mini|alt=Ein schräg an der Kamera vorbeiblickender Wolf in aufrechter Haltung, die Vorderbeine auf einem moosbewachsenen Stein abgelegt, im Hintergrund Wald|Wolf im Nationalpark Bayerischer Wald mini|Wolfshöhle bei Rosbach vor der Höhe in Hessen mini|hochkant=1.3|alt=Eine Karte Deutschlands, auf der zahlreiche verstreute orangefarbene Flecken die Wolfsnachweise darstellen und kleinere rote Flecken, vor allem in Nord- und Ostdeutschland, die nachgewiesenen Wolfsreproduktionen zeigen|Gebiete mit Wolfsnachweisen in Deutschland 2020/21 (auf Basis einer in der Karte nicht dargestellten 10-km-Rasterzellen-Einteilung)DBBW – Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf: Vorkommen (besetzte Rasterzellen) von Wölfen in Deutschland im Monitoringjahr 2018/19
Deutschland liegt in einem der ursprünglichen Verbreitungsgebiete des Eurasischen Wolfs. Die Eurasischen Wölfe (Canis lupus lupus) leben in den gleichen Klimazonen wie manche Unterarten des Wolfs in Nordamerika und haben die gleiche ökologische Funktion.Henryk Okarma, Sven Herzog: Handbuch Wolf - Verhalten, Biologie, Wanderrouten und Bestände. Kosmos-Verlag, Stuttgart 2019, Seite 126–135.Thomas M. Newsome, Luigi Boitani, Guillaume Chapron et al.: Food habits of the world's grey wolves. In: Mammal Review, 4. April 2016.Luigi Boitani, Marco Musiani, Paul Paquet: The world of wolves: new perspectives on ecology, behaviour and management. University of Calgary Press, 2010.
Im 18. Jahrhundert war der Wolf in den meisten Regionen des heutigen Deutschland ausgerottet. Kontaktbüro Wölfe in Sachsen. Abgerufen am 27. Januar 2018. Spätestens die ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts bis zum Ende des 20. Jahrhunderts in Deutschland angetroffenen Wölfe waren sehr wahrscheinlich Zuwanderer.Niedersächsisches Ministerium für Umwelt, Energie und Klimaschutz: Der Wolf in Niedersachsen. Grundsätze und Maßnahmen im Umgang mit dem Wolf Im Jahr 2000 wurde im sächsischen Teil der Lausitz erstmals wieder eine erfolgreiche Reproduktion (Welpenaufzucht) des Wolfes in Deutschland nachgewiesen. Seit 2005DBBW: Woher kommen die Wölfe in Deutschland? nimmt der Bestand an Wölfen exponentiell zu.Nicolas Schoof, Albert Reif, Rainer Luick, Eckart Jedicke et al.: Der Wolf in Deutschland – Herausforderungen für weidebasierte Tierhaltungen und den praktischen Naturschutz. In: Naturschutz und Landschaftsplanung, Band 53, Ausgabe 1, Januar 2021. Das Verbreitungsgebiet hat sich beständig vergrößert und auf große Teile der Bundesrepublik ausgedehnt.
Im Erfassungszeitraum (Monitoringjahr) 2018/19 gab es in elf Bundesländern insgesamt 105 Rudel, 25 Paare und 13 territoriale Einzeltiere; die Geburt von 393 Welpen wurde registriert.Wolfsterritorien in Deutschland. Zusammenfassung nach Bundesländern DBBW – Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf. Abgerufen am 12. Dezember 2019. 2019 wurden laut Bundesamt für Naturschutz nach den Monitoringdaten der DBBW in Deutschland mindestens 275 bis 301 erwachsene Wölfe erfasst. Nach Hochrechnungen des Deutschen Jagdverbands (DJV) lebten seit dem Frühsommer 2019 insgesamt rund 1300 Wölfe in Deutschland, erwachsene und Jungtiere. Andere Autoren schätzten die Gesamtzahl der Individuen für das Jahr 2020 auf 1200 bis 1500 Wölfe.RND: Schon 105 Rudel: Immer mehr Wölfe in DeutschlandDBBW: Aktualisierungen der bestätigten TerritorienDBBW: Wolfsterritorien in Deutschland – Zusammenfassung nach Bundesländern
Für den Erfassungszeitraum 2024/25 wurden bei der Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf (DBBW) 219 Rudel, 43 Paare und 14 territoriale Einzeltiere registriert, die in 276 Wolfsterritorien leben. Durchziehende einzelne Jungtiere sind in der Zählung nicht enthalten. Gemäß konservativer Schätzung handelt es sich um 1636 Wölfe im Herbst 2025.
