Borkow ist eine Gemeinde im Landkreis Ludwigslust-Parchim in Mecklenburg-Vorpommern. Sie wird vom Amt Sternberger Seenlandschaft mit Sitz in der Stadt Sternberg verwaltet.
Lage Borkow liegt zwischen Goldberg und Sternberg im Bereich der Sternberger Seenplatte. Die Gemeinde befindet sich inmitten einer bewaldeten Seenlandschaft. Zu den Seen im Gemeindegebiet zählen der Kleinpritzer See, der Borkower See, der Rothener See, der Woseriner See und der Entensee. Durch den am Kleinpritzer See gelegenen Ortsteil Schlowe führt die Bundesstraße 192 und fließt die Mildenitz. In diese mündet bei Neu Woserin die Bresenitz. Höchster Punkt im Gemeindegebiet ist der Hohe Berg mit .
Ortsteile der Gemeinde sind Hohenfelde, Rothen, Borkow, Neu Woserin, Schlowe und Woserin.
Geschichte Borkow Borkow wurde am 24. Juni 1283 erstmals urkundlich erwähnt als Borchowe sagena et piscina, als der Teich Borkow, der heutige Borkower See, dem Nonnenkloster Neukloster verliehen wurde.MUB III. (1865) Nr. 1686. 1306 erfolgte durch Heinrich von Mecklenburg die Besitzbestätigung für das inzwischen Sonnenkamp genannte Nonnenkloster bei Neukloster.MUB V. (1869) Nr. 3079. In einer weiteren Urkunde wird der Borkower See als innerhalb des Herrschaftsbezirks an der Mildenitz liegend genannt.Piscina Borcowe, quod distenditur in terminis dominii nostri ad medicum aque, que uocatur Mildenizce (MUB XVI. Nr. 9989).
Der Name stammt vom altslawischen borŭ für Kampf oder bor für Fichte ab. Der Name bedeutet demnach entweder Ort des Kampfes oder Fichtenwald.Paul Kühnel: Die slavischen Ortsnamen in Meklenburg. MJB 46 (1881) , S. 3–168, hier S. 28. Kegel, Hünen- und Urnengräber zeugen von einer früheren Besiedlung.
Das Dorf Borkow, mit seiner Feldmark im Winkel des Grenzflusses Mildenitz gelegen, war zu Woserin eingepfarrt. Die einschiffige Borkower Kapelle stammt vom Ende des 16. Jahrhunderts.
Am 5. Oktober 1583 wurde Borkow ein Lehngut des Klosters Dobbertin.MUB III. (1865) Nr. 1686, MUB V. (1869) Nr. 3079, MUB VI. (1870) Nr. 9104. Es war im 14.–17. Jahrhundert das Gut der Familie von Cramer. Von 1658 bis 1706 wohnte Matthias von Bülow auf Borkow. Er wurde im Bülowschen Erbbegräbnis der Woseriner Kirche bestattet. Er und sein gleichnamiger Sohn ließen zwischen etwa 1700 und 1720 das Gutshaus Borkow errichten. Der 1730 geborene Enkel Hans Friedrich Lothar August von Bülow unterschrieb 1755 den Landesvergleich mit. Nachdem 1762 auch sein Onkel Jobst Heinrich von Bülow verstorben war, wechselte das Gut häufiger den Besitzer. Gutsbesitzer waren bis zum Ende des 18. Jahrhunderts die Familie von Levetzow (1784/86), die Familie Segnitz, Christian Eggers (1822–1851), die Familie von Reichow, von Tiedemann (ab 1931) und Jordan Freiherr von Campe (1936–1945).
1857 hatte Borkow 193 Einwohner, eine Schmiede, eine Mühle, eine Ziegelei und Kalkbrennerei sowie die Fischerei. 1895 entstand noch eine Molkerei. 1887 wurde die Bahnstrecke Wismar–Karow gebaut, an der der Bahnhof Borkow lag; die Strecke wurde 1995 stillgelegt. Die Bahnhofsgastwirtschaft leitete bis 1935 der am 28. April 1890 in Hof Appelburg geborene Friedrich Roschlaub.
Nach dem Ersten Weltkrieg gründete Gastwirt Friedrich Roschlaub den Borkower Radsportverein und organisierte diverse Radrennen in der Region. Seit 1. November 1929 war er Mitglied der NSDAP, Mitgliedsnummer 164.602, später auch Leiter des Amtes für Kommunalpolitik der Kreisleitung Güstrow der NSDAP und von Februar 1935 bis Mai 1945 Landrat des Landkreises Parchim. Am 12. September 1968 starb er in Ratzeburg. Eine seiner Sonderaktionen betraf das adlige Damenstift im Kloster Dobbertin, wo er die Vorsteherin des Konvents Domina Auguste von Pressentin ablösen und als Vertrauensfrau Agnes von Bülow, die Leiterin der NS-Frauenschaft des Kreises Parchim, einsetzen ließ.
