Der Landesverteidigungsausschuss (ungarisch Országos Honvédelmi Bizottmány, abgekürzt OHB) war die Exekutive im Königreich Ungarn vom 2. Oktober 1848 bis zum 14. April 1849.

Geschichte Am 15. März, nach Bekanntwerden der Wiener Revolution, reiste eine ungarische Delegation vom Landtag in Pressburg(Pozsony / seit 1918 Bratislava) in die Kaiserstadt. Gleichzeitig war auch in Pest eine Revolution ausgebrochen. Am 16. März erreichte die Nachricht von der Pester Revolution Wien. Der Hof gab nach und musste den Forderungen der Pressburger Delegation nachgeben. Am 17. März stimmte er der Ernennung von Graf Lajos Batthyány zum Ministerpräsidenten zu. Er willigte in die Bildung einer unabhängigen ungarischen Regierung ein und versprach, dass der König die Reformgesetze billigen würde. Die neue Regierung unter der Führung von Graf Lajos Batthyány war nicht mehr dem König, sondern den gewählten Volksvertretern, dem ungarischen Landtag, verantwortlich. Somit handelte es sich um eine unabhängige und verantwortliche Regierung.

Die Aprilgesetze, verabschiedet vom letzten Ständeparlament, wurden am 11. April von König Ferdinand V. bestätigt. Dies markierte einen Wendepunkt in der ungarischen Geschichte und führte zu tiefgreifenden Veränderungen im Wirtschafts-, Politik- und Regierungssystem des Landes. Auf Grundlage der Aprilgesetze erlangte Ungarn eine nahezu vollständige Unabhängigkeit. Die Vereinigung Ungarns und Siebenbürgens wurde verkündet. Die Gesetze sicherten die bürgerliche Entwicklung und die Chance, mit dem Westen gleichzuziehen. Die Abschaffung des auf Leibeigenschaft und Adelsprivilegien basierenden Feudalsystems begann. Auch die Aufhebung der Leibeigenschaft war geplant, die genaue Vorgehensweise hierfür jedoch noch nicht festgelegt.

Die ersten Wahlen zur Nationalversammlung der Volksvertreter gemäß Artikel V des im April verabschiedeten Gesetzes fanden in der zweiten Junihälfte statt. Die offizielle Eröffnung erfolgte am 5. Juli in Pest. Die Nationalversammlung blieb bis zum Ende des Unabhängigkeitskrieges bestehen, allerdings mit einem teilweisen Abgeordnetenaustausch. Die Sitzungen wurden bis zum 31. Dezember in Pest abgehalten.

Mit dem vierten Gesetz von 1848 wurde das Parlament von Pressburg(Pozsony/vom 1918 Bratislava) nach Pest verlegt. Die Wahl des neuen Standorts war von Bedeutung, da Pest sich zu jener Zeit zum Zentrum des ungarischen politischen und kulturellen Lebens entwickelte und die Abhaltung des Parlaments dort das Bekenntnis zu Modernisierung und Reform symbolisierte. Durch diesen Schritt rückten politische Entscheidungen näher an das wirtschaftliche und soziale Zentrum des Landes.

Die erste Parlamentsversammlung nahm am 5. Juli in Pest ihre Arbeit auf – ein wichtiger Schritt in der Geschichte der ungarischen Reformation. Anstelle des zuvor überwiegend aristokratischen Parlaments versammelten sich nun gewählte Volksvertreter, um Entscheidungen zu treffen, die das Schicksal des Landes unmittelbar beeinflussten. Diese Parlamentssitzung in Pest, die als eines der bedeutendsten Ereignisse der Reformation gilt, markierte den Beginn des modernen politischen Lebens in Ungarn.

Im Sommer 1848 sah der Hof die Zeit reif, seine volle Macht in Ungarn wiederherzustellen (dank der Siege an der italienischen Front bot sich ihm auch die Gelegenheit, sich um das Hinterland zu kümmern). Gegen Ende des Sommers überschlugen sich die Ereignisse. Am 31. August erließ der Monarch ein Dokument, in dem er erklärte: Sollte die Abgeordnetenkammer die Aprilgesetze nicht aufheben, müsse er mit einem militärischen Angriff rechnen. Der Kroatische Ban, ein kaiserlicher Generalleutnant namens Jellasics, bereitete bereits offen den Grenzübertritt vor. Daraufhin organisierte die ungarische Regierung rasch die ungarische Armee. Batthyány betrachtete die Aufhaltung des Kroatischen Bans als seine wichtigste Aufgabe. Am 11. September überquerte Jellasics mit seinem 35.000 Mann starken Heer die Drau und griff die ungarische Regierung an. Die ungarische Armee wich der zahlenmäßig überlegenen Streitmacht immer wieder zurück, und Jellasics weigerte sich, Palatin Stephan zu treffen, der sich als Vermittler angeboten hatte. László Csány löste den unberechenbaren Grafen Ádám Teleki als Befehlshaber der sich zurückziehenden Drau-Armee ab. Die ungarische Armee wuchs zwar allmählich an, blieb aber der kroatischen zahlenmäßig weit unterlegen. In Wien wurde bereits die Proklamation zur Unterwerfung Ungarns verfasst.

Nach dem Rücktritt der Regierung Batthyány am 11. September war das Land handlungsunfähig. Der Monarch, Ferdinand Habsbur V. of Ungarn(I. of Austrian Kaiserheit) zögerte zunächst, die von Batthyány gebildete neue Regierung anzuerkennen, und verweigerte dies schließlich am 3. Oktober.

