mini|hochkant|Stolpersteine in der Ludwigstraße
Diese Liste der Stolpersteine in Bad Brückenau enthält die Stolpersteine, die im Rahmen des gleichnamigen Kunstprojekts von Gunter Demnig in der unterfränkischen Stadt Bad Brückenau verlegt wurden. Mit ihnen soll Opfern des Nationalsozialismus gedacht werden, die in Bad Brückenau lebten und wirkten. Die 10 cm × 10 cm × 10 cm großen Betonquader mit Messingtafel sind in den Bürgersteig vor jenen Häusern eingelassen, in denen die Opfer einmal zu Hause waren. Die Inschrift der Tafel gibt Auskunft über ihren Namen, ihr Alter und ihr Schicksal. Die Stolpersteine sollen dem Vergessen der Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft entgegenwirken.
Die Initiative für die Verlegung der ersten Stolpersteine in Bad Brückenau 2018 ging von Oberstufenschülern des Bad Brückenauer Franz-Miltenberger-Gymnasiums aus, die im Rahmen des Projektseminars „Jüdisches Leben in Brückenau. Erinnerung - Mahnung - Auftrag“ unter der Leitung von Dirk Hönerlage die 26-seitige Broschüre „Jüdisches Leben in Brückenau“ entwarfen und durch ihr Engagement den Stadtrat von Bad Brückenau überzeugten, der Verlegung zuzustimmen.Franz-Miltenberger-Gymnasium: Jahresberichte, 2017-2024, Bad Brückenau Knapp zehn Jahren zuvor war dies noch abgelehnt worden. Mit der siebten Verlegung am 28. Juli 2024 ist nach aktuellem Stand aller Bad Brückenauer Juden gedacht, die im nationalsozialistischen Terror in Deutschland ums Leben kamen.
Verlegte Stolpersteine In Bad Brückenau wurden an fünfzehn verschiedenen Adressen 46 Stolpersteine verlegt.
Stolperstein Inschrift Verlegeort Name, Leben 120px|Stolperstein Bad Brückenau. Wilhelmine Binheim HIER WOHNTEWILHELMINEBINHEIMGEB. KAUFMANNJG. 1865DEPORTIERT 1942THERESIENSTADT1942 TREBLINKAERMORDET Wernarzer Straße 7 , genannt „Mina“, wurde am 4. November 1865 in Unterleichtersbach als erstes Kind von Löb Kaufmann und seiner Ehefrau Adelheid, geb. Löb, geboren. Sie hatte zwei jüngere Brüder: Isidor, geboren 1869, der 1876 im Kindesalter starb und Josef, geboren 1872, der 1943 im Holocaust ermordet wurde. Im Jahre 1871 löste sich die jüdische Gemeinde Unterleichtersbach auf; die wenigen am Ort verbliebenen Glaubensgenossen schlossen sich der Gemeinde Brückenau an. 1876 gründete Löb Kaufmann in Wernarz/Brückenau Bad ein Hotel. Wilhelmine heiratete am 22. April 1895 in Brückenau Martin Binheim, geboren am 5. Januar 1866 in Duingen bei Hildesheim als jüngstes Kind der Eheleute Levi Selig und Helene Binheim, geb. Frank. Er war von Beruf, wie sein Vater, Metzger, und ließ sich in Brückenau in der Unteren Badersgasse nieder. Dass er in seiner neuen Heimat gesellschaftlich integriert war, zeigt sich zum Beispiel daran, dass er Mitglied im Rhönclub und im Turnverein war. Martin Binheim wurde – vermutlich im Jahr 1900 zeitgleich mit seinem Schwager Josef – Mitinhaber des Hotels Kaufmann. Am 28. Februar 1899 brachte Wilhelmine die gemeinsame Tochter Helene in Brückenau zur Welt; die Familie lebte nicht auf dem Hotelgelände im Ortsteil Bad, sondern blieb in der Stadt wohnen. Am 21. September 1924 starb Martin Binheim. Er wurde auf dem neuen Friedhof in Brückenau beigesetzt; es war dort die erste Lewaja. 