miniatur|400px|Typisches Strohgäu-Panorama bei Schöckingen miniatur|400px|Überlieferte Kernzone des Strohgäus und aus geographischer Sicht einzubeziehende Randbereiche. Diese bilden mit der Kernzone einen homogenen Naturraum im Südwesten des Neckarbeckens. Die grünen Linien markieren die Grenzen der Naturraumeinheiten 123.13 bis 123.17 mini|400px|Gäuflächen und Neckarbecken in der Schichtstufenlandschaft
Das Strohgäu (von Gäu bzw. vom mittelhochdeutschen göu für eine Gegend – und Stroh für Getreideanbau) ist eine zum Neckarbecken zählende Gäulandschaft in Baden-Württemberg, die auch Unteres Gäu genannt wird. Es ist eines der vier baden-württembergischen Gäue.
Die Kernzone des Strohgäus entspricht in etwa dem ehemaligen Glemsgau.
Geographie Lage und Abgrenzung Nach der Einteilung des Handbuchs der naturräumlichen Gliederung Deutschlands gehört das Strohgäu zur naturräumlichen Haupteinheit der Neckar- und Tauber-Gäuplatten und ist Teil des Neckarbeckens,Vgl. Handbuch der naturräumlichen Gliederung Deutschlands einer lössbedeckten und durch Flusstäler eingeschnittenen Hochfläche im Zentrum des württembergischen Unterlands.Im geographischen Standardwerk Süddeutschland von Robert Gradmann (Stuttgart 1931) heißt es im Abschnitt über das Neckarland: „Innerhalb Württembergs [...] wendet der wissenschaftliche Sprachgebrauch den im Volksmund ziemlich unbestimmten und verschieden angewendeten Ausdruck Unterland seit langem auf das Neckarland in unserem Sinne an und stellt ihn dem Schwarzwald, der Alb und Oberschwaben gegenüber.“ Es liegt großteils im Landkreis Ludwigsburg und tangiert den Stadtkreis Stuttgart bei Mühlhausen, Zazenhausen, Zuffenhausen, Stammheim und Weilimdorf sowie den Landkreis Böblingen bei Leonberg (Höfingen, Gebersheim und Eltingen) und Rutesheim. Gemäß der Überlieferung wird das Strohgäu im Osten in etwa vom Neckartal, im Süden von den Keuperhöhen um Stuttgart und Leonberg begrenzt. Im Westen grenzt es an das ab dem Strudelbachtal beginnende Heckengäu und im Norden an das Enztal.Stefan Kriz: Das Strohgäu – eine landeskundliche Skizze, in: Band 2 der Reihe Durch die Stadtbrille, hrsg. v. Arbeitskreis Geschichtsforschung und Denkmalpflege Markgröningen, S. 13–22, Markgröningen 1986 Von den Strudelbachgemeinden Eberdingen und Enzweihingen zählen insofern nur die ehemaligen Markungen von Hochdorf an der Enz und Pulverdingen bzw. dem Leinfelder Hof im Osten dazu.
Im Nordosten und Südwesten sind die Grenzen des überlieferten „Kulturraums“ Strohgäu nicht klar umrissen. Obwohl es zu den rechts der Enz gelegenen Flächen von Bietigheim und zu den Markungen von Freiberg am Neckar, Ingersheim und Benningen am Neckar keine naturräumliche Grenze gibt, werden diese Lössebenen meist nicht und von Ludwigsburg oft nur die ehemaligen Markungen von Eglosheim und Pflugfelden einbezogen – unter Ausschluss der Markungen von Hoheneck und Oßweil sowie von Neckargröningen und Aldingen. Im Südwesten werden Höfingen und Gebersheim unbestritten hinzugezählt, bei der Leonberger Kernstadt, Eltingen und insbesondere bei Rutesheim scheiden sich wiederum die Geister (siehe Karte).
Aus physisch-geographischer Sicht zählen diese und weitere Orte im Norden hingegen allesamt zum Strohgäu. Folgende naturräumlichen Einheiten des Neckarbeckens (Nr. 123) bilden dessen Kernzone:Friedrich Huttenlocher, Hansjörg Dongus: Geographische Landesaufnahme: Die naturräumlichen Einheiten auf Blatt 170 Stuttgart. Bundesanstalt für Landeskunde, Bad Godesberg 1952, überarbeitet 1967. → Online-Karte (PDF; 4,0 MB)Josef Schmithüsen: Geographische Landesaufnahme: Die naturräumlichen Einheiten auf Blatt 161 Karlsruhe. Bundesanstalt für Landeskunde, Bad Godesberg 1952. → Online-Karte (PDF; 5,1 MB) 123.13 Glems-Strudelbach-Platte 123.14 Langes Feld 123.15 Südlicher Strohgäurand Zur nördlichen Randzone zählen: 123.16 Unteres Enztal (nur östlich Strudelbach, s. o.) 123.17 MetterplatteBlatt Stuttgart: „123.17 Metter-Platte“, Blatt Karlsruhe: „123.9 Metterplatte“ 123.18 Südliches Strombergvorland (umstritten, wird meist zum Stromberg gezählt) Zusammen mit dem Teil des Heckengäus (nördlich der A 8), den das Handbuch der naturräumlichen Gliederung Deutschlands nicht zu den Oberen Gäuen (oder auch Schwarzwald-Randplatten – 150) zählt (vgl. Heckengäu#Naturräumliche Systematik), bildet das Strohgäu also die Einheit 123.1 Südwestliches Neckarbecken.
