SOKO München (bis 2015: SOKO 5113 [gesprochen: SOKO Einundfünfzig-Dreizehn]) ist eine deutsche Kriminalserie des ZDF. Die Produktion der in München spielenden Fernsehserie wurde im Herbst 1976 begonnen, die Ausstrahlung startete am 2. Januar 1978. Am 23. August 2019 wurde durch das ZDF die Einstellung der SOKO München bekanntgegeben. Die Produktion der regulären Episoden der abschließenden 46. Staffel endete 2019, eine finale Spielfilmepisode wurde von August bis September 2020 produziert. Die letzte Episode Countdown wurde am 29. Dezember 2020 ausgestrahlt.
Konzept Die Serie basierte zunächst auf einer Idee von Kriminaldirektor Dieter Schenk, die dieser 1975 niederschrieb. Das Manuskript wurde auch als Roman mit dem Titel „Der Durchläufer“ (Frankfurt 1978) veröffentlicht. Schenk war Leiter der Kriminalpolizei Gießen und später beim Bundeskriminalamt tätig. In seiner Zeit beim hessischen Landeskriminalamt hatte Schenk die Telefondurchwahl 5113, die namensgebend für die Fernsehsendung war. Die Zahl 5113 im ursprünglichen Serientitel bezog sich auf die Durchwahl des Chefs der SOKO. Bis 1986 schrieb Schenk auch Episodendrehbücher, danach blieb er der Serie als Berater erhalten. Er hob hervor, dass seine Ermittler keine unfehlbaren Alleingänger seien, sondern teamfähige normale Menschen. Er legte großen Wert auf eine realistische Darstellung der Polizeiarbeit und kriminaltaktische Richtigkeit, aber nicht darauf, dass es in der Realität keine dauerhaft amtierenden Sonderkommissionen gibt, sondern diese immer nur für besondere Fälle zusammengestellt werden. Ingrid Fröhlich, die in den ersten drei Staffeln Kriminalkommissarin Renate Burger verkörperte, wurde mit ihrer Rolle eine der ersten Kommissarinnen im deutschen Fernsehen, auch wenn die Außendienstarbeit stets von ihren männlichen Kollegen übernommen wurde.
Das Grundkonzept der Serie bestand darin, die kriminalpolizeiliche Arbeit möglichst realitätsnah zu zeigen, ohne mit den in anderen Krimiserien üblichen Übertreibungen und Überzeichnungen zu arbeiten. Die Zusammenarbeit im Team sollte im Vordergrund der Darstellungen stehen, in die auch das Privatleben der Charaktere integriert wurde. Ursprünglich war die SOKO 5113 ausschließlich für die Bearbeitung von Delikten aus dem Bereich der organisierten Rauschgiftkriminalität zuständig. Dabei wurde schon früh die Zusammenarbeit mit anderen europäischen Polizeibehörden (z. B. in Italien und in den Niederlanden) thematisiert. Mehrere Episoden in den ersten Staffeln spielten vollständig im Ausland. In späteren Staffeln klärte die Sonderkommission aber zum überwiegenden Teil Kapitalverbrechen auf, die keinen Bezug mehr zur Drogen- oder organisierten Kriminalität hatten.
Die Ausstrahlung der 38. Staffel endete mit der Jubiläumsepisode 500 Das Alibi am 25. März 2013, in welcher der damalige Münchner Oberbürgermeister Christian Ude als Gastdarsteller in einem Cameo-Auftritt eine Rede hielt.
Im Juli 2015 gab das ZDF die Änderung des Serientitels von SOKO 5113 zu SOKO München bekannt. Da die Titel der Ableger den Namen des Standortes bzw. der Region enthalten, von dem aus das jeweilige Ermittlerteam tätig ist, wurde das Schema für die Ursprungsserie nachgezogen. Der Serientitel wurde im Januar 2016 geändert. Zeitgleich zur Änderung des Serientitels wurde der Handlung mit Ausstrahlung der 561. Episode am 4. Januar 2016 ein horizontaler Erzählstrang hinzugefügt: zusätzlich zum „Fall der Woche“ erstreckte sich in der Folgezeit ein weiterer Fall über mehrere Episoden. Damit kehrte man zum Ursprungskonzept der Serie zurück, denn auch die ersten drei Staffeln wurden bereits mit einem horizontalen Strang, sprich mit fortlaufender Handlung, erzählt. Diese Erzählweise sollte es ermöglichen, dass die Figuren der Ermittler tiefer gezeichnet werden können. Diese Entwicklung trug der gestiegenen Beliebtheit horizontaler Erzählstrukturen in erfolgreichen US-Krimiserien Rechnung. In den letzten Staffeln wurde dieses Konzept des horizontalen Erzählstranges wieder verworfen.
