mini|Außenansicht der Pfarrkirche St. Bonifaz von Westen mini|Innenraum gegen Osten Die römisch-katholische Pfarrkirche St. Bonifaz ist nach der Herz-Jesu-Kirche die zweitälteste nachreformatorische katholische Kirche in Erlangen. Die zum Erzbistum Bamberg gehörende Kirche wurde in den Jahren 1927/28 nach den Plänen von Fritz Fuchsenberger im expressionistischen Stil erbaut und stellt heute ein bedeutendes Baudenkmal der 1920er Jahre dar.

Lage Zu seiner Erbauungszeit befand sich St. Bonifaz noch in geraumer Entfernung zum Stadtzentrum Erlangens am südlichen Stadtrand. Diese Randbezirke bestanden damals zum überwiegenden Teil aus weitläufigen Wiesen und Äckern, die nach Süden hin in den Sebalder Reichswald übergingen. Heute steht das Gotteshaus dagegen sehr zentral in fußläufiger Entfernung zum Rathaus, Kongresszentrum und Neuen Markt, die in den 1970er Jahren erbaut wurden. Außerdem grenzt St. Bonifaz an das nach dem Zweiten Weltkrieg entstandene Gelände der Firma Siemens. Besonders der in der Nachbarschaft gelegene, 1948 bis 1953 errichtete „Himbeerpalast“ erinnert stilgenetisch an die Bonifatiuskirche.Robert Leyh: Kath. Pfarrkirche St. Bonifaz in Erlangen. Kirchenführer, Erlangen 1998.

mini|Bronzeskulptur Der gute Hirt auf dem Kirchenvorplatz St. Bonifaz liegt am südlichen Ende des Langemarckplatzes (dem früheren Puchtaplatz), gegenüber dem Studentenhaus des Studierendenwerks Erlangen-Nürnberg und der Justizvollzugsanstalt Erlangen. Das Langhaus erstreckt sich beinahe exakt in östlicher Richtung entlang der Hofmannstraße. Mit dem Bau der Sieboldstraße in den 1930er Jahren erhielten das Gotteshaus und das direkt angeschlossene, 1949 erbaute Pfarrhaus die Adresse „Sieboldstraße 1“. Durch den Verlauf der Sieboldstraße ergibt sich vor der dominanten Westfassade ein ausgedehnter Kirchenplatz, auf dem heute eine moderne Bronzeskulptur mit dem Titel Der gute Hirt aus städtischem Besitz steht. Sie wurde von dem gebürtigen Erlanger Bildhauer und späteren Münchner Akademieprofessor Heinrich Kirchner geschaffen, dessen Familie zu den aktivsten Förderern des Kirchenneubaus St. Bonifaz gehörte.

In dem Gebäudekomplex südlich der Bonifatiuskirche, der in den 1980er errichtet wurde, sind neben dem Pfarr- und Jugendheim St. Bonifaz, das „Pacellihaus“ der Katholischen Hochschulgemeinde (KHG) Erlangens und das „Haus kirchlicher Dienste“ untergebracht.

Geschichte

Vorgeschichte und Gründung eines Kirchenbauvereins Nachdem Erlangen im 16. Jahrhundert mit dem Fürstentum Bayreuth evangelisch wurde, gab es bereits seit 1790 wieder ein katholisches Bethaus nordöstlich der damaligen Stadt, aus dem Mitte des 19. Jahrhunderts die Herz-Jesu-Kirche entstand. Mit der zunehmenden Industrialisierung gegen Ende des 19. Jahrhunderts wuchs die Einwohnerzahl Erlangens durch starken Zuzug aus dem überwiegend katholischen Umland an. Obwohl 1895 die Herz-Jesu-Kirche um das heutige Mittelschiff erweitert wurde, konnte sie die explosionsartig angestiegene Zahl der Katholiken nicht mehr aufnehmen. Deshalb versuchte man zunächst, die frühere deutsch-reformierte Kirche am Bohlenplatz zu erwerben, was allerdings am Widerstand evangelischer Kreise scheiterte. Aus diesem Grunde wurde ein Kirchenneubau in Erlangen unumgänglich.

Dazu wurde am 16. November 1921 ein Kirchenbauverein mit dem Ziel gegründet, ein Gotteshaus unter dem Patronat des Apostels der deutschen Diaspora, des heiligen Bonifatius, zu errichten. Am 18. Juni 1923 erwarben Pfarrgemeinde und Kirchenbauverein am damaligen südlichen Stadtrand von Erlangen, im Gebiet des Brucker Angers, von der Ansbacher Regierung ein geeignetes Baugrundstück.

