Die Sachsenerz Bergwerksgesellschaft mbH war eine landeseigene Bergbaugesellschaft, gegründet mit dem Ziel der Wiederaufnahme des Erzbergbaus in Sachsen.
Vorgeschichte Aufgrund der mangelnden Weltmarktfähigkeit des sächsischen Erzbergbaus waren nach dem Ersten Weltkrieg zahlreiche Erzbergwerke stillgelegt worden. Förderten im Jahr 1920 1206 Bergleute noch 11.360 t Erz, waren es 1930 nur noch 202 Beschäftigte, die 4.570 t Erz förderten. Die letzten Gruben betrieben Raubbau und standen vor der endgültigen Schließung. Der Tiefpunkt war 1933 mit 140 Beschäftigten und einem Ausbringen von 322 t Erz erreicht. Mit dem Erlass des Deutschen Lagerstättengesetzes vom 4. Dezember 1934 begann der Aufschwung im Bergbau. Geschuldet war dieser Erlass den Autarkiebestrebungen des Deutschen Reiches. Das Land Sachsen hatte aus den Erfahrungen des Ersten Weltkrieges heraus schon 1923 begonnen, im Freien liegende Grubenfelder zu muten. Hintergrund war die Schaffung einer Erzbasis für geplante oder schon bestehende staatliche Betriebe und die Verhinderung von Spekulationen mit Grubenfeldteilen. Bis 1931 wurden so, zusätzlich zu den in staatlichen Besitz befindlichen Grubenfeldern des Freiberger und Brand-Erbisdorfer Reviers, weitere 64 Grubenfelder gemutet. Außer kleineren Untersuchungsarbeiten fand in diesen Feldern kein Betrieb statt. Ab 1936 wurde die Mutung von Grubenfeldern verstärkt und erreichte 1938 100 Felder.
Am 13. Juli 1933 reichte das sächsische Finanzministerium bei der Reichsregierung eine Studie ein, die konkrete Vorschläge zur Wiederaufnahme des Erzbergbaus im Erzgebirge und die Erschließung neuer Lagerstätten enthielt. Der Schwerpunkt der Arbeiten lag auf der Erkundung von Zinn-Wolfram-Molybdän-Lagerstätten.
1934 wurde mit den Untersuchungsarbeiten in 3 ausgewählten Grubenfeldern begonnen. Am 24. April Zinnbergbau Oelsnitz im Vogtland, am 3. Mai Gabe Gottes Stolln in Eibenstock und am 20. Juli Vereinigt Zwitterfeld Fundgrube in Zinnwald. Daneben wurden 7 weitere Betriebe staatlich gefördert. 1936 wurden die Untersuchungsarbeiten in den Feldern der Grube Tannenberg bei Klingenthal, der Kupfergrube Sadisdorf, dem Zschorlauer Bergsegen und der Ehrenfriedersdorf Vereinigt-Feld-Fundgrube aufgenommen. Am 23. September 1936 wurde die Gewerkschaft Zinnwalder Bergbau Altenberg in das Handelsregister des Amtes Lauenstein/Sa. eingetragen. Die Gewerkschaft übernahm die Bergbaurechte im Grubenfeld der Vereinigt-Zwitterfeld-Fundgrube in Zinnwald. Zum Jahresende wurden die Untersuchungsarbeiten im Gabe Gottes Stolln in Eibenstock ergebnislos eingestellt. Die Zahl der Beschäftigten war im März 1936 auf 107 Personen gestiegen.
Gründung Am 4. September 1936 wurde per Vertrag die seit 1924 stillliegende Grube der Ehrenfriedersdorf Vereinigt Feld Fundgrube Bergwerksgesellschaft mbH in Ehrenfriedersdorf unentgeltlich mit allen Rechten auf das Land Sachsen übertragen. Am 9. Februar 1937 genehmigte Hermann Göring einen Vorschuss von 305.500 RM zur Erkundung des Grubenfeldes. Am 7. September machte Göring in einem Schreiben an die Landesregierung weitere Fördermittel von dem Zusammenschluss der sechs landeseigenen Erzbergbaubetriebe abhängig.
Am 8. September 1937 fasste das Land Sachsen den Beschluss, die Ehrenfriedersdorf Vereinigt Feld Fundgrube Bergwerksgesellschaft mbH in Ehrenfriedersdorf in Sachsenerz Bergwerksgesellschaft mbH umzubenennen und den Sitz nach Freiberg zu verlegen. Die Gesellschaftsanteile der Ehrenfriedersdorf Vereinigt Feld Fundgrube Bergwerksgesellschaft mbH in Ehrenfriedersdorf wurden der Gemeinde Ehrenfriedersdorf abgekauft.
