Love You ToSteve Turner: A Hard Day’s Write. Die Story hinter jedem Beatles-Song, S. 211: „Die Bedeutung des Titels, der in letzter Minute eingesetzt wurde, ist unklar. Während der Aufnahme trug der Song noch den Codenamen ‚Granny Smith‘ (nach der Apfelsorte).“ Hunter Davies: The Beatles Lyrics. The Stories Behind the Music, Including the Handwritten Drafts of More Than 100 Classic Beatles Songs, S. 156: “ […] I can’t understand the confusion, for the last two lines make it perfectly clear where the title comes from: ‘I’ll make love to you, If you want me to.’” („ […] Ich kann die Verwirrung [über den Titel] nicht verstehen, denn die letzten zwei Zeilen machen es ganz klar, wo der Titel herkommt: ‚Ich werde mit dir Liebe machen, wenn du es willst.“). Walter Everett: The Beatles as Musicians. Revolver through the Anthology, S. 40: “The odd locution of the final title, a twist on the lyrics’ ‘Love to you’ […] ” („Die seltsame Anordnung des endgültigen Titels, eine Umstellung des Textteils ‚Love to you‘ [‚Liebe zu/mit dir‘] […] “) ist ein Lied der britischen Band The Beatles aus dem Jahr 1966. Es erschien auf dem Album Revolver. Geschrieben wurde es von George Harrison.

Hintergrund George Harrison sagte in seiner Autobiografie:George Harrison: I Me Mine, S. 100 “Love You To was one of the first tunes I wrote for sitar. […] this was the first song where I consciously tried to use the sitar and tabla on the basic track […] ” („Love You To war eines der ersten Stücke, die ich für Sitar schrieb. […] dies war der erste Song, wo ich bewusst versuchte, die Sitar und Tabla auf der Grundspur zu verwenden […] “) Später ergänzte er: „Ich schrieb Love You To auf der Sitar, weil es so schön klang und ich mich immer mehr dafür interessierte. Ich wollte eine Melodie speziell für die Sitar schreiben. Das Stück hatte auch einen Tablateil; es war das erste Mal, dass wir Tablas einsetzten.“The Beatles: The Beatles Anthology, S. 209

Komposition Das Lied steht im -Takt, ist in C notiertTetsuya Fujita, Yuji Hagino, Hajime Kubo, Goro Sato (Transcription): The Beatles Complete Scores, S. 640–645; John Pring, Rob Thomas: Die Beatles Story. Bandgeschichte | Alben | Hintergründe, S. 143 und hat eine Länge von 2:58 Minuten.Jean-Michel Guesdon, Philippe Margotin: Beatles total. Die Geschichten hinter den Songs, S. 330 Das Tempo wird mit ModeratoN. N.: The Beatles Complete. Piano Vocal/Easy Organ, S. 141 bzw. Rubato und GiustoTetsuya Fujita, Yuji Hagino, Hajime Kubo, Goro Sato (Transcription): The Beatles Complete Scores, S. 640 und 641 angegeben. „Die Melodie, die auf den oberen fünf Noten der dorischen c-Moll-Leiter basiert, ist dröge und monoton, ganz wie es Harrisons melancholischer Ader entspricht.“Ian MacDonald: The Beatles. Das Song-Lexikon, S. 211 Trotz Verwendung von Sitar und Tabla wird Love You To nicht zu hundert Prozent zur indischen Musik gezählt.Dominic Pedler: The Songwriting Secrets of The Beatles, S. 263: “ […] these quasi-Indian songs […] ”

Text Der Text beginnt mit “Each day just goes so fast / I turn around, it’s past”George Harrison: I Me Mine, S. 102, Verse 1–2 („Jeder Tag vergeht einfach so schnell, ich drehe mich um, schon ist er vorbei“), ein Gedanke, den George Harrison bereits in dem Song If I Needed Someone geäußert hatVgl. Michael Stracke: George Harrison zur Zeit der Beatles. Ein Kommentar zu 22 Song-Texten von 1963 bis 1970, S. 30. und vier Jahre später in dem Song All Things Must Pass modifizierend aufgreift. Der sich anschließende Vers “you don’t get time to hang a sign on me”George Harrison: I Me Mine, S. 102, Vers 3 („du hast keine Zeit mir ein Schild anzuhängen“) bezieht sich auf Schul-Szenen: “ […] pompous people, like teachers or school swots, have signs hung on their backs which read ‘Kick Me.’ Hee hee.”Hunter Davies: The Beatles Lyrics. The Stories Behind the Music, Including the Handwritten Drafts of More Than 100 Classic Beatles Songs, S. 157 („ […] aufgeblasene Leute, wie Lehrer oder Streber, haben Schilder an ihren Rücken gehängt bekommen mit der Aufschrift ‚Tritt mich.‘ Hi hi.“)

