mini|Porträtaufnahme Madame Nhus in den 1950er Jahren Madame Nhu, geb. Trần Lệ Xuân, (* 22. AugustLaut einer Korrektur vom 13. Mai 2011 (Zitat: As the obituary said, at the time of her death she was believed to be 87. The Times was unable then to determine her exact date of birth. Subsequent research has established that she was born on Aug. 22, 1924, which means she was 86 when she died.) unter dem ursprünglichen Nachruf vom 26. April 2011 der New York Times: 1924 in Hanoi; † 24. April 2011 in Rom) war eine Schwägerin des ersten Präsidenten der Republik Vietnam, Ngô Đình Diệm. Da der Präsident unverheiratet war, fungierte sie als inoffizielle First Lady. Gemeinsam mit ihrem Mann Ngô Đình Nhu übte sie in den 1950er und 1960er Jahren großen Einfluss auf die Politik in Vietnam aus.

Biographie Jugend und politische Anfänge Trần Lệ Xuân (Frühlingspracht oder Träne des Frühlings) entstammte einer wohlhabenden aristokratischen und buddhistischen Familie. Über ihre Mutter war sie eine Urenkelin von Kaiser Đồng Khánh. Die Mutter war zum Zeitpunkt der Geburt der Tochter 14 Jahre alt und hatte zwei Jahre zuvor schon eine Tochter geboren.Demery, Finding the Dragon Lady, S. 18. Ihr Vater Trần Văn Chương war der erste Vietnamese, der ein französisches Examen als Rechtsanwalt ablegte, und diente später als Botschafter in den USA. Ihren Reichtum verdankte die Familie der Nähe zur französischen Kolonialregierung.

Tran war eine mittelmäßige Schülerin und verließ die Schule vor einem Abschluss. Sie sprach Französisch als erste Sprache und lernte später Englisch, aber nie Vietnamesisch zu schreiben. Sie lebte isoliert in ihrem Elternhaus in Hanoi, umgeben von 20 Bediensteten. 1943 heiratete sie den 14 Jahre älteren Ngo Dinh Nhu, einen studierten Literaturwissenschaftler und Bibliothekar, den sie in dem Salon ihrer Mutter Vesak (Madame Chuong) kennengelernt hatte, in dem sich die Hanoier High Society traf. Der Vater von Nhu, oder auch Nhu selbst, soll einer der zahlreichen Liebhaber ihrer Mutter gewesen sein. Dessen Familie war im 17. Jahrhundert zum Katholizismus konvertiert; anlässlich der Eheschließung nahm auch Tran den katholischen Glauben an sowie deren strikten Antikommunismus. In den folgenden Jahren war sie als Madame Nhu bekannt. Das Ehepaar bekam vier Kinder, zwei Mädchen und zwei Jungen.

Drei Jahre nach der Eheschließung begann der Indochinakrieg zwischen der französischen Kolonialmacht und der Unabhängigkeitsbewegung Việt Minh. Einer der Schwäger von Madame Nhu wurde kurzzeitig von den Viet Minh gefangen genommen, ein anderer getötet, indem er lebendig begraben wurde. Sie selbst und ihre kleine Tochter wurden im Dezember 1946 entführt und vier Monate lang in einem abgelegenen Dorf gefangen gehalten, bis die Gegend von französischen Truppen zurückerobert wurde.

Die Eheleute zogen nach Đà Lạt in Südvietnam, einem Villenort der vietnamesischen Oberschicht, und warben für Nhus Bruder Ngô Đình Diệm, einen Kämpfer für die Unabhängigkeit Vietnams und antikommunistischen Nationalisten, der seit 1950 zunächst in den USA und anschließend in Frankreich lebte, wo er Kontakte zur dortigen vietnamesischen Kolonie pflegte. 1953 zogen die Eheleute Nhu nach Saigon, wo sie Demonstrationen gegen die Franzosen und die Kommunisten organisierten, auch mit dem Ziel, die Macht von Kaiser Bảo Đại zu schwächen. Zudem gründeten sie zu dieser Zeit die Cần-Lao-Partei.Spencer C. Tucker: The Encyclopedia of the Vietnam War: A Political, Social, and Military History, 2nd Edition [4 volumes]. ABC-CLIO, 2011, ISBN 978-1-85109-961-0, S. 166 ().

