mini|Köln, St. Aposteln (Ostseite) (2009) mini|hochkant|Stahlstich nach William Tombleson mini|Parade der Deutzer Kürassiere vor St. Aposteln, am 21. April 1900

St. Aposteln ist eine römisch-katholische Kirche und eine der zwölf großen romanischen Kirchen in Köln. Die dreischiffige Kirche liegt in der Innenstadt am Neumarkt zwischen Hahnenstraße und Mittelstraße.

Sie zeichnet sich durch eine aufwändig gestaltete Dreikonchenanlage aus, in die zwei flankierende Osttürme integriert sind. Ihnen gegenüber steht der Westturm, der mit seinen etwa 67 Metern der dritthöchste Turm der romanischen Kölner Kirchen ist. Der kleeblattförmige Chorbau wird von einem kurzen achteckigen Vierungsturm überragt, der von einer Laterne gekrönt wird. Das Querschiff des Langhauses ist über ein kurzes, tonnengewölbtes Joch mit dem Westturm verbunden. Papst Paul VI. erhob die Kirche am 18. September 1965 mit dem Apostolischen Schreiben Templis praeclaris in den Rang einer Basilica minor.Paulus VI.: Litt. Apost. Templis praeclaris, in: AAS 59 (1967), n. 5, S. 326s.

Geschichte Vorgängerbau, salischer Neubau und Umbau zu heutiger romanischer Kirche alternativtext=Rekonstruktion des Grundrisses|mini|Grundriss von 1907 Bei St. Aposteln soll es, wie bei anderen romanischen Kirchen in Köln auch, an der Stelle der heutigen Basilika einen ersten Kirchenbau gegen Ende des 9. Jahrhunderts gegeben haben, was aber nicht verbürgt ist. Historisch nachgewiesen ist, dass hier im 10. Jahrhundert ein Stift gegründet wurde. Dessen historisch gesicherte erste Apostelkirche war wohl ein relativ einfacher Bau.

Das änderte sich zu Anfang des 11. Jahrhunderts: Entweder unter Erzbischof Heribert, der von 999 bis 1021 regierte, oder anschließend unter Erzbischof Pilgrim (Regierungszeit 1021–1036) – die Meinungen der Historiker gehen hier auseinander – wurde ein großer salischer Neubau errichtet, der ungeachtet der nicht ganz sicheren Zuschreibung einfach „Pilgrimbau“ genannt wird. Für Pilgrim spricht die Tatsache, dass seine Grablege im Westchor zu finden ist, eine Ehre, die vor allem einem Stifter zuteilwird.J. Kaiser, K.-P. Vosen, S. W

Dieser Bau war nach Westen gerichtet. So hatte er den Chor mit dem Hauptaltar im Westen, an der Stelle des heutigen Hauptturms. Das ist in christlichen Kirchen unüblich: Die meisten Kirchen sind geostet, haben also ihren Altarraum, den Chor, im Osten – dort wo die Sonne aufgeht. Die Kölner Apostelkirche des 11. Jahrhunderts bezog sich mit dieser westlichen Ausrichtung, wie auch andere Kölner Kirchen, auf das großes Vorbild, die Peterskirche in Rom, welche bis heute gewestet ist.

Von diesem salischen Pilgrimbau, der auch die Grundmaße der heutigen Kirche bestimmt, sind noch erhalten: Große Teile der Außenmauern des Langhauses, des westlichen Querschiffes und Teile der Mittelschiffwände. Allerdings wurde die dünne Außenhaut, die Sichtwand dieser Mauern, mehrfach erneuert, so dass nur der Kernbereich dieser Mauern noch aus dem 11. Jahrhundert stammt.

Das Grundprinzip dieser Epoche ist ein festes Maßsystem – ausgehend vom Vierungsquadrat –, eine einheitliche Gestaltung des ganzen Baukörpers und die polare Gegenüberstellung von östlichen und westlichen Bauteilen, also eines Westchores und eines Ostchores. „Die strenge Bindung an ein festes Maßsystem, die einheitliche Durchgestaltung eines ganzen Baukörpers und das Prinzip der Gruppierung liegender und vertikaler, vieltürmiger Bauteile […] bleibt bis zum 13. Jahrhundert, bis zum Aufgreifen der französischen Gotik, für die deutsche romanische Architektur bezeichnend.“Ernst Adam: Vorromanik und Romanik. Frankfurt am Main 1968, S. 17.

Im Vergleich zu dem Vorgängerbau ist das salische Lang- und Querhaus von St. Aposteln in der Größe gesteigert. Diese beiden Bauteile erhielten später, um 1230, statt der flachen Holzdecken ein Steingewölbe.

