Die Kommunistische Partei Kampucheas (; englisch Communist Party of Kampuchea, CPK; französisch Parti communiste du Kampuchéa, PCK), auch Kommunistische Partei der Khmer (; englisch Khmer Communist Party, KCPRussell R. Ross: . In: Cambodia. A Country Study. Anhang B. Library of Congress Country Studies, Washington 1987.), war eine kommunistische Partei in Kambodscha. Sie wurde 1960 in Phnom Penh mit dem Namen Arbeiterpartei Kampucheas gegründet. Als Vorgängerpartei gilt die 1951 als Ableger der Indochinesischen Kommunistischen Partei gegründete Revolutionäre Volkspartei der Khmer. 1971 gab sie sie sich den Namen Kommunistische Partei Kampucheas. Die Umbenennung wurde zuerst geheim gehalten. Ihr Anführer war ab 1962 Pol Pot, ihre Anhänger wurden allgemein als Rote Khmer bekannt.

Die Partei wirkte während des größten Teils ihres Bestehens im Untergrund. Sie übernahm 1975 die Macht im Land und gründete den Staat Demokratisches Kampuchea. Nach einer Zeit des Massenmordes verlor die Partei 1979 die Macht nach der Invasion der vietnamesischen Streitkräfte und der Gründung der Volksrepublik Kampuchea durch ehemalige Rote Khmer, die sich vom Pol-Pot-Regime losgesagt hatten. Die Partei wurde offiziell 1981 aufgelöst, worauf die Partei des Demokratischen Kampuchea ihre Nachfolge antrat.

Geschichte Gründung der Vorgängerpartei, erste Abspaltungen von dieser Die Vorgängerpartei Revolutionäre Volkspartei der Khmer (französisch Parti révolutionnaire du peuple khmer, PRPK) wurde 1951 gegründet, nachdem die Indochinesische Kommunistische Partei (PCI) in eine kambodschanische, eine laotische und eine vietnamesische kommunistische Partei aufgeteilt worden war. Die Entscheidung, eine eigene kambodschanische kommunistische Partei zu bilden, war auf dem PCI-Kongress im Februar desselben Jahres getroffen worden. Verschiedene Quellen geben unterschiedliche Daten für die genaue Gründung und den ersten Kongress der Partei an. Sơn Ngọc Minh wurde zum amtierenden Vorsitzenden der Partei ernannt. Der Parteitag wählte kein komplettes Zentralkomitee, sondern bestimmte stattdessen ein Parteikomitee für die Propagierung und die Gründung.K. Viviane Frings: Rewriting Cambodian History to ‘Adapt’ It to a New Political Context: The Kampuchean People’s Revolutionary Party’s Historiography (1979–1991). In: Modern Asian Studies. Bd. 31, Nr. 4, Oktober 1997, S. 807–846. Die PCI war stark von Vietnamesen dominiert worden, und die PRPK wurde in ihrer Anfangsphase aktiv von der vietnamesischen Partei unterstützt. Um die Abhängigkeit von Vietnam im gemeinsamen Kampf gegen die französische Kolonialherrschaft auszublenden, wurde die Geschichte der Partei später umgeschrieben und 1960 als Gründungsjahr angegeben.David P. Chandler: Revising the Past in Democratic Kampuchea: When Was the Birthday of the Party? Notes and Comments. In: Pacific Affairs. Bd. 56, Nr. 2, Sommer 1983, S. 288–300.

In der Version der Parteigeschichte des Demokratischen Kampuchea stellte das Versäumnis der Viet Minh, eine politische Rolle für die PRPK auf der Genfer Konferenz von 1954 auszuhandeln, einen Verrat an der kambodschanischen Bewegung dar, die immer noch weite Teile des Landes kontrollierte und mindestens 5000 Soldaten befehligte. Im Anschluss an die Konferenz unternahmen etwa 1000 Mitglieder der PRPK, darunter Sơn Ngọc Minh, einen Langen Marsch nach Nordvietnam, wo sie im Exil blieben. Ende 1954 gründeten die in Kambodscha Verbliebenen eine legale politische Partei, die Krom Pracheachon, die an den Wahlen zur Nationalversammlung 1955 und 1958 teilnahm. Bei den Wahlen im September 1955 gewann sie etwa 4 % der Stimmen, erhielt jedoch keinen Sitz im Parlament. Die Mitglieder der Krom Pracheachon waren ständigen Schikanen und Verhaftungen ausgesetzt, weil die Partei außerhalb von Sihanouks Bewegung Sangkum blieb. Angriffe der Regierung verhinderten die Teilnahme an den Wahlen von 1962 und zwangen die Partei in den Untergrund. Es wird angenommen, dass der Entscheid von Krom Pracheachon, Kandidaten für die Wahl zu stellen, von der inzwischen in Workers Party of Kampuchea (WPK) umbenannten Partei nicht genehmigt worden war. Sihanouk beschimpfte die kambodschanischen Kommunisten regelmäßig als „Rote Khmer“, ein Begriff, der später die Kommunistische Partei und ihre Anhänger sowie den von Pol Pot, Nuon Chea, Ieng Sary, Khieu Samphan und ihren Anhängern geführten Staat Demokratisches Kampuchea bezeichnete.