Nachdem im März 1954 die Viet Minh die Franzosen in der Schlacht um Điện Biên Phủ geschlagen hatten, wurde – zunächst für zwei Jahre geplant – das Land auf der Indochinakonferenz in einen nicht-kommunistischen Süden und einen kommunistischen Norden aufgeteilt. Der Kaiser, in Frankreich aufgewachsen und frankophil, ernannte auf Druck der USA Diệm, der schon 1933 unter ihm Innenminister gewesen war, im Juni 1954 zum Premierminister von Südvietnam. Zwischen Kaiser und Premierminister entwickelte sich jedoch ein Machtkampf, der in einem Referendum mündete, bei dem die Bevölkerung zwischen den beiden entscheiden sollte. Bei diesem Votum am 23. Oktober 1955 erhielt Diệm mit der Unterstützung von Nhu, der inzwischen die Geheimpolizei kontrollierte, vermeintlich 98,2 Prozent Zustimmung. Der Kaiser verließ Vietnam und ging nach Paris, wo er 1997 starb.

Im Zentrum der Macht Status und politische Ziele mini|hochkant|Ngô Đình Diệm (1957) mini|Madame Nhu im Jahr 1961 im Gespräch mit dem US-Vizepräsidenten Lyndon B. Johnson Diệm rief die Republik aus und ernannte sich selbst zum Präsidenten mit diktatorischen Vollmachten. Vier seiner Brüder erhielten offizielle Ämter, Nhu wurde offizieller Berater des Präsidenten. Madame Nhu wurde Präsidentin mehrerer Frauenverbände, initiierte die Gründung von Frauenkampfgruppen und war für Frauenfragen zuständig. Zudem saß sie als eine von neun Frauen in der Nationalversammlung. Große Unterstützung erhielt sie von den bis zu eine Million Katholiken aus Nordvietnam, die 1954/55 im Rahmen der Operation Passage to Freedom auf Aufforderung der Amerikaner und mit Unterstützung der US Navy nach Südvietnam umgesiedelt worden waren. Mit Slogans wie „Christ has gone to South“ wurden die nordvietnamesischen Katholiken veranlasst, in den Süden zu ziehen. Die Amerikaner finanzierten die Operation mit rund 282 Millionen Dollar.Hearden, Tragedy of Vietnam, S. 74f.

Das Ehepaar Nhu zog in den Präsidentenpalast und verfügte bald über eine immense Machtfülle; Nhu galt als die „graue Eminenz“ der Regierung. „Kurzum, die Ngos herrschten wie eine königliche Familie, und sie regierten Südvietnam wie ihren persönlichen Besitz.“Frey, Geschichte des Vietnamkriegs, S. 59. Der US-amerikanische Journalist und Diplomat John Mecklin, der im Präsidentenpalast verkehrte, beschrieb die Familie als „clinically mad“ („krankhaft wahnsinnig“). 1962 soll Madame Nhu ihre Schwester in den Selbstmord getrieben haben, indem sie deren Liebhaber inhaftieren ließ, 1963 sagte sie sich von ihren buddhistischen Eltern los.

Madame Nhu, eine „scharfzüngige Verteidigerin des Regimes“, übernahm die Funktionen einer First Lady, da der Präsident unverheiratet war. Sich selbst sah sie in der Tradition der Trưng-Schwestern, vietnamesischer Nationalheldinnen, die im 1. Jahrhundert eine Revolte gegen China angeführt hatten.

Zunächst wurde die zierliche, etwa 1,55 Meter große Frau von der US-amerikanischen Presse wegen ihrer eleganten Ausstrahlung gefeiert. Mehrfach zierte ihr Foto in dieser Zeit die Cover von Life und Time.Stur, Beyond Combat, S. 25f. Im Oktober 1962 wurde sie, umgeben von ihren Soldatinnen, mit einem Revolver zielend gezeigt; das Foto von Larry Burrows erschien im Magazin Life. Damit passte sie nicht in die ideologische Vision der US-Amerikaner, die vergebens versuchten, die Widersprüchlichkeiten dieser Frau zu verstehen.Stur, Beyond Combat, S. 27.

Die Medien gaben ihr später den Beinamen Dragon Lady, die New York Times nannte sie Asiens „moderne Lucrezia Borgia“, Präsident John F. Kennedy soll sie als „goddamn bitch“ tituliert haben. Präsident Diệm, ein „notorischer Weiberfeind“, fürchtete die Interventionen seiner Schwägerin. Er verbarrikadierte sich förmlich in seinem Büro, zu dem Frauen keinen Zutritt hatten. Der Spiegel schrieb im September 1963 über sie:

Während Diệm und die Nhus katholisch waren, bekannte sich die Mehrheit der Vietnamesen (ca. 90 Prozent) zum Buddhismus. Immer mehr politische Schlüsselpositionen wurden aber mit Katholiken besetzt; zahlreiche Vietnamesen konvertierten zum Katholizismus, weil sie sich davon Vorteile versprachen. Madame Nhus Überzeugung soll gewesen sein, sie sei von Gott dazu ausersehen, „dem genußfreudig-betulichen Südvietnam Härte und den rechten, also katholischen Glauben einzuimpfen“, wie der Spiegel es ausdrückte. 1956 begann sie eine Gesetzeskampagne, wonach Frauen in vielen Bereichen die gleichen Rechte wie Männer erhielten. Darüber hinaus wurden Polygamie, Scheidung und eheliche Untreue unter Strafe gestellt. Life feierte sie daraufhin als „entschlossenste Feministin seit Emmeline Pankhurst“. 1962 brachte sie weitere Gesetze auf den Weg, wonach Geburtenkontrolle, Schönheitswettbewerbe, Glücksspiel, Tanzen, Boxen und Hahnenkämpfe strafbar wurden, was ihr Unbeliebtheit in der Bevölkerung bescherte.

