The Tale – Die Erinnerung (Originaltitel: The Tale; englisch für Die Geschichte oder Die Erzählung) ist ein US-amerikanisches Filmdrama und das Spielfilmdebüt von Dokumentarfilmerin Jennifer Fox aus dem Jahr 2018, basierend auf wahren Begebenheiten, welches am 20. Januar 2018 auf dem Sundance Film Festival in Utah Weltpremiere hatte.
Der Film erzählt die Geschichte von Jennifer Fox selbst, die das Drehbuch während eines Zeitraums von fünf Jahren verfasst und darin ihre eigenen Erfahrungen mit sexuellem Missbrauch in ihrer Kindheit verarbeitet hat. In den Hauptrollen sind unter anderem Laura Dern, Isabelle Nélisse, Elizabeth Debicki, Jason Ritter und Ellen Burstyn zu sehen.
Handlung Die glücklich mit dem liebevollen Martin verlobte 48-jährige Jennifer, eine Dokumentarfilmerin und Journalistin sowie Professorin aus New York, wird unvermittelt mehrfach von ihrer aufgebrachten Mutter Nettie angerufen und mit einer Geschichte aus der Vergangenheit konfrontiert, die Nettie beim Ausräumen in einem Karton gefunden hat. Diese von Jenny vor 35 Jahren für den Englischunterricht verfasste Geschichte beschreibt die Beziehung eines Mädchens zu zwei „besonderen Personen“, dem angesehenen Athleten und Lauftrainer Bill und dessen verheirateter Geliebter Mrs. G. auf einer Pferdefarm, wo das 13-jährige Kind die Sommerferien verbrachte.
Jennifer versichert ihrer Mutter, nur ihre erste Liebesbeziehung zu Papier gebracht zu haben, doch Nettie ist überzeugt, dass ihre Tochter als Teenager von den zwei Erwachsenen missbraucht wurde und auf diesem Weg versuchte, das Trauma zu verarbeiten. Jennifer erinnert sich zunächst vage daran, damals wie 15 ausgesehen zu haben und durchsucht in ihrem Elternhaus alte Fotoalben, um sich zu vergewissern, kein Kind mehr gewesen zu sein. Nettie kommt hinzu und zeigt ihr ein Foto, auf dem sie im Alter von 13 viel jünger aussieht als in ihrer Erinnerung. Zudem findet Jennifer alte Briefe und Postkarten, die ihr einst von Bill und Mrs. G zugesandt worden waren. Nachdem sie ihre Geschichte und die Briefe studiert hat, werden in Jennifer nun doch erste Zweifel an ihrer Erinnerung einer einvernehmlichen Liebesbeziehung geweckt. Ist sie als 13-jähriges Mädchen ihre erste sexuelle Beziehung mit dem 40-jährigen Trainer Bill wirklich freiwillig eingegangen? Doch als Martin die Geschichte sowie Bills Briefe an Jenny liest, geraten die beiden in eine heftige Auseinandersetzung, da er ihr Verhältnis mit diesem älteren Mann als Vergewaltigung eines Kindes und Jennifer als Missbrauchsopfer bezeichnet, was sie wütend abstreitet. Jennifer lehnt es ab, als Opfer gesehen zu werden, da ihre Beziehung zu den beiden Trainern wichtig für sie gewesen sei.
