Allmenrod ist ein Dorf in Oberhessen mit ca. 300 Einwohnern und Ortsteil der Kreisstadt Lauterbach des mittelhessischen Vogelsbergkreises.
Ortsgeschichte mini|Die Kirche in Allmenrod im Jahr 2003
Mittelalter Die älteste schriftliche Erwähnung von Allmenrod erfolgte 1133. In dieser Urkunde wird der ortsansässige Niederadlige des Klosters Hersfeld „Thidrich de Almunderoth“ genannt.Manfred Stimmig: Mainzer Urkundenbuch. Band 1 (bis 1137). Darmstadt 1932. Nr. 588, S. 507. In einer Urkunde (ca. 1138 – 1141) des Abtes Heinrich I. von Bingarten teilt dieser mit, „dass sein Dienstmann Dietrich (Thidrich) die Kirche zu Almunderoth („ecclesie de Almunderot“) erbaut habe,Peter Acht: Mainzer Urkundenbuch. Bd. 2,1 (1137 – 1175). Darmstadt 1968. Nr. 24, S. 40. teils weil ihm seine seitherige Kirche zu entlegen sei, teils um noch mehr Bewohner in diese wüste Gegend zu ziehen“. Die Kirche sollte von dem Pfarrer einer nicht genannten Mutterkirche versorgt werden. Dietrich blieb das Recht, einen besonderen Geistlichen einzusetzen.StAM, Urk. 100, 4415. In der Urkunde werden als zu der neu erbauten Kirche gehörig die Dörfer Almunderot, Woffenrot, Willihelmerot, Breinten und Dirlammen bezeichnet. Die in der Urkunde des Abtes Heinrich erwähnten Dörfer sind in der Folge bis auf Allmenrod und Dirlammen (Lautertal) untergegangen. 1358 wird der Ortsname „Allmonderode“ angeführt.Eduard Erwin Becker: Riedeselsches Urkundenbuch. 1200–1500. Offenbach 1924. Regest, Nr. 149, S. 41. Der Dorfname ist eine Abwandlung von „Alamunds Rode“. Ob damit an den ersten Einwohner erinnert wird, der an der Stelle des heutigen Allmenrod nach Rodung des Waldes die erste Siedlung erbaute, ist spekulativ, aber möglich. Das Grundwort des Namens hatte die Bedeutung „durch Rodung urbar gemachtes Land“. Konkret bedeutet dies also „Rodung des Alamund“. Bestimmungswort ist der Rufname „Alamund“.Lutz Reichardt: Die Siedlungsnamen der Kreise Gießen, Alsfeld und Lauterbach in Hessen. Namenbuch. Dissertation. Göppingen 1973. S. 22–25. Eine Akte von 1498/1499 überliefert den Namen „Almenrodt“.Eduard Erwin Becker: Riedeselsches Urkundenbuch. 1200–1500. Offenbach 1924. Regest, Nr. 1575, S. 474.
Neuzeit Die Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen berichtet 1830 über Allmenrod:
Aus dem Ersten Weltkrieg kehrten insgesamt 13 Allmenröder nicht zurück. An sie erinnert das Kriegerdenkmal auf dem Allmenröder Friedhof. Die Hungerjahre nach dem Krieg wirkten sich auf Grund der Landwirtschaft nicht sonderlich auf Allmenrod aus. Die Inflation machte sich wirtschaftlich gesehen negativ bemerkbar. Schon in der ersten Hälfte der 1920er Jahre gab es allerdings zwei wesentliche Verbesserungen für Allmenrod. Das Dorf wurde an das Stromnetz angeschlossen und bekam eine zentrale Wasserversorgung.
Im Zweiten Weltkrieg blieb das Dorf von unmittelbaren Kriegseinwirkungen verschont, aber 15 Allmenröder kehrten aus dem Krieg nicht zurück. Amerikanische Panzerspitzen kamen in der Karwoche nach Allmenrod. Am Gründonnerstag 1945 verließen die letzten Wehrmachtsoldaten, eine Sanitätskompanie, das Dorf Richtung Alsfeld. Später durchquerten noch einmal zwei Soldaten mit einem Beiwagenkrad auf dem Weg nach Köddingen das Dorf, weil sie Meldung an einen Divisionsgefechtsstand bringen sollten, der zu diesem Zeitpunkt allerdings schon in der Hand der Amerikaner war. Sie kehrten zurück in das Dorf und sind später gefallen. Am Karfreitag hängte der damalige Bürgermeister mit zwei weiteren Dorfbewohnern eine weiße Flagge am Kirchturm auf, und am selben Tag wurde Allmenrod von einem Vorkommando amerikanischer Truppen eingenommen. Die Masse an amerikanischen Soldaten kam am 1. Osterfeiertag in das Dorf. Die Besatzer ordneten die Abgabe aller Waffen und Fotoapparate an.