Ihr Ehemann schuf „SS-ähnliche“ (so Der Spiegel) Spezialtruppen, deren 10.000 Mitglieder katholisch sein mussten und besser bezahlt wurden als Angehörige der regulären Armee. Der damalige italienische Botschafter Giovanni D’Orlandi, selbst Katholik, verfolgte diese gesellschaftliche Entwicklung in Südvietnam mit Sorge und versuchte nach eigenen späteren Angaben, ihr auf verschiedenen Ebenen entgegenzuwirken. Erzbischof Francis Spellman von New York, ein überzeugter Antikommunist, hingegen hatte die Ernennung von Diệm schon im Vorfeld betrieben und unterstützte nun den Kurs von Diệm und den Nhus ausdrücklich.David L. Anderson: The Human Tradition in the Vietnam Era. Rowman & Littlefield, 2000, ISBN 978-0-8420-2763-2, S. 3 ().Horlemann/Gäng, Vietnam, S. 87

Verhältnis zu den USA Da Diệm streng anti-kommunistisch war, hatte er die Unterstützung der Eisenhower-Administration, die mehrere hundert Millionen Dollar und Ausbilder für Militär und Polizei schickte. Nach Schätzungen wurden unter Diệm 150.000 Menschen inhaftiert und zwischen 1955 und 1957 rund 12.000 Oppositionelle ermordet. Sein rigides Regiment verstärkte indes den Zuspruch der Bevölkerung für die kommunistischen Vietcong.

In der Folge wuchs die Unruhe im Land. 1959 versuchte der US-Botschafter Elbridge Durbrow den vietnamesischen Präsidenten vergeblich zu überzeugen, sich von den „seemingly toxic family members“ („scheinbar schädlichen Familienmitgliedern“), den Eheleuten Nhu, zu trennen. Im November 1960 kam es zu einem Putsch von südvietnamesischen Fallschirmjägern, die eine Umbildung der Regierung forderten, insbesondere die Entlassung der Eheleute Nhu. Diệm zeigte sich bereit, sich darauf einzulassen, seine Schwägerin weigerte sich jedoch kategorisch, nachzugeben. Loyale Truppen bereiteten der Rebellion ein Ende, woraufhin der Einfluss von Madame Nhu wuchs. Während dieser Rebellion bot Durbrow Madame Nhu sicheres Geleit zur amerikanischen Botschaft an, was sie davon überzeugte, dass die USA diese unterstützt hätte. 1962 kam es zu einem neuerlichen Putschversuch: Zwei von den Amerikanern ausgebildete vietnamesische Militärpiloten bombardierten den Präsidentenpalast. Madame Nhu fiel durch ein von Bomben verursachtes Loch und erlitt Prellungen und Schnitte, ansonsten wurde niemand nennenswert verletzt.

Präsident Diệm war auf die amerikanische Unterstützung mit Militär und Geld angewiesen, versuchte aber, den Einfluss der Amerikaner auf seine Politik zu minimieren, und ignorierte jegliche Kritik von deren Seite. So begann er, die mit amerikanischer Hilfe vergrößerte Armee so zu stationieren, dass sie weniger effektiv die Kommunisten bekämpfen, aber an einem weiteren Putsch gehindert werden konnte. Das führte zu Konflikten mit den Generälen, die zudem verärgert waren, weil Madame Nhu sie wie Bedienstete herumkommandierte. Madame Nhu wiederum wies die Polizei an, jede vietnamesische Frau in Begleitung eines US-Amerikaners zu inhaftieren. Um die Regierung Diệm nicht zu verärgern, verbot General Paul Harkins den GIs, ihre vietnamesischen Freundinnen beim Abschied am Flughafen zu küssen.Stur, Beyond Combat,. S. 36. Da der Vietnamkrieg in den Jahren nach der Präsidentschaft von Diệm weitreichende Folgen für vietnamesische Frauen hatte, die gezwungen waren, als Prostituierte oder Nachtclubtänzerin zu arbeiten, nannte die Autorin Heather Marie Stur Madame Nhus Maßnahmen 2011 „vorausschauend“.