„Der Text von George orientiert sich an buddhistischen Grundsätzen und lädt zur Weisheit ein.“Jean-Michel Guesdon, Philippe Margotin: Beatles total. Die Geschichten hinter den Songs, S. 330 Aber auch Gedanken der antiken Schule der Epikureer finden Widerhall in Love You To: “Love me while you can before I’m a dead old man”George Harrison: I Me Mine, S. 102, Verse 4–5 („Liebe mich, solange du kannst, bevor ich ein toter alter Mann bin“) Hier begegnet die Vorstellung vom carpe diem.Jonathan Gould: Can’t Buy Me Love. Beatles, Britain and America, S. 353: “Lyrically, ‘Love You To’ is the pop equivalent of a carpe diem poem.” („Vom Text her ist ‚Love You To‘ das Äquivalent im Pop eines carpe diem-Gedichtes.“)Den Rat, die Zeit zu nutzen, gibt es aber auch in der Philosophie der Stoa, z. B. Seneca, Epistulae morales I 2: „Halte alle Stunden fest. So wird es geschehen, dass du weniger vom morgigen Tag abhängig bist, wenn du an den heutigen Hand angelegt hast. Während das Leben aufgeschoben wird, eilt es vorüber.“

Der Refrain “Make love all day long / make love singing songs”George Harrison: I Me Mine, S. 102, Verse 9–10 und 11–12 ist doppeldeutig: “ […] it can either mean making love while singing or that singing is making love.”Hunter Davies: The Beatles Lyrics. The Stories Behind the Music, Including the Handwritten Drafts of More Than 100 Classic Beatles Songs, S. 156 („ […] er kann entweder bedeuten Lieben, während man singt, oder Singen ist Lieben.“).

Die letzte Strophe beinhaltet folgenden Gedanken: “There’s people standing ’round who’ll screw you in the ground they’ll fill you in with all their sins”George Harrison: I Me Mine, S. 102, Verse 13–15 („Es stehen Leute herum, die dich in den Boden schrauben, sie werden dich mit all ihren Sünden ausfüllen“). Am Schluss heißt es: „I'll make love to you if you want me to“ („Ich werde dich lieben, wenn du willst“). Inglis sieht darin in einer Welt materieller Unzufriedenheit und moralischer Disharmonie den Trost sexuellen Vergnügens.Ian Inglis: The Words and Music of George Harrison, S. 7–8. – Inwieweit “screw” hier sexuelle Konnotation hat, ist ungewiss.

„Der Text (teils philosophisch angehaucht, teils Liebeslied für seine Frau Patti) entwickelt den Skeptizismus von Think for Yourself weiter.“Ian MacDonald: The Beatles. Das Song-Lexikon, S. 211

Der Song ist einer der wenigen Beatles-Songs, dessen Titel nicht im Text erscheint.

Besetzung Besetzungsliste:Angabe der Besetzung nach Ian MacDonald: The Beatles. Das Song-Lexikon, S. 211. Barry Miles: The Beatles Diary. Volume 1: The Beatles Years, S. 238: “It also inaugurated a less happy tradition, of John Lennon not contributing to the recording of Harrison’s songs.” („Es begründete außerdem eine weniger glückliche Tradition, dass John Lennon nicht an der Aufnahme von Harrisons Liedern teilnahm.“)Angabe der Instrumente nach Jerry Hammack: The Beatles Recording Reference Manual. Volume 2. Help! through Revolver (1965–1966), S. 113

George Harrison: Lead-Gesang (multi-tracked), Gitarren (Gibson J-160 E), Akustikgitarre, SitarAndy Babiuk: Der Beatles Sound. 2002, S. 182: „Zu Beginn spielte Harrison die akustische J-160 E und sang, dann spielte er Zusatzspuren mit einer Sitar, Tambura […] und sogar einer verzerrten Gitarre ein.“ Jerry Hammack: The Beatles Recording Reference Manual. Volume 2. Help! through Revolver (1965–1966), S. 113 nennt das Sitar-Fabrikat: Rikhi Ram Paul McCartney: Hintergrundgesang, TamburaJean-Michel Guesdon, Philippe Margotin: Beatles total. Die Geschichten hinter den Songs, S. 330: Bass Ringo Starr: Tamburin Anil Bhagwat: Tabla andere ungenannte indische Musiker: Sitar, TamburaRobert Rodriguez: Revolver. How The Beatles Reimagined Rock ’N’ Roll, S. 115: “Anil Bhagwat was credited on the album; why the others were not is one more Beatles mystery.” („Anil Bhagwat wurde auf dem Album erwähnt; warum die anderen es nicht wurden, ist ein weiteres Beatles-Geheimnis.“)

