mini|Anger mit Kriegerdenkmal Giesensdorf ()Sophie Wauer: Die Ortsnamen des Kreises Beeskow-Storkow. Franz Steiner Verlag, Stuttgart 2005, ISBN 3-515-08664-1, S. 226. ist ein Ortsteil der Gemeinde Tauche im Landkreis Oder-Spree des Landes Brandenburg. Bis 2001 war Giesensdorf eine selbständige Gemeinde.
Geographie Giesensdorf liegt knapp drei Kilometer südwestlich vom Kernort von Tauche und neun Kilometer südwestlich von Beeskow. Zu Giesensdorf gehört der Wohnplatz Wulfersdorf. Die Gemarkung von Giesensdorf grenzt im Norden an die Gemarkung von Wulfersdorf und an die Gemarkung des Kernortes Tauche, der ein Ortsteil der (Groß-)Gemeinde Tauche ist. Im Osten grenzt die Giesensdorfer Gemarkung an Stremmen, im Süden an Briescht und im Westen an Kossenblatt. Der Ort ist über die L443 von Tauche bzw. Kossenblatt zu erreichen. Eine kleine Straße führt vom Ortskern aus auch nach Wulfersdorf. mini|Giesensdorfer Teich Nordwestlich und westlich vom Ort liegt der Große Kossenblatter See. Der historisch nordöstliche Ausläufer des Großen Kossenblatter Sees wurde schon im ausgehenden Mittelalter trockengelegt. Durch die erst vor kurzem erfolgte erneute Flutung der Feuchtwiesen hat sich wieder ein See gebildet, der Giesensdorfer Teich. Nördlich des Ortskerns zieht der nur zeitweise wasserführende Giesensdorfer Graben zu diesem neugebildeten Ausläufer des Großen Kossenblatter Sees. Im Südosten wird die Gemarkungsgrenze durch den Abfall des Geländes zum Briescht-Stremmener Fließ gebildet. In der südöstlichen Ecke der Gemarkung befindet sich ein in der Topographischen Karte 1:25.000 namenloser, kleiner Teich. Höchster Punkt der Gemarkung ist der Illingsberg mit . Im weiteren Verlauf des Hügelzuges nach Süden folgt ein weiterer kleiner Hügel mit . Tiefster Punkt ist der Seespiegel des Großen Kossenblatter Sees mit . Der größere Teil der Gemarkung ist landwirtschaftlich genutzt. Doch gibt es im Osten und Süden der Gemarkung einige kleine Waldgebiete.
Zum Ortsteil Giesensdorf gehört auch der Wohnplatz Wulfersdorf, der bis 31. Dezember 1961 eine selbständige Gemeinde war. Die Geschichte bezieht sich daher nur auf den Kernort Giesensdorf, vor der Eingliederung von Wulfersdorf. mini|Giesensdorf und Wulfersdorf, Ausschnitt aus dem Urmesstischblatt 3850 Kossenblatt von 1846
Geschichte Der Ort erscheint in der Schreibweise Geyselßdorf 1476 erstmals in einer Urkunde. Der Name stammt aus der Zeit der Ostkolonisation und bedeutet das Dorf, das nach einem Mann (Lokator) namens Giselmar benannt ist. Das Zweitglied des Personennamens ist allerdings durch die sehr späte Überlieferung und starke Veränderung des Namens unsicher. Von der Dorfstruktur her ist es ein Angerdorf.
Besitzgeschichte Nach dem Erbregister der Herrschaft Storkow, aufgerichtet am 15. Juni 1518 musste das Rittergut Giesensdorf (Giessmesdorff) der Herrschaft ein halbes Ritterpferd stellen (bzw. natürlich zur Hälfte zur Ausrüstung und Unterhalt eines Ritterpferdes beitragen). 1519 gehörte Giesensdorf den Vettern Hans und Caspar vom Thore, sonst Eckert genannt. 1534 war Hans gestorben und Giesensdorf gehörte nun dem Caspar vom Thore allein, so auch 1553, als Caspar (Eckard genannt) vom Thore am Donnerstag nach Bartholomäi (24. August) von Bischof Johann VIII. von Lebus mit Giesensdorf (Gißmannsdorff) belehnt wurde. Anscheinend ist auch Caspar ohne Leibeserben gestorben, denn am 19. Oktober 1556 belehnte der brandenburgische (Mit-)Markgraf Hans von Küstrin, an den das Lehen heimgefallen war, seinen Hofmarschall Nickel von Wiedebach mit dem Dorf Giesensdorf samt Zubehör. Allerdings verkaufte dieser Giesensdorf nur ein Jahr später an Barthold von Schlieben. Hans von Küstrin belehnte diesen mit Giesensdorf am 18. Juni 1558. Am 5. Juni 1565 schloss Barthold von Schlieben mit Nickel von Maltitz einen Vorvertrag zum Verkauf des Dorfes Giesensdorf.
