Die Kältewelle in Europa 2018 war ein Kälteeinbruch während des Spätwinters 2017/2018, der beginnend in der vorletzten Februarwoche in weiten Teilen Europas und angrenzenden Räumen für abnorm tiefe Temperaturen und starke Schneefälle sorgte. Das Ereignis kostete über 80 Menschenleben.

Meteorologie Synopse Ursache des Ereignisses war ein kräftiges Hochdruckgebiet über Nordeuropa. Auf seiner Südflanke strömte von Osten her sehr kalte und mit Ausnahme des Nordens auch sehr trockene Arktikluft nach Europa. Ihre Entstehung wurde wahrscheinlich aufgrund des Abschmelzens der Polkappen verstärkt. Grund für diese Wetterlage war die Aufspaltung des Polarwirbels in zwei Kerne infolge einer plötzlichen Stratosphärenerwärmung über dem Pol.„Sudden Stratospheric Warming“ – Kommt der „Dejà-vu-Winter“? In: DWD: Thema des Tages, 21. Februar 2018.Temperature rises above freezing near North Pole, as frigid air slinks toward Europe. Andrew Freedman in mashable.com, 20. Februar 2018. Das führte zu einem extremen Auspendeln des Jetstreams und der Ersetzung des Islandtiefs durch ein Hoch (Hartmut), während anstelle des Azorenhochs kräftige Tiefs, insbesondere Ulrike/Emma, traten.Prognose für Do 21.02.2018, 12:00 UTC. DWD-Wetterkarte, Website der Freien Universität Berlin;Wetterlage vom 22. Februar 2018, 12 UTC. ZAMG: Aktuelle Wetterkarte und Kartenarchiv;Modèles – Archives des réanalyses du NCEP: , Jeudi 22. fêvier 2018, 7:00 19:00 locale. Meteofrance: meteociel (insb. Température 850hPa und Jet Stream, 330hPa).Ungewöhnliche Kälte in den letzten Februartagen. ZAMG: Wetter News, 21. Februar 2018.Prognose für Di 27.02.2018, 12:00 UTC. DWD; Wetterlage vom 27. Februar 2018, 12 UTC. ZAMG; Modèles – Archives des réanalyses du NCEP: Mardi 27. fêvier 2018, 19:00 locale. Meteofrance.Winter Ade, Frühling Ole? In: DWD: Thema des Tages, 5. März 2018. Höhentiefs bildeten sich im zentralen bis östlichen Mittelmeerraum.Photos: Snow blankets Rome and Balkans; More on the way. Eric Leister in: AccuWeather: Wether News, 27. Februar 2018.

Mit Verlagerung der polaren Luftmassen ab Mitte Februar nach Süden herrschte schon ab dem 25. Februar in Nordskandinavien extreme Kälte. So maß man in der Nacht auf den 28. in Folldal in Østerdalen (Norwegen) −42,0 °C,Folldal kaldest i landet (Vind og kulde i Sør-Norge). In: Norsk rikskringkasting online (nrk.no), 28. Februar 2018 (update 1. März 2018).Kulde Folldal (Kaldest i Europa). nrk.no, 28. Februar 2018 (update 1. März 2018) resp. 1. März 2018. in Dravagen (Schweden) −36,1 °C. Insgesamt verzeichnete man in Norwegen zwischen 25. Februar und 1. März an 21 Messstellen neue Kälterekorde, teils 47 Jahre alte.Her var det minus 32,5 grader i natt. In: Norsk rikskringkasting online (nrk.no), 26. Februar 2018.21 nye norske kulderekorder satt i natt. nrk.no, 28. Februar 2018 (update 1. März 2018). Die Temperaturen erreichten auch schon am 27. Februar bis −28 °C in den höheren Alpentälern der Schweiz. In: MeteoSchweiz: Blog, 27. Februar 2018.

Dabei lagen in Europa gebietsweise die Temperaturen niedriger als im Polarraum. So meldete zu der Zeit, als in Europa strenger Frost herrschte, Kap Morris Jesup an der Nordspitze Grönlands mehrfach knapp Plusgrade. Auf Island und Spitzbergen gab es mit +8 °C Temperaturen wie an der Mittelmeerküste Afrikas. In den frühen Morgenstunden des 1. März 2018 war Østerdalen in Norwegen überhaupt der kälteste Ort weltweit.

