mini|Reliefkarte Namibias mini|Traditionelles Siedlungsgebiet der Volksgruppe Damara in Namibia
Die Damara-Supergruppe, auch als Damara-Sequenz bezeichnet, ist eine lithostratigraphische Einheit im Rang einer Supergruppe, die das deformierte und metamorphe sedimentäre Deckgebirge der Grundgebirgseinheiten des Damara-Gürtels umfasst. Sie besteht aus einer Vielzahl von Schichten aus verschiedenen Ablagerungsmilieus und -zeiträumen.
Die Entstehung der Ausgangsgesteine, z. B. Lockergesteine und deren Sedimentation erfolgte hauptsächlich infolge der Ausbildung von mehreren Grabenbrüchen bzw. Grabenbruchsystemen zwischen den Kratonen Kongo-São Francisco (abgekürzt Kongo-SF) und Kalahari im Zeitraum von etwa 780 bis 500 Millionen Jahren (abgekürzt mya) während des Zerfalls des Superkontinents Rodinia bis hin zur Formierung von Pannotia.
Der Name Damara leitet sich von der Bezeichnung für die afrikanische Volksgruppe Damara ab, die ursprünglich in weit verbreiteten Siedlungsgebieten in Namibia heimisch war.
Geographische Lage und Erstreckung
Der Damara-Gürtel, auf dem die Damara-Sequenz lagert, erstreckt sich entlang der Westküste des Südatlantiks über ca. 1.400 km vom Kunene-Fluss im Norden bis zum Oranje-Fluss im Süden. Die West-Ost-Ausdehnung von der Atlantikküste ins Landesinnere bis zum östlichen Aufschluss des Grootfontein-Inliers nahe der Gemeinde Grootfontein beträgt ca. 530 km. Die östlichen und nördlichen Bereiche dieses Gürtels werden von jüngeren Sedimenten der Kalahari überdeckt.
Geodynamischer Rahmen
Die geodynamische Entwicklung der Damara-Sequenz hängt mit der Bildung und dem Zerfall des Superkontinents Rodinia zusammen. Als dieser sich um 900 mya gebildet hatte, waren u. a. die Kratone Kalahari, Río de la Plata sowie Kongo mit São Francisco (abgekürzt Kongo-SF) zu einer Landmasse verbunden.
mini|Prinzipdarstellung einer Grabenbruchbildung
Im Zeitraum von 780 bis 740 mya entstanden von den Plume-Ereignissen initiierte intrakontinentale Grabenbrüche () entlang eines Triple Junction (Tripelpunkt) zwischen den „afrikanischen“ Kratonen Kongo-SF und Kalahari sowie dem „südamerikanischen“ Río-de-la-Plata-Kraton. Mutmaßlich liegt der Tripelpunkt bei der namibischen Stadt Swakopmund in der Region Erongo. Die Grabenbrüche entwickelten sich zu einer Ozeanbodenspreizung und weiter zu einem Meeresbecken, dem Adamastor-Ozean. Er trennte somit die Kratone Kongo-SF und Kalahari von dem Río-de-la-Plata-Kraton.
mini|Owambo Basin auf dem südwestlichen Rand des Kongo-Kratons
Im Zusammenhang mit Grabenbruchbildungen entwickelte sich infolge von tektonisch bedingten Dehnungen eine Senkungszone im SW des Kratons Kongo-SF. In der weiteren geologischen Entwicklung bildete es sich zu einem tiefgründigen Sedimentbecken aus, das als Owambo Basin bezeichnet wird. Es erstreckt sich zwischen den heutigen Nord-Namibia und Süd-Angola.
Zwischen den Kongo-SF- und Kalahari-Kratonen bildeten sich in West-Ost-Richtung mehrere fast parallel verlaufende intrakontinentale Grabenbrüche. Sie formten Becken, die mit zunehmender Krustenabsenkung mit Meereswasser aus dem Adamastor-Ozean geflutet wurde. Im nördlichen Rift bildete sich das Outjo-Meer, im südlichen das Khomas-Meer. In der weiteren geologischen Entwicklung entwickelte sich im südlichen Rift der Khomas-Trog, in dem ein Mittelozeanischer Rücken und eine Ozeanbodenspreizung entstand.
mini|Prinzipdarstellung turbidite Hangrutschungen am Kontinentalschelf und -Ablagerung im Tiefseebereich
An den Rändern der Kratone Kongo-SF und Kalahari lösten sich z. T. mächtige Gesteinsschichten, die in Form von lawinenartigen Turbiditen die marinen Abhänge der Meeresbecken herab glitten und sich allochthon oft weit entfernt als mächtige Schichten ablagerten. Die Turbidite entstanden am südlichen und nördlichen Rand des Damara-Gürtels sowie in dessen mittleren Bereich.
