links|213x213px|mini mini|Leo Blumenreich. Foto von Lili Baruch, 1926.

Leo Blumenreich, eigentlich Leonard Lewy (* 18. September 1884 in Berlin; † 12. Mai 1932 ebenda) war ein deutscher Kunstkenner, Kunsthändler, Sammler und Mäzen.

Leben mini|Villa Blumenreich, Wildpfad, Berlin-Grunewald. Architekt Fritz Ruhemann, 1923. mini|Philipp Harth, Familie beim Abendbrot, 1918, Bronze. Ehemals Sammlung Leo Blumenreich.

Blumenreich wurde als vierter Sohn (von sechs Kindern) des Paul Philipp Blumenreich (1849–1907) und seiner Ehefrau Adele (geb. Fränkel, 1850–1885) geboren. Sein Vater war Schriftsteller, Journalist und Buchhändler sowie Mitbegründer und Direktor des 1896 erbauten Theaters des Westens in Berlin. Nach dem frühen Tod der Mutter heiratete der Vater in zweiter Ehe Gertrud Lewissohn und in dritter Ehe 1891 die österreichische Schriftstellerin Franziska von Kapff-Essenther.LAB, A Pr.Br. Rep. 030 - Nr. 9126. Leos ältester Bruder Arnold (1875–1943) war ebenfalls Buch- und Kunsthändler, zunächst in Breslau, später in Berlin. Ein weiterer älterer Bruder Walter (1880–1940) leitete eine Buchhandlung ebenda.

Nach Abschluss des Luisengymnasiums in Berlin am 18. März 1898 fuhr der 15-jährige Leo mit Vater, Bruder und Schwester nach New York, wo Paul Blumenreich drei Jahre Direktor des dortigen Deutschen Theaters war. Im Juni 1902 kehrte Leo aus Amerika zurück und zog nach Wien, wo er eine vierjährige Ausbildung im Antiquariatsbuchhandel machte. Danach ging er für ein Jahrespraktikum zu einem großen Pariser Antiquariat. Vom Sommersemester 1908 bis zum Ende des Sommersemesters 1909 studierte er Kunstgeschichte und Philosophie an der Friedrich-Wilhelms-Universität in Berlin und war ein Schüler bei Heinrich Wölfflin und Max J. Friedländer, mit dem ihn eine lebenslange Freundschaft verband. Zu Friedländers 60. Geburtstag 1927 veröffentlichte Blumenreich ein Verzeichnis dessen Schriften.Georg Wenzel: Deutscher Wirtschaftsführer. Lebensgänge deutscher Wirtschaftspersönlichkeiten. Ein Nachschlagebuch über 13000 Wirtschaftspersönlichkeiten unserer Zeit. Hanseatische Verlagsanstalt, Hamburg/Berlin/Leipzig 1929, , Sp. 220.L. Blumenreich, Verzeichnis der Schriften Max J. Friedländers, Berlin 1927.

1909 erschien Blumenreichs Übersetzung des Rembrandt-Buches von Jozef Israëls.Es war die zweite Übersetzung des Buches. Die erste Übersetzung von Else Otten war unter dem Titel Rembrandt. Eine Studie 1906 bei der Concordia Deutsche Verlagsanstalt in Berlin erschienen.

Von 1911 bis 1914 führte Blumenreich in London gemeinsam mit dem Schweizer Martin Hofer (1889–?) ein auf Alte Kunst spezialisiertes Antiquariat in der Duke's Street 47, St. James's.Piotr Zygmunt Kowalski, „Wollen Sie mein Sozius werden?“ Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Galerie Paul Cassirer von 1916 bis Anfang der 1920er-Jahre, in: Cassirer und der Durchbruch des Impressionismus, Ausstellungskatalog der Alten Nationalgalerie, hrsg. von Anette Hüsch, Josephine Klinger und Franziska Lietzmann, Berlin 2026, S. 175, ISBN 978-3-7774-4759-9.

Im Dezember 1916 wurde Leo Blumenreich von Paul Cassirer der erneut einen Gestellungsbefehl erhalten hatte, gebeten, während dessen Abwesenheit die Galerie zu führen. Ab Februar 1917 war Blumenreich persönlich haftender Gesellschafter der Galerie Paul Cassirer und blieb dies bis 1924. Ab November 1918 war er zudem gemeinsam mit dem zuvor als Konzertpianist tätigen Leo Kestenberg Mitinhaber des Paul Cassirer Verlags. Als weiterer Mitarbeiter wirkte von 1917 bis 1919 der Kunsthistoriker Victor Wallerstein in der Galerie.

