Feras Fayyad (; * 1984 in Syrien) ist ein syrischer Filmproduzent, Filmregisseur, Drehbuchautor und Filmeditor.

Leben und Wirken Fayyad wurde in Dadikh geboren, einem syrischen Dorf im Distrikt Idlib (Saraqib). Er ist das älteste von zehn Geschwistern und hat sieben Schwestern sowie zwei Brüder. Seine Kindheit verbrachte Fayyad in seinem Heimatdorf und Aleppo.

Fayyad studierte in Paris, und startete 2013 eine Karriere im Filmgeschäft, wobei er beim Fernsehdokumentarfilm Windows als Regisseur verantwortlich war und zudem das Drehbuch verfasste. Der Film wurde vom Sender Al Jazeera Media Network ausgestrahlt. Bekanntheit erlangte er durch den Dokumentarfilm Die letzten Männer von Aleppo, der das Leben der Gründer der Weißhelme beleuchtet und sich auf die Rettungseinsätze während des Krieges in Aleppo konzentriert. Für dieses Werk wurde er auf zahlreichen europäischen Filmfestspielen ausgezeichnet. Zudem wurde der Film als erster syrischer Beitrag für die Oscarverleihung 2018 in der Kategorie „Bester Dokumentarfilm“ nominiert. Diese Nominierung teilte er mit den beiden Produzenten Søren Steen Jespersen und Kareem Abeed, der aufgrund der Executive Order 13780 kein Visum erhielt. Danach drehte er den Dokumentarfilm Klinik im Untergrund – The Cave, der ebenfalls für einen Oscar nominiert wurde. 2018 wurde Fayyad in die Academy of Motion Picture Arts and Sciences berufen, die jährlich die Oscars vergibt.Academy invites 928 to Membersphip. In: oscars.org (abgerufen am 26. Juni 2018).

Nach einem längeren Aufenthalt in Dänemark lebt Fayyad seit 2021 in Berlin. Dort schuf er den Dokumentarfilm Im Kleinformat, in dem er sowohl Szenen aus dem Krieg in seinem Heimatland als auch aus dem Kontext des Al-Khatib-Prozesses verarbeitete.

Zeuge im Syrien-Konflikt

Dokumentation von Gräueltaten Während des syrischen Bürgerkriegs arbeitete Fayyad mit zahlreichen lokalen Journalisten und Videoaktivisten zusammen und fungierte als deren Mentor. Ihr Schwerpunkt lag auf der Dokumentation ziviler Opfer und der Zerstörung der Infrastruktur durch russische Luftangriffe sowie Bombardements des syrischen Regimes auf die Zivilbevölkerung. Diese Arbeit umfasste Vor-Ort-Aufnahmen von Bombenkampagnen und deren Folgen, mit dem Ziel, überprüfbare Nachweise für die spätere Rechenschaftspflicht zu sichern.

Durch diese Dokumentation half Fayyad dabei, unbearbeitetes Bildmaterial zu bewahren, das zu umfassenderen Archiven beitrug. Diese Archive belegen die systematische gezielte Bekämpfung von Nichtkombattanten während des Syrien-Konflikts. Das Filmmaterial wurde Verfahren zur Authentizitätsprüfung unterzogen, um die Weitergabe an Menschenrechtsorganisationen für deren Berichte über Verstöße zu unterstützen.

Im Juni 2023 sagte Fayyad im Prozess des Landgerichts Koblenz gegen zwei ehemalige Mitarbeiter des syrische Geheimdienstes aus. Anwar Raslan, einer der beiden Angeklagten hatte angeordnet, Fayyad während der Haft zu foltern.

Persönliche Erfahrungen als Überlebender Fayyad lebte auf dem Höhepunkt des syrischen Bürgerkriegs in Aleppo und bewältigte seinen Alltag inmitten ständiger Bombardements und des Vormarschs der Regierungstruppen, insbesondere während der Belagerung von 2016, bei der die Zivilbevölkerung in der Stadt eingeschlossen war. Er entging über längere Zeit der Gefangennahme durch die Kräfte des syrischen Regimes, während er sich durch umkämpfte Gebiete bewegte. Dabei war er auf lokale Netzwerke angewiesen, um Kontrollpunkte und die Überwachung zu umgehen, die gezielt auf Aktivisten und Journalisten ausgerichtet war.