Durchziehende Einzeltiere wurden in allen Bundesländern beobachtet, auch in Bremen, Hamburg, Berlin und im Saarland.Freundeskreis freilebender Wölfe: Wolfsnachweise in Deutschland, Stand 2018Landesjägerschaft Bremen: Wölfe in BremenT-online: Wolf in Hamburg-Neuengamme von Videokamera erfasstWelt: Experte bestätigt Wolfssichtung in HamburgTagesspiegel: Erster Nachweis für Wolf in BerlinRBB24:
Ausrottung Im ausgehenden Mittelalter setzte mit der Zunahme der Viehhaltung eine intensive Verfolgung des Wolfes ein. Insbesondere bei der Waldweide waren erhebliche Nutztierverluste durch den Wolf zu verzeichnen. Im 15. und 16. Jahrhundert versuchte man, den Wolf durch systematische Bekämpfung mithilfe von Lappjagd, Wolfsgruben, Wolfsangeln und Giftködern auszurotten. Im 17. Jahrhundert während des Dreißigjährigen Kriegs und infolge von Pestepidemien insbesondere in den deutschen Ostprovinzen nahmen die Bestände des bereits weitgehend ausgerotteten Wolfs wieder zu.Julius von Bohlen-Bohlendorf: Nachrichten über das Vorkommen und die Verbreitung des Luchses (F. lynx.) und des Wolfes (C. lupus) im ehemaligen Schwedischen Antheil von Pommern im 17. und 18. Jahrhundert. In: Mittheilungen aus dem Naturwissenschaftlichen Vereine von Neu-Vorpommern und Rügen. Bd. 5/6, 1873/1874, S. 1–30. Unter Johann Georg II. von Sachsen wurden zwischen 1656 und 1680 2195 Wölfe und in Preußen allein im Jahr 1700 4300 Wölfe erlegt.David Blackbourn: Die Eroberung der Natur. Eine Geschichte der deutschen Landschaft. Aus dem Englischen von Udo Rennert. Pantheon, München 2008, ISBN 978-3-570-55063-2, S. 61. Im Gebiet der heutigen Bundesrepublik waren Wölfe bereits um 1750 weitgehend ausgerottet. So wertete man die in Vorpommern seit 1740 erlegten Wölfe als „versprengte Exemplare“, die „als einheimische Thiere nicht mehr betrachtet werden können“. Ein letzter Nachweis von Welpen in Preußen im Jahr 1834 betrifft Hinterpommern und damit das heutige Polen.Theodor Schmidt: Jubelschrift zur vierhundertjährigen Stiftungsfeier der Universität Greifswald. Zur naturgeschichtlichen Statistik der in Pommern ausgerotteten Säugetiere. Gentzensohn, Stettin 1856, S. 27–100. (reader.digitale-sammlungen.de)
mini|alt=In der Bildmitte ein am unteren Rand mit Moos bewachsener hellgrauer Stein, auf dem steht: „Am 13. Januar 1872 wurde hier der letzte Wolf in Niedersachsen erlegt. A. D. J. V.“; dahinter Wald |Wolfsstein im Becklinger Holz, Truppenübungsplatz Bergen. Hier erschoss der Leibjäger von König Georg V. von Hannover 1872 einen der letzten Wölfe in Niedersachsen In Westfalen wurden die autochthonen (im Gebiet geborenen) Wölfe wahrscheinlich vor 1770 ausgerottet; danach dort aufgetauchte Wölfe gelten als Zuwanderer. In der nordwestlichen Eifel soll der Wolf zwar noch bis 1872 „Standwild“ gewesen sein, doch wurde der dortige Bestand immer wieder durch Zuwanderung aus den Ardennen ergänzt. Wölfe seien über den zugefrorenen Rhein auch auf die östliche Rheinseite gelangt und teilweise bis ins Wittgensteiner Land im südöstlichen Westfalen gewandert. Im 19. Jahrhundert in Westfalen und Niedersachsen getötete Wölfe waren, soweit deren Geschlecht bekannt ist, ausnahmslos Rüden auf Fernwanderungen.Rüdiger Schröpfer, Reiner Feldmann, Henning Vierhaus (Hrsg.): Die Säugetiere Westfalens (= Abhandlungen aus dem Westfälischen Museum für Naturkunde. Jg. 46, H. 4 = Veröffentlichung der Arbeitsgemeinschaft für Biologisch-ökologische Landeserforschung. 68). Westfälische Vereinsdruckerei Münster, Münster 1984, ISBN 3-924590-04-4, S. 269–271. Seit dem 17. Jahrhundert werden in Deutschland Wolfssteine im Andenken an besondere Ereignisse mit Wölfen wie Jagden oder Abschüsse aufgestellt (während in neuerer Zeit auch Steine angedenklich der Rückkehr von Wölfen gesetzt werden).