Hessische Gebietsreform (1970–1977) Im Zuge der Gebietsreform in Hessen wurde Allmenrod zum 1. August 1972 kraft Landesgesetz in die Kreisstadt Lauterbach eingemeindet. Gleichzeitig wechselte es mit Lauterbach in den neu errichteten Vogelsbergkreis. Für Allmenrod wurde, wie für die übrigen durch die Gebietsreform eingegliederten Gemeinden, ein Ortsbezirk mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher eingerichtet.
Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Allmenrod angehört(e):
vor 1567: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen, Gericht Engelrod der Freiherren Riedesel zu Eisenbach ab 1567: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen, Gericht Engelrod Die Zugehörigkeit des Gerichts Engelrod anhand von Karten aus dem Geschichtlicher Atlas von Hessen: , und 1604–1648: Heiliges Römisches Reich, strittig zwischen Landgrafschaft Hessen-Darmstadt und Landgrafschaft Hessen-Kassel (Hessenkrieg) ab 1623: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, Gericht Engelrod (Freiherren Riedesel zu Eisenbach) 1787: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, Oberfürstentum Hessen, Amt Ulrichstein, Gericht Engelrod ab 1806: Großherzogtum Hessen, Fürstentum Oberhessen, Amt Ulrichstein, Gericht Engelrod ab 1815: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Amt Engelrod der Freiherren Riedesel zu Eisenbach ab 1821: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Landratsbezirk HerbsteinTrennung zwischen Justiz (Landgericht Lauterbach) und Verwaltung. ab 1825: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Landratsbezirk Lauterbach ab 1848: Großherzogtum Hessen, Regierungsbezirk Alsfeld ab 1852: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Lauterbach ab 1867: Norddeutscher Bund, Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Lauterbach ab 1871: Deutsches Reich, Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Lauterbach ab 1918: Deutsches Reich, Volksstaat Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Lauterbach ab 1938: Deutsches Reich, Volksstaat Hessen, Landkreis Lauterbach ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Groß-Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Lauterbach ab 1946: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Lauterbach ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Lauterbach ab 1972: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Vogelsbergkreis, Stadt Lauterbach ab 1981: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Gießen, Vogelsbergkreis, Stadt Lauterbach
Gerichtszugehörigkeit seit 1803 In der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt wurde mit Ausführungsverordnung vom 9. Dezember 1803 das Gerichtswesen neu organisiert. Für das Fürstentum Oberhessen (ab 1815 Provinz Oberhessen) wurde das „Hofgericht Gießen“ eingerichtet. Es war für normale bürgerliche Streitsachen Gericht der zweiten Instanz, für standesherrliche Familienrechtssachen und Kriminalfälle die erste Instanz. Übergeordnet war das Oberappellationsgericht Darmstadt. Die Rechtsprechung der ersten Instanz wurde durch die Ämter bzw. Standesherren vorgenommen und somit war für Allmenrod ab 1806 das „Patrimonialgericht der Freiherren Riedesel zu Eisenbach“ in Engelrod zuständig. Nach der Gründung des Großherzogtums Hessen 1806 wurden die Aufgaben der ersten Instanz 1821–1822 im Rahmen der Trennung von Rechtsprechung und Verwaltung auf die neu geschaffenen Land- bzw. Stadtgerichte übertragen. Dafür wurde das standesherrliche „Landgericht Lauterbach“ geschaffen, das nunmehr auch für Allmenrod zuständig war. Erst infolge der Märzrevolution 1848 wurden mit dem „Gesetz über die Verhältnisse der Standesherren und adeligen Gerichtsherren“ vom 15. April 1848 die standesherrlichen Sonderrechte endgültig aufgehoben.
Anlässlich der Einführung des Gerichtsverfassungsgesetzes mit Wirkung vom 1. Oktober 1879, infolge derer die bisherigen großherzoglichen Landgerichte durch Amtsgerichte an gleicher Stelle ersetzt wurden, während die neu geschaffenen Landgerichte nun als Obergerichte fungierten, kam es zur Umbenennung in „Amtsgericht Lauterbach“ und Zuteilung zum Bezirk des Landgerichts Gießen.