Am 23. August 2019 gab das ZDF die Einstellung der SOKO München bekannt. Die Produktion der regulären Episoden der abschließenden 46. Staffel endete 2019, die letzte Episode wurde bis Jahresende 2020 ausgestrahlt. Der Sendeplatz am Montagvorabend wurde von den Ablegern SOKO Hamburg und SOKO Potsdam übernommen. Zum Serienabschluss wurde bis September 2020 die 90-minütige Spielfilmepisode Countdown produziert, die am 29. Dezember 2020 ausgestrahlt wurde.
Besetzung Erster Leiter der Sonderkommission war bis einschließlich der 12. Staffel Kriminalhauptkommissar Karl Göttmann (Werner Kreindl). Nach Kreindls Tod 1992, mit dem auch in der Serie der Tod seiner Rolle einherging, folgte ihm Kriminalhauptkommissar Horst Schickl (Wilfried Klaus), der als Kriminaloberkommissar ebenfalls seit der ersten Episode Teil der SOKO war. Da Kreindl während der Dreharbeiten zu den inhaltlich miteinander verbundenen Episoden 124 und 125 verstarb, zu diesem Zeitpunkt aber bereits die Episode 126 abgedreht war, wurde die Erstausstrahlung dieser drei Folgen entsprechend angepasst. Dass Schickl 1992 die Leitung der SOKO übernimmt, war durch die Drehbuchautoren ohnehin vorgesehen. Ihr Plan war es ursprünglich, die Figur Göttmann zum Kriminaldirektor zu befördern und somit aus der operativen Arbeit der Sonderkommission zu nehmen. Während Schickl bis 2008 fester Bestandteil des SOKO-Teams war, wechselten die Ermittler an seiner Seite häufiger. Nach dem Abschied Schickls von der SOKO, welcher in der Spielfilmepisode Die Akte Göttmann (2008) inszeniert wurde, wurde Kriminalhauptkommissar Arthur Bauer (Gerd Silberbauer) sein Nachfolger, welcher die SOKO bis zu ihrem Ende 2020 leitete.
Hauptdarsteller Schauspieler Rollenname Dienstgrad Episoden Staffeln Zeitraum Ausstiegsgrund † Kriminalhauptkommissar und Leiter der SOKO 1–123, 126 1–12 1978–1992 von Kriminalmeister Leß mit Arsenik vergiftet Kriminaloberkommissarspäter Kriminalhauptkommissar und Leiter der SOKO 1–390410 1–3334 1978–20082009 geht undercover in den Ruhestand Kriminalhauptmeister 1–9 1–2 1978 verlässt die SOKO nach einem Unfall; tritt einen Lehrgang zum Kriminalkommissar nach Genesung an Kriminalkommissarin 1–19648 1–345 19782019 unbekanntnach ihrer Pensionierung gerät sie als Zeugin und Verdächtige in den Fokus einer Ermittlung Kriminalobermeisterspäter Kriminalhauptmeister 1–60 1–7 1978–1986 setzt sich mit einem Drogengeldfund in die Schweiz ab Kriminalmeisterspäter Kriminalobermeister 1–114390 1–1233 1978–19922008 wechselt nach Beförderung in eine andere Abteilungin Die Akte Göttmann als Maulwurf und Mörder von Kriminalhauptkommissar Göttmann entlarvt Kriminalhauptmeister 10–19 2–3 1978 unbekannt Rechlin Kriminaloberkommissar 9–19 2–3 1978 unbekannt Kriminalhauptmeister 20–32 4 1980–1981 Dienstunfähigkeit Kriminalkommissarin 20–4142–390 4–56–33 1980–19831984–2008 lässt sich nach dem Tod von Kriminalhauptmeister Blaschke in das Vermisstendezernat versetzenals Nebenrolle (Ehefrau von Schickl) weiterhin Teil der Serie; folgt ihrem Ehemann Schickl in den Ruhestand † Kriminalhauptmeister 33–41 5 1983–1984 wird im Einsatz erschossen Kriminalmeisterin 42–47 6 1984 wird nach einer Ermittlungspanne nach Nürnberg versetzt Kriminalmeisterin 48–68 6–8 1984–1987 wird gegen ihren Willen versetzt Kriminalmeisterin 69–74 8 1988 unbekannt Kriminalhauptkommissar 47, 61–130139–390 8–1313–33 1987–19931994–2008 heiratet und geht in den Ruhestandals Nebenrolle weiterhin Teil der Serie; hilft dem SOKO-Team in Die Akte Göttmann bei der Aufklärung des Mordes an Göttmann † Kriminalkommissarin 75–156390 9–1533 1988–19972008 bekommt ein Kind und geht in Mutterschutzwird in Die Akte Göttmann erschossen, als sie eine Zeugin schützen will † Kriminalkommissar 115–429 12–35 1992–2010 wird von Kriminalrat Lorenz erschossen Kriminalmeisterspäter Kriminalkommissar, Kriminaloberkommissar