Kozan (vormals Sis, ) ist eine Stadt und ein Landkreis der türkischen Provinz Adana. Es liegt in der nördlichen Çukurova, südlich des Anti-Taurus, überwiegend am linken Ufer des Kilgen Çayı, eines Zuflusses des Ceyhan.

Name Die erste Überlieferung eines Namens für die Stadt stammt von den Hethitern, die sie Sis oder Siski nannten. Bei den Assyrern hieß sie Sissu. In der Zeit des Hellenismus wurde die Stadt Sision (griech.: Σίσιον) genannt. Unter römischer Herrschaft führte sie den Namen Flavias oder Flaviopolis. Das Byzantinische Reich griff wieder auf den alten Namen Sision zurück.William Mitchell Ramsay: The Historical Geography of Asia Minor (= Royal Geographical Society [Hrsg.]: Supplementary papers. Band 4). John Murray, London 1890, S. 385 (). Auf Armenisch heißt die Stadt Sis (), selten auch Sissu. Der Name bedeutet Wohnsitz der Priester oder Wohnsitz der Mönche. Im osmanischen Türkisch hieß die Stadt . Der heutige Name Kozan kommt aus dem Alttürkischen und bedeutet so viel wie Hase, Kaninchen, das Totemtier der Kozanoğulları.

Lage Kozan liegt auf 160 m Höhe am Nordrand der Yukarı Ova, einer Landschaft zwischen Adana und Kozan, wo die Ebene in eine Hügellandschaft übergeht. Durch die Stadt fließt der Kilgen Çayı (früher Sis-Fluss), der im Norden von Kozan zu einem Stausee, dem Kozan Barajı aufgestaut wurde. Kozan liegt an den nordöstlichen Ausläufern des Kozan-Gebirges, einem Teil des Anti-Taurus. Im Osten grenzt der Landkreis an die Provinz Osmaniye, im Norden an den Kreis Feke und Saimbeyli. Südlich von Kozan liegen die Landkreise Ceyhan und İmamoğlu, im Westen Aladağ. Die Provinzhauptstadt Adana ist auf der D 815 nach 70 km zu erreichen. Seit einer Gebietsreform 2014 ist der Ilçe (Landkreis) flächen- und einwohnermäßig identisch mit der Kreisstadt, die 103 ehemaligen Dörfer Turkey Civil Administration Departments Inventory. Abgerufen am 12. Juli 2023. des Kreises wurden Mahalle (Stadtviertel) der Stadt.

Stadtteile Kozan hat insgesamt 132.911 Einwohner (Stand 2024), wobei 2021 in der eigentlichen Stadt Kozan 90.908 Menschen wohnten und in den Dörfern des Landkreises 41.412 Personen. Die größten Dörfer im Landkreis sind Hamam mit 1.540, Turgutlu mit 1.501 und Bucak mit 1.137 Einwohnern.

Acarmantaş Ağlıboğaz Akarca Akçalıuşağı Akdam Akkaya Alapınar Andıl Arslanlı Arslanpaşa Aydın Ayşehoca Bağlar Bağözü Bağtepe Boztahta Bucakköy Bulduklu Çamdere Çamlarca Çanaklı Çandık Çelenuşağı Çobanpınarı Çokak Çukurören Çulluuşağı Cumhuriyet Çürüklü Damyeri Dikilitaş Dilekkaya Doğanalanı Duraluşağı Durmuşlu Düzağaç Enizçakırı Ergenuşağı Eskikabasakal Eskimantaş Faydalı Ferhatlı Gazi Gedikli Gökçeyol Gökgöz Görbeyaz Güneri Hacıbeyli Hacımirzalı Hacıuşağı Hamamköy İdemköy Ilıcaköy Işıkkaya Işıklı Kabaktepe Kahveli Kalkumaç Kapıkaya Karabucak Karacaoğlan Karacaören Karahamzalı Karanebili Kemer Kıbrıslar Kızıllar Kızlarsekisi Köseli Kuytucak Kuyubeli Kuyuluk Mahmutlu Mahyalar Marankeçili Minnetli Orçan Örendere Oruçlu Özbaşı Pekmezci Postkabasakal Salmanlı Şerifli Şevkiye Taş Tavşantepe Tepecikören Tufanlı Tufanpaşa Turgutlu Türkeli Turunçlu Varsaklar Velicanlı Yanalerik Yarımoğlu Yassıçalı Yeniköy Yukarıkeçili Yüksekören Zerdali