Aufnahme Das Stück wurde am 11. und 13. April 1966 unter dem Arbeitstitel Granny Smith in den Abbey Road Studios 2 und 3 aufgenommen. Produzent war George Martin, Geoff Emerick war der Toningenieur der Aufnahmen.Mark Lewisohn: The Complete Beatles Recording Sessions. The Official Story of the Abbey Road Years, S. 72 und 73

Die Monoabmischung erfolgte am 13. April und die Stereoabmischung am 21. Juni 1966.Mark Lewisohn: The Complete Beatles Recording Sessions. London, Hamlyn, 2004, ISBN 0-681-03189-1, S. 73 und 84. Die Monoversion von Love You To hat ein längeres Ende des Liedes im Vergleich zur Stereoversion.Unterschiede in den Abmischungen der Beatles-Lieder

Veröffentlichungen Veröffentlicht wurde Love You To am Freitag, 5. August 1966 in Großbritannien auf dem Album Revolver auf dem Label Parlophone.Mark Lewisohn: The Complete Beatles Recording Sessions. The Official Story of the Abbey Road Years, S. 84 In Deutschland erschien die LP nach Angabe mehrerer Quellen am Donnerstag, 28. Juli 1966 auf dem Hörzu-Label.Mathias Wlaschek, Wilfried Pelz: The Beatles. Here, There (And Everywhere?), S. 66; Uwe Watzek, Uwe Heft: The Beatles made in Germany. Discografie der Beatles-Schallplatten aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, S. 50; Christoph Maus: Beatles woldwide. An Anthology of Original LP-Releases in more than 40 Countries 1962–1972, S. 168; Alex Bagirov: The Anthology of the Beatles Records. Yesterday and today. Tomorrow and always, S. 791. Knublauch, Korinth und Müller bestreiten zu Recht eine frühere Veröffentlichung in Deutschland als in Großbritannien und geben "Mitte August 1966" an (Thorsten Knublauch & Axel Korinth mit Michael Müller: Komm, Gib Mir Deine Hand. Die Beatles in Deutschland 1960–1970, S. 575). In den USA wurde Love You To auf dem dortigen 13. Album Revolver (US-Version) am 5. August 1966 veröffentlicht. Am 13. September 1999 erschien das von Peter Cobbin und seinen Assistenten Paul Hicks und Mirek Stiles neu abgemischte Soundtrackalbum Yellow Submarine Songtrack. Es wurden für den wiederveröffentlichten Film Yellow Submarine darüber hinaus 5.1-Abmischungen angefertigt. Am 28. Oktober 2022 erschien die Jubiläumsausgabe des von Giles Martin und Sam Okell neuabgemischten Albums Revolver (Super Deluxe Box), auf dieser befinden sich, neben der Monoversion, die bisher unveröffentlichten Versionen (Take 1), (Unnumbered Rehearsal) und (Take 7). Take 7 wurde am 21. November 2025 auf dem Album Anthology 4 wiederveröffentlicht.

Kritiken

Literatur Andy Babiuk: Der Beatles Sound. Presse Project Verlag, (Bergkirchen) 2002, ISBN 3-932275-36-5. Alex Bagirov: The Anthology of the Beatles Records. Yesterday and today. Tomorrow and always. Something, Rostock 2007, ISBN 978-3-936300-44-4. The Beatles: The Beatles Anthology. Ullstein, München 2000, ISBN 3-550-07132-9. Hunter Davies: The Beatles Lyrics. The Stories Behind the Music, Including the Handwritten Drafts of More Than 100 Classic Beatles Songs. Little, Brown and Company, New York 2014, ISBN 978-0-316-24716-0. Eva Diettrich: Tendenzen der Pop-Musik. Dargestellt am Beispiel der Beatles. Hans Schneider, Tutzing 1979, ISBN 3-7952-0241-8. Walter Everett: The Beatles as Musicians. Revolver through the Anthology. Oxford University Press, New York 1999, ISBN 0-19-512941-5. Tetsuya Fujita, Yuji Hagino, Hajime Kubo, Goro Sato (Transcription): The Beatles Complete Scores. Hal Leonard, Milwaukee 1993, ISBN 0-7935-1832-6. Jonathan Gould: Can’t Buy Me Love. Beatles, Britain and America. Portrait, London 2007, ISBN 978-0-7499-5166-5. Jean-Michel Guesdon, Philippe Margotin: Beatles total. Die Geschichten hinter den Songs. Delius, Klasing & Co., Bielefeld 2013, ISBN 978-3-7688-3881-8. Jerry Hammack: The Beatles Recording Reference Manual. Volume 2. Help! through Revolver (1965–1966). Gearfab, Toronto 2018, ISBN 978-1-9837-0455-0.