Die Schamhaarentfernung ist die vollständige oder teilweise Entfernung der Schambehaarung im Genitalbereich. Sie wurde und wird in unterschiedlichen Kulturkreisen und zu verschiedenen Zeiten aus ästhetischen, kulturellen, religiösen oder hygienischen Gründen praktiziert.

Es gibt zwei Methoden der Körperhaarentfernung, die jedoch nicht immer streng unterschieden werden: Depilation ohne Entfernung der Haarwurzeln (mittels Intimrasur oder mit einer Enthaarungscreme); hier können die einzelnen Haare sofort weiterwachsen. Epilation mit Entfernen der Haarwurzeln (durch Halawa (Sugaring), Brazilian Waxing, Kaltwachsstreifen, Pinzette oder durch Elektro- oder Laserepilation); hierbei kann das einzelne Haar nicht mehr weiterwachsen.

Geschichte Antike Hochkulturen Schon im Altertum war es in verschiedenen Kulturen üblich, sich die Schambehaarung zu entfernen.Sara Ramsey: Pubic Hair and Sexuality: A Review. In: The Journal of Sexual Medicine. Band 6, Nr. 8, 2009, S. 2102–2110, doi:10.1111/j.1743-6109.2009.01307.x.

In den frühen Hochkulturen in Mesopotamien und Ägypten war die Entfernung von Körperhaaren bekannt. Vor 4000 bis 3000 v. Chr. wurden Haarentfernungsmittel aus Harzen, Pflanzenextrakten, Fett und Pech sowie geschliffene Steine und Muscheln zur Haarentfernung verwendet.

Altes Ägypten Im alten Ägypten gehörte ein haarloser Körper zum Schönheitsideal. Frauen und Männer der Oberschicht entfernten sich die Augenbrauen sowie die Körperbehaarung einschließlich der Schamhaare.Jan Assmann: Ägypten. Eine Sinngeschichte. C. Hanser, München 2021, S. 308. Auf ägyptischen Grabmalereien aus der Amarna-Zeit befinden sich Darstellungen von schamhaarlosen, nur mit Schmuck bekleideten Sklavinnen. Aus Gründen ritueller Reinheit mussten Priester alle Körperhaare entfernen.Bob Brier, Hoyt Hobbs: Daily Life of the Ancient Egyptians. 2nd edition, Greenwood Press, Westport / London 2008, S. 42. Zur Haarentfernung wurden bronzene Rasiermesser, Pinzetten oder Wachspasten verwendet.Rosalie David: Handbook to Life in Ancient Egypt. Revised Edition. Facts on File, New York 2003, S. 367.

Antikes Griechenland Im antiken Griechenland wurde die Schambehaarung durch Rupfen oder Absengen mit einer Flamme entfernt.Debra Herbenick, Vanessa R. Schick, Michael Reece, Stephanie Sanders, J. Dennis Fortenberry: Pubic hair removal among women in the United States: Prevalence, methods and characteristics. In: The Journal of Sexual Medicine. Band 7, Nr. 10, Oktober 2010, S. 3322–3330, doi:10.1111/j.1743-6109.2010.01935.x. Auch einige antike griechische Vasenmalereien zeigen nackte, bis auf das Haupthaar völlig unbehaarte Menschen. Aufzeichnungen aus der Zeit um 590 v. Chr. belegen, dass Prostituierte geschminkt und an der Scham enthaart waren. Es wurde dazu unter anderem arsenhaltiges Orpiment benutzt. Einigen Quellen deuteten, dass während der klassischen Epoche die Begründung für die Schamhaarentfernung an Frauen war, bei Männern die Scheu davor zu nehmen,Philip E. Slater: The Glory of Hera: Greek Mythology and the Greek Family. Beacon Press, Boston 1971, ISBN 0-8070-5795-9. andere sehen darin schlicht den Willen, die sexuelle Anziehungskraft der Frauen zu erhöhen. Es finden sich auch Darstellungen in der griechischen Kunst der Epoche, die Frauen mit Schamhaaren darstellen. Dass zumindest eine teilweise Schamhaarentfernung weit verbreitet war, wird jedoch als wahrscheinlich angesehen.Martin Kilmer: Genital Phobia and Depilation. In: The Journal of Hellenic Studies. Band 102, 1982, S. 104–112. doi:10.2307/631129, PMID 16437863.

Antikes Rom Im antiken Rom standen neben Rasieren auch Pechpflaster und „schmierige Harze“ zur Entfernung der Schamhaare zur Verfügung der Männer, Frauen und Prostituierten, wie aus Spottgedichten und Epigrammen des Martial hervorgeht („Während du deine Testikel enthaart und deinen Penis kahl wie den Hals eines Geiers trägst […]“).

