Javelin Medium Antiarmor Weapon System 300x300px Allgemeine Informationen Militärische Bezeichnung Javelin Medium AntiarmorWeapon System Entwicklungsland Vereinigte Staaten von Amerika Entwickler/Hersteller Javelin Joint Venture Entwicklung/Vorstellung 1989 Produktionszeit Seit 1996 in Produktion Waffenkategorie Panzerabwehrwaffe Gesamtgewicht 22,4 kg FGM-148A Javelin Länge 1,08 m Durchmesser 12,7 cm Flügelspannweite 38,0 cm Gewicht 11,8 kg Einsatzreichweite 2000 m Höchstreichweite 4000 m Stufen 2 Treibstoff Feststoff Sprengkopf 8,4-kg-Tandem-Hohlladung Durchschlagsleistung 600+ mm Suchkopf bildgebend, Infrarot Wellenlängenbereich 8–10 Mikrometer

Das Javelin Medium Antiarmor Weapon System ( für „Wurfspeer“ und „Mittleres Panzerabwehr-Waffensystem“, kurz Javelin) ist die erste tragbare Fire-and-Forget-Panzerabwehrlenkwaffe, die in den Vereinigten Staaten entwickelt und bei den US-Streitkräften eingeführt wurde.FGM-148 Javelin. In: warfare.ru. Abgerufen am 11. August 2008 (englisch). Die Waffe kann von einem Soldaten bedient werden und gepanzerte Ziele bis maximal 2000 m Entfernung bekämpfen.Javelin Medium Antiarmor Weapon System – FM 3-22.37. Headquarters Department of the Army, Washington D.C., 23. Januar 2003, Kapitel 1-1. Nachdem der Soldat das Ziel erfasst hat, steuert der infrarotgelenkte Flugkörper selbstständig ins Ziel.

Das System wurde 1996 bei der United States Army und dem United States Marine Corps als Ersatz für die FGM-77 Dragon eingeführt und wird mittlerweile in etwa ein Dutzend Staaten exportiert.

Das Waffensystem besteht aus einem Gerät für die Beobachtung und Zielerfassung sowie der Startröhre, die den Flugkörper enthält. Dazu gehören außerdem Batterie- und Kühlsätze. Für die Ausbildung stehen zwei Schulungssysteme zur Verfügung.

Der Systemindex der US-Streitkräfte für den verwendeten Lenkflugkörper lautet FGM-148.

Entwicklung Vorprojekte Bereits im Januar 1978 wurde ein Programm mit der Kurzbezeichnung IMAAWS (Infantry Manportable Anti Armour Assault Weapon System) ins Leben gerufen, das zur Ablösung der Dragon-Panzerabwehrrakete führen sollte.Javelin Antitank Missile. FAS Military Analysis Network, 6. August 1999, abgerufen am 16. August 2008 (englisch). Die an diese Entwicklung gestellten Erwartungen erfüllten sich jedoch nicht und das Projekt wurde eingestellt. Anfang der 1980er-Jahre wurde das Assault-Breaker-Programm verfolgt, das auch eine Panzerabwehrlenkwaffe beinhaltete, aber ebenfalls eingestellt wurde.

Hauptprojekt Am 12. Dezember 1983 wurde das im Redstone Arsenal beheimatete Viper Project Office mit der neuen Aufgabe betraut und in Advanced Manportable Weapon System (AMWS) Project Office (Provisional) (provisorisches Projektbüro für ein fortschrittliches tragbares Waffensystem) umbenannt. U.S. Army, Redstone Arsenal, Huntsville, Alabama, abgerufen am 15. August 2008 (englisch). Das Büro war damals für die FGR-17 Viper, die AT4 und die M72E4 zuständig. Erst am 13. April 1984 bewilligte der Deputy Chief of Staff für Forschung, Entwicklung und Beschaffung die Strategie für das Advanced Antitank Weapon System-Medium-Program (AAWS-M) (Fortschrittliches mittleres Panzerabwehrwaffen-Programm). Vor der Benennung als AAWS-M hatte man das Projekt provisorisch als Rattler (amerikanischer Slang für Klapperschlange) bezeichnet.

Am 3. September 1985 unterzeichneten der Under Secretary of the Army und der Vice Chief of Staff, Army (VCSA) das Memorandum, das AAWS-M und AAWS-Heavy (AAWS-H) in eine Demonstrations- und Validationsphase bringen sollte. Damit wurde auch die Verantwortung für das AAWS-H-Programm übernommen, das später als MGM-166 LOSAT (Line-of-Sight Anti-Tank) fortgeführt, dann aber abgebrochen wurde.

