Die Wahl zum 19. Niedersächsischen Landtag fand am 9. Oktober 2022 statt.
Aus der Wahl ging die SPD trotz mäßiger Verluste als stärkste Partei hervor; die CDU verlor deutlich und kam auf das schlechteste niedersächsische Landtagswahlergebnis seit 1955. Bündnis 90/Die Grünen und AfD legten beide deutlich zu und erzielten jeweils ihr bestes Ergebnis. Die FDP verlor ein Drittel ihres Stimmenanteils und verfehlte knapp den Wiedereinzug in den Landtag. Die Wahlbeteiligung lag bei 60,3 %, was einen Rückgang zur Wahl 2017 (63,1 %) darstellte.
Durch das Wahlergebnis ergab sich eine Mehrheit für SPD und Grüne, sodass die bisherige rot-schwarze Koalition durch eine rot-grüne Regierung mit dem Kabinett Weil III abgelöst wurde.
Wahlrecht mini|hochkant|Sitz des Niedersächsischen Landtags im früheren Leineschloss In jedem der 87 Wahlkreise ist der Bewerber mit den meisten Erststimmen gewählt. Die 135 Sitze im Landtag werden gemäß den Zweitstimmen nach dem D’Hondt-Verfahren proportional verteilt. Hierbei gilt eine Fünf-Prozent-Hürde. Erhält eine Partei mehr Sitze, als sie in den Wahlkreisen errungen hat, werden die restlichen über ihren Landeswahlvorschlag besetzt.
Erhält eine Partei in den Wahlkreisen mehr Sitze, als ihr nach dem Zweitstimmenanteil zustehen, so behält sie diese zusätzlichen Sitze (Überhangmandate) und die übrigen Parteien erhalten Ausgleichsmandate. Die Sitzzahl des Landtags wird über 135 hinaus angehoben um das Doppelte der Anzahl der Überhangmandate und die Sitzverteilung erneut nach dem D’Hondt-Verfahren berechnet. Sollten auch hiernach Überhangmandate vorhanden sein, bleiben sie ohne Ausgleich bestehen.Erklärungen zum Niedersächsischen Wahlrecht, auf wahlrecht.de
Ausgangslage Vorherige Wahl 2017
Die SPD gewann an Stimmen hinzu und wurde mit 36,9 Prozent erstmals wieder seit 1998 stärkste Partei, gefolgt von der CDU mit 33,5 Prozent. Grüne und FDP verloren an Zustimmung, wurden aber erneut dritt- bzw. viertstärkste Kraft im Landtag. Die AfD erhielt beim erstmaligen Antreten 6,1 Prozent und zog in den 19. Landtag ein. Die Linke erhielt 4,6 Prozent und zog wegen der 5-%-Hürde nicht ein.
Durch die Verluste der Grünen verlor die rot-grüne Landesregierung ihre Mehrheit und wurde durch eine rot-schwarze Koalition (SPD und CDU) ersetzt. Stephan Weil blieb Ministerpräsident. Mit 105 von 137 Sitzen hatte diese Regierungskoalition die größte Parlamentsmehrheit aller 16 deutschen Landesregierungen.
Im Landtag vertretene Fraktionen Im Laufe der Legislaturperiode kam es durch Austritte aus Parteien oder Fraktionen zu Änderungen. Dies betraf vor allem die AfD, die im September 2020 durch mehrere Austritte den Fraktionsstatus verlor. Fraktion/Landesverband Kurzbe-zeichnung Wahl 2017 Sitzezuletzt Stimmen Sitze SPD 36,9 % 55 54 CDU 33,6 % 50 50 GRÜNE 8,7 % 12 11 FDP 7,5 % 11 11 AfD 6,2 % 9 —
Parteien und Kandidaten Parteien mussten bis zum 4. Juli 2022 ihre Teilnahme anzeigen. Sie mussten zur Zulassung ihrer Landesliste bis zum 1. August 2022 mindestens 2000 Unterstützerunterschriften beziehungsweise je 100 Unterstützungsunterschriften für jeden Kreiswahlvorschlag einreichen. Auch Einzelbewerber benötigen jeweils 100 Unterstützungsunterschriften. Davon ausgenommen sind Parteien, die in Bundes- oder Landtag vertreten sind oder auf die bei der letzten Bundestagswahl mindestens 5 Prozent der gültigen Stimmen in Niedersachsen entfielen.