Das Dorf ging schließlich durch Vertrag vom 28. Mai 1566 für 5.480 Gulden an Nickel von Maltitz in Klein Rietz über. Allerdings kam es anschließend zu Streitigkeiten wegen unklarer Punkte im Kaufvertrag. Schließlich mussten Unterhändler Nickel von Maltitz zu Giesensdorf einerseits mit Andreas von Schlieben, Komtur der Johanniterkommende Lagow, und Nickel von Langen auf Münchehofe andererseits vergleichen.
Nach dem Verzeichnis der Roßdienste im Storkowschen und Beskoschen Weichbilde 1583 stellten die Nickel Maltitzen zu Gießmerstorff und die Hobecken zu Falckenberg zusammen ein gerüstetes Pferd. Sie waren nach dem Urteil der Musterungskommission mit allem wol gerustet. 1597 heiratete Kaspar von Flanß, Amtshauptmann von Fürstenwalde (1581–1594), in zweiter Ehe Ursula, die Tochter des Nickel von Maltitz auf Giesensdorf.
Am 24. Februar 1600 verkaufte Georg von Langen einen Hof in Giesensdorf an Hans von Maltitz. Hans von Maltitz war verheiratet mit Barbara Sabina von Wulffen adH Madlitz. Die Tochter Barbara von Maltitz (* 9. März 1609) war mit David von Oppen auf Kossenblatt verheiratet. Sie starb schon am 24. April 1641 im Alter von nur 32 Jahren in Giesensdorf. Am 11. November 1602 verkaufte Jacob von Schapelow zu Trebatsch einen Weinberg in der Feldmark Wulfersdorf an Hans von Maltitz zu Giesensdorf für 100 Taler. Hans von Maltitz starb 1615. Sein Inschriftgrabstein mit der gerüsteten Figur des Verstorbenen befindet sich noch in der Kirche von Giesensdorf.
Ein Joachim von Maltitz von Giesensdorf, sehr wahrscheinlich ein Sohn des Hans, kaufte 1632 von Hans Caspar von Klitzing das Dorf Göllnitz für 16.000 Taler. Mitbelehnt waren auch sein Bruder Nicol auf Giesensdorf und andere Vettern von Maltitz. Am 22. Juni 1644 belehnte Kurfürst Friedrich Wilhelm, Markgraf von Brandenburg, die Gebrüder und Vettern von Maltitz mit dem Dorf Giesensdorf. Darunter muss auch der schon erwähnte Bruder des Joachim, Nicol von Maltitz gewesen sein, denn er ist 1652 als Besitzer von Giesensdorf belegt. 1644 wurde Nickel von Maltitz vom brandenburgischen Kurfürsten auch mit dem Gut Falkenberg belehnt.
Am 3. September 1652 verkaufte Nickel von Maltitz zu Giesensdorf das Gut Birkholz für 8.600 Taler an David von Oppen, Sohn des Georg von Oppen auf Kossenblatt. Nach dem Historischen Ortslexikon musste Nickel von Maltitz (oder seine Erben) Giesensdorf 1661 an die von Oppen in Krausnick und Groß Köris verkaufen. Der Sohn Georg (der Jüngere) des Georg von Oppen (des Älteren) hatte bei der Erbteilung Schwenow erhalten. 1644 hatte er Groß Köris und 1647 die Hälfte von Krausnick und Köthen sowie ein Viertel von Leibsch hinzu erworben. Er war in erster Ehe mit Anna Sibylle von Langen aus dem Hause Groß Wasserburg verheiratet. Mit ihr hatte er die Söhne Georg, Christoph und Erdmann. In zweiter Ehe war er mit Sabina von Maltitz von Giesensdorf verheiratet, mit der er weitere neun Söhne hatte: Jobst, Caspar, David, Hans Georg, Gustav, Albrecht, Johann Niclaus, Joachim und Christoph. Georg der Jüngere starb 1651 in Schwenow. Sabina von Maltitz von Giesensdorf müsste die Schwester des Nicol und Joachim von Maltitz und Tochter des Hans von Maltitz auf Giesensdorf gewesen sein.
Die Gebrüder von Oppen zu Krausnick und Groß Köris, die Söhne des Georg von Oppen (des Jüngeren), verpfändeten am 18. März 1667 das Dorf Giesensdorf samt allen Zubehörungen für 4.400 Taler und auf 40 Jahre an Wolf Joachim von Rohr zu Ragow. Anscheinend kam die Verpfändung nicht zustande oder wurde schon nach zwei Jahren wieder ausgelöst, denn am 18. März 1669 verpfändeten die Gebrüder von Oppen Giesensdorf erneut, dieses Mal an Christof Wilhelm von Krummensee. Kurfürst Friedrich Wilhelm erteilte am 13. April 1685 seinen (nachträglichen) Konsens zu dieser Verpfändung. Am 1. Oktober 1687 musste eine kurfürstliche Kommission einen Grenzstreit zwischen Christof Wilhelm von Krummensee auf Giesensdorf und den von Schapelow auf Stremmen entscheiden.