Nach 1945 wurde das Gut aufgelöst und es entstanden 54 Neubauernstellen sowie 1953 die erste LPG. 1966 hatte Borkow 266 Einwohner. Das Gutshaus diente nach dem Krieg der Unterbringung von Flüchtlingen und fand in der DDR-Zeit vielfältige Nutzung, so waren zeitweilig Schule, Kinderkrippe, Kindergarten und die Frauengruppe der Volkssolidarität dort untergebracht, ferner die Post, Zahnarzt, Bürgermeister, Frisör und Privatwohnungen. Im Keller befand sich der über die Grenzen der Gemeinde bekannte Jugendklub mit vielen Feiern. Der Saal fand Verwendung als Gemeindesaal.
Ab der Wende gehörte das Haus der Gemeinde Borkow, die es 1996 an die Familie Röhrdanz verkaufte. 1996/97 wurde das Gutshaus von Familie Röhrdanz renoviert und in sieben Ferienwohnungen umgewandelt. Die Nebengebäude wurden nach und nach hergerichtet und beherbergen Dauerwohnungen. Das Grundstück wurde im Laufe der letzten 25 Jahre durch Pflanzung von mehr als 80 verschiedenen Bäumen durch Artenvielfalt zu einem Naturrefugium aufgewertet. Ab 2000 wurde ein Bebauungsgebiet am Borkower See ausgewiesen.Amt Sternberger Seenlandschaft:
Rothen Am 13. April 1325 wurde die Rothener Mühle an der Mildenitz urkundlich als up der molen to Roten erwähnt und gehörte damals Bernd BellinWolf Lüdeke von Weltzien: Bellin 1200–1470. Band 2., 1991, S. 55. auf Suckwitz und Bellin. Sie stand in keinem Zusammenhang mit den umliegenden Ortschaften. Im folgenden Jahrhundert ist über Besitzer der Mühle nichts bekannt.
Am 18. November 1404 wurde in der Rothener Mühle durch Vermittlung des Stralsunders Bürgermeisters Wulf Wulflam ein Friedensvertrag zwischen Lübeck und Mecklenburg vorbereitet. Der Lübecker Bürgermeister Jordan Pleskow hatte damals als Feldherr sein Hauptquartier in der Rothener Mühle an der Mildenitz und beherbergte wichtige Vertreter der beteiligten Hansestädte.Friedrich Lisch: Vermischte Urkunden. MJB 33 (1868) Nr. 9 Wulf Wulflam, Bürgermeister zu Stralsund, vermittelt einen Frieden in den Mecklenburgischen Landen. S. 107–1090. Als Lübecker Ratsherr und Gesandter hatte er an den Verhandlungen mit Herzog Johann von Mecklenburg über das Schicksal von Albrecht von Mecklenburg in Rostock teilgenommen. Als militärischer Oberbefehlshaber der Hanse wurde er 1400 vom Lübecker Rat zum Bürgermeister bestimmt und schaffte es 1401, die Angriffe der Fürsten Balthasar von Werle-Güstrow und Barnim VI. von Pommern-Wolgast auf das Lübecker Landgebiet abzuwehren. Zur Vergeltung der Werlschen Raubzüge und Plünderungen zog Jordan Pleskow mit dem Lübecker Krieg durch Mecklenburg. Dabei waren auch die Vertreter der Hansestädte Hamburg, Rostock, Stralsund, Lüneburg, Greifswald und Lübeck. Die wohlhabende Bürgerstadt Sternberg wurde Waffenplatz der Lübecker. Fürst Balthasar musste mit den Lübeckern Frieden schließen. Als Verhandlungsort hatte man eine hinter Sternberg gelegene kleine unbekannte Mühle bei Rothen an der Mildenitz ausgesucht, die danach in Vergessenheit geriet. Mit dem Lübecker Bürgermeister Jordan Pleskow als militärischem Oberbefehlshaber des Hansebundes wurde ein weiteres Treffen in Wismar vereinbart. Dort wurde am 19. November 1404 der Friedensvertrag unterschrieben und gesiegelt.Horst Alsleben: Aus dem Abseits ins Zentrum des Geschehens. SVZ, Mecklenburg - Magazin, 16. Juni 2023. Im Wismarer Stadtarchiv ist das Original der Urkunde noch mit Fragmenten von Siegeln einiger Hansestädte erhalten geblieben.Archiv der Hansestadt Wismar: Urkunde vom 19. November 1404, AHW Weltliche Urkunden Nr. 0181.
Um 1567 hatte Dietrich von Plessen zwei Mühlen in Zülow und lag im ständigen Streit mit den von Restorff auf Bolz und Mustin als Besitzer der Rothener Mühle wegen der Wasserstände und des Aalfangs. Die Rothener Mühle befindet sich heute auf Mustiner Seite.