Am 29. September 1937 wurde die Sachsenerz Bergwerksgesellschaft rückwirkend zum 1. August 1937 gegründet und am 16. Oktober 1937 in Freiberg in das Handelsregister eingetragen. Das Grundkapital betrug 44.300 RM. Die Vermögenswerte, einschließlich aller Grundstücke und Bergbaurechte (insgesamt 5152 Maßeinheiten) der sechs Erzbergbaubetriebe, wurden der Gesellschaft übertragen. Hans Junker wurde zum alleinigen Geschäftsführer bestimmt. Das Land Sachsen hatte bis zum 31. Juli schon 705.576,65 RM in die Betriebe investiert. Der Finanzbedarf der Gesellschaft wurde auf 5.635.000 RM beziffert.
Über die Aufnahme der Gertrud Fundgrube in Tirpersdorf und der Himmelfahrt Fundgrube in Freiberg in die neue Gesellschaft sollte zu einem späteren Zeitpunkt entschieden werden.
Verwaltungsstruktur Gegenstand des Unternehmens war: Der Erwerb und die Ausbeutung von Bergbaurechten, der Bau von Betrieben und Anlagen zur Ausbeutung der Bergbaurechte und zur Verarbeitung der gewonnenen Erzeugnisse, der Erwerb und die Angliederung anderer Bergbauunternehmen und Hüttenbetrieben, sowie Hilfs- und Nebenbetriebe und Beteiligung an solche Unternehmen und der Handel mit Gruben- und Hüttenerzeugnissen sowie mit Erzeugnissen der Nebenbetriebe.
Finanziert wurde das Unternehmen durch Vorschüsse des sächsischen Staates. Weiterhin wurde die Förderung bestimmter Erze im Förderprämienverfahren subventioniert.
Das Land Sachsen war alleiniger Eigentümer der Gesellschaft.
Vorstand:
- Bergdirektor Hans Junker, Freiberg
kaufmännischer Direktor:
- E. Brockhaus, Freiberg
Prokura:
- E. Brockhaus, Freiberg
Der Sitz der Gesellschaft befand sich in der Freiberger Claußallee 6.
Die Mitgliedsbetriebe der Sachsenerz Bergwerksgesellschaft mbH wurden von dieser vorerst als reine Untersuchungsbetriebe geführt und von der Bergwirtschaftsstelle in ihrer Entwicklung und dem weiteren Ausbau überwacht. Unter der Maßgabe der schnellen Aufnahme der Förderung wurde schon im Stadium der Auffahrung und Untersuchung das erste Erz gefördert.
Die Belegschaftsstärke stieg von 201 Beschäftigten im Jahr 1937 auf 782 Beschäftigte im Jahr 1941. Obwohl kriegswichtige Betriebe, zu denen auch die Bergbaubetriebe gehörten, anfänglich von Einberufungen verschont waren, mussten auch sie im Verlaufe der letzten 4 Kriegsjahre Beschäftigte zum Kriegsdienst abstellen. Ersetzt wurden diese durch Ostarbeiter, Kriegsgefangene, und Zwangsarbeiter.
Mitgliedsbetriebe Ehrenfriedersdorf Vereinigt Feld Fundgrube (Zinn, Wolfram) Die Grube gehörte der Ehrenfriedersdorf Vereinigt Feld Fundgrube Bergwerksgesellschaft m.b.H. Vorstandsvorsitzender war der Dresdner Oberverwaltungsgerichtsrat G. H. Krüger. Sein Stellvertreter war der Ehrenfriedersdorfer Bürgermeister Becker. Geschäftsführer war Anton Lieberwirth. Nach der Übernahme der Gesellschaft durch das Land Sachsen im November 1936 wurde Przybylski als Betriebsleiter eingesetzt. 1939 wurden mit 138 Beschäftigten die ersten 19.780 t Erz gefördert.
Zinnbergbau Oelsnitz im Vogtland (Zinn) Das Grubenfeld wurde im September 1933 durch das Land Sachsen gemutet. Am 1. August 1937 wurde die Grube von der Sachsenerz übernommen. Betriebsleiter war Ernst Meyer. Im Februar 1939 wurde der Sachsenerz das staatliche Grubenfeld übertragen. Die Arbeiten wurden nach umfangreichen Untersuchungsarbeiten, in deren Folge 5.192 t Erz gefördert wurden, Mitte 1939 eingestellt. Die höchste Belegschaftszahl betrug im Jahr 1937 46 Personen.