Im Laufe des späten Februar bildete sich aus den verlagerten polaren Luftmassen ein riesiges antizyklonisches System aus, das von der Barentssee bis Ostsibirien reichte,Prognose für Do 01.03.2018, 12:00 UTC. DWD; Wetterlage vom 1. März 2018, 12 UTC. ZAMG; Modèles – Archives des réanalyses du NCEP: Vendredi 2. mars 2018, 17:00 locale. Meteofrance. und über Europa entstand mit einem flachen Tiefdruckgebiet des östlichen Mittelmeers eine High-over-Low-Lage. In: MeteoSchweiz: Blog, 25. Februar 2018. In: MeteoSchweiz: Blog, 26. Februar 2018. Das Skandinavienhoch Hartmut entwickelte sich zu einem antizyklonischen Sturmsystem, dessen Windband am Südrand in den letzten Februartagen über das nördliche Zentraleuropa und die Britischen Inseln bis in den zentralen Nordatlantik vorstieß. Ein Kaltlufttrog schob sich zum Alpenraum vor. Diese massive Ostwindzone wurde in der englischen Presse Beast from the East (‚Bestie aus dem Osten‘) genannt.Z.B. Nach einem Heavy-Rock-Album von 1988; der Name wurde schon früher verwendet, etwa Dezember 2012 für eine Nordostströmung an der Rückseite eines Zentraleuropatiefs (Marie): The meteorology behind the ‘Beast from the East’. MetOffice: Blog, 7. Dezember 2012; vergl. Prognose für Mo 10.12.12, 12:00 UTC. DWD/FU Berlin. Unter der Bezeichnung wurde dieses Detailereignis auch europaweit bekannt.

Schneefälle gab es in dieser ersten Phase zum einen im Ostseeraum und westlich der Nordsee durch den Lake Effect.Der Frost hat Deutschland fest im Griff. In: DWD: Thema des Tages, 26. Februar 2018. Der Raum Lübeck meldete 25 cm Neuschnee (Bad Schwartau-Groß Parin). Die Schneefälle reichten bis Schottland und Südengland.Staying bitterly cold with severe weather warnings for widespread snow at times for many areas this week. MetOffice: News, 27. Februar 2018. Im Alpenraum, Mittelmeer- und Schwarzmeerraum kam es zu starkem Schneefall aufgrund des Zusammentreffens der nordöstlichen Kaltströmungen mit feuchteren südlichen Luftmassen. Dieser Starkschneefall konzentrierte sich im Raum der Adria und reichte bis in die Pyrenäen, an die Côte d’Azur und nach Korsika,Point sur la vague de froid en cours. Meteofrance: Actualités, 27. Februar 2018. bis an die Küsten Algeriens und Tunesien sowie nach Süditalien (Bari, im Bergland der Marken bis 60 cm Neuschnee; sonst Schneeregen und Gewitter) und bis Westgriechenland wie auch die Donau- und Walachische Tiefebene. Delnice in Kroatien meldete eine Rekordschneelage von 1,8 m. An der oberen Adria trat Bora in Orkanstärke auf (Krk 150 km/h).Die Bora an der kroatischen Küste – die etwas andere Nebenwirkung langanhaltender Winterwetterlagen über Europa. In: DWD: Thema des Tages, 28. Februar 2018.

Der Jetstream verlagerte sich abnorm weit nach Süden bis über die Azoren, Nordafrika und Arabien.Prognose für So 04.03.2018, 12:00 UTC. DWD; Wetterlage vom 4. März 2018, 12 UTC. ZAMG; Modèles – Archives des réanalyses du NCEP: Dimanche 4. mars 2018, 17:00 locale. Meteofrance. Vor Neufundland bildete sich schon am 25. Februar ein Tief, das von der FU Berlin dann Ulrike, von den westeuropäischen Wetterdiensten Emma genannt wurde. Dieses zog mit dem Jetstream südostwärts und erreichte Ende Februar die Iberische Westküste und verharrte dann über der Biscaya. Dabei prallten diese feuchten Luftmassen gegen die sibirischen Ostwinde von Hartmut. Dadurch entstand über der Keltischen See eine blizzard-artige Wetterlage,Neige en Irlande et au Royaume-Uni. Meteofrance: Actualités, 2. März 2018. mit heftigen Schneestürmen vom 2. auf den 3. März im Süden Irlands, in Südostengland und Teilen von Wales. Die Sturmböen erreichten 105 km/h bei Leek-Thorncliffe und 90 km/h in Dublin. Die Fronten des Tiefs griffen bis Italien aus, mit verbreitet 10–20 cm und bis zu 50 cm Neuschnee im Norden Spaniens (Kantabrisches Gebirge, Pyrenäen),La nieve irá dando paso a un frío gélido. In: El Pais online, 5. März 2018. den südlichen britischen Inseln und den Westalpen. In: MeteoSchweiz: Blog, 3. März 2018 − die maximale Schneehöhe seit 1959 liegt in Genf aber bei 45 cm Mitte Februar.