Mit den schweren Rechteckprofilen der auch im Mittelschiff noch rundbogigen Gurtbögen sind die Gewölbe (1200–1220) konservativer gestaltet als die zwanzig bis achtzig Jahre älteren Lang- und Querhausgewölbe des Wormser Doms (ca. 1140 bis Weihe 1181). Dazu passt das vollständige Fehlen äußeren Strebewerks. Die Mittelschiffsgewölbe der Magdeburger Liebfrauenkirche, 1221(d), und des Bremer Doms, mit ihren elegant profilierten Gurtbögen und etwas äußerem Strebewerk, schließen eher direkt an frühe französische Gotik an, als an diese rheinische Spätromanik.

Im 11. Jahrhundert lag St. Aposteln noch nicht im eigentlichen Kölner Stadtgebiet. Die damals noch intakte römische Stadtbefestigung ging unmittelbar an St. Aposteln vorbei. Dies wird durch die mittelalterliche Pforte anschaulich belegt, die sich in einer Höhe von 7,80 Metern in der Chorapsis befindet. Von dieser heute vermauerten Pforte aus konnte man im 12. Jahrhundert den Laufgang der römischen Stadtmauer betreten.Via Belgica Römisches Stadttor / St. Aposteln, erlebnisraum-roemerstrasse.de 1106 wurde eine neue Stadtmauer gebaut; ab 1180 bis weit ins 13. Jahrhundert hinein eine weitere, die ein wesentlich größeres Areal umfasste und von deren zwölf Stadttoren noch einige stehen. Gleichzeitig mit der neuen Stadtmauer wurde ab 1180 der Neumarkt, als zusätzlicher Handelsplatz zu den bereits bestehenden Plätzen in der Nähe des Hafens am Rhein, errichtet.

mini|links|Rundbogige Gurte mit dicken Recht­eck­pro­filen, Mittel­schiff sechs­feldrige Rippen­gewölbe, Seiten­schiffe Kreuzgratgewölbe mini|hochkant|Nordseite: Mittelschiffs­traufe mit Kon­so­len­fries, kein äußeres Strebewerk St. Aposteln veränderte sich im ausgehenden 12. Jahrhundert sowohl in seiner Baugestalt als auch in seiner Ausrichtung: Es hatte sich ein Wechsel in der Liturgie ergeben, der einen Westchor nicht mehr erforderte. Die Kirchen orientierten sich in der Folge dessen nach Osten. Hinzu kam, dass mit dem neuerbauten Neumarkt direkt vor der Kirche eine große Freifläche entstanden war, die es geraten sein ließ, den Ostteil zur neuen Schaufläche, zum dominierenden Zentrum der Kirche zu machen.

Ob die Umbauarbeiten an St. Aposteln ab 1150 von vorneherein den West- und den Ostteil umfassen sollten, ist ungewiss. Jedenfalls harmonieren beide Partien, und zwar für eine Sicht von Osten, also vom Neumarkt aus. Man nimmt deshalb an, dass möglicherweise beide Umbauprojekte trotz der zeitlichen Distanz von 50 Jahren auf die Planung des gleichen Baumeisters zurückgehen.

Um 1150 wurde zunächst ein neuer Westchor errichtet. Man schüttete die Krypta des alten salischen Westchores zu und errichtete auf ihr einen 67 m hohen Westturm. Diesem Umbau scheint ein Brand vorausgegangen zu sein.J. Kaiser, K.-P. Vosen, S. 4. Es ist aber unsicher, ob nur durch den Brand die Umbauabsicht ausgelöst worden war, denn ganz Köln wurde in dieser Zeit von Bauleidenschaft ergriffen und es erscheint unwahrscheinlich, dass man dabei St. Aposteln übergangen hätte, wenn es zu keinem Brand gekommen wäre.

Westbau mini|hochkant|Westturm Der neue Westturm, ab 1150 errichtet, wird von zwei halbrunden Treppentürmen begleitet; mit einer solchen Kombination klingt das alte karolingische Motiv eines Westwerkes an. Im 12. und 13. Jahrhundert wurden bestehende älteren Westwerke häufig umgebaut und stärker mit dem Hauptraum verbunden. Mit dem großen Umbau von 1643/1644 verlor der Westchor endgültig seine Dominanz.

