Roslyn ist eine Stadt (City) im Kittitas County im US-Bundesstaat Washington. Das U.S. Census Bureau hat bei der Volkszählung 2020 eine Einwohnerzahl von 950 ermittelt. Roslyn liegt im Kaskadengebirge, etwa 80 Meilen (128 km) östlich von Seattle.
Die Stadt wurde 1886 als Arbeitersiedlung einer Kohlegrube gegründet. Während des 20. Jahrhunderts wandelte sich die Stadt schrittweise weg von einer Bergarbeiterstadt; heute beruht ihre Wirtschaftsleistung vorrangig auf Forstwirtschaft und Tourismus. Die Stadt war Filmkulisse für The Runner Stumbles, die Fernsehserie Ausgerechnet Alaska (Northern Exposure) und The Man in the High Castle. Ein Großteil der Stadt ist denkmalrechtlich geschützt, und ihre Innenstadt wird seit 1978 im National Register of Historic Places aufgeführt.
Geschichte mini|links|Die Immaculate Conception Church ist Drehort des 1979 gedrehten Films The Runner Stumbles mit Dick Van Dyke und Kathleen Quinlan.
Anfänge Kohle-Lager wurden erstmals 1883 im Gebiet von Roslyn entdeckt; 1885 wurde ein mächtiges Flöz am oberen Smith Creek Canyon von C. P. Brosious, Walter J. Reed und Ignatius A. Navarre entdeckt. Roslyn wurde 1886 durch Logan M. Bullet parzelliert, dem Vizepräsidenten der Northern Pacific Coal Company, als die Firma ihre erste kommerzielle Kohleförderung aufnahm, um den Eisenbahnbetrieb zu unterstützen.Goodloe, Trevor. „Roslyn, Washington (1886-- )“. Abgerufen am 19. Januar 2018.
Die 1880er Jahre hindurch trieb die Northern Pacific Railway, die Muttergesellschaft der Northern Pacific Coal Company, eine Strecke vom Osten voran, um den Puget Sound über die Kaskadenkette hinweg zu erreichen. Die Northern Pacific führte die Strecke über den Stampede Pass genau westlich an Roslyn vorbei, um Wallula im Osten mit Tacoma im Westen zu verbinden. Eine Lücke von 124 Kilometern verblieb noch 1886. Im Januar dieses Jahres erhielt Nelson Bennett einen Vertrag zum Bau des 3-Meter-Tunnels unter dem Stampede Pass hindurch, der 1888 vollendet wurde. Roslyn, das an der Strecke zum Stampede Pass liegt, lieferte sowohl die Kohle für den Bau der Eisenbahnstrecke als auch für die Unterhaltung des Eisenbahnbetriebs.
Zwischen 1886 und 1929 kamen Arbeitsimmigranten aus Italien, Polen, der Slowakei, Deutschland, Litauen, Slowenien, Serbien und Kroatien wie auch aus England, Irland, Schottland und Wales zur Arbeit in die Minen. Diese Immigranten hielten die Traditionen ihrer Heimatländer aufrecht, wie auf dem historischen Roslyn Cemetery mit seinen 26 unterschiedlichen ethnischen Abteilungen anschaulich wird. Viele heutige Einwohner von Roslyn sind Nachfahren dieser immigrierten Bergleute.
Roslyns Spitzenproduktion an Kohle wurde mit zwei Millionen Tonnen 1910 erreicht. Als Dampflokomotiven zunehmend durch Diesellokomotiven ersetzt wurden, begann in den 1920er Jahren ein Niedergang der Kohleminen. Obwohl die örtlichen Kohlelager weit von der Auskohlung entfernt blieben (etwa 80 % der Kohlevorräte in Roslyn blieben ungefördert), schloss die letzte Mine 1963 wegen mangelnder Profitabilität. Mit dem Verlust der Arbeitsplätze lief ein Exodus der Einwohner einher. Mitte der 1970er Jahre begann Roslyn erneut aufzublühen, als Künstler neben anderen die Wohn- und Geschäftsgebäude der Stadt wieder in Stand setzten und sich ansiedelten. Einige Einwohner besitzen in Roslyn einen Zweitwohnsitz neben ihren Wohnungen am Arbeitsort Seattle oder Tacoma zum Beispiel.
Während Roslyn in den Anfangsjahren eine Arbeitersiedlung war, war das Leben in den frühen Jahren ganz auf die Kohleproduktion ausgerichtet. Die meisten Einwohner arbeiteten entweder für die Northern Pacific Coal Company oder in eine der kleineren Zulieferfirmen, oder sie hatten einen Familienangehörigen dort. Ein Angelpunkt des Stadtlebens war das firmeneigene Geschäft, das heute im National Register of Historic Places aufgeführt ist; es steht nach wie vor an der Ecke First Street / Pennsylvania Avenue.
