Iranisch-russische Beziehungen, das heißt Beziehungen Persiens bzw. Irans zu Russland bzw. zur Sowjetunion, waren in der Vergangenheit teils feindselig, teils kompliziert. Die historischen Belastungen umfassen den Verlust von großen Territorien Persiens zum Ende des 19. Jahrhunderts an Russland, russische Interventionen in die iranische Innenpolitik, die militärische Okkupation durch das Russische Reich bzw. die Sowjetunion während des Ersten bzw. Zweiten Weltkrieges sowie die sowjetische Unterstützung von Sezessionsbewegungen und für den Irak im Irak-Iran-Krieg (1980–1988). Seit dem Ende des Kalten Krieges und der darauffolgenden Selbstauflösung Sowjetunion arbeiten die beiden Staaten verstärkt zusammen, zuweilen werden sie sogar in einer strategischen Allianz gesehen. Von außen betrachtet ist die Entwicklung der Beziehungen zwischen Iran und Russland Besorgnis erregend, weil sie sich vor allem in den sensiblen Themen wie Rüstung und Atomtechnik abspielt. Die beiden beteiligten Staaten haben in ihren Beziehungen jedoch häufiger Rückschläge erlitten und beschuldigen sich gegenseitig mangelnder Kooperationsbereitschaft. Die Zusammenarbeit zwischen diesen beiden Staaten wird aus diesem Grund auch in der Zukunft schwierig sein, eine Allianz mit Russland ist auch in Iran selbst nicht unumstritten. Trotzdem ist Russland das einzige Land, das auf die iranische Politik einen dauerhaften und wirksamen Einfluss hat.
Erste Kontakte Bis ins 16. Jahrhundert hinein gab es nur spärliche Kontakte von Reisenden zwischen Persien und dem Großfürstentum Moskau, das damals unter der Herrschaft der Tataren stand. Auch der Austausch von Waren war vernachlässigbar. Mit der Eroberung der Khanate Astrachan und Kasan wurde für Russland jedoch der Weg zum Kaspischen Meer frei. Damit kam es zu einem bescheidenen Fluss von Pelzen, Tuch, Metallen, Leder, Bernstein und Kristall aus Russland in Richtung Iran und von Seide, Perlen, Teppichen, besticktem Tuch, Obst, Reis und Gewürzen in Richtung Russland. Es gab bis zu diesem Zeitpunkt keine politischen Beziehungen.
Zu einem ersten Interessenskonflikt zwischen den beiden Mächten kam es im 17. Jahrhundert in Dagestan, danach zog sich Russland jedoch wieder zurück. In die gleiche Zeit fällt auch die Piraterie von Stenka Rasin auf dem kaspischen Meer, der mit seinen Leuten an der persischen Küste einfiel, die Bewohner massakrierte, vergewaltigte, plünderte und brandschatzte.
Expansion unter Peter dem Großen Zar Peter der Große hatte großes Interesse an Persien und Zentralasien, vor allem aber an Indien. Nach dem Frieden vom Pruth lenkte er seine Aufmerksamkeit auf den Kaukasus und Persien. Etwa zur gleichen Zeit boten die Armenier und Georgier Peter dem Großen ihre Unterstützung an, wenn er sie von der Unterdrückung durch die Muslime befreit. Peter entsandte den jungen Beamten Artemi Wolynski nach Isfahan, wobei er auf dem Weg Erkundungen über Städte, Siedlungen, Häfen und Flüsse einholen sollte, vor allem aber über einen Weg nach Indien. In Isfahan sollte er die Perser überzeugen, dass Russland ihr Freund und das Osmanische Reich ihr Feind sei, und ein Handelsabkommen mit einem russischen Monopol für persische Seide vorschlagen. In Isfahan bekam Wolynski eine Audienz bei Sultan Hosein und einigen hochrangigen Beamten, mit denen er ein Einverständnis erzielte, dass Russen fortan in Iran frei Handel betreiben dürften. Wolynski berichtete nach Moskau, dass Persien schlecht regiert sei, dass im Palast des Schahs nur Dummköpfe regieren, dass Persien am Rande des Zusammenbruchs stünde und leicht zu erobern sei. In der Tat war die Dynastie der Safawiden unter Sultan Hosein im Niedergang begriffen, die Zentralgewalt hatte die Kontrolle über die Randgebiete des Reiches bereits verloren und man betrieb keinerlei Außenpolitik. Russland war jedoch militärisch in Europa engagiert und konnte sich erst nach dem Frieden von Nystad wieder Persien zuwenden.