Architektenwettbewerb Am 25. August 1924 wurde ein Architektenwettbewerb ausgeschrieben, wobei noch nicht einmal die Frage, ob St. Bonifaz eine Filialkirche oder doch eine (in der Regel größere) Pfarrkirche werden sollte, geklärt schien. Stattdessen waren die Vorgaben: ein nach Osten ausgerichtetes, dreischiffiges Langhaus mit Platz 2000 bis 2200 Kirchenbesucher, eine Orgelempore mit Platz für ein 30 Mann starkes Orchester, ein erhöhter Chor mit Hochaltar und zwei Seitenaltäre. Insgesamt wurden 23 Entwürfe vorgestellt, wobei die meisten Bewerber bereits in den ersten drei Wahlgängen ausschied.

Durchsetzen konnte sich letztendlich (wenn auch in stark abgewandelter Form) ein Entwurf des Münchner Professors Fritz Fuchsenberger, der mit dem Kennwort Centrisch eingereicht worden war und zunächst nur den zweiten Platz erlangte. Dazu ist der folgende Kommentar überliefert: „Gelobt wurde die klare Gruppierung der Baumassen, das Abrücken der caritativen Anstalten von der Straße. Ungünstig beurteilt wurde das vollkommen dunkle Tonnengewölbe und das tiefliegende Seitenlicht.“ Der ursprüngliche Entwurf sah eine plastisch gestaltete Eingangsfront mit zahlreichen rundbogigen Figurennischen, Arkaden und einem Sprenggiebel über dem Portal sowie Krumperfenster, also hohe, oben und unten bogig abschließende Fenster, an den Langhausseiten vor. vor, die stark an die italienische Architektur der Renaissance und des Barock erinnert. Da barocke Architektur in Erlangen ohnehin stark vertreten ist, können diesem Entwurf sowohl Anklänge an das Neobarock wie auch an den Heimatschutzstil zugeschrieben werden.

Verzögerungen und erneute Planung

In den folgenden Jahren verzögerte sich der Kirchenbau durch die schwierige finanzielle Situation infolge der vorangegangene Inflationsjahre. Der Erlanger Stadtpfarrer Josef Weinig setzte sich dennoch unermüdlich für die neu zu gründende katholische Gemeinde ein. So gelang es ihm im Jahr 1925, das 1923 erworbene Grundstück am Brucker Anger gegen ein zentrumsnäheres städtisches Grundstück am Südrand des Puchtaplatzes (dem heutigen Langemarckplatz) zu tauschen. Der Tauschvertrag jedoch enthielt die Auflage, bis spätestens Ende 1927 mit dem Bau zu beginnen. Der Initiative Weinigs ist es auch zu verdanken, dass die katholische Kirchenverwaltung Erlangens am 29. März 1927 mit der Bayerischen Vereinsbank in München „den Vertrag einer Hypothekenaufnahme von 160.000 Mark zwecks Baues einer Bonifatiuskirche“ abschließen konnte. Nur zwei Tage später erteilte das Erzbischöfliche Ordinariat in Bamberg die Baugenehmigung.

Den Auftrag als Architekt erhielt im April 1927 wiederum Fritz Fuchsenberger, der kurz zuvor den Neubau der Kirche St. Karl Borromäus in Nürnberg-Mögeldorf fertiggestellt hatte. Unter den nunmehr zu außerordentlicher Sparsamkeit zwingenden Umständen entstand ein Entwurf im expressionistischen Stil mit Anklängen frühchristliche und romanische Architektur. Dieser war – erkennbar an der klaren Symmetrie, der proportionsgerechten Baugliederung und dem nüchternen, straff organisierten Programm – wesentlich stärker als der erste vom konstruktiven Funktionalismus der 1920er Jahre geprägt. In diesem Sinne ist auch die extreme Reduzierung in Ornament und dekorativem Detail, verbunden mit der Bildung großer, glatter Wandflächen, zu verstehen. In dieses Konzept sind, gleichsam zur Auflockerung, frühchristliche und hochmittelalterliche Stilpraktiken gekonnt integriert.

Zum Baustil Fuchsenbergers kommentierte die Erlanger Zeitung am 8. Juli 1928:

Bauphase

Der erste Spatenstich zum Bau erfolgte bereits am 2. Mai 1927; die feierliche Grundsteinlegung durch den Herzogenauracher Dekan Joseph Müller wurde am 26. Juni desselben Jahres vorgenommen. Der Rohbau und der Dachstuhl nahmen rasch Gestalt an, sodass am 24. Oktober 1927, also noch vor Einbruch des Winters, das Richtfest gefeiert wurde und man in der Folge an den Innenausbau gehen konnte. Am 10. Juni 1928 weihte Erzbischof Johann Jakob von Hauck das Gotteshaus zu Ehren des heiligen Bonifatius.