Geschichte Antike Die ersten Siedlungsspuren stammen aus der Zeit des prähethitischen Königreichs Kizzuwatna. Im Laufe des 16. Jahrhunderts v. Chr. wurde das Gebiet, das von den Luwiern bewohnt wurde, von den Hethitern erobert. Ab ca. 1500 taucht die Siedlung als Königreich Kizzuwatna in hethitischen Quellen auf. Nach diesen war es Teil des Königreichs Arzawa. Ca. 1339 bis 1306 v. Chr. zerstörte der hethitische Großkönig Muršili II. das Reich Arzawa und Kizzuwatna war wieder unter hethitischer Kontrolle. Um 1190 v. Chr. löste sich das Gebiet unter König Išputaḫšu von den Hethitern und bildete das Königreich Que. 839 v. Chr. wurde die Stadt von den Assyrern, die sie Sissu nannten, unter Großkönig Salmanassar III. erobert und tributpflichtig gemacht. 676 v. Chr. verlor die Stadt unter Großkönig Asarhaddon (auch: Aššur-aḫḫe-iddina) ihre Unabhängigkeit und wurde Teil des assyrischen Reiches (Nach türkischen Quellen (Kaymakam Kozan) geschah dies schon 720 v. Chr. unter Großkönig Salmanassar V.). Nach dem Untergang des assyrischen Reiches um 605 v. Chr. ist unklar, ob Sissu Teil des Neubabylonischen Reichs wurde. Wahrscheinlich wurde die Stadt ab 607 v. Chr. von den Syennesis regiert. Mit dem Einmarsch von Kyros dem Jüngeren endete deren Herrschaft und Sissu wurde um 408 v. Chr. Teil des Persischen Reiches, wobei die Syennesiden als persische Satrapen weiter herrschten. 333 eroberte Alexander der Große die Gegend und damit auch Sissu. Nach Alexanders Tod 323 v. Chr. war Sissu Teil des Seleukidenreiches. 83 v. Chr. nutzte der armenische König Tigranes der Große die Schwäche der Seleukiden und eroberte Sis, das von den Griechen Sision genannt wurde. Aber schon 69 v. Chr. besiegte der römische Feldherr Lucullus die Armenier und unter Pompeius wurde die Stadt, die jetzt von den Römern Flavias oder Flaviopolis genannt wurde, um 67 v. Chr. Teil der römischen Provinz Cilicia. Ab 395 n. Chr. gehörte Flaviopolis zum Byzantinischen Reich.

Mittelalter 704/705 wurde Sis zum ersten Mal von den Arabern belagert, konnte aber von den Byzantinern befreit werden. Kalif al-Mutawakkil (847 bis 861) eroberte Sis endgültig und befestigte die Stadt. 962 eroberten die Byzantiner unter Kaiser Nikephoros II. die Stadt zurück.

Ab der Mitte des 11. Jahrhunderts kam es auf Grund der Schlacht bei Manzikert (Sieg der Seldschuken über Byzanz) zu einer Einwanderungsquelle von Armeniern aus Ostarmenien, wodurch die Gegend eine überwiegend armenische Bevölkerung bekam. In der Stadt Sis selbst waren die Armenier schon zur Zeit der arabischen Eroberung in der Mehrheit. 1107 eroberte Thoros I. die nunmehr Sis genannte Stadt für das Fürstentum Kleinarmenien. 1111 belagerte der Seldschukensultan Malik Schah I. erfolglos die Stadt. 1187 wurde Sis Residenz der armenischen Könige, ab 1294 auch Sitz des Katholikos der Armenier. Auf einer befestigten Terrasse unterhalb der Burg wurden unter Leo II. die Kathedrale Heilige Sophia errichtet. In dieser Sophien-Kirche befand sich bis ins frühe 20. Jahrhundert der Thron der Könige von Kleinarmenien. (Die Kirche wurde um 1915 zerstört, die Ruinen 2002 beseitigt). Auch ließ er die Stadt von einer neuen Mauer umgeben. König Hethum I. unterwarf sich 1246 den Mongolen und konnte so Sis vor der Zerstörung bewahren. Unter seiner Regentschaft (1226–1269) entstand der neue Palast, Darpas genannt, und Sis erlebte eine Blütezeit und war ein Zentrum der Wissenschaften. Im August 1266 ließ der Mamlukensultan Baibars I. das armenische Königreich angreifen, die Mamluken eroberten Sis und zerstörten es. 1269 wurde Anazarbos (ca. 20 km südlich von Sis) von einem schweren Erdbeben getroffen und zahlreiche Bewohner siedelten nach Sis über. Eine weitere Plünderung von Sis erfolgte 1275 durch Sultan Berke Qan, dem Sohn Baibars. Ein erneuter Angriff unter dem späteren Sultan Qalawun konnte 1277 abgewehrt werden. 1337 erfolgte eine weitere Plünderung durch Sultan al-Malik an-Nasir. 1375 wurde die Stadt endgültig von den Ramazanoğulları (auch Ramazaniden oder Ramadaniden genannt), einem turkmenischen Stamm, der unter der Flagge der Mamluken kämpfte, unter Işık Temur eingenommen und das Königreich Kleinarmenien hörte auf zu existieren. Der Königspalast wurde dabei zerstört. Dadurch sank Sis in den Rang einer Provinzstadt und erlangte nie mehr den Wohlstand und Einfluss, den es vor den Mamluken hatte.

