mini|Grabdenkmal von Peter II. von Savoyen. Darstellung von 1817 Peter II., Graf von Savoyen (* um 1203 in Susa; † 16. oder 17. Mai 1268 in Pierre-Châtel) war Graf von Savoyen und englischer Magnat. Als jüngerer Sohn des Grafen von Savoyen wurde er zunächst Kleriker. Nach dem Tod seines Vaters heiratete er 1234 die Erbin der Herrschaft Faucigny und begann mit dem Aufbau einer eigenen Herrschaft im Gebiet des Genfer Sees. In zahlreichen Kriegen und Fehden konnte er Teile des Genevois, des Waadtlands und des Wallis erobern. Im Gefolge seiner Nichte Königin Eleonore von der Provence kam er 1240 nach England. Er gewann die Gunst von König Heinrich III., dem er als Ratgeber und Diplomat diente. Der englische König belohnte ihn mit umfangreichen Besitzungen in England. Dennoch reiste er häufig nach Savoyen, wo er weitere Fehden führte. Aufgrund der politischen Unruhen zog er sich zu Beginn der 1260er Jahre aus England zurück und übernahm nach dem Tod seines kinderlos gestorbenen Neffen 1263 die Herrschaft in Savoyen. Im Kampf um das Erbe der Grafen von Kyburg wurde er von Rudolf von Habsburg geschlagen. In Savoyen setzte er wie schon in seinen bisherigen Besitzungen zahlreiche Reformen in Verwaltung, Finanzwesen und Justiz um.
Herkunft Peter entstammte dem Haus Savoyen. Er war vermutlich der siebte Sohn von Graf Thomas I. von Savoyen und von dessen Frau Margarete von Genf. Sein Vater war Graf von Savoyen, einer Grafschaft im zum römisch-deutschen Reich gehörenden Königreich Arelat. Nach späteren, nicht belegbaren Angaben soll Peter 1203 in der Burg von Susa geboren worden sein.Ernst Tremp: Auf dem Weg in die Moderne. Peter II. von Savoyen und die Anfänge der Territorialstaatlichkeit im 13. Jahrhundert. In: Zeitschrift für Historische Forschung. Band 25, Heft 4, 1998, S. 484.
Karriere als Geistlicher Als jüngerer Sohn hatte Peters Vater für ihn eine Karriere als Geistlicher vorgesehen. Er wird erstmals 1224 als Kleriker und als Schreiber erwähnt. Vor November 1226 war er wie sein Bruder Thomas Kanoniker an der Kathedrale von Lausanne geworden. Wenig später wurde er Kanoniker und Propst der Kathedrale von Genf sowie Propst der Kathedrale von Aosta. In Lausanne wurde wahrscheinlich der hochgebildete und in Verwaltungsfragen sehr erfahrene Dompropst Cono von Estavayer († 1243/4) sein Lehrmeister.Ernst Tremp: Auf dem Weg in die Moderne. Peter II. von Savoyen und die Anfänge der Territorialstaatlichkeit im 13. Jahrhundert. In: Zeitschrift für Historische Forschung. Band 25, Heft 4, 1998, S. 485. Nach dem Tod von Bischof Wilhelm von Ecublens wurde Peter 1229 Verwalter des Bistums Lausanne. Dabei wurde wohl erwartet, dass das Kathedralkapitel ihn zum neuen Bischof wählen würde. Das Kathedralkapitel konnte sich aber auf keinen Kandidaten einigen, worauf Papst Gregor IX. 1231 Bonifatius zum Bischof ernannte. Trotz seines geistlichen Standes hatte Peter in dieser Zeit wahrscheinlich während einer Fehde seinen Bruder Aymon gegen Bischof Landri de Mont von Sion unterstützt.Eugene L. Cox: The Eagles of Savoy. The House of Savoy in Thirteenth-Century Europe. Princeton University Press, Princeton 1974, ISBN 0-691-05216-6, S. 40.
Heirat mit der Erbin von Faucigny Nach dem Scheitern seiner Kandidatur als Bischof von Lausanne entschloss sich Peter vor Mai 1233, aber wahrscheinlich erst nach dem Tod seines Vaters im März 1233, seine Karriere als Geistlicher zu beenden. Vermutlich durch Vermittlung seines Bruders Wilhelm konnte er Agnes, die jüngere Tochter von Aymon II. von Faucigny heiraten. Sie und ihre ältere Schwester Beatrix, die Etienne II. de Thoire-Villars geheiratet hatte, waren die einzigen Kinder ihres Vaters. Im Februar 1234 wurde der Heiratsvertrag im Château de Châtillon unterzeichnet. Darin erklärte Aymon II. seine Tochter Agnes zur Haupterbin, falls er mit seiner neuen Frau keine männlichen Kinder bekommen würde. Von diesem Erbe waren nur die Güter ausgenommen, die bereits Beatrix als Mitgift erhalten hatte. Peter vereinbarte seinerseits, dass seine Kinder aus der Ehe mit Agnes diesen Besitz erben würden, auch wenn er Kinder aus weiteren Ehen haben würde. Durch die Heirat wurde der Einfluss der Grafen von Savoyen auf die Region südlich des Genfer Sees ausgeweitet.
