Kong Qingdong (, auch: , dt.: Kong der Mönch; geb. 22. September 1964, Harbin, Volksrepublik China) ist ein chinesischer Intellektueller, Schriftsteller, Talkshow-Moderator und Kommentator. Kong ist eine prominente Mediengestalt und bekannt für seine vulgäre und oft harsche Kritik an politischen Themen und verschiedenen Personen und Gruppen. Kong wurde oft in den Medien als Figur der Chinesischen Neuen Linken dargestellt, die für eine Abkehr von der Reform- und Öffnungspolitik kämpfen und eine Rückkehr zum Politikstil von Mao Zedong wünschen.
Leben Kong wurde während der Zeit der Kulturrevolution in eine Arbeiterfamilie hineingeboren. Er ist ein Nachfahre von Konfuzius und war am Anfang seiner akademischen Karriere ein großer Anhänger von Lu Xun.
Ersten Ruhm erwarb er als Verfasser verschiedener Bücher über sein Studentenleben an der Universität Peking, in denen der selbsternannte „Säufer der Universität Peking“ viele soziale Probleme Chinas kommentierte. Er ist ein passionierter Leser und Forscher im Bereich der chinesischen Wuxia-Romane und gab zu dem Wuxia-Autor Jin Yong in der Serie Baijia jiangyun (百家讲坛 – Lesezimmer) des China Central Television (CCTV) schon Vorträge, sowie zum Essayisten und Sprachreformer Lu Xun. Kong Qingdong nahm 1989 an den Protesten am Tiananmen-Platz teil.孔慶東狡辯再罵港人冇腦. Apple Daily. Später wurde er zum Professor für Sinologie an der Universität Peking ernannt, daraufhin begann er Essays zu veröffentlichen, in denen er chinesischen Patriotismus und kommunistische Orthodoxie propagierte. Kong hat sich mehrfach durch Lob für die Nordkoreanische Führung hervorgetan. Er behauptete unter anderem, die Koreaner würden „mit Sicherheit aussterben“ (will surely die off), wenn nicht ihr „großer Führer (Kim Jong-il) wäre und seine Partei der Arbeit Koreas“ (the great leader and his Workers' Party). Darüber hinaus hat Kong Lesezirkel zur offiziellen Ideologie Nordkoreas, der Chuch’e-Ideologie, organisiert. Einige Quellen, wie die Nanfang Dushi Bao (chin. 南方都市报, dt. „Zeitung des Südlichen Hauptstadtbezirks“), beschuldigen die Gruppe sogar Spionage für Nordkorea zu betreiben.
Um 2000 verbrachte Kong zwei Jahre in Südkorea, wo er an der Ewha Womans University unterrichtete.
Kong moderiert ein Talkshow-Program und sein Mikroblog hat eine große Abonnentenzahl.
Confucius Peace Prize Kong Qingdong ist beteiligt an der Vergabe des Confucius Peace Prize, einer chinesischen Auszeichnung, die als Alternative zum Friedensnobelpreis geschaffen wurde. Dieser wurde unter anderem dem Systemkritiker Liu Xiaobo gegen den Protest der Chinesischen Regierung verliehen. Kong behauptet, dass der Preis sehr authentisch die Vorstellungen von Konfuzius zum Frieden wiedergibt.Zhang Nan: 孔子和平奖二次颁发 获奖者再度缺席. 2011-12-09. In den ersten zwei Jahren wurde der Preis an Lien Chan und Wladimir Putin verliehen, die ihn jedoch nicht annahmen.Edward Wong: For Putin, a Peace Prize for a Decision to Go to War. In: New York Times 2011-11-15.
Politische Einstellung Kong ist Nationalist, wird aber auch der Chinesischen Neuen Linken (新左派, Xīn Zuǒpài) zugeordnet.Xiao Xun: 孔庆东高调挺薄 重庆模式市场仍在. (Kong Qingdong lobt Bo Xilais Werk 'Market', da es das Chongqing Model noch weiter benutzt.). In: Voice of America. 2012-03-17. Diese politische Richtung hält die ökonomischen Reformen Chinas für zu weit gehend und möchte, dass das Land zu einem stärker sozialistischen system und egalitärer Gesellschaft mit starken staatlichen Kontrollen zurückkehrt. Kong war immer auch Unterstützer des quasi-Maoistischen Politikers Bo Xilai, der später in Ungnade fiel. Er hat die chinesische Regierung wiederholt als „schamlos“ bezeichnet für deren Umgang mit Wirtschaftspolitik nach kapitalistischem Muster und die Regierung von Shenzhen als „reaktionär“ beschimpft.