Mitte der fünfziger Jahre traten zwei PRPK-Faktionen in Erscheinung, das „städtische Komitee“ (angeführt von Tou Samouth) und das „ländliche Komitee“ (angeführt von Sieu Heng). Diese Gruppen vertraten grundsätzliche divergierende revolutionäre Linien. Die vorherrschende „städtische“ Linie, die von Nordvietnam unterstützt wurde, erkannte, dass Sihanouk aufgrund seines Erfolges beim Kampf um Unabhängigkeit von den Franzosen ein angesehener nationaler Führer war, dessen Neutralität und tiefes Misstrauen gegenüber den Vereinigten Staaten ihn zu einem wertvollen Trumpf in Hanois Kampf machte, Südvietnam zu „befreien“. Die Führer dieser Linie hofften, dass der Prinz überzeugt werden könnte, sich vom rechten Flügel zu distanzieren und linke Politik anzunehmen. Die andere Linie, die größtenteils von ländlichen Kadern unterstützt wurde, die mit der harten Realität des Landes vertraut waren, befürwortete einen sofortigen Kampf, um den „feudalistischen“ Sihanouk zu stürzen. 1959 lief Sieu Hang zur Regierung über und stellte den Sicherheitskräften Informationen zur Verfügung, die es ihnen ermöglichten, bis zu 90 % des ländlichen Apparats der Partei zu zerstören. Obwohl die kommunistischen Netzwerke in Phnom Penh und in anderen Städten unter der Führung von Tou Samouth besser widerstanden, blieben bis 1960 nur ein paar hundert Kommunisten im Land aktiv.

Die Pariser Studentengruppe In den 1950er Jahren organisierten Khmer-Studenten in Paris eine eigene kommunistische Bewegung, die wenig oder gar keine Verbindung zu der hart umkämpften Partei in ihrer Heimat hatte. Aus ihren Reihen kamen die Männer und Frauen, die in den 1960er Jahren nach Hause zurückkehrten und den Parteiapparat übernahmen, von 1968 bis 1975 einen erfolgreichen Aufstand gegen Sihanouk und Lon Nol führten und das Regime des Demokratischen Kampuchea etablierten.

Pol Pot, der in den 1960er Jahren zum Führer der kommunistischen Bewegung aufstieg, wurde 1928 (einige Quellen nennen 1925) in der Provinz Kampong Thom, nordöstlich von Phnom Penh, geboren. Er besuchte ein technisches Gymnasium in der Hauptstadt und ging 1949 nach Paris, um Radioelektronik zu studieren (andere Quellen behaupten, er habe eine Schule für Drucker und Schriftsetzer besucht und auch Bauingenieurwesen studiert).

Weitere Mitglieder der Pariser Studentengruppe waren Ieng Sary, Khieu Samphan, Hou Yuon, Son Sen und Hu Nim. Ieng war ein chinesischstämmiger Khmer, der 1930 in Südvietnam geboren worden war. Er besuchte das elitäre Lycée Sisowath in Phnom Penh, bevor er Kurse für Handel und Politik am Institut d’Études Politiques de Paris (besser bekannt als Sciences Po) in Frankreich belegte. Khieu, der als „einer der brillantesten Intellektuellen seiner Generation“ galt, wurde 1931 geboren und spezialisierte sich während seiner Pariser Zeit auf Wirtschaft und Politik. Hou, geboren 1930, der Wirtschaft und Recht studierte, stand ihm wenig nach. Son, Jahrgang 1930, studierte Pädagogik und Literatur, Hu, geboren 1932, Jura.

Die meisten Mitglieder der Pariser Studentengruppe stammten von Landbesitzer- oder Beamtenfamilien. Drei der Pariser Gruppe gründeten eine Verbindung, die Jahre des revolutionären Kampfes und der innerparteilichen Konflikte überlebte. Pol Pot und Ieng Sary heirateten Khieu Ponnary bzw. Khieu Thirith (auch bekannt als Ieng Thirith), angeblich Verwandte von Khieu Samphan. Diese zwei gut ausgebildeten Frauen spielten ebenfalls eine zentrale Rolle im Regime des Demokratischen Kampuchea.