Grünes Strohgäu Im Februar 1999 schlossen sich die Kommunen Asperg, Ditzingen, Gerlingen, Hemmingen, Korntal-Münchingen, Leonberg, Markgröningen, Möglingen, Schwieberdingen und der Landkreis Ludwigsburg zur Arbeitsgemeinschaft „Grünes Strohgäu“ zusammen, die sich im Dialog mit dem Bauernverband Heilbronn-Ludwigsburg für Belange des Naturschutzes, der Direktvermarktung und der Naherholung einsetzen will. Die Gemeinde Eberdingen trat im Oktober 2001 bei.
Bisher wurden unter anderem der rund 40 km lange „Glemsmühlenweg“ und der rund 30 km lange „Keltenweg“ eingerichtet.Der Keltenweg verbindet neun keltische Denkmale und führt von Asperg (Kleinaspergle) über Möglingen, Schwieberdingen, Markgröningen, Hochdorf (Keltenmuseum und Grabhügel), Hemmingen, Schöckingen und Hirschlanden nach Ditzingen. Mit Mostprämierungen sollte der Most wieder in aller Munde gebracht, die Direktvermarktung gefördert und gezeigt werden, „wie wichtig Streuobstwiesen für viele Tier- und Pflanzenarten sind“. Bei Hemmingen wurde ein Amphibientunnel erstellt. In jüngster Zeit war von dem Arbeitskreis nichts mehr zu hören.Quelle: Landratsamt Ludwigsburg
Geologie und Klima Nach geologischen, klimatischen und geomorphologischen Gesichtspunkten sind die in der Karte heller ausgewiesenen Randbereiche ebenso hinzuzuzählen wie die Lössflächen auf Lettenkeuper und Muschelkalk zwischen Enztal und Stromberg, die nördlich bei Erligheim ins Zabergäu übergehen. Zu diesem Randbereich zählen aus naturräumlicher Sicht die Nussdorfer Lössplatte, die südlichen Teile der Vaihinger und der Sersheimer Markung, von Sachsenheim nur die ehemaligen Markungen von Groß- und Kleinsachsenheim sowie Metterzimmern, Löchgau und Teile Besigheims.
Das Plateau des Strohgäus liegt auf einer mittleren Höhe von rund und ist großteils von Löss bedeckt, der zur Bildung von ertragsstarken Schwarz- und Parabraunerden führte. Die Lössschichten sind besonders auf dem Langen Feld mächtig und nehmen in Richtung der Randzonen ab. Wo darunter Lettenkeuper ansteht, bilden die kleineren Fließgewässer wie der Leudelsbach Talmulden aus; wo der Muschelkalk ansteht, haben Strudelbach, Glems, Enz und Neckar steile und windungsreiche Täler geformt. Als Störer wirkt der 356 Meter hohe Hohenasperg, ein durch Reliefumkehr entstandener Zeugenberg des umliegenden Keuperberglands.
Das Strohgäu zeichnet sich klimatisch durch eine hohe Sonnenscheindauer, hohe Durchschnittstemperaturen und geringe Niederschlagsmengen aus. Die Entwässerung erfolgt über Strudelbach, Glems, Leudelsbach, Metter, Enz und Neckar. Die Glems durchzieht das Strohgäu von Süden nach Norden und teilt es in einen westlichen und östlichen Bereich. Die nicht von Tälern zerschnittene Ebene zwischen Glems- und Neckartal wird auch Langes Feld genannt. Zusammen mit Hecken-, Korn- und Zabergäu bildet es das baden-württembergische Gäu.
miniatur|Acker mit Parabraunerde aus Löss mini|Weinberge im Glemstal
Altsiedelland Wegen seiner sehr fruchtbaren Lössböden und seiner Klimagunst wurde das Lange Feld bereits in der Jungsteinzeit ackerbaulich genutzt, fast komplett gerodet und im Mittelalter als Paradies auf Erden bezeichnet.Laut Hermann Römer, Markgröningen im Rahmen der Landesgeschichte I., Urgeschichte und Mittelalter, Markgröningen 1933, S. 30, wurde das Lange Feld in der Überlieferung als „Paradies“ bezeichnet. Die sonnenexponierten steilen Talhänge von Glems, Leudelsbach, Enz, Metter und Neckar wurden wie der Südhang des Aspergs schon früh für den Weinbau kultiviert.
