Die IASA-Ländergruppe Deutschland/Schweiz e. V. ist die Ländergruppe in Deutschland und der Schweiz der Internationalen Vereinigung der Schall- und audiovisuellen Archive (International Association of Sound and Audiovisual Archives – IASA). Diese wurde 1969 in Amsterdam gegründet und ist als „NGO“ (non–governmental, also nichtstaatliche Organisation) in der UNESCO vertreten.

Vereinszweck mini|VinylDisc: Vorne die abspielbare Schallplattenrille; im Spiegel die CD Zielsetzung der IASA Ländergruppe Deutschland/Schweiz ist die Förderung der Zusammenarbeit zwischen allen Archiven, die Ton- und in stetig zunehmendem Maß auch audiovisuelle Dokumente aufbewahren. Die IASA befasst sich mit allen Fragen, die mit der Arbeit institutioneller und bedeutender privater Sammlungen und Archive zusammenhängen: Erwerb, Dokumentation, Aufbewahrung, Nutzung und Erhaltung. Urheberrecht und Diskografie gehören ebenso zum Spektrum der IASA-Tätigkeit wie die Pflege von Aufnahme-, Bearbeitungs- und Wiedergabetechniken oder die Erarbeitung von Empfehlungen zur Langzeitsicherung von Tonaufnahmen.

Zweck der Ländergruppe als Verein ist es, die Arbeitsergebnisse der internationalen Fachkommissionen der IASA auf regionaler und nationaler Ebene zu diskutieren und umgekehrt Fragestellungen und Anregungen für die künftige Arbeit an diese Fachgremien und den Vorstand der IASA weiterzugeben. Dabei geht es der Ländergruppe vor allem auch darum, Institutionen und Privatpersonen einzubeziehen, die Tondokumente und damit in Zusammenhang stehende Materialien sammeln oder an den genannten Aufgaben und Zielen Interesse haben.

Geschichte Die Gründung erfolgte am 25. April 1990 im Rahmen der Tagung der Fachgruppe 7 des Vereins deutscher Archivare in Wiesbaden. Erster Vorsitzender wurde Jean-Claude Hayoz von der Dokumentationszentrale der Bundesversammlung der Schweiz. Weitere Vorstandsmitglieder waren Monika Brandenstein (Rundfunk der DDR) und Felix Kresing-Wulf (Deutsche Welle).

Die Bestätigung als IASA Regional Branch durch die Generalversammlung der IASA erfolgte am 7. Mai 1990 in Ottawa. Die erste offizielle Jahreshauptversammlung als IASA-Ländergruppe wurde am 30. April 1991 im Rahmen der Tagung der Fachgruppe 7 in der Phonothek in Wien abgehalten. Bereits im Oktober 1991 folgte die erste eigenständige Jahrestagung auf Einladung der Deutschen Welle in Köln.

Seit Herbst 1998 trat die Ländergruppe im Internet zunächst auf der Website des Klaus-Kuhnke-Archivs Bremen in Erscheinung. Als Webmaster fungierte dessen Geschäftsführer Ulrich Duve. Im Frühjahr 1999 wurde unter www.iasa-online.de eine eigene Homepage gestartet.

Ein enger Erfahrungsaustausch besteht zu der österreichischen IASA-Gruppe Medien Archive Austria, insbesondere seit der gemeinsamen Jahrestagung in Wien 2008. Innerhalb der internationalen IASA stehen beide Ländergruppen als besonders aktive Sektionen seit Jahren in hohem Ansehen.

Die Ländergruppe hat ihren Vereinssitz am Standort der Deutschen Nationalbibliothek in Frankfurt am Main.

Struktur mini|Plakat zur Jahrestagung 2019 in Weimar Neben der Mitgliederversammlung als oberstes Vereinsorgan, die einmal im Jahr während der Jahrestagung stattfindet, gibt es laut Satzung den Vorstand. Vorsitzende seit November 2022 ist Katrin Abromeit vom Phonogrammarchiv der Österreichischen Akademie der Wissenschaften in Wien. Stellvertretende Vorsitzende sind Claus Peter Gallenmiller (Gesellschaft für Historische Tonträger, Wien), Carmen Rodríguez Godino (Historisches Archiv mit Rheinischem Bildarchiv, Köln) und Frank Wonneberg (Frank Wonneberg, Berlin). Weitere Vorstandsmitglieder sind Johannes Müske (Zentrum für Populäre Kultur und Musik, Freiburg) und Jochen Rupp (Deutsche Nationalbibliothek, Frankfurt am Main).

