mini|Eines der Militärdiplome des Jahres 122 ()

Die Ala Gallorum Picentiana () war eine römische Auxiliareinheit. Sie ist durch Militärdiplome, Inschriften und die Historiae von Tacitus belegt. Der vollständige Name Ala Gallorum Picentiana wird nur in den Militärdiplomen des Jahres 122 verwendet, in allen anderen Diplomen wird sie als Ala Picentiana bezeichnet. In zwei Inschriften und bei Tacitus wird sie als Ala Picentina bezeichnet.

Namensbestandteile Ala: Die Ala war eine Reitereinheit der Auxiliartruppen in der römischen Armee.

Gallorum: der Gallier. Die Soldaten der Ala wurden bei Aufstellung der Einheit aus den verschiedenen Stämmen der Gallier rekrutiert. Dieser Namensbestandteil findet sich nur in den Militärdiplomen von 122.

Picentiana oder Picentina: des Picens. Die Reitereinheiten der Gallier wurden oft nach einem ihrer ersten Kommandeure benannt. Laut John Spaul nahmen Emil Ritterling und Eric Birley an, dass der Namensgeber der Einheit Lucius Rustius Picens war.

Da es keine Hinweise auf den Namenszusatz milliaria (1000 Mann) gibt, war die Einheit eine Ala quingenaria. Die Sollstärke der Ala lag bei 480 Mann, bestehend aus 16 Turmae mit jeweils 30 Reitern.

Geschichte Die Ala war zunächst in den beiden Heeresbezirken Germania inferior und Germania superior und danach in der Provinz Britannia stationiert. Sie ist auf Militärdiplomen für die Jahre 74 bis 124 n. Chr. aufgeführt.

+ Militärdiplome Militärdiplomin der EDCS Datierungin der EDCS Stationiertin Im jeweiligen Militärdiplom erscheint die Ala wie folgt;Ergänzungen sind durch () und [] gekennzeichnet, siehe Leidener Klammersystem. 74 Germania Picentiana // Picentiana 75/76 Germania Picenti]ana 82 Germania Picentiana // Picentiana 122 Britannia [alae G]allor(um) Picentian[ae cui praeest Ti(berius?) Clau]dius(?) Priscian[us 122 Britannia Gallorum Picentian(a) // Gallor(um) Picentiana 124 Britannia Picen[ti]a[n(a)]

Die Anfänge der Ala sind nicht bekannt; der Zeitpunkt der Aufstellung und die ersten Stationierungsprovinzen können daher nur vermutet werden. Laut Katharina Kürten nahm Géza Alföldy an, dass die Ala am Anfang der Kaiserzeit in Gallien aufgestellt wurde und anfänglich auch dort stationiert war. Laut John Spaul ging Ernst Stein davon aus, dass die Einheit in Dalmatien stationiert war, da die Inschrift von Lucius Rustius Picens dort gefunden wurde; Stein nahm weiter an, dass sie aufgrund der Varusschlacht nach Germanien versetzt wurde.

Der erste datierbare Nachweis findet sich bei Tacitus; er erwähnt die Einheit als Ala Picentina in seinen Historiae (Buch IV, Kapitel 62) im Zusammenhang mit dem Bataveraufstand um 69/70 und gibt weiter an, dass sie der Legio XVI Gallica zugeordnet war. Nach dem Bataveraufstand wurde die Ala nach Germania superior versetzt.

Der erste Nachweis im Heeresbezirk Germania superior beruht auf einem Diplom, das auf 74 datiert ist. In dem Diplom wird die Ala als Teil der Truppen (siehe Römische Streitkräfte in Germania) aufgeführt, die in diesem Heeresbezirk stationiert waren. Weitere Diplome, die auf 76 bis 82 datiert sind, belegen die Einheit in demselben Heeresbezirk.