Laut dem Kulturwissenschaftler Alexander Kling wurde der Wolf im Zuge des Dreißigjährigen Krieges, als seine Zahl zunahm, mit dem Kollabieren der Ordnung gleichgesetzt, was zu den Ausrottungskampagnen führte. Jeder tote Wolf sei zudem als Sieg über die Wildnis gefeiert worden. Gerade die Märchen der Brüder Grimm hätten diesen „Triumph“ am Leben gehalten und verbreitet, obwohl sie in einer Zeit entstanden, als schon fast keine Wölfe mehr lebten.Peter Laufmann: „Sündenbock Wolf“. In: Natur 9/2021, S. 44.
1868 beschrieb der Brockhaus das Vorkommen von vereinzelten versprengten Wölfen in den deutschen Grenzländern. „Die besten Mittel zu seiner Ausrottung sind Lichtung der Wälder und häufige Treibjagden.“Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie für die gebildeten Stände - Conversations-Lexikon, Verlag F. A. Brockhaus, 11. Auflage, 15. Band, Leipzig 1868, S. 541.
Wann die letzten ursprünglich im Gebiet des heutigen Deutschland lebenden Wölfe getötet wurden, ist unbekannt. Eine Geburt von Welpen ist für das 19. Jahrhundert nicht belegt. Doch wurden bis zur Wiederbesiedlung einiger Regionen Deutschlands um die Jahrtausendwende immer wieder einzelne Wölfe geschossen oder auf andere Weise getötet, in Niedersachsen beispielsweise 1872 ein Wolf im Becklinger Holz.Matthias Blazek: Die Jagd auf den Wolf. Isegrims schweres Schicksal in Deutschland. Beiträge zur Jagdgeschichte des 18. und 19. Jahrhunderts. Ibidem-Verlag, Stuttgart 2014, ISBN 978-3-8382-0647-9, S. 46–54. Auf einige dieser Wölfe richtete sich das besondere Interesse der Öffentlichkeit, etwa auf den 1904 in der Lausitz erschossenen „Tiger von Sabrodt“, den man zunächst für ein entkommenes Zirkustier gehalten hatte.Walther Fournier (Der wilde Jäger): Am Lagerfeuer. Jagdliche Mixed Pickles aus zwei Welten. Rudolf Möhring, Schwerin in Mecklenburg 1913. Als Würger vom Lichtenmoor wird ein fiktives Raubtier bezeichnet, das 1948 in Niedersachsen zahlreiche Haus- und Wildtiere rund um das Lichtenmoor nordöstlich von Nienburg/Weser gerissen haben sollte. Bei vielen vermeintlichen Angriffsopfern des „Würgers“ handelte es sich jedoch um Tiere, die in der Not der Nachkriegszeit gestohlen, gewildert oder illegal geschlachtet worden waren.Hans Stuhlmacher: Der Würger vom Lichtenmoor. Der Wolfstöter von Eilte, Hermann Gaatz, erzählt. s. n., Eilte 1949. Nach erfolglosen Treibjagden erlegte am 27. August 1948 der Bauer Hermann Gaatz dort einen Wolfsrüden.Lichtenhorst: Werkstatt: Der Wolfstöter von Eilze, Hermann Gaatz, erzählt.
Wiederbesiedlung mini|alt=Ein aufmerksam wirkender Wolf in Seitenansicht, den Kopf in Richtung Kamera gedreht; im Hintergrund dichter Laubwald, im Vordergrund Gras und ein schräg ins Bild ragender Farnwedel |Der Wolf besiedelt in Deutschland vorwiegend deckungsreiche offene und locker bewaldete Lebensräume. Nach dem Zweiten Weltkrieg wanderten immer wieder Wölfe nach Deutschland ein. Bis 1990 wurden in der damaligen DDR mindestens 21 Wölfe geschossen oder mit Fallen gefangen.Ilka Reinhardt, Gesa Kluth: Leben mit Wölfen – Leitfaden für den Umgang mit einer konfliktträchtigen Tierart in Deutschland 2007, S. 156–157. 1989/90 fielen die Mauer an der innerdeutsche Grenze und der eiserne Vorhang zwischen dem Westen und dem Warschauer Pakt.
Seitdem wird Deutschland aus östlichen und südlichen Nachbarländern von Wölfen besiedelt. Wölfe scheinen in Deutschland „Habitatstrukturen mit einem heideähnlichen Charakter“ zu bevorzugen sowie Lebensräume „die aufgelockerte Waldbestände und damit hinreichende Deckungsmöglichkeiten beinhalten“.Wolfsmanagement Hessen Als Wolfslebensräume eignen sich vor allem Gebiete mit spärlicher menschlicher Besiedlung und geringer Verkehrsdichte (wenige Straßen) sowie hohen Bestandsdichten freilebender Paarhufer wie Rehe, Rothirsche und Wildschweine.DBBW: Managementplan für den Wolf in Thüringen. Aus Polen nach Ostdeutschland eingewanderte Wölfe hielten sich zuerst auf Rekultivierungsflächen ehemaliger Tagebaue und Truppenübungsplätzen auf.Ilka Reinhardt, Gesa Kluth et al.: Military training areas facilitate the recolonization of wolves in Germany