Am 2. Mai 1986 wurden die Ausschreibungen für die Projektstudie freigegeben und am 15. Mai 1986 gestattete das Defense Systems Acquisition Review Council (DSARC) I die Weiterführung der Demonstrations- und Validationsphase. Daraufhin wurden am 28. August 1986 mit Texas Instruments, Hughes Aircraft und Ford Aerospace and Communications Corporation Verträge über eine Technologiedemonstration abgeschlossen.

Das AMWS wurde durch das MICOM (Missile Command, jetzt: United States Army Aviation and Missile Command (AMCOM)) zum AAWS Project Office am 1. Oktober 1987 umbenannt. Die Wettbewerbsverträge für die Entwicklung eines alternativen Sprengkopfs für den AAWS-M an DynaEast aus Philadelphia und Aerojet aus Tustin wurden am 30. Juli 1987 vergeben. Im Februar 1988 startete das Programm für den alternativen AAWS-M-Sprengkopf parallel zur Technologiedemonstrationsphase der AAWS-M-Projektstudie.

Am 6. September 1988 wurden Ausschreibungen für die vollständige Entwicklung (AAWS-M full-scale development (FSD)) und eine Vorserienproduktion herausgegeben. Im Dezember 1988 wurde die AAWS-M-Projektstudie beendet und im März 1989 war das Programm für den alternativen Sprengkopf vollständig. Das Ziel war, die technischen Risiken mit der Entwicklung der Sprengkopf-Subsysteme zu reduzieren. Der AAWS-M FSD-Vertrag wurde dann am 21. Juni 1989 an das Joint Venture aus Texas Instruments und Martin Marietta vergeben.

Im August 1989 wurde eine Vereinbarung zwischen MICOM und der Defense Advanced Research Projects Agency (DARPA) über den Transfer von Infrarotoptik-Technologie (Infrared Focal Plane Array, IRFPA) der DARPA an die von MICOM geführten Raketenentwickler geschlossen. Diese Wandler wurden gemäß den AAWS-M-Suchkopf-Spezifikationen konfiguriert und vom Hauptauftragnehmer und dem Advanced Sensors Directorate des MICOM getestet.

Am 25. Oktober 1989 wurde der Auftrag für einen alternativen Sprengkopf innerhalb der AAWS-M-Vorgaben an die Conventional Munitions Systems, eine Tochterfirma der Messerschmitt-Bölkow-Blohm, vergeben. Schwerpunkte dabei waren die Gewichtsreduzierung und die Effektivität gegen Panzerungen. Die Tests des Sprengkopfes begannen im Januar 1990. Am Ende entschied sich das Javelin-Projekt für eine Kombination aus beiden Entwürfen. Den Entwurf von Conventional Munitions Systems nahm man für die erste Ladung der Tandemhohlladung, für die Hauptladung hingegen wurde der Entwurf von Physics International verwendet.

Im September 1990 lieferte das Hughes Santa Barbara Research Center dem AAWS-M FSD-Programm einen Infrarot-Bildsensor, der die Spezifikationen erfüllte.

Vom November 1990 bis März 1991 wurden grundlegende Tests (Baseline Test, BST) erfolgreich durchgeführt.

mini|Javelin-Logo

1991 fand die endgültige Umbenennung des Projekts in JAVELIN statt. Am 27. September 1991 wurde das Programm für Engineering Manufacturing Development (EMD) genehmigt.

Vom 1. Dezember 1992 bis zum 30. April 1993 wurden in Fort Benning die ersten Ausbildungspläne ausgearbeitet. Am 24. März 1993 wurde von einem Werksschützen eine Telemetrie-Rakete abgefeuert. Vom 14. April 1993 bis zum 14. Mai 1993 wurde auf dem Aberdeen Proving Ground ein Tragbarkeitstest durchgeführt. Dieser schloss Hindernisbahn, Märsche, die Verladung in Fahrzeugen und die Wirkungen auf die Kleidung mit ein.

Im Februar 1994 wurde die EMD-Phase abgeschlossen und am 23. Juni 1994 wurde die Vorserienproduktion-I und am 9. März 1995 die Vorserienproduktion-II an das Joint Venture aus Texas Instruments und Martin Marietta vergeben. mini|Javelin wird von einer CROWS eines Stryker abgefeuert Am 29. September 1995 wurde in dem Lockheed-Martin-Werk in Troy eine Einführungszeremonie für die Javelin abgehalten. Dabei wurden die ersten beiden Raketen offiziell an das Militär übergeben. Live Fire Test & Evaluation (LFT&E) wurden von November 1995 bis Oktober 1996 durchgeführt. Dabei wurde unter anderem eine Vielzahl von Flugkörpern dazu eingesetzt, die Durchschlagfähigkeit sowie die hinter der Panzerung erzielte Wirkung zu ermitteln.