Den Vorwand zum Angriff auf Persien lieferte die Plünderung von Şamaxı durch sunnitische Lesgier im Jahre 1721. Neben zahlreichen schiitischen Einwohnern von Şamaxı wurden auch einige russische Händler getötet und der damals angeblich reichste russische Händler erlitt große Verluste. Wolynski schlug vor, persisches Territorium zu besetzen und nötigenfalls gegen eine Entschädigung wieder freizugeben. Nach dem Einverständnis des Zaren sammelten sich russische Truppen in Astrachan. Der georgische König Wachtang VI. sandte einen Abgesandten zu Peter dem Großen, um ihm ein gemeinsames Vorgehen gegen Persien vorzuschlagen. Inzwischen sollte der russische Konsul in Persien dem Schah anbieten, dass Russland ihm helfen würde, seine Feinde zu unterwerfen, wenn er im Gegenzug einige kaspische Provinzen an Russland abtritt; diese Nachricht wurde Sultan Hosein jedoch nicht überbracht.
Im folgenden Russisch-Persischen Krieg (1722–1723) nahm die Kaiserlich Russische Armee, die mit ihrer neuen Kaspischen Flottille an die Küste des heutigen Aserbaidschan gekommen waren, die Stadt Derbent ein. Zahlreiche Probleme vereitelten jedoch die Pläne, sich im Landesinneren mit der Streitkraft von Wachtang VI. zu treffen, anstelle dessen zogen sich die Russen nach Astrachan zurück. Im Herbst 1722 besetzten russische Truppen die Stadt Rascht, wo sie ihrerseits belagert wurden. Der russische Ausbruch im März 1723 kostete mehr als 1000 persischen Soldaten das Leben und zwang Schah Tahmasp II. zu Verhandlungen. Der resultierende Vertrag von Sankt Petersburg sah vor, dass Russland gegen Unterstützung im Kampf gegen Rebellen in Persien einige Provinzen im heutigen Aserbaidschan und Nordiran bekommt und dass Russland den Schah im Kampf gegen Rebellen unterstützt.
Tahmasp II. weigerte sich, den Vertrag zu ratifizieren, aber auch Russland war schnell nicht mehr daran gelegen, weil inzwischen Truppen des Osmanischen Reiches in Westpersien eingedrungen waren. Dies und die hohen Kosten von Peters persischem Abenteuer veranlassten Peters Nachfolger zum Entschluss, mit Persien Frieden zu schließen, selbst wenn es dafür notwendig sein würde, die eroberten Gebiete aufzugeben.
Im Jahre 1724 unterschrieben Russland und das osmanische Reich unter Vermittlung des französischen Botschafters Jean-Louis d’Usson den Vertrag von Konstantinopel, indem sie Nordwest-Persien aufteilen: die kaspischen Provinzen wurden zum Einflussgebiet von Russland, während der Südkaukasus und das heutige iranische Aserbaidschan dem osmanischen Reich zugespielt wurden. Nach dem Zusammenbruch der afghanischen Herrschaft über Persien wurden die Gebietsgewinne mit dem Vertrag von Vertrag von Rascht teilweise rückgängig gemacht. Nach der Machtübernahme durch Nader Schah gelang den gelangen Persien mehrere militärische Erfolge gegen die Türken. Prinz Golizyn wurde zu Nader Schah entsandt, um ihm russische Hilfe gegen das osmanische Reich anzubieten, Nader verlangte Baku und Derbent jedoch bedingungslos zurück. Golizyn unterstützte Nader in der Folge bei der Belagerung der Stadt Gandscha. Weitere Erfolge Naders gegen die Türken bei Kars und der Wunsch Russlands, selbst gegen die Türken in den Krieg zu ziehen, führten zum Vertrag von Gandscha 1735, in dem Russland alle Erwerbungen von Peter dem Großen an Persien zurückgab. Danach hatten die Staaten für ein halbes Jahrhundert keine Bedeutung füreinander und man wusste auch nichts voneinander. Der Unterschied zwischen den technischen und wirtschaftlichen Fähigkeiten wuchs in dieser Zeit stark zu Gunsten von Russland.
Expansion unter Katharina der Großen Unter Katharina der Großen gab es Pläne, einen armenischen und einen georgischen Staat zu schaffen, die als Bollwerke gegen das sich ausbreitende Osmanische Reich dienen sollten. Pläne einer militärischen Intervention 1784 von Potjomkin wurden jedoch nicht umgesetzt. Verhandlungen mit Ali Murad Khan Zand, der Bereitschaft zeigte, für russische Unterstützung nördliche persische Gebiete zu überlassen, endeten 1785 ergebnislos aufgrund des Ablebens von Letzterem. Die Führungslosigkeit Irans erlaubte es Russland, die Einflussnahme im Kaukasus wieder zu verstärken.