Für mehrere Millionen Jahre dienten die Grabenbrüche als Sammelbecken für unterschiedlichstes Sedimentmaterial, wie Flussablagerungen oder Sande, aus denen sich später Konglomerate, Sandsteine oder Quarzite bilden konnten. Auch vulkano-sedimentäre Schichten lagerten sich ab.
Zwischen etwa 750 und 580 mya traten die Kaigas-Eiszeit, Sturtische Eiszeit die Marinoische Eiszeit und die Gaskiers-Eiszeit auf, von denen einige globale Ausbreitung hatten (Schneeball Erde). Mit dem Abschmelzen der dicken Eisdecken entstanden enormen Mengen an Schmelzwasser, in denen Carbonate, Diamiktite- bzw. Tillite und weitere Sedimente gebildet wurden. Diese Eiszeiten bzw. deren Ablagerungen stellen wichtige Daten für die geochronologische Bestimmung der Ereignisse in der Erdgeschichte dar.
Ab 655 mya folgte auf die Divergenz- die Konvergenzphase zwischen den kratonischen afrikanischen und südamerikanischen Kontinentalschollen. Von 595 bis 540 mya schloss sich der Adamastor-Ozean, wodurch die Kratone Río de la Plata und Kalahari kollidierten.
Zwischen 595 und 540 mya subduzierte das Khomas-Meer nordwärts unter den Kraton Kongo-SF. Mit der Annäherung der Kratone Kongo-SF und Kalahari subduzierte letzterer teilweise unter der Kraton Kongo-SF. Durch dessen Auflast auf den Kalahari-Kraton entstand eine Lithosphärensenke, die als Nama-Vorlandbecken mächtige Sedimente aus den erodierenden umgebenden Gebirgen aufnahm. Eine in WO-Richtung verlaufende Aufwölbung des Grundgebirges teilt das Nama-Vorlandbecken in ein nördliches und südliches Teilbecken.
Tektono-stratigraphische Gliederung mini|Damara-Orogen mit Kaoko-Gürtel im Norden, Damara-Gürtel im Zentrum und Gariep-Gürtel im Süden
Der Damara-Gürtel wird anhand der tektoniknischen Entwicklung, Stratigraphie, Lithostratigraphie und den geologischen Einheiten in mehrere, näherungsweise gleichgerichtete tektonisch-stratigraphische Zonen gegliedert. Die Zonen sind getrennt durch Verwerfungen, Lineamente, Störungen oder stratigraphische Übergängen.
Vom Norden nach Süden sind die Zonen mit den sie trennenden geologischen Einheiten wie folgt angeordnet: Nördliche Plattform (englisch Northern Platform) Nördliche Randzone (englisch Northern Margin Zone) mit dem Khorixas-Gaseneirob Thrust zur Nördlichen Zone (englisch Northern Zone) mit dem Autseib Fault/Otjohorongo Thrust zur Zentrale Zonen (englisch Central Zone) mit dem Omaruru Lineament zwischen der Nördlichen und der Südlichen Zentralen Zone mit dem Okahandja Lineament zur Okahandja Lineament Zone zur Südlichen Zone (englisch Southern Zone) mit dem Matchless Amphibolit Member innerhalb dieser Zone und der Gomab River Line zur Südlichen Randzone (englisch Southern Margin Zone) mit Gomab River Lineament und dem Frontal Thrust Nama-Vorlandbecken
Grundgebirge und Inlier
Kratonisches Stockwerk mini|Schema eines Kontinentalblocks mit verschieden alten Grundgebirgs- und Orogenkomplexen sowie sedimentärem Deckgebirge
Das Grundgebirge (englisch Basement) des Damara-Gürtels bildet die Basis der sedimentären Damara-Sequenz. Es besteht im Wesentlichen aus dem kratonnischen Stockwerk, meist archaischen Alters, wie die Kratone Kongo-SF und Kalahari sowie dem aufliegenden Khan River-Detachment. Dieses bildet als Abscherung eine duktile Scherzone und trennt den granitischen Gneisuntergrund des kratonischen Stockwerks von der metamorphen Damara-Sequenz. Die Schichtdicke dieser Scherzone liegt zwischen 50 m und 2 km.
Inlier
Verbunden mit Grundgebirge sind mehrere Inlier (Enklaven). Diese sind lokal entweder teilweise aufgeschlossen oder von Sedimentschichten überdeckt. Sie bilden wahrscheinlich unterhalb der Damara-Sequenz große Erweiterungen des kratonischen Stockwerkes. Die Inlier entstanden ab ca. 2.000 mya im Rahmen der Eburnischen Orogenese an aktiven Rändern der Kratone Kongo-SF und Kalahari. Während der Kibara-Orogenese ab 1.500 mya ereigneten sich weitere magmatische Phasen. Die bedeutendsten sind der Kamanjab-Inlier, der Grootfontein-Inlier und der Abbabis-Inlier, die dem Kraton Kongo-SF zugeordnet sind, während sich der Rehoboth-Inlier am Rand des Kalahari-Kratons entwickelte.