Irgendwann zwischen 1949 und 1951 schlossen sich Pol Pot und Ieng Sary der Kommunistischen Partei Frankreichs an. 1951 gingen die beiden nach Ost-Berlin, um an einem Jugendfest teilzunehmen. Diese Erfahrung gilt als Wendepunkt in ihrer ideologischen Entwicklung. Nachdem sie sich mit Kambodschanern getroffen hatten, die mit den Viet Minh gekämpft hatten (und die sie später als zu unterwürfig gegenüber den Vietnamesen ansahen), waren sie überzeugt, dass nur eine streng disziplinierte Parteiorganisation und die Bereitschaft zum bewaffneten Kampf eine Revolution auslösen könnten. Sie wandelten die Khmer Students’ Association (KSA), zu der die meisten der etwa 200 Khmer-Studenten in Paris gehörten, in eine Organisation für nationalistische und linke Ideen um. Innerhalb der KSA und ihrer Nachfolgeorganisationen gab es eine geheime Organisation, den Cercle Marxiste. Sie bestand aus Zellen von drei bis sechs Mitgliedern, wobei die meisten Mitglieder nichts über die Gesamtstruktur der Organisation wussten. Im Jahr 1952 erlangten Pol Pot, Hou Yuon, Ieng Sary und andere Linke einige Bekanntheit, weil sie einen offenen Brief an Sihanouk sandten, in dem sie ihn den Mörder der jungen Demokratie nannten. Ein Jahr später verboten die französischen Behörden die KSA. Im Jahr 1956 halfen Hou Yuon und Khieu Samphan jedoch beim Aufbau einer neuen Gruppe, der Khmer Students’ Union. Im Inneren wurde diese Gruppe immer noch vom Cercle Marxiste geleitet.

Die von Hou Yuon und Khieu Samphan verfassten Dissertationen vertreten Thesen, die später zu Eckpfeilern der Politik des Demokratischen Kampuchea werden sollten. Hou Yuon wies in seiner 1955 erschienenen Dissertation „Die kambodschanischen Bauern und ihre Aussichten auf Modernisierung“ auf die zentrale Rolle der Bauern bei der nationalen Entwicklung hin und stellte die herkömmliche Ansicht, Urbanisierung und Industrialisierung seien notwendige Vorläufer der Entwicklung, in Frage. Hauptargument in Khieu Samphans Dissertation von 1955, „Kambodschas Wirtschaft und industrielle Entwicklung“, war, dass das Land eigenständig werden und seine wirtschaftliche Abhängigkeit von der entwickelten Welt beenden müsse. Generell spiegelte Khieus Arbeit den Einfluss eines Zweiges der Schule der Dependenztheorie wider, die die wirtschaftliche Vorherrschaft der Industrieländer für den Mangel an Entwicklung in der Dritten Welt verantwortlich machte.

Geheime Untergrundbewegung in Phnom Penh Nach seiner Rückkehr nach Kambodscha im Jahr 1953 kümmerte sich Pol Pot intensiv um die Parteiarbeit der Revolutionäre Volkspartei der Khmer. Zuerst schloss er sich Kräften an, die mit den Viet Minh in den ländlichen Gebieten der Provinz Kampong Cham verbündet waren. Nach dem Ende des Indochinakrieges zog er nach Phnom Penh unter Tou Samouts „städtisches Komitee“, wo er zu einer wichtigen Kontaktstelle zwischen legalen linken Parteien und der geheimen kommunistischen Untergrundbewegung wurde. Seine Genossen Ieng Sary und Hou Yuon wurden Lehrer an einer neuen Privatschule, dem Lycée Kambuboth, das von Hou Yuon gegründet worden war. Khieu Samphan kehrte 1959 aus Paris zurück, lehrte an der juristischen Fakultät der Universität von Phnom Penh und gründete die französischsprachige, linke Publikation L’Observateur. Die Zeitung erlangte in Phnom Penhs kleinem akademischem Kreis bald Ansehen. Im folgenden Jahr schloss die Regierung die Zeitung, und Sihanouks Polizei demütigte Khieu öffentlich, indem sie ihn in der Öffentlichkeit schlug, auszog und fotografierte – wie William Shawcross bemerkt, „nicht die Art von Erniedrigung, die Männer vergeben oder vergessen“. Trotzdem hat Khieu die Zusammenarbeit mit Sihanouk befürwortet, um eine Einheitsfront gegen die Aktivitäten der Vereinigten Staaten in Südvietnam zu fördern. Khieu Samphan, Hou Yuon und Hu Nim waren gezwungen, mit dem System zusammenzuarbeiten, indem sie sich Sihanouks Sangkum anschlossen und Posten in der Regierung des Prinzen annahmen.

Neuausrichtung, Neugründung in Phnom Penh