Jennifer reist nun an die Orte ihrer Vergangenheit, um sich mit den beteiligten Personen und den Geschehnissen auseinanderzusetzen. Dabei erkennt sie zunehmend die Wahrheit hinter der Fassade, die sie zu jener Zeit errichtet hatte, um die körperlichen Übergriffe zu verdrängen und den Missbrauch durch ihren Trainer „überleben“ zu können und sich nicht als Opfer, sondern als Heldin zu sehen. In Rückblenden aus Jennifers langsam aufbrechenden Erinnerungen wird gezeigt, wie unsichtbar sie sich als schüchterne Dreizehnjährige gefühlt hat, missverstanden und ungeliebt auch von ihren Eltern. Der Trainer Bill und Mrs. G, die Besitzerin der Reitanlage und Reitlehrerin, vermitteln Jenny das Gefühl, als einzige ihren zunehmenden Schmerz und ihre Einsamkeit zu erkennen. So können sie Jenny beeinflussen und manipulieren, um das Vertrauen und schließlich die Liebe des Kindes zu gewinnen. Mrs. G. holt Jenny, die ihr Pferd auf der Farm unterbringen darf, nach den Sommerferien an mehreren Wochenenden zu sich. Die beiden Trainer nehmen sie unter anderem auch mit zu privaten Ausflügen, damit Bill eine für Jenny glaubhafte Beziehung aufbauen und vorbereiten kann. Später schlägt Mrs. G. ihr zudem vor, die Nächte in Bills Haus zu verbringen, damit er sie noch besser kennenlernen kann. Obwohl dies Unbehagen in Jenny auslöst, stimmt sie zu. Als sie allein mit Bill in dessen Haus ist, um zusammen Gedichte zu lesen, überredet er sie zunächst nur dazu, ihr T-Shirt auszuziehen und ihm ihre Brüste zu zeigen, was sie gegen ihr Gefühl zulässt. An einem weiteren Wochenende holt er anstelle von Mrs. G. Jenny von zu Hause ab und ist erneut allein mit ihr, mit der Absicht, den Geschlechtsverkehr an Jenny zu vollziehen. Dies gelingt ihm jedoch nicht, und er bricht vorerst ab. Danach küsst er ihre Hand und fährt mit dem Missbrauch fort. An einem weiteren Abend zu zweit am Kaminfeuer schenkt er Jenny als Zeichen seiner Liebe einen Ring und nutzt die romantisch inszenierte Situation, um den Missbrauch voranzutreiben, während er merkwürdige Aussagen über die Reinheit und Kompromisslosigkeit von Kindern macht. Danach zeigt er der verstummten, passiven Jenny das durch die Defloration blutbefleckte Handtuch und spricht davon, dass sie nun eine Frau sei. Im Badezimmer muss das Kind sich mehrfach übergeben, wie fortan regelmäßig.
Während der schmerzhaften Suche nach der Wahrheit über die Geschehnisse in ihrer Kindheit spricht Jennifer unter anderem auch mit Iris, die als Teenager für Mrs. G. auf der Pferdefarm gearbeitet hat. Dabei findet sie heraus, dass es zwischen Bill und Mrs. G. zur damaligen Zeit ein Komplott gegeben hat, um junge Mädchen anzulocken und sexuell zu missbrauchen. Mrs. G. stellte Bill die Mädchen vor und brachte sie mit ihm zusammen. Iris bestätigt Jennifers Verdacht, ebenfalls von Bill verführt worden zu sein. Sie berichtet von sexuellen Handlungen zwischen den beiden erwachsenen Trainern und ihr, die von Mrs. G. in speziell arrangierten Settings geplant wurden. Nach dieser schockierenden Erkenntnis erinnert sich Jennifer wieder an den Vorschlag von Bill, sie zu einem Wochenendausflug mit ihm, Mrs. G. und Iris mitzunehmen. Schlagartig wird ihr die aktive Rolle der Frau an ihrem Missbrauch bewusst. Am Morgen vor dem geplanten Wochenende musste Jenny sich übergeben, woraufhin ihre Mutter entschied, sie zu Hause zu behalten. Am Abend jenes Tages traf Jenny selbst die Entscheidung, die Beziehung zu Bill zu beenden und teilte ihm am Telefon mit, dass sie ihn nicht mehr länger sehen will, ungeachtet seiner tränenreichen Versicherungen, sie zu lieben und zu brauchen und seinen Beschwörungen, ihn nicht zu verlassen. Unmittelbar danach rief Jenny Mrs. G. an, um ihr mitzuteilen, dass sie ihr Pferd am Wochenende abholen werde.
Im "Jetzt" im letzten Teil des Films sieht man, wie Jennifer sich auf der Suche nach ihrem damaligen Peiniger zu einer Preisverleihung aufmacht, wo der stark gealterte Bill für seine Verdienste ausgezeichnet wird. Sie konfrontiert ihn, der sie nicht einmal spontan erkennt, mit seinen Taten, fragt ihn, warum er ihr, einem Kind, das angetan und sie sexuell ausgenutzt hat. Er leugnet und wiegelt ab, was Jennifer dazu bringt, vor seiner Frau sowie den anderen Gästen zu versichern, wie sehr sie als 13-jähriges Kind jede Minute gehasst habe, wenn er sie zum Sex missbrauchte. Bill bestreitet wütend alle Vorwürfe, gibt ihr allein die Schuld für alles, was passiert ist und verlässt die Veranstaltung. Daraufhin fragt Jennifer die peinlich berührten Gäste: "Was? Nie von Bill trainiert worden?" und eilt zur Toilette, wo sie sich, zwischen Panik und Erleichterung schwankend, zu beruhigen versucht.