Spitzenkandidaten der im Landtag vertretenen Parteien
Parteien Am 12. August 2022 ließ der Landeswahlausschuss die Landeswahlvorschläge von 14 Parteien zu. Außerdem kandidieren sieben Parteien nur in einzelnen Wahlkreisen und neun Einzelbewerber.Niedersächsische Landeswahlleiterin: Bekanntmachung der zugelassenen Landeswahlvorschläge im Niedersächsischen Ministerialblatt vom 22. August 2022 (PDF; 172 KB) +KürzelParteiErstplatzierter im LandeswahlvorschlagAnzahl Bewerber Direkt-kandidaten Landes-wahl-vorschlagSPDSozialdemokratische Partei DeutschlandsStephan Weil87100CDUChristlich Demokratische Union DeutschlandsBernd Althusmann87126GrüneBündnis 90/Die GrünenJulia Hamburg8778FDPFreie Demokratische ParteiStefan Birkner8783AfDAlternative für DeutschlandStefan Marzischewski-Drewes7023Die LinkeDie Linke.Jessica Kaußen7616dieBasisBasisdemokratische Partei DeutschlandChristian Bahr4823Freie WählerFreie WählerArnold Hansen2022Die HumanistenPartei der HumanistenJim König38Die PARTEIPartei für Arbeit, Rechtsstaat, Tierschutz,Elitenförderung und basisdemokratische InitiativeLuca Schroeder1317GesundheitsforschungPartei für GesundheitsforschungWiebke Holst –5TierschutzparteiPartei Mensch Umwelt TierschutzSusanne Berghoff47PIRATENPiratenpartei DeutschlandThomas Ganskow714VoltVolt DeutschlandEmine Tunç1417ÖDPÖkologisch-Demokratische Partei –3 –SGVSGV – Solidarität, Gerechtigkeit, Veränderung –2 – Bündnis CBündnis C – Christen für Deutschland –1 – ZentrumDeutsche Zentrumspartei –1 – –Die Friesen –1 – sonstigeDie Sonstigen Niedersachsen X –1 – HAIEDie Haie – Partei mit Biss –1 – –Einzelbewerber –9 –
Umfragen Sonntagsfrage Institut Datum Landtagswahl 2022 09.10.2022 33,4 % 28,1 % 14,5 % 4,7 % 11,0 % 2,7 % 5,6 % Forsa 08.10.2022 33 % 27 % 17 % 5 % 9 % 3 % 6 % Forschungsgruppe Wahlen 06.10.2022 33 % 28 % 16 % 5 % 10 % 3,5 % 4,5 % INSA 04.10.2022 31 % 28 % 16 % 5 % 11 % 4 % 5 % Forschungsgruppe Wahlen 30.09.2022 32 % 27 % 16 % 5 % 11 % 4 % 5 % Infratest dimap 29.09.2022 32 % 30 % 16 % 5 % 9 % 3 % 5 % Forsa 28.09.2022 31 % 27 % 19 % 5 % 9 % 3 % 6 % Infratest dimap 22.09.2022 32 % 28 % 17 % 5 % 9 % 4 % 5 % INSA 04.09.2022 31 % 28 % 19 % 7 % 7 % 4 % 4 % Infratest dimap 31.08.2022 31 % 27 % 19 % 6 % 7 % 4 % 6 % Forsa 30.08.2022 29 % 26 % 22 % 6 % 8 % 3 % 6 % Infratest dimap 06.07.2022 30 % 27 % 22 % 7 % 6 % 3 % 5 % Forsa 29.06.2022 30 % 26 % 22 % 6 % 7 % 3 % 6 % INSA 21.06.2022 31 % 29 % 17 % 8 % 6 % 4 % 5 % Forsa 03.05.2022 33 % 26 % 19 % 7 % 6 % 3 % 6 % Forsa 30.03.2022 34 % 25 % 17 % 8 % 7 % 3 % 6 % INSA 23.02.2022 34 % 26 % 14 % 11 % 7 % 4 % 4 % 2017 – 2021 Institut Datum Infratest dimap 19.11.2021 36 % 23 % 16 % 10 % 7 % 3 % 5 % INSA 21.10.2021 39 % 19 % 13 % 12 % 7 % 5 % 5 % Allensbach 20.10.2021 34 % 26 % 15 % 10 % 7 % 4 % 4 % INSA 11.05.2021 29 % 26 % 20 % 9 % 7 % 5 % 4 % INSA 30.03.2021 30 % 26 % 18 % 9 % 7 % 4 % 6 % Allensbach 11.03.2021 27 % 33 % 20 % 5 % 6 % 5 % 4 % INSA 08.11.2020 27 % 34 % 18 % 6 % 6 % 5 % 4 % Infratest dimap 15.10.2020 27 % 35 % 20 % 4 % 6 % 5 % 3 % Forsa 04.06.2020 30 % 32 % 16 % 5 % 5 % 6 % 6 % Forsa 11.02.2019 28 % 30 % 17 % 7 % 8 % 5 % 5 % Infratest dimap 22.11.2018 26 % 28 % 24 % 6 % 9 % 4 % 3 % INSA 21.11.2018 26 % 27 % 17 % 10 % 12 % 5 % 3 % ForsaUmfragen zur LTW in Niedersachsen, auf wahlrecht.de 25.02.2018 33 % 33 % 10 % 8 % 6 % 6 % 4 % Landtagswahl 2017 15.10.2017 36,9 % 33,6 % 8,7 % 7,5 % 6,2 % 4,6 % 2,5 %
Verlauf 575px|links|Verläufe der Umfragewerte seit der Wahl 2017
Direktwahl Ministerpräsident Institut Datum (SPD) (CDU) weiß nicht / keinerForschungsgruppe Wahlen30.09.2022 51 %24 %25 %Infratest dimap29.09.2022 50 %28 %22 %Infratest dimap22.09.2022 49 %27 %24 % Infratest dimapNiedersachsenTREND August 2022, auf infratest-dimap.de. 31.08.2022 50 % 27 % 23 % Infratest dimapNiedersachsenTREND Juli 2022, auf infratest-dimap.de. 06.07.2022 52 % 22 % 26 % ForsaNiedersachsen & Bremen Umfrage: Rot-Grün hätte Mehrheit bei Landtagswahl, auf ntv.de. 03.05.2022 38 % 13 % — Infratest dimapNDR Umfrage: SPD in Niedersachsen mit 36 Prozent klar vorn, auf ndr.de. 19.11.2021 59 % 21 % 20 % AllensbachUmfrage sieht Möglichkeit für Rot-Grün in Niedersachsen, auf zeit.de. 20.10.2021 41 % 16 % 43 % Infratest dimapDirekter Vergleich: Weil beliebter als Althusmann, auf ndr.de. 15.10.2020 57 % 23 % 20 % ForsaUmfrage: 76 Prozent mit Corona-Politik im Land zufrieden, auf sueddeutsche.de, abgerufen am 4. Juni 2020. 04.06.2020 55 % 14 % 31 % Infratest dimap 22.11.2018 53 % 26 % 21 %
Ergebnis mini|hochkant=1.5|Erststimmenmehrheit in den Wahlkreisen (rot = SPD, schwarz = CDU, grün = Grüne)
Das Landesergebnis wurde am 20. Oktober 2022 vom Landeswahlausschuss festgestellt:Pressemitteilung der Landeswahlleiterin vom 20. Oktober 2022: Ergebnis der Landtagswahl steht endgültig fest
Regierungsbildung Koalitionsoption SitzeZweidrittelmehrheit (ab 98 Sitzen) Absolute Mehrheit (ab 74 Sitzen)
Sowohl die SPD als auch die Grünen favorisierten bereits vor der Wahl eine rot-grüne Koalition, wie es sie in Niedersachsen bereits von 2013 bis 2017 gegeben hatte. Nachdem diese Option im neu besetzten Landtag eine Mehrheit erhalten hatte, nahmen die beiden Parteien rasch Koalitionsgespräche auf, welche Anfang November zu einem gemeinsamen Koalitionsvertrag führten. Am 8. November 2022 wurde Stephan Weil im Landtag erneut zum Ministerpräsidenten gewählt; dem Kabinett Weil III gehörten darüber hinaus sechs Minister der SPD und vier Minister aus den Reihen der Grünen an.
Siehe auch Liste der Mitglieder des Niedersächsischen Landtages (19. Wahlperiode)
Weblinks
Offizielle Informationen zu Wahlen in Niedersachsen Simon T. Franzmann: Analyse im Auftrag der Friedrich-Ebert-Stiftung Niedersachsen hat gewählt. Kurzanalyse der Niedersächsischen Landtagswahl 2022
Einzelnachweise
#2022 Niedersachsen Kategorie:Landtag (Niedersachsen)