Von April bis Juni 1996 wurde das Testprogramm Vorserienproduktion-II durchgeführt, das aus kleineren taktischen Feldübungen und dem Start von sechs mit Gefechtsköpfen versehenen Lenkflugkörpern bestand. Drei Fehlstarts am Anfang des Programms erforderten jedoch eine Überarbeitung, bevor die Tests fortgesetzt werden konnten. Weiterhin sollte herausgefunden werden, ob das Schulungssystem in der Lage ist, das echte System nachzubilden.

Am 27. Juni 1996 war die erste Einheit, das dritte Bataillon des 75th Ranger Regiments in Fort Benning vollständig mit Javelin ausgerüstet. Am 29. Februar 1996 wurde der Vorserienproduktion-III-Vertrag mit dem Joint Venture geschlossen. Die Entscheidung für die Serienproduktion wurde am 13. Mai 1997 getroffen.

Weiterentwicklung Die FGM-148 gibt es mittlerweile in den Versionen A bis F. Offizielle Unterlagen des US-Verteidigungsministeriums weisen lediglich aus, dass bei der Version C Änderungen im vorderen Bereich des Flugkörpers, also wahrscheinlich bei Sucher und/oder Steuerelektronik, durchgeführt wurden. In: dtic.mil. Department of Defense, Office of the Undersecretary of Defense (AT&L), 12. Mai 2004, Seite 104, abgerufen am 15. August 2006 (PDF; 402 kB, englisch). Die Version D ist eine für den Export ausgelegte Modifikation.Derek Bridges: In: psu.edu. Abgerufen am 15. August 2008 (englisch).FGM-148 Javelin. In: designation-systems.net. Abgerufen am 15. August 2008 (englisch). Mit der ab September 2006 produzierten Block-I-Version der Javelin wurde die Vergrößerung des Infrarotsystems von neunfach auf zwölffach gesteigert. Damit können jetzt Ziele auch über eine Entfernung von 2000 m identifiziert und markiert werden. Weitere Änderungen sind die Erhöhung der Fluggeschwindigkeit sowie die Verbesserungen des Gefechtskopfes und der Systemsoftware. Flugtests auf dem Gelände des Redstone Arsenals wurden erfolgreich bestanden.Block 1 Javelin Missile Testing. In: technologynewsdaily.com. Technology News Daily, 10. Januar 2007, abgerufen am 14. August 2006 (englisch). Um 2008 wurde eine Einsatzreichweite von 4 km geplant.Pierre Tran: French Missile Choice May Reshape Industry. In: defensenews.com. Defense News, 20. Juni 2008, abgerufen am 15. August 2008 (englisch). Im Februar 2013 wurden erfolgreiche Tests mit einer Reichweite von 4,7 km bekannt.Javelin Portable Anti-Tank Missile bei army-technology.com, (Abruf am 3. Oktober 2020) Seit dem Jahr 2020 ist die Ausführung FGM-148F bereit. Diese verwendet eine leichter gewordene Command Launch Unit (CLU) mit einer verbesserten Optik. Weiter kommt eine verbesserte Lenkwaffe mit einer Reichweite von 4 km zum Einsatz. Die neue Lenkwaffe verwendet einen Gefechtskopf, der aus einer Hohlladung und einem vorfragmentierten Splittermantel besteht.Esut.de: Europäische Sicherheit & Technik: Erstes Javelin F-Model produziert.

Bis Ende 2020 wurden rund 45.000 Javelin bestellt und über 5000 Raketen bei Gefechten eingesetzt.

Hersteller Die Herstellung der Javelin erfolgt durch das Javelin Joint Venture, das 1988 durch Texas Instruments und Martin Marietta gegründet wurde. Mittlerweile ist die Rüstungssparte von Texas Instruments in Raytheon aufgegangen und Martin Marietta wurde im Rahmen einer Fusion mit der Lockheed Corporation zu Lockheed Martin.

Der Anteil von Raytheon Missile Systems in Tucson, Arizona beträgt fast zwei Drittel des Systemwertes. Hierzu gehören die Herstellung der CLU, die Steuerelektronik und die Software.Scott R. Gourley, Special Operations Technology, 31. Januar 2007, Vol. 5, Issue 1, abgerufen am 14. August 2008 (englisch). Lockheed Martin Missiles and Fire Control in Orlando produziert den Suchkopf, die allgemeinen Elektronikkomponenten und ist für den Zusammenbau der Lenkflugkörper zuständig. Beide Firmen nutzen jedoch auch Zulieferer: So baut beispielsweise DRS Technologies in Dallas bildgebende Infrarotsysteme und Kühlkomponenten für Raytheon und Firma Hercules die Raketenmotoren.DRS To Produce Infrared Assemblies For Javelin Missile Command Launch Unit. Space War, Space Daily, Gerroa (NSW), Australien, 24. August 2005, abgerufen am 15. August 2008 (englisch).