Schon vor 1689 gelang es den von Maltitz auf Tauche, Giesensdorf in ihren Besitz zu bringen. 1689 bis 1792 prozessierte der Pfarrherr zu Wulfersdorf gegen Nicol von Maltitz auf Giesensdorf wegen des Pfarrdezems. Caspar Sigismund von Muschwitz verpfändete 1690 das Dorf Birkholz für 2.000 Taler auf 20 Jahre an Nickel von Maltitz. Dazu gab der brandenburgische Kurfürst Friedrich III. am 11. Februar 1690 seinen Konsens. Und schließlich erreichte Nickel von Maltitz zu Tauche, dass er am 14. Juli 1698 durch Kurfürst Friedrich III. mit dem Gut Giesendorf belehnt wurde. Nickel von Maltitz heiratete 1679 in erster Ehe Katharina von Stutterheim adH Golßen, die am 13. November 1692 starb. Er ging am 16. Oktober 1694 mit Elisabeth Hedwig von Burgsdorf noch eine zweite Ehe ein, einer Tochter des Adam von Burgsdorf auf Podelzig und der Anna Sophie von Buch adH Stolpe. Am 13. Juni 1699 verfügte Nickel von Maltitz zu Tauche eine Ehestiftung für seine Ehefrau, Elisabeth Hedwig geb. von Burgsdorf. Eine erneute Belehnung mit dem Gut Giesensdorf erhielt Nickel von Maltitz zu Tauche durch König Friedrich Wilhelm I. am 10. Oktober 1714. Nickel von Maltitz war Landrat des Beeskow-Storkowischen Kreis. Er starb am 15. April 1732 auf Tauche.
Ihm folgte der Sohn Sigismund Wilhelm (* 1680 in Tauche) nach. Er war mit Charlotte Dorothea von Langen, Tochter des Otto Joachim von Langen auf Groß Wasserburg und der Christine Dorothea von Stutterheim adH Kablitz, verheiratet. Sigismund Wilhelm brachte es in der preußischen Armee bis zum Hauptmann, zuletzt war er im Regiment Graf Lottum, Nr. 15. Im Beeskow-Storkowischen Kreis wurde er zum Landrat gewählt. Er ließ 1717 die dortige Kirche erbauen. Sigismund Wilhelm und Charlotte Dorothea hatten drei Söhne, Nicol Otto (später auf Luckaitz), Siegmund (erbte das Gut Tauche) und Friedrich Ludwig (später auf Lipten). Sigismund Wilhelm starb am 15. Mai 1723, Charlotte Dorothea am 6. Dezember 1751 in Göllnitz.
Am 12. Juni 1737 verkaufte Sigmund v. Maltitz Giesensdorf für 16.000 Taler an den brandenburgischen Kurfürsten und König in Preußen Friedrich Wilhelm I., der Giesensdorf in das Amt Kossenblatt eingliederte. Am 20. Februar 1737 kaufte Sigmund von Maltitz dafür das Dorf Lipten und den dortigen Krug für 20.000 Taler und 200 Taler Schlüsselgeld. Er fiel am 30. September 1745 als Rittmeister in der Schlacht bei Soor in Böhmen. Da er keine Leibeserben hatte, erbten seine beiden Brüder Nicol Otto und Friedrich Ludwig das Gut Lipten. Im Erbvergleich der beiden Brüder übernahm es 1757 schließlich Friedrich Ludwig allein, verkaufte es aber umgehend für 28.000 Taler an Wilhelm Leopold von Muschwitz.
Das Gut Giesensdorf wurde ab 1737 als Vorwerk vom Amtmann in Kossenblatt bewirtschaftet. Ab 1811 wurde das Gut Giesensdorf dann in Erbpacht gegeben. Das Amt Kossenblatt wurde 1811 reines Rentamt, das die Renten aus den Dörfern und die Pacht der Vorwerke einzog. Um nach 1820/22 wurde es mit dem Amt Trebatsch vereinigt.
Das Vorwerk Giesensdorf (bzw. das frühere Rittergut) wurde zusammen mit Kossenblatt von Karl Ludwig Buchholtz gepachtet. Er war vorher Amtmann des Amtes Kossenblatt gewesen. 1851 wurden die beiden Güter zu freiem Eigen verkauft. 1853 war Besitzerin der beiden Güter die Witwe des Oberamtmannes Buchholz (verbunden mit Kossenblatt). mini| Rambouillet-Merino