Adliger im Westalpenraum und in England Aufbau einer eigenen Herrschaft im Alpenraum Amadeus IV., der älteste Bruder von Peter hatte nach dem Tod des Vaters das Erbe in Savoyen angetreten. Es ist aber ungeklärt, ob sein Vater ein Testament hinterlassen hatte. Dazu galt in den verschiedenen Besitzungen der Familie teils ein unterschiedliches Erbrecht. Deshalb forderten Peter und sein Bruder Aymon nun einen Anteil der väterlichen Besitzungen. Im Juli 1234 musste Peter aber während einer Familienkonferenz auf Burg Chillon auf den Großteil seiner Ansprüche verzichten. Er musste sich mit den zwischen Lyon und Genf gelegenen Burgen Lompnes und Saint Rambert als Lehen seines Bruders sowie mit einer einmaligen Zahlung von 100 Mark zufriedengeben.Eugene L. Cox: The Eagles of Savoy. The House of Savoy in Thirteenth-Century Europe. Princeton University Press, Princeton 1974, ISBN 0-691-05216-6, S. 43. Peter versuchte nun, von diesen Besitzungen aus und mit Unterstützung seines Schwiegervaters eine eigene Herrschaft aufzubauen, und verfolgte eine aggressive Politik gegen die benachbarten Herrschaften. Noch im Juli 1234 zwang er Amadeus II. von Gex, seine Burg und die Besitzungen, die er als Lehen von Faucigny hielt, als Lehen von ihm zu nehmen. Vor allem musste der Herr von Gex Peter ein Öffnungsrecht für die Burg von Gex zugestehen.Eugene L. Cox: The Eagles of Savoy. The House of Savoy in Thirteenth-Century Europe. Princeton University Press, Princeton 1974, ISBN 0-691-05216-6, S. 41. Die Vereinbarung richtete sich klar gegen Graf Wilhelm II. von Genf, einen Bruder seiner Mutter, denn Peters eigene Burgen und die von Gex kreisten das Gebiet des Grafen ein. Daraufhin kam es zu einer Fehde zwischen Peter und dem Grafen von Genf, über deren Verlauf nur wenig bekannt ist.Eugene L. Cox: The Eagles of Savoy. The House of Savoy in Thirteenth-Century Europe. Princeton University Press, Princeton 1974, ISBN 0-691-05216-6, S. 83. Ende 1236 oder 1237 geriet Peter in einen Hinterhalt von Raoul de Geneve, dem ältesten Sohn seines Gegners, und wurde gefangen genommen. Da dieser Überfall aber nach Abschluss eines Waffenstillstands erfolgt war, wandten sich nun Peters Brüder, vor allem Amadeus IV., gegen den Grafen von Genf. Angesichts des Drucks der Familie musste der Graf Peter freilassen. Am 13. Mai 1237 wurde die Fehde durch ein Abkommen beendet, in dem Graf Wilhelm eine Strafe von 20.000 Mark sowie die Übergabe der strategisch wichtigen Burg von Arlod akzeptieren musste. Graf Wilhelm versuchte aber, die Übergabe der Burg hinauszuzögern, so dass Peter erst nach weiteren Kämpfen 1242 in den Besitz der Burg kam.Eugene L. Cox: The Eagles of Savoy. The House of Savoy in Thirteenth-Century Europe. Princeton University Press, Princeton 1974, ISBN 0-691-05216-6, S. 86. Nach dem kinderlosen Tod seines Bruders Aymon, dem Herrn des an Faucigny angrenzenden Chablais, übernahm Peter womöglich 1237 als Vasall seines Bruders die Herrschaft im Chablais.Eugene L. Cox: The Eagles of Savoy. The House of Savoy in Thirteenth-Century Europe. Princeton University Press, Princeton 1974, ISBN 0-691-05216-6, S. 87.