Der Kamanjab-Inlier, der nach dem Dorf Kamanjab in der Kunene-Region benannt wurde, erstreckt sich im Südosten des Kaoko-Gürtels und ist nördlich und östlich umgeben von der Nördlichen Plattform und südlich von der Nördlichen Zone des Damara-Gürtels bzw. der Damara-Sequenz. Er bildete sich ab etwa 1.860 mya.
Der Grootfontein-Inlier erhielt den Namen von der Gemeinde Grootfontein in der Region Otjozondjupa und befindet sich an der östlichen Vereinigung der Nördlichen Plattform mit der Nördlichen Zone. Seine Entstehung begann ab etwa 2.022 mya.
Der Abbabis-Inlier befindet sich in der Zentralen Zone des Damara-Gürtels. Sein Name bezieht sich auf den stillgelegten Bahnhof Abbabis in der Region Erongo. Der Inlier tritt in Form von mehreren domförmigen Ausbissen zu Tage, die sich infolge Kompression und Stauchung des kratonischen Stockwerks entwickelten. Sein Alter wird um ca. 1.925 mya angegeben.
Der Rehoboth-Inlier ist benannt nach der Stadt Rehoboth in der Region Hardap. Er entstand am nordwestlichen Rand des Kalahari-Kratons und wird aufgeteilt in die Rehoboth-Sequenz und in die Sinclair-Sequenz. Die Rehoboth-Sequenz entwickelte sich während der Eburischen Orogenese zwischen 1.800 und 1.600 mya, während die Sinclair-Sequenz zwischen 1.200 und 1.000 mya entstand und somit in den Zeitraum der Kibarischen Orogenese fällt. Diese vulkano-sedimenetären Ablagerungen treten Ausbisse in der Südlichen Randzone auf.
Für die Entstehung der Rehoboth-Sequenz wird ein tektonischer Bildungsraum an einem aktiven Kontinentalrand postuliert mit Inselbogen- und Backarc-Becken-Bildung und deren späterer Anlagerung an den Kalahari-Kraton. Die bis zu 15 km mächtige Rehoboth-Sequenz besteht aus felsischen und andesitischen Vulkaniten, in die Quarzite, Phyllite, Kalksilikate und diverse Konglomerate eingeschaltet sind.
Die überlagernde Sinclair-Sequenz hat sich vermutlich in einem intrakontinentalen Spreizungsregime mit Grabenbruchbildung entwickelt. Sie enthält in vier Grabenbruchzyklen Sedimentlagen aus klastischen Sedimenten, hauptsächlich Sandsteine und Schiefer sowie bimodale Vulkanite (), die sowohl mafische als auch felsische Magmenanteile innerhalb eines Lavaaustritts beinhalten. In der jüngsten Lage sind Quarzite und Schiefer enthalten. Die Sinclair-Sequenz formt eine Kette an der Geländeoberfläche hervortretenden Ausbisse entlang des nordwestlichen Rand des Kalahari-Kratons.
Damara-Sequenz
Die Angaben über den frühesten Beginn der Sedimentationen im Damara-Gürtel schwanken zwischen 1.000 und 850 mya. Diese beziehen sich auf Kollisions- und Zerfallsprozesse des Superkontinents Rodinia, wie Orogenesen und die damit verbundene Erosionen.
links|mini|hochkant=0.8|Prinzipdarstellung von Horst-Graben- (oben) und Halbgraben- (unten) Verwerfungen mini|hochkant=0.8|Verwerfungstypen:A: BlattverschiebungB: AbschiebungC: Aufschiebung
Die Evolution der Damara-Sequenz im engeren Sinn steht im kausalen Zusammenhang mit der Ausbildung von den intrakontinentalen Grabenbrüchen zwischen den Kartonen Kongo-SF und Kalahari um 780 mya. In diesen entwickelten sich verschiedene Graben-Horst-Systeme, Halb-Graben (englisch half-graben), Rücken und Verwerfungen. tektonische und erosive Prozesse ließen aus den betroffenen Ausgangsgesteinen Sedimente entstehen. Diese überdecken die unteren geologischen Stockwerke entsprechend ihrer regionalen geographischen Entwicklung und Verbreitung.
Verlässlichere Angaben über die Sedimentationen und deren Alter lieferten geochronologische Messungen an magmatischen Gesteinen, die in die Sedimente intrudierten bzw. sie überlagerten. Sie dokumentieren ein Mindestalter von etwa 756 mya. Das Ende der Sedimentationsphase wird datiert zwischen 520 und 510 mya.