In der Galerie übernahm Blumenreich die Abteilung für Alte Kunst. Gemeinsam mit Victor Wallerstein war er für die Auktionen von Kunstwerken zuständig; beide bereiteten die Auktionen vor, erarbeiteten die Auktionskataloge und führten die Versteigerungen durch.Piotr Zygmunt Kowalski, „Wollen Sie mein Sozius werden?“ Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Galerie Paul Cassirer von 1916 bis Anfang der 1920er-Jahre, in: Cassirer und der Durchbruch des Impressionismus, Ausstellungskatalog der Alten Nationalgalerie, hrsg. von Anette Hüsch, Josephine Klinger und Franziska Lietzmann, Berlin 2026, S. 174–184, ISBN 978-3-7774-4759-9. Darüber hinaus wirkte Blumenreich bei der Vorbereitung und Organisation von Ausstellungen zeitgenössischer Künstler wie Max Beckmann, Oskar Kokoschka, Hermann Huber, Ernst Barlach, Martin Bloch und Edvard Munch. Zweimal reiste er mit dem Kunsthistoriker Curt Glaser nach Oslo und besuchte Munchs Atelier.Kennert Ch., Paul Cassirer und sein Kreis, 1996, S. 174.

1923 erwarb Blumenreich ein Grundstück in Berlin-Grunewald Wildpfad 28 und beauftragte den Architekten Fritz Ruhemann mit dem Bau einer Villa.Kunst und Architektur der Gegenwart, Architekt, Dipl.-Ing. Fritz Ruhemann, Berlin 1930, S. 4,9,10. In seinem Haus schmückte er die Wände mit Werken aus seiner Zeichnungssammlung, u. a. von Meistern wie , RembrandtW. Sumowski, Rembrandtzeichnungen, Pantheon, 1971, II, 3/4, S. 127., Rubens oder Tiepolo, aber auch Werke zeitgenössischer Künstler wie Barlach, Beckmann, Jawlensky, Huth, Purrmann und vieler anderer. 170x170px|mini|links|Genreszene von Rembrandt aus der Sammlung Blumenreich

1924 eröffnete er seine Galerie am Schöneberger Ufer 37 (heute 71). Er spezialisierte sich auf niederländische Kunst sowie auf Zeichnungen und Grafiken alter Meister. Im April 1928 zog er in die Viktoriastraße 21.Nebehay, M. Ch., Die goldenen Sessel meines Vaters, Wien 1983, S. 227.

Blumenreich arbeitete mit vielen bekannten Kunsthändlern zusammen und unternahm zahlreiche Geschäftsreisen durch ganz Europa, wie z. B. nach Portugal und Spanien mit Julius Böhler, nach St. Petersburg und Moskau zwischen 1926 und 1929 mit Franz Catzenstein-Matthiesen (heute Galerie Matthiesen, London), sowie mit G. Colnaghi und Joseph Duveen aus London. In Berlin pflegte er enge Kontakte zur Galerie Dr. Fritz Goldschmidt & Dr. Victor Wallerstein.

Leo Blumenreich schenkte viele Kunstwerke, die sich heute im Kunstgewerbemuseum, im Bode-Museum, im Kupferstichkabinett, Berlin,KdZ 9882 (Inv. 222-1919); KdZ 9883 (Inv. 223-1919); KdZ 9884 (Inv. 224-1919); KdZ 9885 (Inv.225-1919); KdZ 9881 (Inv. 221-1919); KdZ 11732 (Inv. 94-1922). in Kunsthalle Bremen und Victoria and Albert Museum, London befinden.

Ehen mini|Hannah Cassirer, geb. Sotschek. Foto von Karl Schenker, 1915.

Blumenreich heiratete in London im Oktober 1913 Witwe Emmy Simon-Bermann (1871–1923), die zwei Söhne aus ihrer ersten Ehe hatte.

Am 24. April 1924 heiratete er in Berlin Hannah Cassirer, geb. Sotschek (1887–1974), die Exfrau von Alfred Cassirer und Mutter seiner Stieftochter Eva Cassirer (1920–2009).

Schriften als Übersetzer: Jozef Israëls: Rembrandt. Harmonie, Verlagsgesellschaft für Literatur und Kunst, Berlin 1909. Verzeichnis der Schriften Max J. Friedländers. de Gruyter, Berlin 1927.

Literatur Felicitas Spring: Simon Bär Blumenreich (1741–1826) aus Betsche im Kreis Meseritz. Ein Streifzug durch seine Familiengeschichte bis zu seinen Urenkeln Paul Philipp Peritz Blumenreich (1849–1907), dem Mitbegründer des Berliner „Theaters des Westens“ und dem Schauspieler Abraham Albert Blumenreich (1861–1923). In: Herold-Jahrbuch, Neue Folge, Band 29, Berlin 2024, S. 194–195.

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