1933 heiratete Helene in Bad Kissingen Bernhard Königsberger und zog zwei Jahre später zu ihm nach München. Ihre verwitwete Mutter beschloss, unabhängig von ihrer Bindung an das elterliche Hotel, nach der Reichspogromnacht zu ihrer Tochter nach München zu ziehen und war dort ab 20. Dezember 1938 in der Wendl-Dietrich-Str. 8 gemeldet. Ab dem 5. April 1939 lautete die Adresse Pettenbeckstraße 6/III. Seit dem 11. November 1941 – nur ein paar Tage vor der Deportation ihrer Tochter und ihres Schwiegersohnes – lebte sie in einem Altenheim der Israelitischen Kultusgemeinde in der Klenzestraße 4. Bereits im Mai 1939 hatte sie den Verkauf ihres Anwesens in Brückenau, Untere Badersgasse mit einer Auflassungsvormerkung im Grundbuch zugunsten eines einheimischen Bademeisters und seiner Ehefrau auf den Weg gebracht und dann im Sommer 1940 das „Wohnhaus mit Keller, Wurst- und Waschküche und Hofraum“ sowie einen „Grasgarten“ notariell übereignet. Ein Jahr später, am 7. Mai 1941, veräußerte Wilhelmine Binheim gemeinsam mit ihrem Bruder Josef und ihrer Tochter Helene auch das Hotel Kaufmann in Brückenau Bad. Am 24. Juni 1942 beschlagnahmte die Stadt München das Altenheim in der Klenzestraße. Einen Tag später wurde Wilhelmine Binheim von München nach Theresienstadt deportiert (Transport II/10, Nr. 468); am 19. September 1942 dann ins Vernichtungslager Treblinka verbracht (Transport Bo, Nr. 1215) und nach Ankunft im Lager ermordet.Arbeitskreis "Stolpersteine": Broschüre zur 7. Verlegung, Juli 2024. Gesichtete Quellen u. a. Bundesarchiv, Staatsarchiv Würzburg, Stadtarchiv Bad Brückenau, Stadtarchiv München, Arolsen Archives. Bad Brückenau 2024 120px HIER WOHNTEBERNHARD FRANKJG. 1898UNFREIWILLIG VERZOGENFRANKFURT M.DEPORTIERT 1942MAJDANEKERMORDET 10.7.1942 Ludwigstraße 16 wurde am 1. März 1898 in Brückenau als Sohn von Max Meir Frank (1869–1907) – der aus Schondra nach Brückenau gezogen war und am 7. August 1893 das Bürgerrecht erhielt – und seiner Frau Hannchen (Hannah), geb. Feuchtwanger (* 1870). Er hatte zwei Schwestern: Lilli (1894–1960) und Fany Fegele (1904–1949). Nach dem Tod seines Vaters Max Frank (1870 – 1907) leitete die Mutter das Manufakturengeschäft in der Ludwigstraße. Im Oktober 1922 ehelichte Bernhards Schwester Fanny Simon Bloch und das Paar übernahm den Familienbetrieb. Im Januar 1926 heiratete Bernhard Frank Selma Sara Löwenthal (1892–1942), Tochter von Moshe Löwenthal und Jenny Scheindle Löwenthal aus Ronsdorf; doch hielt die Ehe nicht lange. Das Paar ließ sich im März 1927 scheiden.
