mini|Marjory Stoneman Douglas Highschool (2008) Das Schulmassaker von Parkland am 14. Februar 2018 war ein Amoklauf an der Marjory Stoneman Douglas Highschool (MSD) in Parkland (Florida). Der 19-jährige Nikolas Cruz erschoss an seiner ehemaligen Schule 14 Schüler und drei Erwachsene. Er wurde kurz darauf festgenommen und gestand bei einem Verhör am selben Tag die Schießerei. 15 Personen wurden mit schweren Verletzungen ins Krankenhaus eingeliefert.Timeline of the slaughter

Eine Woche später wurde bekannt, dass zum Tatzeitpunkt der bewaffnete, uniformierte Hilfssheriff Scot Peterson auf dem Schulgelände patrouillierte. Er ging aber nicht ins Gebäude, als die zahlreichen Schüsse fielen.spiegel.de vom 23. Februar 2018: Bewaffneter Hilfssheriff harrte vor Schulgebäude auswashingtonpost.com vom 22. Februar 2018: Armed sheriff's deputy stayed outside Florida school while mass killing took place Etwa gleichzeitig plädierte der damalige US-Präsident Donald Trump, Lehrer zu bewaffnen.washingtonpost.com vom 22. Februar 2018: Trump doubles down on arming some teachers, defends NRA Die US-Waffenlobby-Organisation National Rifle Association („Nationale Gewehr-Vereinigung“) forderte, mehr bewaffnete Wachen in Schulen einzusetzen.washingtonpost.com vom 22. Februar 2018: NRA goes on the offensive after Parkland shooting, assailing media and calling for more armed school security Polizisten aus der Nachbarstadt Coral Springs äußerten, bei ihrer Ankunft seien neben Peterson mindestens drei weitere bewaffnete Hilfssheriffs nicht im Gebäude gewesen.Broward sheriff investigating claims that multiple deputies failed to enter Parkland school ‘when they should have’

Die Tat hatte zahlreiche Proteste gegen die Waffengesetze in den USA zur Folge.

Tathergang Cruz betrat die Marjory Stoneman Douglas High School um 14:20 Uhr Ortszeit kurz vor Schulschluss mit einem Rucksack und einem Waffenkoffer, der Cruz’ AR-15, mehrere Magazine und eine Weste enthielt. Der Feueralarm ging kurz darauf los, nachdem von Cruz’ Schüssen Rauch aus der Decke fiel. An diesem Tag war bereits ein Testalarm durchgeführt worden; der zweite Alarm sorgte bei Schülern und Lehrern für Verwirrung. Cruz schoss wahllos in den Klassenzimmern auf Schüler und Lehrer.Der Täter besaß seine Waffe legal In: Süddeutsche Zeitung, 15. Februar 2018

Nachdem Cruz innerhalb von 6 Minuten über 130 Mal gefeuert hatte, ließ er seine Waffe im dritten Stock des Gebäudes zurück. Er mischte sich gegen 14:27 Uhr unter die flüchtenden Schüler und verließ das Schulgelände. Parkland in Florida: Mindestens 17 Tote nach Schüssen an Highschool. In: Spiegel Online, 15. Februar 2018Der Gewaltausbruch des Nikolas Cruz In: Spiegel Online, 15. Februar 2018 Nach Angaben des zuständigen Sheriffs ging er zunächst in ein Walmart-Einkaufszentrum, wo er sich einen Softdrink kaufte und zwei Schnellrestaurants aufsuchte. Gegen 15:40 Uhr wurde er von einem Polizeibeamten, etwa 3 km von der Schule entfernt, in der Nachbargemeinde Coral Springs angesprochen und habe geantwortet, er sei der Täter. Er ließ sich widerstandslos festnehmen.

Täter hochkant|mini|Nikolas Jacob Cruz (2018) Der am 24. September 1998 geborene Nikolas Cruz wurde bald nach seiner Geburt adoptiert. Als Nikolas sechs Jahre alt war, erlag sein Adoptivvater einem Herzinfarkt. Seine Adoptivmutter starb am 1. November 2017 an Grippe und Lungenentzündung; danach zog er zu einer befreundeten Familie.FAZ.net vom 19. Februar 2018: „Hatten keine Ahnung, dass ein Monster unter unserem Dach wohnt“ (basierend auf sun-sentinel.com)

Cruz war als Außenseiter und Einzelgänger bekannt, der sich im sozialen Netzwerk Instagram mit Messern, Schusswaffen und getöteten Tieren präsentierte. Während seiner Schulzeit fiel er durch impulsives und aggressives Verhalten gegenüber Mitschülern und Lehrern auf. Mitschüler sollen sich aus Angst von ihm ferngehalten haben. Zeitweilig soll er in psychiatrischer Behandlung gewesen sein. Nach seinem Schulverweis arbeitete er in mehreren Gemischtwarenläden als Kassierer. Dort war er nach Angabe eines Kollegen beliebt.