Bis nach der alemannischen Landnahme herrschte Streusiedlung für ortsnahe Bewirtschaftung vor. Bedingt durch politische Faktoren und Seuchen unterlag die Besiedlung ab dem Hochmittelalter einem fortschreitenden Konzentrationsprozess, der zahlreiche Wüstungen zur Folge hatte.
Zentraler Ort war vom frühen Mittelalter bis ins 18. Jahrhundert die ehemalige Reichsstadt und württembergische Amtsstadt Grüningen (heute Markgröningen), deren Amtsbezirk zeitweise mit der Kernzone des Strohgäus und dem historischen Herrschaftsbezirk des Glemsgaus weitgehend übereinstimmte und deren KirchensprengelLandkapitel Grüningen im Archidiakonat Trinitatis des Stiftsprobsts bei Allerheiligen im Bistum Speyer; nach der Reformation Sitz eines Superintendenten für das Sprengel im Strohgäu. erst die westliche und dann die östliche Hälfte abdeckte. Deshalb wurde die doppeltürmige Bartholomäuskirche in Grüningen als geistliches Zentrum im Speyrer Landkapitel Grüningen auch als „Strohgäu-Dom“ bezeichnet.
Siehe auch: Liste der Orte im Strohgäu mit Ortsteilen und abgegangenen Siedlungen
Verkehr mini|Glemstalviadukt der B 10 bei Schwieberdingen Fernstraßen Das Strohgäu hatte von Alters her gute Verkehrsverbindungen. Hier kreuzten sich drei wichtige Fernstraßen, die über weite Strecken bereits seit römischer Zeit bestanden: Die heutige Bundesstraße 10 führte von Flandern bis ans Schwarze Meer und zweigte bei Augsburg nach Italien ab, erlangte im Spätmittelalter große Bedeutung als Handelsweg und zählte im 16. Jahrhundert zu den ersten Postrouten. Die heutige Bundesstraße 27 führte als Süd-Nord-Verbindung von der Schweiz nach Heilbronn und darüber hinaus. Die dritte historische Fernstraße verlief im Remstal entlang des Limes und führte dann von Waiblingen über Markgröningen weiter nach Straßburg.
In jüngerer Zeit kamen die heutige Bundesstraße 295 von Calw über Leonberg nach Stuttgart und im Dritten Reich schließlich die beiden Autobahnen A 8 und A 81 hinzu.
Bahnstrecken miniatur|320px|Bahnstrecken im Strohgäu (ohne SSB-Linien) Als eine der ersten württembergischen Bahnstrecken wurde im 19. Jahrhundert die Verbindung Stuttgart-Ludwigsburg hergestellt. Später erfolgte der Bau der Westbahn von Bietigheim nach Mühlacker, der Schwarzwaldbahn von Zuffenhausen über Ditzingen und Leonberg nach Calw und der Schusterbahn von Kornwestheim nach Cannstatt. In Kornwestheim entstand ein bedeutender Güter- und Rangierbahnhof mit Container-Terminal und mittlerweile stillgelegter Verladestation für den Autoreisezugverkehr.
Seit 1906 fährt die Strohgäubahn, eine eingleisige normalspurige private Stichbahn, von Korntal nach Weissach, seit mehreren Jahren nur bis Heimerdingen. Sie hat eine Länge von ca. 17 km. Im Kursbuch ist sie die Strecke 790.7, im Verkehrs- und Tarifverbund Stuttgart (VVS) die Regionalbahn RB47. Die Frankenbahn (Stuttgart-Würzburg) und die S-Bahn S5 (Stuttgart-Bietigheim) verlaufen teilweise auf derselben Strecke. Im Süden verläuft die württembergische Schwarzwaldbahn.
Die Bahnstrecke Ludwigsburg–Markgröningen erschloss seit 1916 den ehemaligen Hauptort des Strohgäus und wurde 1975 im Personenverkehr stillgelegt. Bis 2003 gab es noch Güterverkehr und zum Schäferlauf einmal im Jahr Sonderfahrten auf dieser Strecke. Ursprünglich sollte sie mit der von Kleinglattbach über Vaihingen/Stadt nach Enzweihingen führenden „Vaihinger Stadtbahn“ verknüpft werden. Diese von der WEG betriebene Stichbahn wurde 2002 ebenfalls stillgelegt.
Die 9,3 km lange Städtische Straßenbahn Feuerbach (SSF) war eine Überlandstraßenbahn in Württemberg, die in den Jahren 1926 bis 1933 von Feuerbach über Weilimdorf nach Gerlingen verkehrte. Nach der Übernahme durch die Stuttgarter Straßenbahnen (SSB) am 1. Januar 1934 wurde die Strecke in deren Netz integriert. Heute folgen die Stadtbahnlinien U6, U13 und U16 im oberirdischen Bereich größtenteils dem ehemaligen SSF-Linienverlauf.