und Kriminalhauptkommissar 131–606 13–43 1993–2017 quittiert den Dienst um das Café seiner Mutter in Italien zu übernehmen Kriminalkommissarin 156–163 15 1997 verliebt sich und zieht mit ihrem Freund nach Italien † Kriminalmeisterin 164–235 16–20 1997–2000 wird erschossen, als sie Kriminalhauptkommissar Schickl das Leben rettet Kriminaloberkommissarin 236–353390 21–3233 2000–20062008 wechselt zu Europolhilft in Die Akte Göttmann ihren ehemaligen Kollegen bei den Ermittlungen Kriminalkommissarspäter Kriminaloberkommissar 275–675 25–46 2002–2020 Einstellung der Serie; übernimmt die Leitung des Dezernats Organisierte Kriminalität Kriminalkommissarinspäter Kriminaloberkommissarin und Kriminalhauptkommissarin 353–654 32–45 2006–2020 nimmt eine Dozententätigkeit an der Polizeiakademie an Kriminalhauptkommissar und Leiter der SOKOspäter Erster Kriminalhauptkommissar 391–675 34–46 2008–2020 Einstellung der Serie; geht in den Ruhestand Kriminalkommissarspäter Kriminaloberkommissar 435–675 36–46 2010–2020 Einstellung der Serie; wechselt zusammen mit Kriminaloberkommissarin Schwaiger nach Hamburg Kriminalkommissarin 561–634 41–44 2016–2019 wechselt zum Bundeskriminalamt Kriminalkommissarinspäter Kriminaloberkommissarin 635–675 44–46 2019–2020 Einstellung der Serie; wechselt zusammen mit Kriminaloberkommissar Morgenstern nach Hamburg, wo sie die Leitung des Personenschutzes übernimmt
Nebendarsteller Leiter der Kriminaldirektion Hans Schulze als Kriminaldirektor Stanelle (1978–1996) Franz Rudnick als Kriminaldirektor Dr. Dietl (1997–2003) Ilona Grübel als Kriminalrätin, später Kriminaldirektorin, Dr. Evelyn Kreiner (2006–2020) Monika Baumgartner als Kriminalhauptkommissarin Johanna Schreiner (2007) Jan Henrik Stahlberg als Kriminalrat Jan Otto Lorenz; Vertretung von Dr. Kreiner in den Episoden 425–429; Mörder von Manne Brand (2010)
Verwaltung Rolf Schimpf als Verwaltungsamtmann „Waldi“ Zellmann (1978–1984) Joachim Wichmann als Oberamtmann Kraske (1988–1989)
Rechtsmediziner Maximilian Krückl als Dr. Fröhlich (2000–2003) Adrian Can als Dr. Yasar (2005–2008) Florian Odendahl als Dr. Maximilian Weissenböck (2008–2020)
Kriminaltechnik Sina Reiß als Billie Curio (2015–2020)
Zeitleiste der Ermittler Staffel 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25 26 27 28 29 30 31 32 33 34 35 36 37 38 39 40 41 42 43 44 45 46Karl Göttmann † Horst Schickl Heinz Flock Renate Burger Diether Herle Fred Leß Rechlin Neubert Anna Herbst Django Nussbaumer Wolle Blaschke † Katrin Rieger Bärbel Mattner Jürgen Sudmann Mascha Brander Lizzy Berger † Manfred Brand † Theo Renner Ricarda Larenzi Maja Cramer † Susanne von Hagenberg Franz Ainfachnur Katharina Hahn Arthur Bauer Dominik Morgenstern Antonia Bischoff Theresa Schwaiger Legende (Farbbedeutung)HauptdarstellerNebendarsteller
Verschiedenes Kriminalobermeister Herle beendet seine Arbeit bei der SOKO mit einem millionenschweren Beutefund, den er unterschlägt. Kriminaldirektor Stanelle arbeitet für die Mafia und genießt seinen Ruhestand am Mittelmeer. Als Schickl ihn dort besucht, versucht Stanelle ihn anzuwerben, aber Schickl bleibt standhaft. Kriminalhauptmeister Blaschke wird bei einem verdeckten Einsatz von einem Zivilfahnder erschossen, der nicht weiß, dass es sich bei Blaschke um einen Polizeibeamten handelte. Rechtsmediziner Dr. Fröhlich gibt sich in der Episode Die Abrechnung (Staffel 24, 2002) selbst ein Alibi, um seinen Mord an einem flüchtigen Sträfling zu vertuschen, und wird verhaftet. Kriminalhauptkommissar Göttmann stirbt 1992 angeblich an einem Herzinfarkt; der Schauspieler Werner Kreindl war ebenfalls den Folgen eines Herzinfarktes erlegen. In der Episode Die Akte Göttmann (Staffel 33, 2008) stellt sich fünfzehn Jahre später heraus, dass er in Wirklichkeit von Kriminalmeister Fred Leß mit Arsen(III)-oxid (sog. Arsenik) vergiftet wurde.