Wie in vielen US-amerikanischen Städten des 19. Jahrhunderts mit hohem Brandrisiko wütete auch in Roslyn 1888 ein Großbrand, der den Großteil des Geschäftsviertels zerstörte. Viele danach erbaute Gebäude verwendeten Ziegel und Sandstein beim Bau. Einige dieser historischen Gebäude werden noch heute genutzt wie die Brick Tavern von 1889 und das etwa 1890 erbaute Fischer Building.
Während der Tage des Wohlstands baute die Northern Pacific Coal Company den Roslyn Athletic Club für Bergleute und ihre Familien. Er wurde 1902 fertiggestellt und enthielt eine Sporthalle, Versammlungsräume und eine Kegelbahn. Roslyns öffentliche Bibliothek wurde 1898 gegründet und zog 1918 in das Gebäude des Roslyn Athletic Club um. Dort wird sie auch heute noch betrieben.
Die meisten der 500 Wohnhäuser wurden in den 1920er Jahren auf der Eisenbahngesellschaft gehörendem Land gebaut. In den 1920er Jahren bestand das Geschäftsviertel aus vier Gebäudeblocks, von denen etwa ein Dutzend Gebäude als Repräsentanten der Western Frontier Commercial Architecture gelten können. Roslyn zeigt in seinen historischen Bauten viele Beispiele viktorianischer Eleganz wie auch einfacher Bergarbeiter-Hütten. Die Stadt Roslyn wird seit 1978 im National Register of Historic Places aufgeführt. Kürzlich wurde die Gemeindeverwaltung von Roslyn zertifiziert. Ihre Historic Preservation Commission restaurierte das Roslyn Cafe, eine lokale Sehenswürdigkeit.
Streik der „Knights of Labor“ von 1888 mini|Die Brick Tavern ist die älteste ununterbrochen betriebene Kneipe im Bundesstaat und wurde prominent in der Fernsehserie Ausgerechnet Alaska (1990 bis 1995) eingesetzt. Roslyn wurde als Kulisse der fiktiven Stadt Cicely (Alaska) in der erfolgreichen CBS-Serie genutzt.
Spannungen zwischen Management und Belegschaft der Minen in Roslyn entluden sich im Sommer 1888 als das Management eine Reihe von Mitgliedern der Gewerkschaft entließ, die höhere Löhne gefordert hatten. Diese Entlassungen führten zu einem Streik der Knights of Labor, die den Betrieb in den Minen einstellten.
Statt sich mit den Forderungen der Streikenden auseinanderzusetzen, rekrutierte die Northwest Coal Company, die den Bergbau in der Mine No. 3 im wenige Meilen entfernten Ronald betrieb, mehr als 300 schwarze Arbeiter in Virginia, North Carolina und Kentucky als Streikbrecher und transportierte sie per Sonderzug quer durch den Kontinent nach Roslyn. Dies stellte den bis zu diesem Zeitpunkt größten Zuwachs an afroamerikanischer Bevölkerung in Washington dar.
Achtundvierzig durch die Northwest Coal Company engagierte Bewaffnete eskortierten die ersten 50 Streikbrecher nach Roslyn. Die Rekrutierung der Bewaffneten erregte das Interesse von Gouverneur Eugene Semple, der über die Aufstellung einer derart großen privaten Miliz in seinem Territorium (Washington wurde erst 1889 Bundesstaat) erschüttert war.
Semple war der Bürgerwehren überdrüssig, hatte er doch gerade 1887 einen Waffenstillstand in den Salmon Wars („Lachs-Kriege“) ausgehandelt. Die Salmon Wars waren eine Reihe von Auseinandersetzungen zwischen Siedlern aus Washington und Oregon über die Fischrechte im Columbia River. Die Kämpfe zwischen den bewaffneten Fischern und die Intervention der territorialen Miliz machten die Gefahr deutlich, die von Privatarmeen bei gleichzeitig schlechter Aufstellung der Milizen des Territoriums ausgeht.