Entführung Als die Proteste gegen die Regierung Assad begannen, nahm Fayyad seine Kamera und ging auf die Straße. Er dokumentierte die frühen friedlichen Demonstrationen, die Verhaftungen, die gewaltsame Reaktion der Regierung und das Erschießen von Demonstranten beim Versuch, den Aufstand niederzuschlagen. Er lehrte andere, die Revolte zu dokumentieren, bis er im Zuge einer Politik der Massenverhaftungen selbst festgenommen wurde.

Fayyad wurde zweimal von den Sicherheitskräften des Assad-Regimes verhaftet. Während der Verhöre, die darauf abzielten, Geständnisse über seine Aktivitäten zu erpressen, erlitt er schwere Folter.

Haft Fayyad verbrachte während seiner beiden Inhaftierungen insgesamt 18 Monate im Gefängnis. Er wurde zwischen verschiedenen Haftanstalten der syrischen Geheimdienste verlegt. Bei einer Inhaftierung wurde er neun Monate lang in einer Einrichtung festgehalten, in der er der Spionage und regimefeindlicher Aktivitäten beschuldigt wurde. Dort erlebte und bezeugte er brutale Methoden, einschließlich Schläge und psychologischen Zwang. Er wurde stundenlang an den Handgelenken aufgehängt, gepeitscht und dem Hungertod nahegebracht; er wurde in einer schmutzigen Gemeinschaftszelle festgehalten, in der kaum zu unterscheiden war, wer noch am Leben war. Fayyad war überzeugt, im Gefängnis zu sterben. Sogar Mitgefangene sagten, er würde es nicht lebend heraus schaffen.

Freilassung Nachdem Fayyad ohne Erklärung freigelassen wurde, drängte ihn seine Familie, das Land zu verlassen, in der Überzeugung, dass er eine weitere Verhaftung nicht überleben würde. Kurz darauf floh er über Jordanien in die Türkei, wo er als Flüchtling Schutz vor den anhaltenden Drohungen des Regimes suchte. Aus dem Exil schlich er sich jedoch über die syrische Grenze zurück in das belagerte Aleppo, um syrische Zivilisten unter Bombardement zu filmen. Er setzte sich beharrlich für syrische Überlebende ein und nutzte seine persönlichen Qualen, um die menschlichen Kosten des Konflikts aufzuzeigen, ohne direkt an den Frontlinien von Aleppo beteiligt zu sein. Diese Überlebenserfahrungen beeinflussten maßgeblich seinen Ansatz, die Gräuel des Krieges einzufangen. Später floh er nach Dänemark, doch selbst dort verfolgten ihn die Spuren der Folter weiter und verursachten körperliche Schmerzen sowie wiederkehrende Alpträume.

Auszeichnungen 2018: Friedenspreis des Deutschen Films – Die Brücke – Spezialpreis für Die letzten Männer von AleppoFriedenspreis des Deutschen Films - Die Brücke wird am 5. Juli in München zum 17. Mal verliehen. Artikel vom 6. Juni 2018, abgerufen am 6. Juni 2018. 2018: Mitglied der Academy of Motion Picture Arts and Sciences, USA 2019: Nordisk-Film-Preis 2020: Deutscher Dokumentarfilmpreis für Klinik im Untergrund – The Cave

Filmografie 2013: Windows (Fernseh-Dokumentarfilm) 2013: Wide Shot-Close Shot (Dokumentarfilm) 2016: Between the Fighters in Syria (Fernsehdokumentation) 2017: One Day in Aleppo (Kurzfilm) 2017: Die letzten Männer von Aleppo (آخر الرجال في حلب, Dokumentarfilm) 2019: Klinik im Untergrund – The Cave (Dokumentarfilm) 2021: Im Kleinformat (Dokumentarfilm)

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Einzelnachweise

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