mini|Place Allende Morlaix [] (Montroulez auf Bretonisch) ist eine französische Stadt und Gemeinde mit Einwohnern (Stand ) im Département Finistère in der Region Bretagne. Morlaix ist Hauptort (chef-lieu) des gleichnamigen Kantons und Unterpräfektur des gleichnamigen Arrondissements.

Geographie Die Gemeinde Morlaix liegt zwischen Meereshöhe und 104 Metern auf durchschnittlich 61 Metern über dem Meer im Norden des Département Finistère. Die Stadt wird vom gleichnamigen Fluss Morlaix durchquert, der ab hier eine schmale Trichtermündung bildet und etwa sechs Kilometer weiter nördlich in der Bucht Rade de Morlaix in den Ärmelkanal mündet.

Nachbargemeinden In Uhrzeigerrichtung, von Norden beginnend: Plouezoc’h, Garlan, Plouigneau, Plougonven, Plourin-lès-Morlaix, Saint-Martin-des-Champs, Taulé und Locquénolé.

Verkehr Der Hochgeschwindigkeitszug TGV durchfährt Morlaix auf dem Weg von Paris nach Brest. Der Flughafen Morlaix Ploujean liegt in der Gemarkung der Stadt Morlaix.

Geschichte mini|Hôtel de ville (Rathaus) Sowohl der bretonische als auch der französische Name der Stadt weisen auf die lateinische Bezeichnung des Ortes Mons Relaxus zurück. Morlaix neuzeitliche Bedeutung gründet vor allem auf seinem Seehafen. 1674 begann die Tabakmanufaktur mit der Herstellung von Suchtmitteln mit Nicotingehalt. Frankreich bemächtigte sich der Kolonie Saint-Domingue. 1736 wurde für die Manufaktur neue Gebäude errichtet. Die „Ferme“ genannte Manufaktur war mit ihrem Handelsmonopol der für die Französische Westindien-Kompanie für den Aufschwung der Stadt verantwortlich, aber auch der Tabakschmuggel aus England blühte. In den 1870er Jahren wurde die Herstellung mit Hilfe von Dampfmaschinen industrialisiert. Die Belegschaft erreichte mit 1800 Arbeitern Ende des 19. Jahrhunderts ihren Höchststand. 2004 wurde der Betrieb eingestellt.

Bevölkerungsentwicklung Jahr 1962 1968 1975 1982 1990 1999 2006 2017Einwohner 10.866 19.919 19.237 18.348 16.701 15.990 15.095 14.559 Quellen: Cassini und INSEE

