L’art pour l’art ist ein deutsches Ensemble für Zeitgenössische Musik.

Geschichte Im Februar 1983 gründeten Astrid Schmeling (Flöte), Michael Schröder (Gitarre) und Matthias Kaul (Perkussion) in Winsen (Luhe) das Ensemble L’art pour l’art. Kaul war zuvor Mitglied im Ensemble Hinz und Kunst, in dem Schmeling und Schröder zuweilen als Gäste mitwirkten. Das erste Konzert des Ensembles L’art pour l’art fand am 3. Oktober 1983 in der St. Johanniskirche in Hamburg statt. Politische Musik in der Situation des Kalten Krieges gegen die Stationierung der Mittelstreckenraketen: Programm „Pacem in terris — Poesie des Widerstands“. 1984 begann die Reihe „Die Hamburger Konzerte“ in der Kleinen Musikhalle Hamburg. Erste deutsche Präsentation des Schaffens von Silvestre Revueltas. In den frühen Jahren erweiterte sich das Kerntrio gelegentlich bis zu einem Kammerorchester mit 24 Musikern, um neben Revueltas’ Musik auch einige größere Werke von Hans Werner Henze (Voices, El Rey de Harlem, Miracle de la Rose, Kammermusik 58) aufzuführen und für den Rundfunk einzuspielen. L’art pour l’art porträtierte mehrere Komponisten zum ersten Mal in Deutschland (Per Nørgård, Stefan Wolpe). Die Reflexion über die Beziehung zwischen Musik und Aufführungsort führte zu inszenierten Konzerten und über die Jahre hinweg immer mehr zur Präsentation von Musiktheaterprojekten (Relax und Kafkas Heidelbeeren von Matthias Kaul, Schattenhaft von der Kompositionsklasse) sowie zu Outdoorprojekten wie die L’art pour l’art Music Box, Pyropoetische Parkmusik etc. In der Folgezeit gab es EAs und UAs von Werken dänischer Komponisten, Länderporträts von Dänemark, England, Frankreich und Italien. Erste Auslandstourneen waren in Italien und Frankreich. Es folgte der Beginn der Serie von inszenierten Konzerten eigener Werke für Kinder, die nach ca. 300 Konzerten wegen Übersättigung eingestellt wurde. Phasenweise gab es eine enge Zusammenarbeit mit den Komponisten Vinko Globokar, Hans Werner Henze, Mauricio Kagel, Jo Kondo, Michael Maierhof, Helmut Oehring, Younghi Pagh-Paan, Frederic Rzewski, Manos Tsangaris, Isang Yun, Walter Zimmermann. Tourneen erfolgten in Europa, später Asien und USA, Kanada, Russland. Gastprofessuren waren in Asien und Nordamerika. Ab 1994 folgte eine vermehrte Beschäftigung mit amerikanischen Komponisten wie John Cage, Malcolm Goldstein, James Tenney, Lois Vierk, Christian Wolff sowie Uraufführungen von Carla Bley und John Zorn. 1997 verlegte das Ensemble aufgrund mangelnder Unterstützung durch die Hansestadt seinen Geschäftssitz von Hamburg nach Niedersachsen. Im Arbeitsdomizil Altes Forsthaus Habichtshorst starteten kulturelle Aktivitäten: Eine Kompositionsklasse für Jugendliche und Kinder, die im deutschsprachigen Raum Beachtung fand, eine Konzertreihe mit Vorgesprächen über das Hören in verschiedenen Berufen, Fortbildungen. Die CD Haltbar gemacht mit Kompositionen der Jugendlichen wurde mit einem Echo Klassik, dem Jahrespreis der deutschen Schallplattenkritik ausgezeichnet. Das Ensemble führte immer wieder Festivals durch, in Hamburg das Festival Fließende Grenzen, in Niedersachsen das Musik 21 Nachwuchsfestival, für den Saarländischen Rundfunk kuratierte es u. a. American Dreams. Ca. 300 Uraufführungen dokumentieren die Arbeit des Ensembles L’art pour l’art in der Gegenwartskultur.

Profil Das Ensemble L’art pour l’art formiert sich vom Trio bis zum Kammermusikensemble in der Besetzung Fl., Cl., Trp., Vl., Vc., Kb., Pno., Git., Hrf., Perc., Voice. Konzerte, CDs, Rundfunkaufnahmen, Musiktheater, Outdoorprojekte, Workshops, Schulprojekte, Konzepte für Festivals, für Konzertreihen, für kulturelle Projekte im ländlichen Raum, Kompositionsprojekte in Gruppen sowie im Einzelunterricht und die Herausgabe von Publikationen kennzeichnen die Arbeit des Ensembles.

Preise Echo Klassik für CD Haltbar gemacht 2012 Jahrespreis der deutschen Schallplattenkritik 2012 Vierteljahrespreis der deutschen Schallplattenkritik 2012 Förderpreis Musikvermittlung der Niedersächsischen Sparkassenstiftung 2009 Zukunftspreis Jugendkultur der PwC-Stiftung 2003 Junge Ohren Preis in der Kategorie Musik & Medien 2001

Diskographie Jahn: Orte und Zeiten, mit Norma Enns (Sopran), Aurophon/N.P.E., 1989 Isang Yun: Chamber Music II, Bote & Bock, 1993 Globokar: Balkan, daraus: Élégie Balkanique für Flöte, Gitarre und Percussion, Koch-Schwann, 1994 Kondo: Chamber Music, Deutschlandfunk, Köln, 1998 Kagel: Serenade (Chamber Works), Co-Production: Radio Bremen/cpo Recording, 1999 Nishikaze: Walking, North, North, Wergo, 2009 Hespos: Solo Works 69–96, CJIO/Radio Bremen, 2003 Haltbar gemacht, Berslton, 2011 Kaul: Some Kind of Way Out of Here, mit Ute Wasserman und dem Nomos-Quartett, Nurnichtnur Berslton, 2014 Kondo: Bonjin – Chamber Music, Wergo, 2016 Eckert: Absence, daraus: Absence – Traces Éloignées, mit dem Ensemble Reflexion K, Mode Records, 2020

Publikationen Astrid Schmeling (Hrsg.): Musik für eine Stadt. Das Ensemble „l’art pour l’art“ und die Kinderkompositionsklasse Winsen / Luhe. Eine Dokumentation. PFAU-Verlag, Saarbrücken 2003, ISBN 3-89727-115-X Hanno Ehrler: „…ich war so 'ne eigene Komponistin, irgendwie…“ -10 Jahre Kompositionsklasse für Kinder und Jugendliche Winsen – Eine Untersuchung. PFAU-Verlag, Saarbrücken 2009, ISBN 978-3-89727-417-4. Astrid Schmeling, Matthias Kaul (Hrsg.): Notenbücher von Kinderkompositionen, gedacht zum Nachspielen und/oder als Inspiration, Ähnliches zu versuchen: Projekt Bildende Klänge. Hildegard-Junker-Verlag, Altenmedingen 2003, ISBN 3-928783-96-3. Astrid Schmeling, Matthias Kaul: Musik aus dem Mund. Hildegard-Junker-Verlag, Altenmedingen 2003, ISBN 3-928783-99-8.

Quellen

Weblinks Offizielle Homepage Youtube

Kategorie:Kammermusikensemble