Im Sommer 1933, kurz nach der sogenannten Machtergreifung, verließ die Familie Brückenau. Simon Bloch ging mit seiner Familie nach Wolfisheim bei Straßburg/Frankreich, Hannchen Frank nach Frankfurt/Main in die Weberstraße 7/I, wohin auch Bernhard zog. Wohl um das Jahr 1940 siedelte Hannchen in die Schweiz über, wo Bernhards Schwester Lilli, verheiratete Rosenbaum, lebte. Bernhard war zuletzt in Frankfurt/Main in der Hölderlinstraße 2 gemeldet. Wie aus einer Transportliste der Gestapo hervorgeht, wurde Bernhard Frank am 10. Juni 1942 nach Osten deportiert. Am 10. Juli 1942 wurde er im Vernichtungslager Majdanek ermordet.Arbeitskreis „Stolpersteine“: Broschüre zur 3. Verlegung, Juli 2020, Gesichtete Quellen u. a. Bundesarchiv, Stadtarchiv Bad Brückenau, Arolsen Archives, Shoah-Memorial Frankfurt. Bad Brückenau 2024Biographische Datenbank Jüdisches Unterfranken e. V.: Frank, Bernhard (Bernhardt), abgerufen am 29. Mai 2021
Auch seine Ex-Ehefrau wurde am 9. Oktober 1942 im Auschwitz im Zuge der Shoah ermordet.Yad Vashem: SELMA LOWENTHAL FRANK, Todesfallmeldung, eingebracht von ihrer Nichte, abgerufen am 29. Mai 2021 (hier ist fälschlicherweise Minsk als Todesart angegeben) 120px HIER WOHNTEFERDINANDFRÖHLICHJG. 1898'SCHUTZHAFT' 1938DACHAUDEPORTIERT 1941KOWNO FORT IXERMORDET 25.11.1941 Ludwigstraße 18 wurde am 25. August 1898 in Greußenheim/Würzburg geboren. Seine Eltern waren David Fröhlich (1863–1930) und dessen Ehefrau Babette, geb. Froehlich (* 1865). Ferdinand hatte vier Schwestern. Er zog als junger Mann am 1. Januar 1921 von Greußenheim nach Brückenau, wo er Selma Goldschmidt kennenlernte. Die Tochter von Leopold Goldschmidt (1863–1931) und seiner Frau Tirza, geb. Lion, (1866–1925) kam am 12. August 1901 in Brückenau zur Welt. Sie hatte vier Brüder: Max (1892–1941) – er übernahm später das elterliche Geschäft –, Isaak (1893–1942), Emil (1897–1918) und Alfred (1903–1961). Am 12. Juli 1929 heirateten Ferdinand und Selma Fröhlich in Brückenau, wo am 27. September 1932 ihr Sohn Herbert David geboren wurde.
Ferdinand Fröhlich war Kaufmann. Er übernahm in den 1920er Jahren das Schuhhaus „J. Adler“ in der Ludwigstraße, gegründet von Issak und Amanda Adler. Damit wurde er Inhaber einer Schuh-/Leder- und Maschinenhandlung.
Wie Zeitzeugen aussagten, wurden im Zuge der sogenannten Reichspogromnacht am 10. November 1938 Selma und Ferdinand Fröhlich vorübergehend verhaftet; ihr kleiner Sohn lief unterdessen verloren und weinend auf der Straße umher, erlitt einen Zusammenbruch, aber keiner kümmerte sich um ihn. Ferdinand wurde vom 25. November 1938 bis zum 11. Februar 1939 im Konzentrationslager Dachau interniert.
Am 22. Februar 1939 verzog die Familie nach Frankfurt am Main in die Uhlandstraße 58/I. Hier fanden kurzfristig auch weitere jüdische Bürger aus Brückenau eine Bleibe: Selmas Bruder Max Goldschmidt (* 28. Juli 1892 in Züntersbach), dessen Ehefrau Sybilla Goldschmidt (* 18. Februar 1891 in Mittelstreu) und ihr gemeinsamer Sohn Ludwig Goldschmidt (* 15. August 1923 in Brückenau).