In der Folgezeit gehörte das Gebiet der Çukurova, der kilikischen Ebene, zum Herrschaftsbereich des Beyliks der Ramazanoğulları. Diese waren bereits in den Jahren ab 1340 in die kilikische Ebene vorgedrungen und hatten sich der Städte Adana und Misis bemächtigt. Sie unterstanden den Mamlukensultanen, lehnten sich aber auch an die vorrückenden Osmanen an. Sis wurde eines von drei Nâibliks (Regentschaften) der mamlukischen Çukurova. Nachdem der osmanische Sultan Selim I. ab 1516/17 das Mamlukenreich unterworfen hatte, blieben die Ramazanoğulları unter osmanischer Herrschaft bis 1608 Statthalter der Provinz Adana. Sis wurde zum Zentrum eines Sandschaks, der 1571 an die Provinz Zypern angeschlossen wurde.

Neuzeit Ab ca. 1700 rückte aus dem Taurus ein anderer turkmenischer Nomadenclan, die Kozanoğulları vor, die in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts in der Gegend von Sis ein nahezu von der Zentralregierung selbständiges sogenanntes Derebeylik begründen konnten. Cevdet Pascha, ein osmanischer Staatsmann, schrieb 1864: „Die Herrschaft der Kozan Oğulları war absolut und tyrannisch und an keine Bedingung gebunden. Die Aghas taten, was sie wollten. Sie haben die Männer hingerichtet, auf die sie wütend waren … Obwohl die Einwohner von Kozan religiöse und gute Menschen sind, sind sie ziemlich unwissend geblieben … Die Kozan Oğulları heirateten mehr als vier Frauen. Ömer Aghazade Ahmed Agha hat zum Beispiel neun Frauen geheiratet…“ (zitiert nach Betül Sancak).

1865 wurde ihrer Macht durch die Fırka-i Islahiye-Aktionen unter Sultan Abdulhamid II. gewaltsam ein Ende gesetzt und die Angehörigen des herrschenden Clans deportiert oder mit Beamtenstellen in anderen Provinzen abgefunden. Durch die Aktionen kam es zu einer schweren Cholera-Epidemie in Sis. Im gleichen Jahr wurde Sis offiziell als Stadt deklariert. Ab 1866 wurde mit der Sesshaftmachung der Nomaden begonnen und die Gegend als Sandschak Kozan mit der Hauptstadt Sis neu organisiert.

Um die Wende zum 20. Jahrhundert hatte Sis 8.000 Einwohner, von denen etwa 5.600 Armenier waren.Raymond H. Kévorkian, Paul B. Paboudjian: Les Arméniens dans l’Empire Ottoman à la veille du génocide. Editions d’art et d’histoire, Paris 1992, S. 292. Im März 1909 kam es in Folge der Bosnischen Annexionskrise zu einem Massaker an der armenischen Bevölkerungsmehrheit. Nach offiziellen osmanischen Angaben kamen 114 Armenier ums Leben; die tatsächliche Zahl dürfte aber höher liegen.Raymond Haroutioun Kévorkian, Paul B. Paboudjian: Les massacres de Cilicie d’avril 1909. In: Revue d’Histoire Arménienne Contemporaine pour toutes les éditions. Vol. III. 1999, Premiere Partie: Les massacres de Cilicie d'avril 1909. IV: Les massacres de Cilicie d’avril 1909. Abschnitt: Les pertes matérielles. Anm. 34 (französisch; imprescriptible.fr). Fast alle Armenier wurden während des Völkermords an den Armeniern ab April 1915 nach Osten deportiert, wobei fast alle umkamen. In der Folge wurde armenisches Gut an Türken verteilt und sämtliche armenische Bauwerke zerstört.

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde Sis am 7./8. März 1919 von französischen Truppen besetzt, die zum Ende des türkischen Befreiungskriegs am 2. Juni 1920 wieder abzogen. Die wenig verbliebenen bzw. zurückgekehrten Armenier, die von den Franzosen zurück nach Kilikien gebracht wurden, flüchteten in den Libanon.

1928 wurde dann auch die Ortschaft Sis in Kozan umbenannt, womit sämtliche Verbindungen zur armenischen Vergangenheit getilgt wurden. Zwischen 1923 und 1926 bildete Kozan eine eigene Provinz, wurde dann aber an die Provinz Adana angeschlossenWebsite der Gemeinde. In: kozan.bel.tr (türkisch).Art. Ḳōzān-Oghullari. In: Encyclopaedia of Islam. Second Edition. Hrsg. von P. Bearman, Th. Bianquis, C. E. Bosworth, E. van Donzel, W. P. Heinrichs. Brill Online, 2015.V. F. Büchner: Art. Sīs. In: Encyclopaedia of Islam, Second Edition. Edited by: P. Bearman, Th. Bianquis, C. E. Bosworth, E. van Donzel, W. P. Heinrichs. Brill Online, 2015..

Sitz des armenischen Katholikos