Kontroversen Kong ist berüchtigt für zahlreiche direkte und vulgäre Angriffe gegen verschiedene Gruppen und Personen und seine polarisierende Ansichten führten zu Kontroversen, halfen ihm aber auch eine treue Anhängerschaft zu sammeln. Beispielsweise bezeichnete Kong die ehemalige Staatssekretärin der Vereinigten Staaten Hillary Clinton als „Hure“ und den Künstler und bekannten Moderator Jiang Kun als xiasanlan (下三滥, wörtl.: „Drei niedrige/untere (dreckige) Berufe“ = Prostitution, Bettler und Straßenkünstler), also in etwa „Zigeuner“.
Kong hat wiederholt Chinas liberale Medien kritisiert. Vor allem südchinesische Zeitschriften und Zeitungen bezeichnete er als hanjian media (汉奸, dt. Rassenverräter). Kong bezeichnete das staatliche chinesische Fernsehen CCTV als "unmenschlich".
Im November 2011 bat die Nanfang Zhoumu (南方周末, dt. „Wochenzeitung des Südens“), die als Brückenkopf der liberalen Medien in China gilt, Kong um ein Interview. Kong wies die Anfrage ab und veröffentlichte auf seinem Microblog die Nachricht, dass „die Verräterische Zeitung mich wieder einmal belästigt hat, indem sie mich nach einem Interview gefragt hat“„the treasonous newspaper has harassed me once again by asking to interview me“ und endete mit einem Dreifachen Kraftausdruck: „去你妈的!滚你妈的!操你妈的“ (Geh zu deiner Mutter, renn zu deiner Mutter, Fick deine Mutter!). Diese Verwendung vulgärer Sprache brachte Kong beachtliche Kritik ein. Es wurde sogar seine Amtsenthebung gefordert.Liu Yi: 北大教授孔庆东用排比粗口骂记者激怒网友. Phoenix Television 2011-11-08 Er erhielt allerdings auch breite Unterstützung. Kommentatoren merkten an, dass Kongs Popularität ein Symptom für den weitverbreiteten Groll gegen die elitären liberalen Medien ist, die in Editorials of kritisch über die armen Menschen berichten und ökonomische Argumente anführen um die wachsende Diskrepanz zwischen Arm und Reich zu rechtfertigen.
Kong selbst behauptet, dass er solche Kraftausdrücke verwende um seine Feinde herauszulocken, da er auch vorhergesagt habe, dass die liberalen Medien vehement antworten würden, mit einer nach seiner Aussage „konterrevolutionären Einkreisung.“„counterrevolutionary encirclement.“ bbc1. Etwa achtzig Medien veröffentlichten Kritiken zu Kongs Beschimpfungen. Nach dem Sperrfeuer der negativen Medien kritisierte Kong direkt die staatliche Medienagentur Xinhua (新华通讯社, Xīnhuá Tōngxùnshè). Er behauptete, dass die Agentur nicht mehr unter der Kontrolle des Zentralkomitees der Partei stünde, sondern Befehle von dem Parteichef Wang Yang aus Guangdong ausführe, der als ein Repräsentant der politischen „Rechten“ dargestellt wird. Es wurde in Übersee spekuliert, ob Kongs Äußerungen nur Teil einer größeren Schlacht zwischen „Linken“ und „Rechten“ in China sei.
Im November 2008 berichtete Qian Liexian (Pen-name von Xu Lai) in seinem Blog, dass Kong von der Beijinger Polizei aufgrund von Spionage-Anschuldigungen verhört worden sei. Qian war ein Journalist des Xin Beibao (新京报, dt. Neue Beijing-Zeitung), einer Zeitschrift, die zu der Zeit mit der Nanfang Zhoumu in Verbindung stand. Einige Monate später, im Februar 2009, wurde Qian von einem persönlichen Assistenten Kong Qingdongs erstochen, der ihn beschuldigt hatte einen „Freund“ anzugreifen.Tania Branigan: Chinese blogger Xu Lai stabbed in Beijing bookshop. In: The Guardian, London 2009-02-15. Die Nán fāng dū shì bào (南方都市报, dt. Tageszeitung des Hauptstädtischen Südens), eine weitere Zeitung, die zum Komplex der Nanfang Zhoumu gehört, kritisierte die Verbindung von Kong Qingdong mit dieser Affäre.