Grube Tannenberg bei Klingenthal (Zinn) Eigentümer war die Sächsisch-Böhmische Zinnbergbau AG von 1922 mit Sitz in Plauen. Dieser wurden im August 1934 die Bergbaurechte entzogen. Im Juli 1936 wurde die Grube vom Land Sachsen gemutet. Betriebsbeginn war im Dezember 1936. Als Betriebsleiter war Ernst Meyer eingesetzt. Zum 1. August 1937 wurde die Grube von der Sachsenerz übernommen und ab 1938 Wilhelm Schievelbusch als Betriebsleiter eingesetzt. 1939 wurden mit 36 Beschäftigten die ersten 3.817 t Erz gefördert.
Kupfergrube Sadisdorf (Zinn, Wolfram) Eigentümer der Kupfergrube war seit Oktober 1935 Frl. M. Müller und Genossen mit Sitz in Aussig. Im Januar übernahm das Land Sachsen die Grube. Ab dem 1. August 1937 wurde die Grube von der Sachsenerz übernommen. 1938 wurde der Betriebsleiter Saller durch Wilhelm Schievelbusch abgelöst. 1937 wurden mit 32 Beschäftigten die ersten 1.915 t Erz gefördert.
Zschorlauer Bergsegen (Wolfram) Im April 1935 mutete das Land Sachsen in Zschorlau das Grubenfeld Zschorlauer Bergsegen. 1937 wurde der Untersuchungsbetrieb aufgenommen. Ab dem 1. August 1937 wurde die Grube von der Sachsenerz übernommen. Als Betriebsleiter wurde Obersteiger Reineck eingesetzt. Im März 1938 wurde das Grubenfeld mit dem Grubenfeld Dodos Glück in Schneeberg vereinigt. 1937 wurden mit 56 Beschäftigten die ersten 500 t Erz gefördert.
St. Christoph Fundgrube in Breitenbrunn (Eisen-Zink-Arsen-Zinnerz) Eigentümer der Grube war die Papierfabrik Kübler & Niethammer in Kriebstein. Die in Fristen liegende Grube wurde im Februar 1937 vom Land Sachsen übernommen. Im März 1937 wurde der Betrieb aufgenommen. Als Betriebsleiter wurde Wilhelm Schievelbusch eingesetzt. Am 1. August wurde die Grube von der Sachsenerz übernommen. Im Februar wurde die St. Christoph Fundgrube mit der benachbarten St. Richard Fundgrube vereinigt. 1937 wurden mit 19 Beschäftigten die ersten 100 t Erz gefördert.
Himmelfahrt Fundgrube Freiberg (Blei, Zink) Das Grubenfeld der Himmelfahrt Fundgrube war seit 1886 Eigentum des Landes Sachsen. Die Bergakademie Freiberg nutzte den im Revier liegenden Schacht der Reichen Zeche als Lehrgrube. Am 17. September erging der Befehl des Ministers für Wirtschaft und Arbeit zur Wiedereröffnung der Himmelfahrt Fundgrube. Am 26. Oktober begannen die Arbeiten. In zwei Verträgen vom 17. September 1938 und 1. Dezember 1938 wurde die Himmelfahrt Fundgrube und anliegende Grubenfelder der Sachsenerz übertragen. Am 1. Dezember 1938 erfolgte die Eintragung der neuen Besitzverhältnisse im Freiberger Amtsgericht.
Am 1. April 1938 erfolgte die Übergabe an die Sachsenerz. Als Betriebsleiter wurde Walther Kissing eingesetzt. Zum Zeitpunkt der Übernahme waren 127 Personen auf der Grube beschäftigt.
Auslandsaktivitäten Die Möglichkeiten der Sachsenerz, in ausländische Bergbauunternehmen einzusteigen oder selber Tochterfirmen im Ausland zu etablieren, war sehr gering. Die im Abbau befindlichen Vorkommen waren aufgeteilt. Es blieben nur bisher nicht verliehene unrentable Vorkommen, die auf Grund ihrer Größe bisher nicht beachtet worden waren. Weiterhin waren es Vorkommen, die teilweise seit mehreren hundert Jahren nicht mehr betrachtet wurden. Auf dem Gebiet des Bergbaus auf Zinn, Wolfram und Molybdän musste sie das Feld der landeseigenen Gewerkschaft Zinnwalder Bergbau überlassen.
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