Das Hoch Hartmut löste sich im Lauf der ersten Märztage sukzessive langsam auf. Mit dem Vorrücken der atlantischen Luft kam es durch Niederschlag auf die kalten Böden in Zentraleuropa auch zu Eisregen. Mit Ostwind gab es in Nordnorwegen Schneefälle, zeitweise herrschte – wegen schon insgesamt hoher SchneemengenSnøskader for 30 millioner. nrk.no, 22. Februar 2018. – höchste Lawinenwarnstufe.Femdobling i antall rapporterte snøskred. und Rekordmange snøskader – mye dekkes ikke av forsikringen. nrk.no, 4. März respektive 10. März 2018.

rahmenlos|hochkant=1.2Temperaturanomalie für die Woche vom 18. bis 24. Februar: Vordringen polarer Kaltluft von Nordosten bis Nordwestafrika.rahmenlos|hochkant=1.427. Februar 2018, Mitteleuropa weitgehend bewölkungsfrei und aper, über der Ostsee Ostwindzone mit schneeträchtigen Kumuluswolken über der Nordsee, Luftmassengrenze zu atlantischer Luft vor den britischen Inseln; Nord- und Nordosten bewölkungsfrei und mit Frost; im Südosten feuchte Luftmassen; im Südwesten und über dem Mittelmeer der Westwind des südverlagerten Jetstreams. (Satellitenbild, NASA/MODIS-Terra)rahmenlos|hochkant=1.2Temperaturanomalie für die Woche vom 25. Februar bis 3. März: Maximalphase der Kältewelle.rahmenlos|hochkant=1.41. März 2018, Maximum des Hocheinflusses: Deutschland weitgehend bewölkungsfrei. Schnee im Ostseeraum durch Lake Effect. Südwestlich die vom Tiefdruckgebiet Ulrike herangeführte dichte Wolkendecke aus milderen, feuchten Luftmassen. In der Deutschen Bucht Wolkenstraßen durch den abklingenden Ostwind. (Satellitenbild, NASA/MODIS-Aqua)

Klimatologie

Das Ereignis war ein typischer zweiter Spätwinter, eine früher normale, mit der Klimaerwärmung im 21. Jahrhundert selten gewordene Singularität (regelhaft auftretende Abweichung vom jahreszeitlichen Normalgang).Der Spätwinter oder auch: Die „Russenpeitsche“ hat Verspätung! In: DWD: Thema des Tages, 24. Februar 2018. Massivere Kältewellen so spät im Winter treten aber nur alle paar Jahre auf, im Alpenraum beispielsweise zuletzt 2011 und 2005, und fünfmal in den letzten 40 Jahren. Die Intensität des Ereignisses ist aber auch im langjährigen Mittel herausragend: In Norwegen wurden lokal tiefere Werte als Anfang März 1971 gemessen (Tryvannshøgda bei Oslo), in Südfrankreich teils die tiefsten Werte seither, in den Alpen vereinzelt die tiefsten Februarwerte seit diesem Jahr.Die ersten Kälte-Rekorde sind gefallen. apa; in: Oberösterreichische Nachrichten online (nachrichten.at), 26. Februar 2018. Die am 1. März in Tredegar in Wales gemessenen −5,2 °C sind die niedrigste je an einem meteorologischen Frühlingstag im Vereinigten Königreich gemessene Tageshöchsttemperatur, der bis dahin geltende Rekordwert (−4,6 °C in Cassley, Sutherland in Schottland) wurde 2001 gemessen. In den Hochgebirgslagen der Schweiz war der Februar der kälteste seit 30 Jahren, In: MeteoSchweiz: Blog, 1. März 2018. und in den Westalpen war er auch schneereich, in Genf beispielsweise lag (mit 19 cm) so viel Schnee, wie für März zuletzt 1959 verzeichnet wurde.

Dabei steht die Februarkälte in besonderem Kontrast zu dem viel zu warmen vorausgegangenen Januar, dieser war beispielsweise in Österreich der drittwärmste der letzten 250 Jahre, nach 2007 und 1796,Jänner 2018: extrem mild und viel Schnee auf den Bergen . ZAMG: Klima News, 31. Januar 2018. in der Schweiz der mildeste seit Messbeginn 1864, mit einer Rekordwärmeanomalie von +6 °C in Genf, bisher wurden maximal +4,5 °C verzeichnet (der Jänner war auch weltweit der fünftwärmste ab 1880).January 2018: Earth's 5th Warmest January on Record. Jeff Masters in wunderground.com: Cat6, 19. Februar 2018. Der Früh- und Hochwinter waren von einer NAO-Positiv-Phase von Anfang Dezember bis Ende Februar gekennzeichnet (stabile Azorenhoch-Islandtief-Lagen). Überlagert wurde diese von zahlreichen kurzperiodischen AO-Index-Schwankungen (Jetstream-Oszillationen), die von Herbst bis Januar zu einer Serie abnormer Stürme geführt hatte. Mit Ende Februar glitten aber dann sowohl AO- wie NAO-Index massiv ins Negative.

Ein Tief im Südwesten Europas mit Blizzardcharakter (wie Ulrike/Emma) wurde zuletzt im Januar 1982 verzeichnet.

Die extreme Temperaturumkehr zwischen Polarraum und gemäßigten Breiten tritt ebenfalls nur alle paar Jahre auf, ähnlich zuletzt Winter 2013. Parallel kam es zu einer analogen Situation in Nordamerika, mit abnormer Kälte im Südwesten der USA, Wärme an der Ostküste und in Nordkanada und diversen Starkniederschlägen.

Folgen Kältetote wurden gemeldet aus