Am 1. Januar 2005 wurde das Amtsgericht Lauterbach als Vollgericht aufgehoben und zur Zweigstelle des Amtsgerichts Alsfeld. Zum 1. Januar 2012 wurde auch diese Zweigstelle geschlossen.Fünfte Verordnung zur Änderung der Gerichtlichen Zuständigkeitsverordnung Justiz vom 9. Dezember 2010 (GVBl. I S. 709–710)
Wüstungen Eine Besonderheit von Allmenrod sind die Wüstungen, die rings um das heutige Dorf verteilt sind. Es handelt sich dabei um insgesamt neun untergegangene Siedlungen – Dörfer oder Einzelgehöfte –, die allesamt urkundlich nachgewiesen sind und deren Wohnplätze weitgehend lokalisiert sind: Woffenrot (Wolfenrod), Breinten (Brenden), Warta, Hohenwarta, Hetzelshausen, Dörkelnrod, Eckenrod, Willihelmrot und Eichen. An diese untergegangenen Siedlungen erinnern noch die heutigen Flurbezeichnungen und Namen von Walddistrikten: Wolfersberg und Wolfssaal, Brendergrund und Brenderwasser, Wartwiesen, Walddistrikt Hetzelshausen, Dörkelberg, Eckenrod, Wilderod und Eichen.
Bevölkerung Einwohnerstruktur 2011 Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag dem 9. Mai 2011 in Allmenrod 315 Einwohner. Darunter waren keine Ausländer. Nach dem Lebensalter waren 60 Einwohner unter 18 Jahren, 111 zwischen 18 und 49, 60 zwischen 50 und 64 und 84 Einwohner waren älter. Die Einwohner lebten in 114 Haushalten. Davon waren 18 Singlehaushalte, 39 Paare ohne Kinder und 45 Paare mit Kindern, sowie 9 Alleinerziehende und 3 Wohngemeinschaften. In 33 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 57 Haushaltungen lebten keine Senioren.
Einwohnerentwicklung • 1806: 242 Einwohner, 39 Häuser • 1829: 287 Einwohner, 44 Häuser • 1867: 312 Einwohner, 47 bewohnte Gebäude • 1875: 294 Einwohner, 46 bewohnte Gebäude
Historische Religionszugehörigkeit • 1829: 286 evangelische, ein katholischer Einwohner • 1961: 238 evangelische (= 91,54 %), 18 katholische (= 6,92 %) Einwohner
Politik Bürgermeister (1821–1972) mini|Dorfgemeinschaftshaus im Jahr 2003
Erstes gewähltes Ortsoberhaupt für den Gemeindeverband war Bürgermeister Roth. Weitere Bürgermeister dieses bis zum Jahre 1852 bestehenden Gemeindeverbandes waren ab 1824 Bürgermeister Schneider („Schmitts“) und ab 1845 Bürgermeister Konrad Stock, der in „Kurtes“ wohnte. 1865 Heinrich Lerch 1883 Georg Lerch 1919 Heinrich Lerch 1933 Karl Schmelz 1942 Karl Rockel 1943 Heinrich Lerch 1945 Heinrich Helwig 1947 Karl Zinn 1964 Ludwig Kohlhausen 1965 Kurt Gerbig
Ortsvorsteher (ab 1972) 1. Oktober 1972 Karl Hainer 13. Mai 1977 Kurt Gerbig 23. April 1985 Werner Schäfer 1. April 1993 Uwe Habermehl 27. März 2011 Jörg Hauer 14. März 2021 Marcel Rockel
Kultur und Sehenswürdigkeiten
Fachwerk-Kirche Das denkmalgeschützte Gotteshaus wurde durch Zimmermeister Parr aus Lich 1728/29 am Rande des Dorfs in Nähe eines Bachs erbaut und entstand als mit Lärchenholz verschindelter Saalbau mit vorkragendem Westgiebel und dreiseitigem Schluss. Die Orgel von 1894 auf einer Empore besitzt einen Neorenaissance-Propekt und stammt aus der Orgelbauwerkstatt des in Stadtilm in Thüringen ansässigen und in Grebenau gebürtigen Orgelbauers Adam Eifert. Die Orgel wurde von der Stiftung Orgelklang der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) zur Orgel des Monats Juli 2026 ernannt. Damit verbunden war eine Förderung von 4000 Euro für deren Restaurierung.https://www.ekhn.de/themen/aktuelles/ekhn-news/orgel-des-monats-juli-2026-eifert-orgel-in-allmenrod-erhaelt-ihren-romantischen-klang-zurueck, abgerufen am 2. September 2026 Unterhalb der Orgel liegt die durch Holzgitter abgetrennte Sakristei. Die barocke Kanzel weist einen bekrönten Schalldeckel auf und sitzt seitlich erhöht am Chorbogen. Decke und Wände sind weiß getüncht und weisen keinen Zierrat auf; das Holzwerk zeigt einen taubenblauen Grundton; die Leisten und Verzierungen wurden dunkelrot abgesetzt.