Mittelalterliches und frühneuzeitliches Abendland

In der hochmittelalterlichen Buchmalerei sind unbekleidete Männer und Frauen regelmäßig ohne Körperbehaarung dargestellt. Ob und in welchem Ausmaß deren Entfernung üblich war, lässt sich daraus nicht schließen. Eine Reliefdarstellung aus dem 12. Jahrhundert, die eine Frau beim Schneiden der Schambehaarung mit einer Schere darstellt, zeigt jedoch, dass die Praxis der Schamhaarentfernung zumindest bekannt war.Gunter Krebs: Medizin und Hygiene. Körperbehaarung. (Körperbehaarung im Mittelalter mit Darstellung einer mittelalterlichen Relief-Plastik zum Thema); Quelle: Massimiliano Mandel: Scissors. Magna Books, Wigston, Leicester (UK) 1990, ISBN 1-85422-182-5 Auf: turba-delirantium.skyrocket.de, abgerufen am 7. April 2014.

Im 15./16. Jahrhundert wurden aufgrund der Hexenverfolgung verschiedene Methoden entwickelt, welche die Verdächtigen „überführen“ sollten. Für die Nadelprobe wurden den Delinquentinnen am ganzen Körper die Haare entfernt, auch die Schamhaare und Augenbrauen, um nach dem Teufelszeichen suchen zu können.

Intimhaarperücken (Merkins, pubic wigsSara Ramsey, Clare Sweeney, Michael Fraser, Gren Oades: Pubic Hair and Sexuality: A Review. In: The Journal of Sexual Medicine. Band 6, Nummer 8, August 2009, S. 2102–2110, doi:10.1111/j.1743-6109.2009.01307.x, PMID 19453886.) sind seit der frühen Neuzeit belegt und wurden verwendet, um fehlende Schambehaarung zu verdecken bzw. das Erscheinungsbild wiederherzustellen; teils werden sie auch mit dem Verbergen von Anzeichen von Krankheiten im Intimbereich, etwa Geschlechtskrankheiten, in Verbindung gebracht.Benjamin Swift, Guy Nathan Rutty: Female Genital Alteration. In: Richard C. Froede (Hrsg.): Encyclopedia of Forensic and Legal Medicine. Elsevier, Amsterdam 2005 („Pubic Hair“)

Im frühen 18. Jahrhundert galt wieder, wie schon im Mittelalter, ein glatter Intimbereich als Zeichen für Jungfräulichkeit und Hingabebereitschaft.

Islam Muslime (Männer und Frauen) müssen sich nach den islamischen Reinlichkeitsregeln bei der Ganzkörperwaschung die Achsel- und Schamhaare entfernen.

Im trockenen Wüstenklima, wo Wasser zu kostbar zum Waschen ist, gilt eine reduzierte Schambehaarung als vorteilhaft. Auch wenn ursprünglich hygienische Gründe die Ursache der religiösen Reinlichkeitsregel waren, so entwickelte sich daraus ein Schönheitsideal, das in den islamischen Ländern, speziell im arabischen Raum und im Osmanischen Reich beziehungsweise heute der Türkei verbreitet ist.Susan Aykut: Hairy politics. Hair rituals in Ottoman and Turkish society. Beitrag zur Annual Conference of the Australian Association for the Study of Religions. Sydney, Oktober 1999 (Volltext als PDF; 318 kB). Bassano de Zara, ein im osmanischen Reich lebender Italiener, schrieb um 1530, dass dort Schamhaare verabscheut würden.Norman Mosley Penzer: The harem: inside the Grand Seraglio of the Turkish sultans. Dover, Mineola (NY) 2005, ISBN 0-486-44004-4. Er vermutete, die Enthaarung der Schamgegend diene dazu, dass Türkinnen diesen Bereich sowie die sich daran anschließende, vier Finger breite Zone dekorativ mit Henna färbten.

In den Schriften von Usama ibn Munqidh (1095–1188) wird der Fall eines Kreuzfahrers aus dem Fränkischen Reich berichtet, der im damaligen Byzanz erstmals in einem Hammam mit der Schamhaarentfernung in Kontakt kam und dies begeistert aufnahm. Ibn Munqidh zufolge soll er die Entfernung seiner eigenen Schambehaarung verlangt haben und bekundete, diesen Brauch in seiner Heimat verbreiten zu wollen.Polemicizing women’s bathing among Medieval and early modern Muslims and Christians. In: Anne Scott, Cynthia Kosso: The Nature and Function of Water, Baths, Bathing and Hygiene from Antiquity through the Renaissance (= Technology and Change in History,. Band 11). Brill, Leiden / Boston 2009, ISBN 978-90-04-17357-6, S. 171–188.

mini|hochkant|Frau im Orient, um 1900

Traditionell wurden im arabischen Raum den Frauen einen Tag vor der Hochzeit alle Haare bis auf die Kopfhaare, Wimpern und Augenbrauen im Rahmen einer Zeremonie entfernt (teilweise ist diese Tradition noch lebendig). Der haarlose Körper galt als Symbol der Unbeflecktheit und Ergebenheit. Zur Haarentfernung benutzte man im Orient Halawa, eine warme Paste aus karamellisiertem Zucker und Zitronensaft, die in dieser Region weiterhin ein gängiges Mittel der Haarentfernung ist, oder man riss sich die Haare mittels verzwirbelter Fäden durch schnelle Bewegungen heraus.