Zu einem unbestimmten Zeitpunkt wurde die Einheit in die Provinz Britannia verlegt. Conrad Cichorius nahm an, dass die Ala zwischen 82 und 90, im Zusammenhang mit den Feldzügen von Gnaeus Iulius Agricola, nach Britannien versetzt wurde. Laut Katharina Kürten ging Géza Alföldy ebenfalls von einer Versetzung nach Britannien zwischen 82 und 90 aus.

Die Ala ist in Britannia erstmals durch Diplome nachgewiesen, die auf 122 datiert sind. In den Diplomen wird die Ala als Teil der Truppen (siehe Römische Streitkräfte in Britannia) aufgeführt, die in der Provinz stationiert waren. Ein weiteres Diplom, das auf 124 datiert ist, belegt die Einheit in derselben Provinz.

Standorte bzw. Fundorte mini|Der Grabstein des Silius Attonis filius ()

Standorte der Ala in Germania inferior und Germania superior waren: Novaesium (Neuss): laut Tacitus war die Ala während des Bataveraufstands der Legio XVI Gallica zugeordnet. Es gibt zwar keinen direkten Beweis für ihre Stationierung in Neuss, als Hilfstruppe der Legio XVI Gallica muss sie aber entweder in Neuss oder zumindest im direkten Umland gelegen haben.

Mogontiacum (Mainz): drei Inschriften wurden hier gefunden. Die Ala war entweder in Mainz oder im direkten Umland stationiert.

Zwei Inschriften wurden in Derventio (bzw. Delgovicia), auf dem Gebiet des heutigen Malton, gefunden. Möglicherweise war die Einheit in der Provinz Britannia in Derventio stationiert oder hielt sich zumindest vorübergehend an diesem Ort auf.

Angehörige der Ala Folgende Angehörige der Ala sind bekannt:

Kommandeure Ti(berius?) Clau]dius(?) Priscian[us]: er wird auf einem der Diplome von 122 () als Kommandeur genannt. [] Can[didus], ein Präfekt () Lucius Pupius Praesens, ein Präfekt Lucius Rustius Picens, ein Präfekt

Sonstige []us Paturi [fil(ius)], ein Reiter () Abaius [] f(ilius), ein Reiter () Aur(elius) Macrinus, ein Reiter () C(aius) Iulius []s, ein Decurio () Silius Attonis f(ilius), ein Reiter ()

In der Inschrift ist der Name der Einheit nicht angegeben; John Spaul ordnet Aurelius Macrinus, einen ehemaligen Angehörigen der Equites singulares, der Ala Picentiana zu.

Siehe auch Liste der römischen Auxiliareinheiten Römische Streitkräfte in Britannia Römische Streitkräfte in Germania

Literatur John E. H. Spaul: Ala². The Auxiliary Cavalry Units of the Pre-Diocletianic Imperial Roman Army. Nectoreca Press, Andover 1994, ISBN 0-9525062-0-3.

Weblinks

Einzelnachweise Tacitus, Historiae, IV, 62, non tulit ala Picentina gaudium insultantis vulgi (Online; englische Übersetzung).

Inschriften mit Picentina (, IGR III 263).

Inschriften aus Malton / Derventio (, ). Inschriften aus Mainz / Mogontiacum (, , ).

Jörg Scheuerbrandt: Exercitus. Aufgaben, Organisation und Befehlsstruktur römischer Armeen während der Kaiserzeit. Dissertation, Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau 2003/2004, S. 157, 159 Tabellen 1, 3 (PDF).

John E. H. Spaul: Ala². The Auxiliary Cavalry Units of the Pre-Diocletianic Imperial Roman Army. Nectoreca Press, Andover 1994, ISBN 0-9525062-0-3, S. 185–186.

Katharina Kürten: Militärische Einheiten in Neuss-Novaesium, In: INTER NATIONES. Die Menschen im römischen Neuss, Clemens Sels Museum Neuss, 2021, S. 29 (Online).

Krešimir Matijević: Weihe- und Bestattungspraxis von ‚fremden‘ Militärs in Obergermanien, 2010, S. 100 Tab. 2 (PDF).

Militärdiplome der Jahre 74 (), 75/76 (), 82 (), 122 (, ) und 124 ().

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