Die Washington-Miliz litt unter fehlender Unterstützung, mangelnder Ausbildung und einer fehlenden klaren Kommando-Struktur. Semple kämpfte mit der Miliz während seiner gesamten Amtszeit als Gouverneur des Territoriums, was zeitweise von den eigenen Offizieren untergraben wurde, bis hin zum Truppen-Aufmarsch gegen ihn. Da die Miliz bis zum Januar 1888 nicht als offizielle Nationalgarde von Washington aufgestellt war, standen Semple zur Zeit der Streiks in Roslyn nur schlecht ausgebildete und schlecht ausgerüstete bewaffnete Einheiten zur Verfügung.Welch, Jack. „Hot Work.“ Columbia: The Magazine of Northwest History Winter 2013–2014: 4-10. Print.
Semple befahl Sheriff Samuel T. Packwood, die Situation in Roslyn zu untersuchen und einen für die Regierung rechtskonformen Weg der Entwaffnung der Privatarmee zu finden. Packwood verhaftete alle 48 Bewaffneten zusammen mit den schwarzen Streikbrechern unter Anklage des widerrechtlichen Zutritts. Packwood nutzte dabei die anhaltenden Streitigkeiten zwischen der Northwest Coal Company und dem Siedler Alexander Ross über den Landbesitz. Die Angelegenheit war seit der Entdeckung der Kohlevorkommen drei Jahre zuvor strittig.
Als die Gefangenen zur Verhandlung freigelassen wurden, errichteten sie eine Barrikade aus Holz und Stacheldraht auf dem Minengelände. An diesem Punkt beorderte Semple eine Miliz-Einheit zur Unterstützung nach Roslyn. Semple versuchte die Bürgerwehr als Landstreicher zu verhalten, da sie im Territorium keiner offiziell anerkannten Arbeit nachgingen.
Der Streik wurde schließlich beendet und die afroamerikanischen Streikbrecher in der Gemeinde Roslyn assimiliert. Viele Fotos in lokalen Archiven und Augenzeugenberichte belegen die ethnische Harmonie in der Gemeinde in den folgenden Jahrzehnten. Es gab nur Einzelfälle von Rassentrennung.
mini|links|Das Coal Miners' Memorial in Roslyn. Zu beachten ist das Film-Set der Fernsehserie Ausgerechnet Alaska im Hintergrund.
Minen-Unfall von 1892 1892 wurden 45 Bergleute bei einer Explosion in der Mine No. 1 nahe Roslyn getötet, der schwerste Unfall im Bergbau in der Geschichte des Staates Washington.
Bankraub der „McCarty-Gang“ 1892 Am 24. September 1892 überfiel eine Gruppe von sechs als „McCarty-Gang“ bekannten Banditen die Zweigstelle der Ben Snipes Bank aus Ellensburg in Roslyn. Drei der Männer standen mit den Pferden auf Posten, während die anderen drei in die Bank eindrangen. Einer begann den Tresor mit einer ungenannten Menge Geldes zu leeren, während die anderen beiden die Bankangestellten in Schach hielten; sie schossen den Schalter-Assistenten in die Hüfte und schlugen mehrere Unbeteiligte auf ihrem Weg nach draußen nieder. Sie hatten einen sauberen Abgang.
Am folgenden Tag wurden mehrere Männer der Gang im Bahnhof der Northern Pacific Railway in Cle Elum gesehen, wo die Lohngelder der Bergleute von Roslyn in den Zug verladen wurden. Der Sheriff wurde unterrichtet und heuerte eine posse comitatus (Hilfskräfte) an, die die Banditen stellen sollten. Es folgte ein kurzer Schusswechsel, aber die Räuber entkamen. Es ist nicht bekannt, ob jemand verletzt wurde. Mehrere verlassene Pferde und ein Lager wurden von einem Suchtrupp entdeckt, nicht jedoch die Räuber. Die gesamte Gang wurde später von einer Frau eines der Führer ausgeliefert. Sie wurden vor Gericht gestellt, aber aufgrund einer hung jury, einer Jury, die keine Einstimmigkeit oder wenigstens qualifizierte Mehrheit finden konnte, freigelassen.
Mehrere der McCartys wurden später bei einem versuchten Bankraub in Colorado getötet.
Roslyns ethnische Friedhöfe mini|Roslyns historischer Friedhof ist in 26 ethnische Felder wie den hier abgebildeten slowakischen eingeteilt.
Der Roslyn Cemetery ist aus 26 separaten aneinander angrenzenden Feldern zusammengesetzt, welche die Diversität der frühen Einwanderer-Gemeinschaft reflektieren. Er wurde 1978 in das National Register of Historic Places aufgenommen. In Wäldern und Hügeln oberhalb der Hauptstraße auf 61.000 m² angeordnet wurde das Land durch Schenkung oder Ankauf von der Northern Pacific Company an religiöse, ethnische oder bürgerliche Organisationen zur Bestattung ihrer Mitglieder übergeben.