Das Repräsentantenhaus löste diese Situation, indem es am 16. September auf Vorschlag von Lajos Kossuth einen sechsköpfigen Ausschuss einsetzte, dem auch Batthyány angehörte. Dessen Aufgabe war es, zwischen Batthyány, der die Regierungsgeschäfte allein führte, und dem Repräsentantenhaus zu vermitteln. Die Exekutivgewalt lag OHB, das am 16. September gegründet und später durch einen Parlamentsbeschluss bestätigt wurde. Dessen Aufgabe war es, Batthyánys Verteidigungsmaßnahmen zu prüfen und zu unterstützen. Vorsitzender des Komitees war Lajos Kossuth. Ende September wurden Regierungsbeauftragte in die lokalen Behörden entsandt, und die Wirtschaft stellte auf Kriegsproduktion um. Der serbische Aufstand konnte nicht niedergeschlagen werden, und die wichtigsten Festungen des Banats, Arad und Timișoara, fielen aus der ungarischen Verwaltung. Mit Batthyánys zweitem Rücktritt am 2. Oktober wurde das OHB(Országos Hinvédelmi Bizottmány: Landesverteidigungsausschuss in Deutsch) de facto zu einer Regierungsbehörde. Um dies zu bestätigen, gab das Parlament am 8. Oktober 1848 eine Erklärung ab, wonach es bis zur Bildung einer vom König ernannten neuen Regierung dem Nationalen Verteidigungskomitee „alle Befugnisse übertragen würde, die der Regierung des Landes zustehen“. Da unter den gegebenen Umständen keine Hoffnung auf die königliche Zustimmung zu einer neuen Regierung bestand, wurde das Nationale Verteidigungskomitee somit zu einer ständigen Institution und ersetzte die Regierung.

Der Landesverteidigungsausschuss legte dem Parlament mehrere wichtige Beschlüsse vor. Kossuth wollte mit diesem Vorgehen beweisen, dass das Parlament die Beschlüsse fasste und das Nationale Verteidigungskomitee sie lediglich umsetzte. Tatsächlich konnten jedoch nur politische Entscheidungen getroffen werden, die er mit Unterstützung des Nationalen Verteidigungskomitees initiierte. Dieses System der Staatsführung verlieh Kossuth praktisch uneingeschränkte Macht.

Mit der Entthronung des Hauses Habsburg und der Wahl Kossuths zum Gouverneurspräsidenten (14. April 1849) endeten die Aktivitäten der OHB. Danach stand der Bildung der Regierung Szemere (2. Mai) nichts mehr im Wege.

Mitglieder +NameEintrittsdatumvorherige PositionParteiLajos Kossuth (Präsident)16. September 1848Finanzminister im Kabinett BatthyányOppositionsparteiPál Nyáry (Vizepräsident)16. September 1848Abgeordneter, Vizegespan des Komitats PestOppositionsparteiLászló Madarász16. September 1848Abgeordneter, Leiter der Polizei und PostabteilungOppositionsparteiJános Pálffy16. September 1848Ministerialdirektor für Finanzen, erster Vizepräsident des AbgeordnetenhausesOppositionsparteiJózsef Patay16. September 1848ParlamentsabgeordneterOppositionsparteiImre Sembrey16. September 1848ParlamentsabgeordneterOppositionsparteiBertalan Szemere1. Oktober 1848Innenminister im Kabinett BatthyányOppositionsparteiLázár Mészáros1. Oktober 1848Verteidigungsminister im Kabinett BatthyányparteilosPongrác Somssich1. Oktober 1848ParlamentsabgeordneterOppositionsparteiZsigmond Perényi3. Oktober 1848Präsident des MagnatenhausesOppositionsparteiMiklós Jósika3. Oktober 1848Mitglied des MagnatenhausesOppositionsparteiMihály Esterházy3. Oktober 1848Mitglied des MagnatenhausesOppositionsparteiDénes Pázmándy3. Oktober 1848Mitglied des MagnatenhausesOppositionsparteiFerenc Pulszkyvor 29. Oktober 1848Staatssekretär für Finanzen, Staatssekretär beim Ministerium am königlichen HoflagerOppositionspartei

Literatur Kossuth Lajos az Országos Honvédelmi Bizottmány élén. (1-2.) S.a.r.: Barta István. Akadémiai Kiadó, Budapest 1952–1953, (Kossuth Lajos összes munkái XIII-XIV. – Kossuth Lajos 1848/49-ben III-IV.)KOSSUTH LAJOS ÖSSZES MUNKÁI XIII. kötet, In: Arcanum.hu, Akadémiai Kiadó 1957 (ungarisch)KOSSUTH LAJOS ÖSSZES MUNKÁI XIV. kötet, In: Arcanum.hu, Akadémiai Kiadó 1953 (ungarisch) Erzsébet F. Kiss: 1848-1849-es magyar minisztériumok. Akadémiai Kiadó, Budapest 1987, ISBN 963-05-4213-7. Ember Győző: Kossuth a Honvédelmi Bizottmány élén. In: Kossuth Emlékkönyv. Budapest 1952. Aladár Urbán: Der Wahl des Landesverteidigungausschusses (ungarisch) In: Hadtörténelmi Közlemények 2001/2-3. Artikel über der Landesverteidigungsausschusses In: Magyar Katolikus Lexikon Über die Regierung in Ungarn in 1848-49 (ungarisch)

Einzelnachweise

Kategorie:Ungarischer Unabhängigkeitskrieg Kategorie:Ungarische Politikgeschichte