Kultur und Sehenswürdigkeiten Bauwerke mini|hochkant=0.8|Maison dite de la duchesse Anne mini|Château du Taureau Siehe auch: Liste der Monuments historiques in Morlaix Das Stadtbild wird von einem weithin sichtbaren, 62 m hohen und 292 m langen Eisenbahnviadukt geprägt, das 1861 errichtet wurde, um die Bahnstrecke Paris–Brest fertigzustellen. Die Altstadt mit zahlreichen mit Erkern geschmückten Häusern spiegelt den Reichtum der Stadt wider. Bemerkenswert ist die Bauweise der Laternenhäuser, Gebäude, die um einen oben verglasten Innenhof herum errichtet wurden. Zu den Laternenhäusern zählt das Maison dite de la duchesse Anne, ein dreistöckiges Haus, das zu Beginn des 16. Jahrhunderts Anne de Bretagne als Wohnsitz gedient haben soll. Die Fassade ist mit Ornamenten und Heiligenstatuen reich verziert. Die oberen Stockwerke, die über die darunterliegenden herausragen, sind über eine Wendeltreppe im Innenhof zu erreichen, die sich im Stil der Renaissance um ein aus einem Stück geschnitztes, reich verziertes Mittelstück erhebt. Die Grand'Rue, heute Fußgängerzone, war die Hauptstraße des alten Handelsortes. Heute mischen sich alte Häuser und moderne Geschäfte. Weiter in Richtung Viadukt erreicht man den Place des Otages, der an die im Krieg von deutschen Soldaten getöteten Bretonen erinnert. Die Kirche Saint-Mélaine (15. Jahrhundert) wurde im Flamboyantstil errichtet. Bei Bombardierungen der Alliierten im Zweiten Weltkrieg nahm die Kirche schweren Schaden, wurde aber wieder aufgebaut. Bemerkenswert ist das Orgelgehäuse, das noch aus dem 17. Jahrhundert stammt. Die Gemeindekirche Saint-Mathieu wurde im 16. Jahrhundert errichtet. Aus dieser Zeit ist jedoch nur noch der Turm erhalten. Nach langdauerendem Verfall wurde die Kirche Anfang des 19. Jahrhunderts komplett restauriert. Sehenswert ist eine aufklappbare Marienstatue, deren Inneres die Dreifaltigkeit darstellt. Die Gebäude der ehemaligen Tabakmanufaktur (Manufacture des tabacs) entstanden ab 1740. Die Manufaktur, die um 1880 rund 1800 Mitarbeiter hatte, stellte 1995 nach einem Großbrand ihren Betrieb ein. Ab 2012 erfolgte eine Umnutzung für kulturelle und wissenschaftliche Zwecke. Das Fort Taureau aus dem 16. Jahrhundert in der Bucht von Morlaix wurde nach grundlegender Restauration 2006 wieder für Besucher geöffnet.

Museen Das Stadtmuseum Musée des Jacobins zeigt neben thematisch wechselnden Ausstellungen ständig Exponate zur Geschichte von Stadt, Landschaft und Kultur.

Partnerstädte Würselen (Deutschland) Truro (Vereinigtes Königreich) Réo (Burkina Faso)

Persönlichkeiten Charles Cornic (1731–1809), Seefahrer und Korsar, später im Dienst der königlichen Marine Johann Franz Lepape von Trevern (1754–1842), römisch-katholischer Geistlicher, Bischof von Aire (1823–1826) und Straßburg (1827–1842) Jean-Victor Moreau (1763–1813), einer der bedeutendsten Generäle zur Zeit der Französischen Revolution Job Joseph Coat (1798–1858), Schriftsteller Auguste Barchou de Penhoën (1801–1855), Schriftsteller Émile Souvestre (1806–1854), Roman- und Bühnendichter Jules Boucherit (1877–1962), Geiger und Violinpädagoge, Gerechter unter den Völkern Victor Guyader (1882–?), Radrennfahrer Léon Fleuriot (1923–1987), Keltologe und Historiker Julien Guiomar (1928–2010), Schauspieler Brigitte Fontaine (* 1939), Sängerin, Schauspielerin und Schriftstellerin Patrick Le Roux (* 1943), Historiker Jean-François Le Gall (* 1959), Mathematiker Françoise Jézéquel (* 1970), Fußballspielerin Laëtitia Pujol (* 1975), Balletttänzerin Antoine Saout (* 1984), Pokerspieler Cécilia Berder (* 1989), Säbelfechterin Alan Boileau (* 1999), Radrennfahrer

Literatur Le Patrimoine des Communes du Finistère. Flohic Editions, Band 2, Paris 1998, ISBN 2-84234-039-6, S. 809–830. Bretagne. Rennes, Saint-Malo, Saint-Brieuc, Morlaix, Brest, Quimper, Lorient, Vannes, Nantes. 2. Auflage, Dumont, Köln 1998, ISBN 3-7701-3275-0.

Weblinks

Ville de Morlaix bei cartesfrance.fr Offizielles Portal der Stadt Zur Nutzung der Tabakmanufaktur

Einzelnachweise

Kategorie:Ort in der Bretagne Kategorie:Unterpräfektur in Frankreich Kategorie:Stadt in Frankreich