Im Streit zwischen Kaiser Friedrich II. und dem Lombardenbund stellte sich Peter wie seine Brüder Amadeus und Thomas auf die Seite des Kaisers. Als der Kaiser im Februar 1238 nach Turin zog, schlossen sich ihm Peter und sein Bruder Amadeus dort an.Eugene L. Cox: The Eagles of Savoy. The House of Savoy in Thirteenth-Century Europe. Princeton University Press, Princeton 1974, ISBN 0-691-05216-6, S. 65. Anschließend unterstützten sie den Kaiser bei seinem Feldzug gegen den lombardischen Städtebund. Nach dem Rücktritt von Bischof Bonifatius von Lausanne 1239 versuchte Peter mit Unterstützung seines Schwiegervaters Aymon de Faucigny, der das Amt des Schutzherrn der Diözese innehatte, die Wahl seines Bruders Philipp zum Bischof durchzusetzen.Eugene L. Cox: The Eagles of Savoy. The House of Savoy in Thirteenth-Century Europe. Princeton University Press, Princeton 1974, ISBN 0-691-05216-6, S. 87. Ein offener Angriff auf die Stadt Lausanne im sogenannten Krieg um Lausanne scheiterte aber 1240, und 1241 bestätigte Papst Gregor IX. Philipps Rivalen Jean de Cossonay als neuen Bischof. mini|Die Besitzungen der großen Adelsgeschlechter im Gebiet der heutigen Schweiz um 1200 und deren Gebietsgewinne bis 1264. Deutlich erkennbar sind die umfangreichen Erwerbungen des Hauses Savoyen, die vor allem durch Peter von Savoyen erfolgten.
Aufstieg zum englischen Magnaten 1234 hatte Peters Nichte Margarete den französischen König Ludwig IX. geheiratet. 1236 heiratete Margaretes Schwester Eleonore den englischen König Heinrich III. Vor allem diese Heiraten führten dazu, dass die Grafen von Savoyen zu dieser Zeit für eine Familie ihres Ranges beispiellose internationale Verbindungen besaßen. Mehrere Verwandte von Peter, darunter seine Brüder Wilhelm und Thomas konnten dank ihrer Nichte Eleonore Kontakte zum englischen Königshof aufbauen. Nach dem Rückschlag im Krieg um Lausanne wollte Peter dem Beispiel seiner Brüder folgen. Er bat um ein Treffen mit dem englischen König und reiste nach England, das er um Weihnachten 1240 erreichte. Der englische König nahm ihn als Verwandten seiner Frau äußerst herzlich auf. Am 5. Januar 1241 schlug der König Peter in Westminster zum Ritter. Wenig später wurde sein Bruder Bonifatius zum neuen Erzbischof von Canterbury gewählt. Peter wurde zum Sheriff von Kent ernannt, und im Mai 1241 übergab ihm der englische König die Honour of Richmond als Lehen. Er wurde in den Kronrat aufgenommen und diente ab Mai 1241 als königlicher Richter, so dass er bald zu den einflussreichsten Ratgebern des Königs gehörte.Huw W. Ridgeway: King Henry III and the “aliens”, 1236–1272. In: P. R. Coss, S. D. Lloyd: Thirteenth century England: proceedings of the Newcastle upon Tyne conference (Newcastle upon Tyne 1987) 2, (1988). S. 81–92, Boydell, Woodbridge 1988, S. 89. Im Juni 1241 sandte Heinrich III. Peter als Gesandten nach Reichsburgund, wo er versuchen sollte, die Barone Guillaume de Vienne und Jean de Chalon als Verbündete im Konflikt mit dem französischen König Ludwig IX. zu gewinnen.Eugene L. Cox: The Eagles of Savoy. The House of Savoy in Thirteenth-Century Europe. Princeton University Press, Princeton 1974, ISBN 0-691-05216-6, S. 112. Im September 1241 war Peter wieder in England, wo der König ihn mit der einträglichen Verwaltung der Besitzungen des minderjährigen John de Warenne, 6. Earl of Surrey sowie der Burgen Lewes, Pevensey und Canterbury beauftragte.Eugene L. Cox: The Eagles of Savoy. The House of Savoy in Thirteenth-Century Europe. Princeton University Press, Princeton 1974, ISBN 0-691-05216-6, S. 114. Wenig später wurde ihm im November 1241 auch Rochester Castle und die Aufsicht über die Cinque Ports anvertraut. Diese Bevorzugung eines Ausländers durch den König führte zu Unmut in England. Vermutlich um die englischen Barone zu beschwichtigen, verzichtete Peter während seiner gesamten Zeit in England auf eine Titulierung als Earl of Richmond, obwohl er von zeitgenössischen Chronisten als solcher bezeichnet wurde. Stattdessen nannte er sich nur Lord of Richmond. Als er im Frühjahr 1242 wieder England verließ, legte Peter die Verwaltung von Dover, Rochester und Canterbury Castle wieder nieder.Eugene L. Cox: The Eagles of Savoy. The House of Savoy in Thirteenth-Century Europe. Princeton University Press, Princeton 1974, ISBN 0-691-05216-6, S. 109.
Dienst als Gesandter für den englischen König