Erhebung zur Pfarrei und jüngere Geschichte

Im Jahr 1940 wurde St. Bonifaz zur selbstständigen Pfarrei erhoben und damit von der Herz-Jesu-Gemeinde abgespalten. Erster Pfarrer wurde Ambros Neundörfer, bereits seit 1934 Seelsorger in St. Bonifaz und später auch Dekan. Er war bis 1973, also fast 40 Jahre, in der Gemeinde tätig. Unter seiner Initiative entstanden in den 1960er und 1970er Jahren die Pfarreien St. Sebald im Stadtsüden am Rande des Sebalder Reichswaldes, Heilig Kreuz im Stadtteil Bruck und St. Theresia im Stadtteil Sieglitzhof – jeweils in einem der sich nach dem Zweiten Weltkrieg rasch entwickelnden Wohngebiete.

In unmittelbarer Nachbarschaft von St. Bonifaz entstand in den 1950er Jahren das „Pacellihaus“, das zum Zentrum der Katholischen Hochschulgemeinde wurde. Dabei spielt St. Bonifaz durch die sonntäglichen Universitätsgottesdienste eine unmittelbare Rolle. In den 1980er Jahren wurde das „Pacellihaus“ abgerissen und neu erbaut. In den Jahren 1986/87 wurden pfarrlichen Gebäude durch den Neubau des „Hauses kirchlicher Dienste“ und des Pfarr- und Jugendheims ergänzt. Seit 2006 gehört die Pfarrei zusammen mit Herz Jesu und St. Sebald zum Pfarreienverbund Erlanger Mitte, seit 2019 zum Katholischen Seelsorgebereich Erlangen.

Architektur

Im Jahr 1928 beschrieb die Fachzeitschrift Bauwelt die Bonifatiuskirche wie folgt:

Außenbau

Die nach Osten ausgerichtete Kirche besitzt einen rechteckigen Grundriss, über dem sich ein dreischiffiges, basilikales Langhaus zu acht Fensterachsen erhebt. Das hohe Mittelschiff ist mit einem flachen Satteldach versehen. Die beiden deutlich schmäleren Seitenschiffe besitzen Pultdächer und reichen in der Höhe nur etwa bis zu einem Viertel des Mittelschiffs. Darüber befinden sich schmale Fensterschlitze, die bis in große Höhe reichen. Als Abschluss unmittelbar unter dem Dach dient ein mehrteiliges Gesimsband, das durch gestufte Konsolen wirkungsvoll betont wird. An der Ostseite des rechteckigen Langhauses ist eine halbrunde Apsis angebaut, die schmäler als das Mittelschiff ausgeführt ist und ihr Licht nur durch schmale Fensterschlitze in großer Höhe bezieht. Auffällig ist der Grundrissverlauf der Apsis, der nach außen hin ein regelmäßiges Zickzack-Muster aufweist.

Der westwerkartige Vorbau enthält eine Vorhalle, südlich davon die Herz-Jesu-Kapelle und auf der Nordseite die weit aus der Flucht der seitlichen Mauern hervorspringende Taufkapelle. Letztere besitzt ebenfalls einen im Zickzack-Muster verlaufenden Grundriss und ein von einer Laterne mit Kreuz bekröntes Oberlicht.

Der Vorbau bildet nach Westen hin zugleich die Hauptfassade, die den aus der Mittelachse nach Norden verschobenen Turm enthält. Dieser nimmt sich kaum höher als die übrige Fassade aus und ist als solcher nur durch seine Bekrönung in Form eines gestuften Profils erkennbar. Ursprünglich hätte er wohl höher ausgeführt werden sollen – eine Maßnahme, die aus Kostengründen jedoch nicht verwirklicht wurde. Außerdem wird die Westfassade durch klammernde Kaffgesimse gegliedert, die sich an den Schmalseiten des Westwerks entwickeln und den Eindruck einer Viergeschossigkeit erzeugen. An zentraler Stelle der Schaufassade befindet sich, der mittelalterlichen Bautradition folgend, ein großes Rundfenster, auf dem der Kirchenpatron Bonifatius dargestellt ist. Darunter ist das narthexartige Hauptportal angeordnet, das von einem Zickzack-Fries bekrönt ist. Hier wird der architektonische Duktus, der sich in den Grundrissformen von Apsis und Taufkapelle zeigt, wieder aufgenommen.

Als Baustoff wurde aus Kostengründen auf fränkischen Kalksandstein aus dem nahen Behringersdorf zurückgegriffen.

mini|Nördliche Arkadenreihe des Mittelschiffs

Innenraum