Pläne, eine Festung in Astarabad zu errichten, die Platz für 1000 Verteidiger bot, scheiterten am Widerstand von Aga Mohammed Khan. Mohammed Khan hatte russische Pläne für Handel mit Indien ursprünglich gebilligt, sah die von Graf Wojnowitsch geführte Expedition aber gegen sich gerichtet. Russland bot 1781 Aga Mohammed Khans Rivalen Hedayat-Allah Khan Schutz an, wenn er Russland den Hafen Anzali abtreten und seinen Sohn als Geisel überlassen würde, was dieser ablehnte. Die Russen ermunterten daraufhin Aga Mohammed, Gilan anzugreifen. Hedayat-Allah flüchtete auf ein russisches Schiff und wurde von den Russen seinem Todfeind, dem Khan von Schaft, ausgeliefert. Aga Mohammed verlangte von den Russen nun die Herausgabe des Schatzes von Hedayat-Allah oder 2 Millionen Rubel, was die Russen verweigerten. Russland unterstützte nun wieder einen Rivalen namens Morteza Qoli Khan, der im Gegenzug die Abtretung einiger Provinzen versprach und später nach Russland flüchtete.
Katharina die Große betrachtete, anders als Peter der Große, Georgien als zentrales Element ihrer Kaukasuspolitik. Georgien hatte unter König Erekle II. neuerlich um russische Unterstützung gegen die Muslime gebeten. 1783 wurde ein russisches Protektorat über Georgien errichtet, 1784 marschierten russische Truppen in Georgien ein. Sie wurden 1787 aufgrund des Russisch-Österreichischen Türkenkrieges jedoch schon wieder abgezogen, was Persien die Möglichkeit zur Rückeroberung eröffnete. Aga Mohammed Khan plünderte seine abtrünnige Provinz 1795 und ließ dabei schreckliche Massaker verüben. Ein russischer Plan zur Invasion Persiens, die Walerian Alexandrowitsch Subow führen sollte, wurde 1796 verworfen.
Russische Expansion im Kaukasus Eine Herrschergeneration später war es Giorgi XII., der Fath Ali Schah die Gefolgschaft verweigerte und Kaiser Paul um Protektion bat. Im November 1799 trafen erneut russische Truppen in Tiflis ein. Dieses Mal informierten die Russen den persischen Außenminister Ibrahim Khan Kalantar, dass sie Georgien zu verteidigen planten. Dies stellte für Persien einen Akt der Aggression dar, weil damit mit Georgien eine der besten Provinzen aus Persien herausgelöst werden sollte.
In dieser Lage suchte Persien sich erstmals in seiner Geschichte europäische Verbündete gegen Russland und ging eine Allianz mit den Briten ein. Nach dem Tod von Zar Paul I. wurde die russische Persien-Politik noch aggressiver. Die Grenze zwischen den zwei Mächten sahen Zar Alexander I. und seine Befehlshaber Platon und Walerian Subow sowie Zizianow entlang der Kura und dem Aras, was bedeutete, dass sie noch weitere persische Gebiete für Russland beanspruchten. Zizianow, der die Perser und Muslime im Allgemeinen verachtete, unterwarf die Khanate Baku, Schäki, Schirwan und Karabach mit Drohungen. In Gandscha massakrierten die Russen zwischen und Einwohner, verwandelten die größte Moschee in eine Kirche und gaben der Stadt den neuen Namen Elisawetpol. Zizianow plante auch, Choy, Täbris und Gilan zu annektieren und unterminierte alle Bestrebungen eines Friedensschlusses.
Im Frühling 1804 bedrohte Zizianow die Stadt Jerewan. Am 1. Juli fand hier die erste Konfrontation des Russisch-Persischen Krieges (1804–1813) statt, wobei der Ausgang unklar war. Der Krieg war entgegen der russischen Erwartungen lang und teuer. Zizianow trieb ihn entgegen der Wünsche des Zaren, der gegen Napoleon ins Feld zog, voran. Die Allianz mit den Briten war für Persien unnütz, da diese nun mit Russland gegen Napoleon verbündet waren. Im Mai 1807 ging Persien deshalb eine Allianz mit den Franzosen ein, die direkt gegen Russland gerichtet war. Noch bevor die französische Mission unter Claude-Matthieu, Comte de Gardane in Persien eintraf, waren Frankreich und Russland wieder Verbündete. Die Allianz wurde nach erfolgreichen erfolglosen Vermittlungsversuchen wieder gelöst.