Ein Jahr vor dem Amoklauf war Cruz aus disziplinarischen Gründen von der MSD verwiesen worden; eine direkte Warnung vor dem Täter im Januar 2018 war nicht an die örtliche Polizei weitergegeben worden. Eine staatliche Kommission ermittelte, dass Cruz im Vorfeld der Tat Recherchen zum Amoklauf an der Columbine High School betrieben hatte.

Im Jahr 2021 bekannte sich Cruz des 17-fachen Mordes und 17-fachen Mordversuchs schuldig. In dem Zusammenhang erklärte er, dass es ihm leid tue, was er getan habe. Manchmal könne er nicht mit sich selbst leben. Er wünschte sich, dass die Überlebenden entscheiden könnten, ob er die Todesstrafe erhalten soll.

Im Oktober 2022 empfahl eine Jury vor dem Gericht in Fort Lauderdale, Florida, eine lebenslange Freiheitsstrafe ohne die Möglichkeit der Bewährung für alle 17 Morde. Am 2. November 2022 wurde der Täter im Gerichtsgebäude in Broward County zu 17-mal lebenslänglich ohne Chance auf Bewährung sowie 17-mal lebenslänglich ohne Chance auf eine vorzeitige Entlassung verurteilt. Eine Entlassung ist praktisch ausgeschlossen, weil die 34 Strafen nacheinander („consecutive“) verbüßt werden müssen.

Nach dem Amoklauf Der damalige US-Präsident Donald Trump twitterte nach dem Massaker seine Anteilnahme. Er schrieb, kein Schüler dürfe sich an einer Schule unsicher fühlen. Dies wurde in den USA von Teilen der Öffentlichkeit und Presse stark kritisiert, weil Trump und die republikanische Partei sich immer wieder weigerten, schärfere Waffengesetze einzuführen. Seit dem Amoklauf an der Sandy-Hook-Schule im Dezember 2012 war es das 1607. Mal in den USA, dass ein Täter vier oder mehr Menschen auf einmal verletzte. Trump bezeichnete den Täter als „geistig gestört“ und forderte die Öffentlichkeit auf, bei solchen Vorfällen die Behörden zu informieren. Er weigerte sich zunächst, öffentlich über das Massaker zu sprechen.Tweet von Donald TrumpKritik an Trumps Verhaltenhttp://www.usatoday.com: Trump tweets after Florida school shooting, but does not stand before cameras Später hielt er eine kurze Fernsehansprache.http://www.whitehouse.gov: Statement by President Trump on the Shooting in Parkland, Florida Auf Forderungen zu einer Verschärfung des Waffenrechts ging er nicht ein.spiegel.deCNN.com: Video der Fernsehansprachesueddeutsche.de / Thorsten Denkler: Lieber erstmal den Täter für verrückt erklären (Analyse der Ansprache) Trump ordnete eine viertägige Trauerbeflaggung an.

Zwei Tage nach dem Massaker räumte das FBI ein, dass am 5. Januar 2018 ein Anrufer Hinweise auf den späteren Täter gab, auf dessen Vernarrtheit in Waffen hinwies und äußerte, Cruz plane womöglich einen Überfall auf eine Schule.FBI räumt Fehler im Vorfeld einFBI Statement on the Shooting in Parkland, Florida (16. Februar 2018) Der Anrufer hatte die Behörde zudem über den Waffenbesitz, die Tötungsabsichten und über Cruz’ verstörende Einträge in sozialen Netzwerken informiert. Der Gouverneur von Florida, Rick Scott, nannte dies ein „inakzeptables Versagen“ des FBI und forderte FBI-Direktor Christopher A. Wray zum Rücktritt auf.washingtonpost.com: The FBI said it failed to act on a tip about the suspected Florida school shooter's potential for violence Der zuständige Sheriff räumte ein, dass die Polizei in den vergangenen Jahren mehr als 20 Anrufe zu Cruz erhalten hatte.sueddeutsche.de vom 18. Februar 2018: Wie Trauer in Wut umschlägt Seine Mutter hatte wegen seiner Gewaltausbrüche mehrmals die örtliche Polizei gerufen.