Rothen selbst wurde erstmals 1369 urkundlich erwähnt.MUB XVI. (1893) Nr. 9989. Ursprünglich war die Feldmark Rothen eine sogenannte Pertinenz von Zülow, je ein Teil der Gutsherrschaft in Zülow und Borkow. Auch Rothen wurde im Dreißigjährigen Krieg zerstört, lag wüst und wurde nicht wieder aufgebaut. Zülow war im 18. Jahrhundert schon im Besitz der Familie von Bülow. Etwa 1750 wurde von Zülow aus in Rothen eine Schäferei eingerichtet. Es gab in Rothen nur zwei Bauernstellen, die auf Initiative der Zülower Gutsherren Bernhard Christoph von Scheel um 1790 gelegt wurden. Die Bauern mussten nach Gägelow umsiedeln.Wilhelm Thedwig von Oertzen: Oertzen-Blätter. Nr. 72, 2006, S. 21. 1840 verkauften Vollrath von Oertzen und seine Geschwister das Gut Rothen an Friedrich Carl Heinrich Fabricius. Aus dieser Zeit stammt wohl auch das Gutshaus, weitere Umbauten erfolgten 1858.
Friedrich Fabricius betrieb im Gutshaus eine Schnapsbrennerei für Kartoffelschnaps. 1851 lehnte die Ritterschaftliche Brandschutzversicherung eine Versicherung ab, weil der Heuboden zu dicht an der Brennerei gelegen sei. Das Gutshaus wurde in dieser Zeit auch Branntweinpalais genannt. Nach finanziellen Schwierigkeiten wurde 1880 die Brennerei stillgelegt und Rothen an den Domänenrat Hans Ludwig B. Dehns aus Mestlin verkauft. 1887 kaufte der königlich preußische Rittmeister Adolf Friedrich von Oertzen vom Domänenrat Dehns das Gut Rothen mit einer Fläche von 1600 Morgen Land, zwei Drittel waren Schulden seines Schwiegervaters.Wilhelm Thedwig von Oertzen: Oertzen-Blätter. Nr. 72, 2006, S. 22. Denn Adolf Friedrich von Oertzen war mit seiner Tochter Auguste Dehns verheiratet.
Das sehr kleine alte Haus wurde bis 1889 zu einem zehnachsigen, zweigeschossigen verputzten Gutshaus mit einem hohen Feldsteinkeller, der auf der Parkseite als ganzes Geschoss erscheint, umgebaut. Die Hofseite hat einen mittigen Eingang mit vorgesetzten Altan, datiert 1926, über vier sechseckigen Stützen. Der rechte Querbau an der Hofseite wurde mit einem flachen Giebel versehen. An der Sandsteintafel im Foyer ist das Datum 1889 vermerkt. Das stark abfallende Gelände und der Flusslauf der Mildenitz wurden für die Anlage eines Landschaftsparks genutzt.
Adolf Friedrich von Oertzen konnte sich mit der Mechanisierung der Landwirtschaft weitere Güter in Liessow, Rautenhof und Tessin kaufen. Er beteiligte sich 1908 auch am Bau der Landstraße zwischen Rothen und Borkow. Als Adolf Friedrich von Oertzen 1920 starb, übernahm sein Sohn Hennig von Oertzen das Gut Rothen. 1924 wurde beim Bau des Zülower Wasserkraftwerkes auch eine Feldbahn benutzt. Die Lokomotive setzte am 1. Mai 1924 die rechte Hofseite in von Brand. Für den Gutsbesitzer Henning von Oertzen war dies ein Glücksfall, wie er wortwörtlich schrieb. Denn die für den Brand verantwortliche Baufirma vom Wasserkraftwerk, Philipp Holzmann AG, bezahlte den Brandschaden. Mit den Versicherungsgeldern finanzierte Henning von Oertzen den Umbau des Gutshauses. Nach der Jahreszahl am Balkon über dem Eingang des Gutshauses wurde der Umbau 1926 beendet und bekam sein heutiges Aussehen. Um 1930 gehörten zur Gutsanlage Scheunen, Pferdeställe, Remise, Feldscheune, Kuhstall und Schmiede. Bis auf den Pferde- und Kuhstall, dem heutigen Rothener Hof, sind alle diese Wirtschaftsgebäude des Gutes verschwunden. Am 2. Mai 1945 verließen die von Oertzen das Gut Rothen über Borkow, Crivitz, Wittenburg in Richtung Westen.
Nach 1945 war das Gutshaus Wohnhaus, Konsum und Poststelle, Kindergarten und Jugendclub. Der Funkraum der Gesellschaft für Sport und Technik der DDR befand sich im ehemaligen Schlafzimmer und im Saal fanden Tanzveranstaltungen sowie Familienfeiern statt.Wilhelm Thedwig von Oertzen: Oertzen-Blätter. Nr. 72, 2006, S. 24. Nach der Wende 1989 war die Gemeinde Borkow Besitzer des Gutshauses, danach wollte ein Berliner Investor es zum Hotel umbauen und 1997 kaufte der Lübecker Landwirt Bernhard Mein das Gutshaus. Er ließ das komplette Haus sanieren und richtete Ferienwohnungen ein. Nachdem Bernhard Mein 2002 tödlich verunglückt war, verkauften seine Erben das Haus im Frühjahr 2004 an die Familie Gabriele und Christian Lehsten. Nach einer gründlichen Renovierung befinden sich seit Ende 2004 im ehemaligen Gutshaus Privat- und Ferienwohnungen.
Schlowe