Unterstützung für Bo Xilai Im März 2012 nach dem Sturz von Bo Xilai, einem einflussreichen Linken, überschüttete Kong Bo mit Lob in seiner Talk Show und bezeichnete Bo als „mob-fighting hero“. Kong bezeichnete Bos Entlassung durch die chinesischen Behörden als einen „konterrevolutionären Coup“. Gleichzeitig nutzte er den Moment um die Menschen, die „Massen“ für ihre Tatenlosigkeit zu kritisieren.„criticize the people, the masses... what have you done to construct socialism? What have you done for Chongqing, for China? If you are a supporter of Bo Xilai, then what have you done to support Bo Xilai? What have you done to save the country from sinking into the abyss of capitalism? Don't just sit there waiting for a lecture from professor Kong and lament the state of affairs, this world isn't just for heroes to save!“ Kong Qingdong in dem YouTube-video 孔庆东含泪力挺薄熙来煽动"大家都起来" von 2012.
Westliche Kultur Kong ist sehr kritisch gegenüber Westlicher Kultur. Er hat unter anderem einen Boykott gegen den Film Kung Fu Panda 2 unterstützt, weil er ihn als Instrument des Kulturimperialismus des „Westens“ ansieht.Kung Fu Panda 2 Film Criticised In China. In: Sky News 2011-05-31. Nachdem der Mitbegründer von Apple, Steve Jobs, 2011 verstarb, bemerkte Kong „je mehr solcher Menschen wie Steve Jobs sterben, desto besser.“the more people like Steve Jobs die, the better.
Anti-Rechts-Bewegung 2007 veröffentlichte die liberale Schriftstellerin Zhang Yihe (章诒和), die Tochter des Intellektuellen Zhang Bojun, eines Opfers von Mao Zedongs Anti-Rechts-Kampagne (反右运动 Fanyou Yundong), das mittlerweile verboteneJoel Martinsen: History books get the axe; another Zhang Yihe title falls. In: Danwei 2007-01-19. Past Histories of Peking Opera Stars, in dem sie die Anti-Rechts-Kampagne kritisierte und bekräftigte, dass sie „niemals ihre Verteidigung der grundlegenden bürgerlichen Rechte aufgeben werde, da diese die Würde und das Bewußtsein einer Person betreffen.“„I will not give up the defense of my basic civil rights, because it affects the dignity and conscience of a person.“ Kong griff Zhang daraufhin in einer Vorlesung heftig an und bezeichnete Zhang als zur sozialen Klasse der „Feinde unserer Regierung“ gehörig.the enemy of our government. 2007年,孔庆东在演讲中公开批驳章诒和的《伶人往事》一书,指“她那个阶级是我们政权的敌人”,“共产党对他们是极其宽大的,但他们仍梦想变天,说当年反右反错了”,孔庆东说:“你(指右派)既然认为是堂堂正正的英雄,为什么要求共产党平反?”“改革开放后都平反昭雪了,但大右派还百倍疯狂地向人民索取,比当年凶恶10倍”。“我们平民百姓的血泪谁去写?矿井砸死60多人,谁给每人写一部《往事并不冒烟》他们一人死了赔多少钱?生命都是有价钱的。上层人的生命价格和下层人的生命价格不一样吗?革命本来就要改变这东西。” Kong verteidigte die Anti-Rechts-Kampagne und sprach gegen die „Alten Rechten“, dass diese sich als Helden darstellen, jedoch unverhältnismäßig viel Entschädigung fordern.„you (the rightists) think that you are proper heroes, so why are you asking the Communist Party for vindication? … our cases have been overturned after the reforms began, but why do the big rightists want to demand hundreds more times in compensation from the people?“
Hongkong
Im Januar 2012 kommentierte Kong ein virales Video in seiner Talkshow. In dem Video wird eine chinesische Mutter aus dem Mainland gezeigt, die einen Konflikt mit einem anderen Passagier in einem MTR-Zug in Hongkong austrägt. Der Gegner ist ein eingeborener Hongkonger, der ihr kleines Kind davon abhalten wollte an Bord des Zuges zu essen, was verboten ist. Kong schimpfte über den Hongkonger Passagier und kritisierte unter anderem dessen Gebrauch des Kantonesischen (in Gegensatz zum Hochchinesischen Putonghua, das in Mainland-China gesprochen werden soll). Er bezeichnete diesen als einen „Kolonial-Elitisten“ und „Bastard“ und weitete seine Attacke auf Hongkonger im Allgemeinen aus. Mehrfach bezeichnete er „viel Hongkonger“ als „Bastarde und Hunde“.„many Hong Kongers bastards and dogs.“ Minnie Chan: HK people labeled as dogs by mainlander. In: South China Morning Post 2012-01-21Tan, Kenneth: Kong Qingdong: Hong Kongers are bastards, dogs and thieves. In: Shanghaiist 2012-01-22.北大教授孔庆东骂"部分香港人是狗 In: 中国新闻网 网易新闻 2012-01-21 archiveurl=https://web.archive.org/web/20120124023621/http://news.163.com/12/0121/10/7O9KLPHG00014JB6.html|archivedate=2012-01-24.