Nach der Haarentfernung wird häufig eine als RusmaRusma, auch Rhusma, bezeichnet ein historisches, besonders im Osmanischen Reich beziehungsweise im Nahen Osten verwendetes chemisches Enthaarungsmittel. Es ist also ein bestimmtes Psilothrum beziehungsweise Depilatorium.Rusma ist das Dipilatorium, nicht ein Nachbehandlungsmittel: "Rusma – auch Rhusma, älter Rosma oder Hrisma – gelangte aus dem Osmanisch-Türkischen in die europäischen Sprachen. Das osmanische Wort ist sehr wahrscheinlich ein griechisches Lehnwort: neugriechisch χρίσμα (chrísma) = „Salbe, Einreibung, aufgestrichene Substanz“. Es gehört zu griechisch χρίω (chríō) = „bestreichen, einreiben, salben“. Die ursprüngliche Bedeutung war demnach nicht speziell „Enthaarungsmittel“, sondern allgemein etwas Aufgestrichenes beziehungsweise eine Salbe; im Osmanischen verengte sich die Bedeutung auf die aufgetragene Enthaarungspaste." bezeichnete Paste mit Calciumoxid aufgetragen, die das Nachwachsen der Haare reduziert. Bei regelmäßiger Anwendung führt dies nach einigen Jahren zu einer dauerhaften Entfernung der Schambehaarung. Mitunter wird der enthaarte Genitalbereich mit Henna gestaltet.Wendy Cooper: Hair: sex, society, symbolism. Stein & Day, New York 1971, ISBN 0-8128-1429-0.

Judentum Im Zusammenhang mit der Vorbereitung auf die Mikwe können Körperpflege und die Entfernung möglicher Hindernisse (Chatzitza) eine Rolle spielen. Eine eigenständige Mizwa zur Schamhaarentfernung wird in den klassischen jüdischen Rechtsquellen jedoch nicht als allgemeines Gebot formuliert.

Indigene Kulturen In vielen indigenen Völkern ist die Entfernung der Scham- oder weitergehenden Körperbehaarung eine verbreitete kulturelle Tradition. In der Hochkultur der Azteken entfernten sich Frauen und Männer generell die komplette Körperbehaarung mit metallenen Pinzetten (Priester verwendeten goldene); die Schädel wurden kahlgeschoren. Bei vielen afrikanischen Ethnien ist die Haarentfernung üblich, auch in der Genitalregion. Oftmals werden die Haare durch Auszupfen epiliert.Kirsten Hansen: Hair or Bare? The History of American Women and Hair Removal, 1914–1934 (= Senior Thesis in American Studies.). Barnard College, Columbia University 2007 (). Der Vorstellung der Acholi von der Schönheit einer Frau entsprechend, werden Scham- und Achselhaare unter Verwendung heißer Asche ausgezupft. Wendy Cooper zufolge (1971), entfernten die Dodingo in Uganda die gesamte Körperbehaarung, einschließlich der Schamhaare mithilfe spezieller Harze, die aufgetragen und trocknen gelassen, anschließend die gesamte Schicht mitsamt den Haaren abgerissen und die Haut im Anschluss mit lindernden pflanzlichen Fetten behandelt wurde. Die vollständige Haarentfernung am Körper durch die älteren Frauen des Stammes gehörte allgemein zu den Vorbereitungen, die eine junge Braut vor ihrer Hochzeit durchlaufen musste. Derselbe Brauch existierte auf den Trobriand-Inseln und auch bei südamerikanischen Indianern.

Bei den Nuba in Afrika ist die Entfernung der Schambehaarung bei beiden Geschlechtern verbreitet.

Die Frauen der Huaorani in Südamerika reiben sich dazu die Stellen, an denen sie keine Haare wünschen, mit Asche ein, um die Haare anschließend leichter entfernen zu können.Laura Rival: The attachment of the soul to the body among the Huaorani of Amazonian Ecuador. In: Ethnos: Journal of Anthropology. Band 70, Nr. 3, 2005, S. 285–310, doi:10.1080/00141840500294300.