Drei-Konchen-Chor mini|Spätgotische Madonna im Dreikonchenchor Um das Jahr 1200 herum, wieder nach einem Brand (1192), wurde mit dem Bauteil begonnen, dessen Vorbild wohl der kurz zuvor vollendete Chor von Groß St. Martin war, dem Drei-Konchen-Chor (Trikonchos). In der Nordkonche erkennt man noch heute im „Obergeschoss“ eine zugemauerte Tür, die im Mittelalter als zusätzlichen Zugang die Kirche mit der noch existierenden Römermauer, die einen Teil der Stiftsmauer darstellte, verband. Daneben, von außen links, ist in einer zentralen Nische zwischen Ober- und Unterfenster eine spätgotische Madonna mit Kind, gleichsam die Patronin des Ostchors, zu finden.J. Kaiser, S. 8

Im Gegensatz zu einem Grundriss als lateinischem Kreuz, bei dem ein gerades Langhaus im Kopfbereich von einem ebenfalls geraden Querhaus rechtwinklig durchkreuzt wird, wie bei St. Aposteln im Westen, werden beim Drei-Konchen-Chor drei gleich große Apsiden an den Seiten eines (einbeschriebenen) Quadrates so zueinander gesetzt, dass sich im Grundriss die Form eines Kleeblattes ergibt, weshalb diese Lösung auch „Kleeblattchor“ genannt wird. Dadurch ergibt sich hier im Osten an der Stelle des Chores ein Zentralbau, also ein Bau mit einem eigenen Zentrum und gleichwertigen Seitenteilen.

Neuere Geschichte 1802 wurde im Zuge der Säkularisation in der Franzosenzeit das Aposteln-Stift aufgehoben. Es lebt noch im Namen der nahen Straße Apostelnkloster fort. Das drittälteste Kölner Gymnasium, ursprünglich 1860 in dieser Straße gegründet, als Gymnasium an der Apostelkirche, ist nach St. Aposteln benannt. Die Kirche verfiel nach der Klosterauflösung allmählich und musste 1822 wegen Baufälligkeit polizeilich geschlossen werden, wurde aber bald darauf restauriert. Umfangreiche Renovierungen fanden in den Jahren 1871–1891 statt.

Nach den Kriegszerstörungen von 1942 bis 1944 wurde eine erste notdürftige Restaurierung 1957 abgeschlossen, bevor man 1961 an die sorgfältige Wiederherstellung der Ostpartie ging, die 1975 beendet wurde. Die zugeschüttete Krypta war schon 1955 bis 1957 wieder hergerichtet worden. Die Kirche erhielt im Zuge des Wiederaufbaus einige zeitgenössische Ausstattungsdetails: Zum Beispiel auf der Südseite eine Aula in der typischen Architektur der 1950er Jahre des Architekten Johann Werner Starck († 1978), mit einem durchlaufenden Fensterband von Ludwig Gies. Diese Aula diente zunächst als Notkirche und trägt heute den Namen Dr.-Josef-Könn-Aula. Im Drei-Konchen-Chor entstanden 1988 bis 1993 Gewölbemalereien von Hermann Gottfried.

Seit 1981 wird der Erhalt der Kirche vom Förderverein Romanische Kirchen Köln unterstützt. Seit 1. Januar 2010 ist sie Pfarrkirche der um die aufgelösten Pfarrgemeinden Dom St. Peter, St. Andreas, St. Kolumba, Groß St. Martin und St. Maria in der Kupfergasse vergrößerten Kirchengemeinde St. Aposteln.

Am 2. April 2016 wurde der in St. Aposteln abgehaltene ökumenische Trauergottesdienst für den verstorbenen Bundesaußenminister a. D. Guido Westerwelle live im deutschen Fernsehen übertragen. Der Gottesdienst wurde von den Prälaten Martin Dutzmann und Karl Jüsten gehalten. Gäste waren unter anderen der Bundespräsident, die Bundeskanzlerin und der Bundestagspräsident. In: ardmediathek.de

Architektur Außenbau mini|hochkant|St. Aposteln um 1925 Neben den drei Konchen sind die vier Türme mit dem Vierungsturm in der Mitte prägend für den Außenbau von St. Aposteln. Vom weiten anderen Ende des Neumarktes aus gesehen „erscheint der Westturm mit zur Turmgruppe hinzuzugehören, und zwar wegen seiner Höhe fast so, als sei er das Zentrum des ganzen Komplexes“. Dadurch entsteht eine Staffelung von Türmen, die nicht wie bei Groß St. Martin in einer geradlinigen Höhensteigerung in einem alles dominierenden Vierungsturm zusammenläuft, sondern in einer dreidimensionalen Hintereinanderstaffelung über die Seitentürme zum Vierungsturm und von da zum höchsten Punkt, zum Westturm hinter dieser Gruppe.

Spätromanische Zweischaligkeit Der Chorinnenraum von St. Aposteln stellt nach übereinstimmender fachlicher Meinung die ausgewogenste Version der spätromanischen Zweischaligkeit der Mauern dar. Das Grundproblem für die Baumeister in diesem Punkt war damals, eine Entsprechung herzustellen zwischen der Außen- und der Innengliederung der Wände, vor allem deshalb, weil der äußere Radius der Apsis natürlich größer ist als der innere und man die innere Bogenstellung nach den Fenstern richten musste, welche die Mauer durchbrachen.