Besetzung Laura Dern als Jennifer Isabelle Nélisse als Jenny, 13 Jahre alt Jessica Sarah Flaum als Jenny, 15 Jahre alt Elizabeth Debicki als Mrs. G, Jennys Reitlehrerin und Geliebte von Bill Frances Conroy als Jane Gramercy, Mrs. G älter Jason Ritter als Bill, Jennys Lauftrainer und Geliebter von Mrs. G John Heard als William P. Allens, Bill älter Ellen Burstyn als Nettie, Jennifers Mutter Laura Allen als junge Nettie, Jennys Mutter Common als Martin, Jennifers Verlobter Tina Parker als Franny Isabella Amara als junge Franny Gretchen Koerner als Iris Madison David als jüngere Iris Chelsea Alden als Samantha Matthew Rauch als Aaron Jaqueline Fleming als Margie Jodi Long als Rebecca Shay Lee Abeson als junge Becky Dana Healey als Dr. G, Mrs. Gs Ehemann Grant James als Anthony Gramercy, Dr. G älter Juli Erickson als Jennys Großmutter Aaron Williamson als Raymond Daniel Berson als Joe Noah Lomax als Lucas Mendelson Thom Bishops als Detective Amato Scott Takeda als Zeremonienmeister Mr. Watada Ricki Bhullar als Student #1 Jenson Cheng als Student #2 Madara Jayasena als Student #3 Emily Sandifer als Student #4
Vorgeschichte, Produktion und Veröffentlichung Bereits zehn Jahre vor der Veröffentlichung des Films begann Regisseurin Jennifer Fox, nachdem ihre Mutter Geraldine Dietz Fox deren Geschichte für den Englischunterricht entdeckt hatte und sie ermutigte, ihre Talente und Möglichkeiten des Filmemachens zu nutzen, um daraus einen Spielfilm zu erschaffen, mit dem Schreiben eines Drehbuches aus alten Entwürfen, die sie bereits in ihren Zwanzigern begonnen hatte. Fox verwarf jedoch alles, was sie zur damaligen Zeit aufgeschrieben hatte, weil sie sich erst im Alter von 45 Jahren und während der Arbeiten an ihrem Dokumentarfilm Flying: Confessions of a Free Woman bewusst werden konnte, dass die Beziehung zu ihrem Trainer als Teenager sexueller Missbrauch und kein einvernehmliches Verhältnis auf Augenhöhe gewesen war, wie sie sich selbst immer wieder erzählt hatte. Fox ging mit ihrer Mutter auf Reisen, um Menschen aus ihrer Vergangenheit aufzusuchen und Nachforschungen anzustellen, wie man die Geschichte und deren Hintergründe zu einer kompakten Erzählung zusammensetzen und in Drehbuchform erfassen könne. Die in dieser Zeit geführten vielen Gespräche flossen auch mit in das Drehbuch ein, um daraus letzten Endes einen Spielfilm zu machen, der die Komplexität von sexuellem Missbrauch aufzeigt, der selbst unter der Nase von geliebten Menschen stattfinden könne. Die Intention von Mutter und Tochter war es zudem, das Problem von Kindesmissbrauch nicht länger im Verborgenen zu belassen und ein öffentliches Bewusstsein dafür zu schaffen, wie weit sexueller Kindesmissbrauch in den Generationen von Familien zurückreicht und welche Traumata diese Geschichten auslösen können sowie dabei die Gelegenheit zu nutzen, Millionen von Zuschauern zu erreichen und ihnen insbesondere die Hinterhältigkeit und Komplexität von Kindesmissbrauch zu vermitteln.
Nachdem Fox das Drehbuch fertiggestellt hatte und damit zufrieden war, sah sie sich mit vielen neuen Herausforderungen und Hürden konfrontiert, was die Finanzierung und Durchführung des Filmprojektes betraf, da sie vor potenziellen Geldgebern darauf bestand, dass es im Film eine Szene geben solle, die Geschlechtsverkehr zwischen einem Kind und einem Erwachsenen zeige. Es kam dabei zu vielen Ablehnungen durch Filmproduzenten, weil niemand einen Film finanzieren wollte, der explizit den Missbrauch eines minderjährigen Mädchens zeige. Auch die meisten Kameraleute lehnten das Aufnehmen von intimen Szenen mit einem Kind ab. Niemand wollte darüber nachdenken müssen, wie man solche Aufnahmen verwirklichen könne, da es nicht möglich sei. Durch ihre jahrelangen Erfahrungen im Dokumentarfilm-Bereich konnte die Regisseurin ein Netzwerk aus französisch-deutschen sowie privaten Geldgebern aus den Vereinigten Staaten, wie Künstlerinnen, Unternehmerinnen und Produzentinnen gewinnen und an den Mut dieser Menschen appellieren, eine derartige Geschichte zu erzählen, zumal es zu jener Zeit noch keine unterstützende #MeToo-Bewegung gab.