Familie Fröhlich wurde am 22. November 1941 bei der dritten großen Deportation aus Frankfurt in den Osten verbracht. Statt, wie ursprünglich angegeben, nach Riga fuhr der Zug nach Kowno (Kauen) Fort IX ins besetzte Litauen, was mit der Überfüllung des Ghettos in Riga begründet worden war. Am 25. November 1941 wurden alle aus Frankfurt Deportierten vom Einsatzkommando 3 der Einsatzgruppe A des Befehlshabers der Sicherheitspolizei und des SD im Fort IX außerhalb der Stadt erschossen.Arbeitskreis "Stolpersteine": Broschüre zur 2. Verlegung, Juli 2019. Gesichtete Quellen u. a. Bundesarchiv, Staatsarchiv Würzburg, Stadtarchiv Bad Brückenau, Arolsen Archives. Bad Brückenau 2019
Ferdinands Schwester Ida überlebte die Shoah. Im Jahr 1970 übermittelte sie die Todesfallmeldung an Yad Vashem. Sie hieß damals Ida Frank und lebte in Flushing, N.Y.FERDINAND FRÖHLICH (Meldung seiner Schwester) und FERDINAND FRÖHLICH (Eintrag des Bundesarchivs), Yad Vashem, abgerufen am 23. Dezember 2020 120px HIER WOHNTEHERBERT DAVIDFRÖHLICHJG. 1932DEPORTIERT 1941KOWNO FORT IXERMORDET 25.11.1941 Ludwigstraße 18 wurde am 27. September 1932 in Brückenau als Sohn von Ferdinand Fröhlich (1898–1941) und Selma, geb. Goldschmidt, (1901–1941) geboren. Wie Zeitzeugen aussagten, wurden im Zuge der sogenannten Reichspogromnacht am 10. November 1938 Selma und Ferdinand Fröhlich vorübergehend verhaftet; ihr kleiner Sohn lief unterdessen verloren und weinend auf der Straße umher, erlitt einen Zusammenbruch, aber keiner kümmerte sich um ihn. Im Februar 1939 übersiedelte die Familie nach Frankfurt am Main (zeitgleich mit Herbert Davids Onkel Max Goldschmidt, Tante Sybilla und deren Kindern in offensichtlich dieselbe Wohnung: Uhlandstraße 58/1). Die Familien Fröhlich und Goldschmidt wurden am 22. November 1941 bei der dritten großen Deportation aus Frankfurt in den Osten verbracht. Statt, wie ursprünglich angegeben, nach Riga fuhr der Zug nach Kowno (Kauen) Fort IX ins besetzte Litauen, was mit der Überfüllung des Ghettos in Riga begründet wurde. Am 25. November 1941 wurden alle aus Frankfurt Deportierten vom Einsatzkommando 3 der Einsatzgruppe A des Befehlshabers der Sicherheitspolizei und des SD im Fort IX außerhalb der Stadt erschossen.Arbeitskreis "Stolpersteine": Broschüre zur 2. Verlegung, Juli 2019. Gesichtete Quellen u. a. Bundesarchiv, Staatsarchiv Würzburg, Stadtarchiv Bad Brückenau, Arolsen Archives. Bad Brückenau 2019HERBERT DAVID FRÖHLICH (Eintrag des Bundesarchivs), Yad Vashem, abgerufen am 23. Dezember 2020 120px HIER WOHNTESELMA FRÖHLICHGEB. GOLDSCHMIDTJG. 1901DEPORTIERT 1941KOWNO FORT IXERMORDET 25.11.1941 Ludwigstraße 18 kam am 12. August 1901 in Brückenau zur Welt. Sie war die Tochter von Leopold Goldschmidt (geboren 1863 in Heubach, gestorben 1931 in Brückenau) und seiner Frau Tirza, geb. Lion (geboren 1866 in Steinach, gestorben 1925 in Brückenau). Sie hatte vier Brüder: Max (1892–1941), Isaak (1893–1942), Emil (1897–1918) und Alfred (1903–1961). Selmas Vater, seit 1899 in Brückenau lebend, hatte in der Unterhainstraße einen Laden, wo es Farben, Lacke und Tapeten, aber auch Seefische zu kaufen gab. Ab Mai 1908 besuchte Selma die Brückenauer Volksschule.