruch. Mit dieser Haltung geriet er zwangsläufig in eine Außenseiterposition unter den deutschen Stahlbossen. Gienows umstrittenes Image als „sly old fox“ (Financial Times) bestätigte sich erneut Anfang Juni 1983, als sich die Wirtschaftsvereinigung Eisen- und Stahlindustrie zu dem ungewöhnlichen Schritt entschloss, bei der EG die Vollstreckung der Bußgelder (rund 170 Mio. DM) anzufordern, um Klöckner endlich zur Einbehaltung der EG-Stahlquoten zu zwingen. In der Folge gelang es Gienow dann aber doch, das Vertrauen der Branche allmählich zurückzugewinnen.
Auch in den darauffolgenden Jahren konnte Herbert Gienow seinen Konzern mit Geschick durch schwieriges Fahrwasser steuern, wofür er durchaus bewundert wurde. Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz feierte ihn schließlich noch als „Herr der 1.000 Krisen“. Gelobt wurde Gienow zuletzt auch wegen der gelungenen Verbindung von gleichzeitiger Sanierung und Umstrukturierung der Klöckner-Werke.
In den 1980er Jahren war er zudem Aufsichtsratsvorsitzender der Eisenwerk-Gesellschaft Maximilianshütte in Sulzbach-Rosenberg und der Holstein und Kappert GmbH in Dortmund. Außerdem war er Aufsichtsmitglied der Albingia-Versicherungs AG in Hamburg und der Bergbau AG Lippe in Herne sowie Vorsitzender des Bezirksbeirates Essen der Deutsche Bank AG. Nach seinem Ausscheiden aus dem aktiven Management der Klöckner-Werke Ende Mai 1991 widmete sich Gienow einer neuen Aufgabe als Sprecher der deutschen Gruppe der GEC ALSTHOM NV, in der die britische General Electric Company plc., London, und die französische Alcatel Alsthom NV, Paris, ihre Aktivitäten auf den Gebieten Energie und Verkehr zusammengelegt hatten. So wurde er auch Vorsitzender des Aufsichtsrates der GEC Alsthom GmbH, Essen.
Literatur Gienow, Herbert. In: Walter Habel (Hrsg.): Wer ist wer? Das deutsche Who’s Who. 24. Ausgabe. Schmidt-Römhild, Lübeck 1985, ISBN 3-7950-2005-0, S. 375.
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