Im Bundesstaat Florida hat in den meisten politischen Gremien die Republikanische Partei (GOP) eine Mehrheit. Die dortigen Waffengesetze gelten als besonders frei.zeit.de: „Das passiert nirgendwo sonst“ Trump präsentierte sich während seines Präsidentschaftswahlkampfes als Waffenfreund und versprach in einer Rede vor der politisch einflussreichen National Rifle Association (NRA), sich im Falle seiner Wahl für Rechte von Waffenbesitzern starkzumachen. Die NRA unterstützte Trumps Wahlkampf.zeit.de: Trump weiß, wem er Loyalität schuldetmetro.co.uk: List of US politicians who receive millions from National Rifle Association

Sieben Tage nach dem Massaker lehnte das Repräsentantenhaus von Florida mit 71:36 Stimmen ein strengeres Waffengesetz ab.spiegel.de: Parlament lehnt schärferes Waffenrecht ab - Schüler brechen in Tränen aus Die GOP hat dort 78 Abgeordnete; 7 von ihnen stimmten offenbar mit der Opposition.

Am 13. Februar, also nur einen Tag vor der Tat in Parkland, hatte die Polizei bereits einen 18-Jährigen in Everett, Washington festgenommen, der ebenfalls plante, einen Amoklauf an seiner Schule, der ACES High School, zu begehen. Bei den Behörden hatte sich dessen Großmutter gemeldet, die im Tagebuch ihres Enkels entsprechende Hinweise gefunden hatte. Bei der Durchsuchung fanden die Beamten ein halbautomatisches Gewehr und selbstgebaute Sprengsätze.Schul-Massaker verhindert? - Großmutter warnt Polizei vor ihrem Enkel. In: T-online.de, 15. Februar 2018.Caleb Hutton: Everett student’s journal: ‘I’m learning from past shooters’. In: HeraldNet, 14. Februar 2018, abgerufen am 27. Februar 2018 (englisch).

Trump rückte am 11. März 2018 von seinem Vorschlag ab, das Mindestalter für bestimmte Waffenkäufe von 18 auf 21 Jahre zu erhöhen.FAZ.net vom 12. März 2018: Trump rudert bei schärferen Waffengesetzen zurück

Boycott NRA Im Rahmen der von überlebenden Schülern des Massakers ausgehenden Kampagne Boycott NRA („Boykottiert die NRA“) stoppten zahlreiche Firmen ihre Unterstützung der NRA bzw. Begünstigungen derer Mitglieder, z. B. die Fluglinie Delta Air Lines, die First National Bank of Omaha, die Versicherungen MetLife und Chubb, das Softwareunternehmen Symantec oder die Autovermietungen Hertz und Enterprise Rent-A-Car. Andere Firmen wie der Sportartikelhändler Dick's oder die Einzelhandelskette Walmart schränkten ihre Waffenverkäufe ein bzw. verschärften ihre entsprechenden Regeln.

Bump Stocks mini|hochkant|X González mit Ted Deutch, Abgeordneter im US-Repräsentantenhaus Am Tag vor dem „Marsch für unsere Leben“ twitterte Donald Trump am 23. März 2018 auf dem Flug zu seiner Ferien- und Wochenendresidenz Mar-a-Lago, dass es in den USA ein Gesetz geben werde zum Verbot von „Bump Stocks“, halbautomatische Waffen, bzw. Vorrichtungen, die Halbautomaten zu einer quasi-vollautomatischen Schussfolge befähigen und damit zu Maschinengewehren und damit illegal machen. Nach der Gesetzesvorlage müssten Waffenbesitzer diese Teile entweder zerstören oder bei staatlichen Stellen abgeben. Unter anderem mit „Bump Fire“ wurden beim Massenmord in Las Vegas am 1. Oktober 2017 58 Menschen getötetFreundin von Täter soll Motiv klären: Ermittler erhoffen sich Aufklärung orf.at, 4. Oktober 2017, abgerufen am 4. Oktober 2017. und 851 weitere verletzt.zeit.de, 21. Januar 2018: Amokschütze verletzte deutlich mehr Menschen als bisher bekannt; siehe auch den vorläufigen Abschlussbericht hier.

Proteste X González Bei einer Demonstration von Schülern der betroffenen Schule drei Tage nach dem Massaker sagte die 19-jährige Schülerin X González in einer Rede z. B.: „Wenn der Präsident mir ins Gesicht sagt, dass das eine schreckliche Tragödie war (…) und dass man nichts tun kann, frage ich ihn, wie viel Geld er von der National Rifle Association bekommen hat. [...] Ich weiß es: 30 Millionen Dollar.“ und ebenfalls an die Adresse Trumps und anderer Politiker: „Schämen Sie sich!“ Die Demonstranten forderten u. a. strengere Waffengesetze.

Never Again MSD Die Überlebenden Cameron Kasky, X González und David Hogg gründeten die Organisation Never Again MSD, um Proteste und die Öffentlichkeitsarbeit zu organisieren, und wandten sich umgehend persönlich auch an Abgeordnete. Sie wurden die führenden Stimmen der Proteste zu Waffenkontrolle in den Vereinigten Staaten 2018.

7000 Paar Schuhe vor dem Kapitol mini|Aktion 7000 Paar Schuhe vor dem Kapitol