mini|Franciszka Mann (Mitte der 1930er-Jahre) Franciszka Mann, auch Franziska Mann, Franceska Mann, Franciszka Mannówna, Künstlername Lola HorowitzLola Horowitz ist nach einer Quelle der Geburtsname () (* 4. Februar 1917Der Geburtsort ist nicht nachgewiesen; die Rede ist von einem Ort namens Brod (), andere Quellen erwähnen Warschau.; † 23. Oktober 1943 in Auschwitz-Birkenau), war eine polnische Tänzerin, die nach Augenzeugenberichten angesichts ihrer kurz bevorstehenden Ermordung im KZ Auschwitz-Birkenau SS-Männer angriff, einen tödlich verletzte und einen weiteren verwundete.
Leben Franciszka Mann erhielt eine klassische Tanzausbildung bei Irena Prusicka (1911–2001). Sie trat vor dem Zweiten Weltkrieg in Warschau als Balletttänzerin und in Nachtklubs auf und galt als eine der besten Tänzerinnen. Zu ihrem Freundeskreis zählten Tänzerinnen wie Wiera Gran und Stefania Grodzieńska.
Sie gehörte zu den Juden, denen im Rahmen der Hotel-Polski-Affäre eine Ausreise in die Schweiz oder ein Austausch gegen deutsche Kriegsgefangene in Aussicht gestellt worden war. Durch diese Falle offenbarte sie ihre jüdische Herkunft gegenüber den deutschen Besatzern und wurde schließlich deportiert.Franceska Mann: Der vergessene Aufstand von Auschwitz, in: Antifaschistisches Infoblatt Nr. 125 Heft 4.2019 vom 23. März 2020 (Link) Am 23. Oktober 1943 traf ein Zug mit rund 1700 polnischen Juden im KZ Auschwitz-Birkenau ein. Die Ankömmlinge wurden ohne Registrierung nach Geschlecht getrennt zu den Gaskammern gebracht, um dort ermordet zu werden. Als die Frauen im Umkleideraum bei der Gaskammer unter der Vorspiegelung, sie würden vor der Weiterreise desinfiziert, angewiesen wurden, sich zu entkleiden,Nach anderer Darstellung soll sich der Vorfall bereits an der Rampe ereignet haben. gelang es Franciszka Mann, dem SS-Oberscharführer Walter Quakernack zunächst den Absatz ihres Schuhs in dessen Gesicht zu schlagen und ihm anschließend seine Pistole zu entreißen. Mit dieser gab sie drei Schüsse auf die anwesenden SS-Männer ab. Ein Schuss traf den SS-Oberscharführer Josef Schillinger, ein weiterer SS-Oberscharführer Wilhelm Emmerich. Schillinger starb auf dem Transport ins Krankenhaus, Emmerich wurde am Bein verletzt.
Weitere Frauen sollen daraufhin ebenfalls die SS-Männer angegriffen haben, diese rannten aus dem Raum. Außerhalb ließ Lagerkommandant Rudolf Höß derweil zwei Maschinengewehre in Stellung bringen und auf die Gefangenen schießen. Überlebende wurden anschließend vergast. Am Folgetag feuerten SS-Wachleute als Vergeltung wahllos in das Lager, wobei 13 Häftlinge starben und mehrere verwundet wurden.
Quellen Der Vorfall wird, gestützt auf Augenzeugenberichte, mit unterschiedlichen Details geschildert. Die wichtigsten Quellen sind die Erinnerungen der Angehörigen des jüdischen Sonderkommandos Filip Müller,Filip Müller, Sonderbehandlung. Drei Jahre in den Gaskammern und Krematorien von Auschwitz. München 1979, S. 129–141. Jerzy Tabeau, Tadeusz BorowskiTadeusz Borowski: The Death of Schillinger, in: This Way for the Gas, Ladies and Gentlemen, New York 1982, S. 145 f. und Wiesław Kielar.Wiesław Kielar, Anus Mundi Fünf Jahre Auschwitz Frankfurt am Main, 1979, ISBN 978-3-596-23469-1 online
Literatur Filip Müller, Sonderbehandlung. Drei Jahre in den Gaskammern und Krematorien von Auschwitz. München 1979, S. 129–141, ISBN 978-3-8205-3464-1.
Weblinks
Waltraud Schwab: Tausend Kilometer bis Auschwitz
Heldinnen des Widerstands (englisch)
Anmerkungen
Einzelnachweise
Kategorie:Opfer des Holocaust Kategorie:Todesopfer im KZ Auschwitz Kategorie:Person (polnischer Widerstand 1939–1945) Kategorie:Person des jüdischen Widerstands gegen den Nationalsozialismus Kategorie:Tänzer (Polen) Kategorie:Wikipedia:Geburts- oder Sterbeort unbekannt Kategorie:Pole Kategorie:Geboren 1917 Kategorie:Gestorben 1943 Kategorie:Frau