Vorsitzende 1990–1991: Jean-Claude Hayoz, Bern (Dokumentationszentrale der Bundesversammlung der Schweiz) 1991–1994: Frank Rainer Huck, Saarbrücken (Saarländischer Rundfunk) 1994–1997: Anke Leenings, Frankfurt am Main (Deutsches Rundfunkarchiv) 1997–2003: Kurt Deggeller, Lugano (Schweizerische Landesphonothek) 2003–2009: Michael Crone, Frankfurt am Main (Hessischer Rundfunk) 2009–2016: Pio Pellizzari, Lugano (Schweizerische Nationalphonothek) 2016–2022: Ulrich Duve, Bremen (Klaus-Kuhnke-Archiv für Populäre Musik) seit 2022: Katrin Abromeit, Wien (Phonogrammarchiv der Österreichischen Akademie der Wissenschaften)

Mitglieder Mitglied der IASA können alle Archive, Institutionen, Vereinigungen und Einzelpersonen werden, die entsprechende Sammlungen oder ein Interesse an der Tätigkeit der IASA besitzen. Im Einzelnen sind u. a. die nachstehenden Institutionen Mitglied der IASA Ländergruppe: Deutsche Nationalbibliothek Schweizerische Nationalphonothek Klaus-Kuhnke-Archiv für Populäre Musikarchiv Jazzinstitut Darmstadt Günter Grass Stiftung Bremen Lippmann+Rau-Musikarchiv Deutsches Literaturarchiv Weserburg Museum für moderne Kunst Frank Wonneberg Hochschularchiv/Thüringisches Landesmusikarchiv Weimar

Projekte und Tagungen Auch nach der Gründung der IASA-Ländergruppe als eigenständiger Verein bestand eine enge Verbindung zur Fachgruppe 7, auf deren alljährlicher Frühjahrstagung die Ländergruppe die „Arbeitssitzung der AG-Tondokumente“ mit Themen der Schallarchivierung gestaltet. Bedingt durch die Umstrukturierung der FG7-Tagungen fand diese Arbeitssitzung letztmals im Jahr 2000 statt.

Firmen-Discographien historischer Tonträger (FDHT) Auf Initiative von Rainer Lotz startet 1997 das Projekt „Firmen-Discographien historischer Tonträger (FDHT)“, das nach mühsamer Anlaufzeit in modifizierter Form eine Heimstatt in der Schweizerischen Nationalphonothek in Lugano gefunden hat.

Schall & Rauch mini|Ausgaben von Schall&Rauch Als Informationsorgan für ihre Mitglieder gibt die IASA-Ländergruppe seit 1998 die Publikation „Schall & Rauch“ mit Fachartikeln, Tagungsbeiträgen und Konferenzberichten heraus. Die erste Ausgabe im Mai 1998 erschien im Birgit-Lotz-Verlag Bonn. In den Jahren zuvor wurde von der Ländergruppe zur Information ihrer Mitglieder Capitolium genutzt, das Mitteilungsblatt der Schweizerischen Landesphonothek. Erster Redaktionsleiter von Schall & Rauch war Markus Erni, die Herstellung lag bei Klemens Helmholz. Ab November 2000 wurde das Team durch Isabel Bräuer verstärkt. Nach Ulrich Duve (2001) folgte von 2005 bis 2015 Rudolf Müller, danach Frank Wonneberg als Chefredakteur. Die Abgabe erfolgt kostenfrei an die Mitglieder und ist in verschiedenen Bibliotheken im Bestand vorhanden.

VinylDisc Anlässlich des 20-jährigen Bestehens des Vereins wurde 2010 ein einmaliges Tondokument mit einem akustischen Querschnitt einiger Mitgliederarchive produziert. Es handelt sich dabei um eine VinylDisc, eine Kombination aus einer CD und einer speziellen Schallplatte. Sie besteht aus zwei miteinander verbundenen Schichten. Die silberne Schicht beinhaltet die digitalen Informationen, die obere schwarze Schicht wird durch die Verwendung einer Vinyl-Matrize hergestellt und beinhaltet eine auf Plattenspielern abspielbare Schallplattenrille (33 1/3 min-1). Damit die VinylDisc auf dem Plattenteller fixiert werden kann, wurde ein Adapter aus Schaumstoff zur Reduzierung des Innendurchmessers beigelegt.

Jahrestagungen

Die jährliche Herbsttagung der IASA-Ländergruppe dient der fachlichen Zusammenarbeit und dem Erfahrungsaustausch auf nationaler bzw. regionaler Ebene zwischen Berufskollegen, privaten Sammlern und den als Referenten geladenen Experten. Am 22. und 23. Oktober 1991 fand auf Einladung der Deutschen Welle in Köln die erste eigenständige Herbsttagung der Ländergruppe statt. Seitdem fanden ohne Unterbrechungen die Jahrestagungen statt. Die für 2020 in Mainz geplante Veranstaltung konnte wegen der Covid-19-Pandemie allerdings nur virtuell stattfinden. Gleiches gilt für die Tagung 2021 in der Schweiz. Jahr Ort Gastgeber / Bemerkung 1990 Wiesbaden FG7-Tagung; Gründungsversammlung der Ländergruppe 1991 Wien FG7-Tagung, erste Jahreshauptversammlung der Ländergruppe 1991 Köln Erste eigene Tagung der Ländergruppe Deutsche Welle 1992 Bern Schweizer Radio DRS Bern 1993 Frankfurt am Main und Bensheim Deutsches Rundfunkarchiv und Hessischer Rundfunk 1994 Bogensee b. Berlin Jahreshauptversammlung im Rahmen der internationalen IASA-Konferenz 1995 Mainz Südwestfunk Landesstudio Mainz 1996 Weimar Gemeinsam mit AIBM an der Hochschule für Musik Franz Liszt Weimar 1997 Basel Schweizer Radio DRS Basel 1998 Marbach Deutsches Literaturarchiv und Südwestrundfunk Stuttgart 1999 Köln Westdeutscher Rundfunk und Deutsche Welle 2000 Leipzig Gemeinsam mit AIBM. Leipziger Städtische Bibliotheken und Bibliothek der Hochschule für Musik 2001 Berlin Deutsches Musikarchiv 2002 Lugano Schweizerische Landesphonothek 2003 Potsdam-Babelsberg Deutsches Rundfunkarchiv Standort Potsdam 2004 Bonn Deutsche Welle 2005 Fribourg Ecole d’ingenieurs et d’architectes de Fribourg 2006 Frankfurt am Main Deutsches Rundfunkarchiv und Hessischer Rundfunk 2007 Bremen Klaus-Kuhnke-Archiv für Populäre Musik an der Hochschule für Künste 2008 Wien Gemeinsam mit Medien Archive Austria. Technisches Museum Wien mit Österreichischer Mediathek 2009 München Bayerischer Rundfunk 2010 Dresden Sächsische Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden 2011 Basel Musik-Akademie der Stadt Basel / Memoriav 2012 Leipzig Deutsches Musikarchiv der Deutschen Nationalbibliothek 2013 Frankfurt am Main Museum für Kommunikation 2014 Darmstadt Literaturhaus Darmstadt, veranstaltet mit Jazzinstitut Darmstadt 2015 Innsbruck Tiroler Landesmuseum 2016 Stuttgart Staatliche Akademie der Bildenden Künste 2017 Berlin Museum für Asiatische Kunst der Staatlichen Museen zu Berlin. Nach der nationalen Tagung fand die internationale IASA-Tagung am gleichen Ort statt 2018 Bremen Zentrum für Künstlerpublikationen/Weserburg in Zusammenarbeit mit dem Klaus-Kuhnke-Archiv für Populäre Musik und der Günter-Grass-Stiftung. 2019 Weimar Hochschule für Musik Franz Liszt Weimar, Thüringisches Landesmusikarchiv 2020 Videokonferenz Archiv für die Musik Afrikas der Johannes Gutenberg-Universität Mainz; 30 Jahre IASA-Ländergruppe 2021 Videokonferenz Schweizerische Nationalphonothek 2022 Freiburg im Breisgau und Videokonferenz (hybrid) Zentrum für Populäre Kultur und Musik 2023 Berlin und Videokonferenz (hybrid) Berliner Phonogramm-Archiv und Lautarchiv der Humboldt-Universität zu Berlin 2024 Gronau und Videokonferenz (hybrid) rock’n’popmuseum 2025 Eisenach und Videokonferenz (hybrid) Lippmann+Rau-Musikarchiv 2026 Mannheim und Videokonferenz (hybrid) Gemeinsam mit der International Association of Music Libraries, Archives and Documentation Centres, Ländergruppe Deutschland in den Veranstaltungsorten Universität Mannheim, Staatliche Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Mannheim, Popakademie Baden-Württemberg, Stadtbibliothek Mannheim u. Nationaltheater Mannheim

Weblinks

Homepage der IASA Deutschland/Schweiz e.V.

Einzelnachweise

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