mini|hochkant=1.4|Stolpersteine in Bordeaux Die Liste der Stolpersteine in der Region Nouvelle-Aquitaine enthält die Stolpersteine in der französischen Region Nouvelle-Aquitaine. Sie erinnern an das Schicksal der Menschen, die während der deutschen Besetzung Frankreichs im Zweiten Weltkrieg ermordet, deportiert, vertrieben oder in den Suizid getrieben wurden. Die Stolpersteine wurden von Gunter Demnig verlegt. Sie liegen im Regelfall vor dem letzten selbst gewählten Wohnsitz des Opfers. Eine Ausnahme stellen die Stolpersteine für getötete Kriegsgefangene dar, sie liegen vor dem jeweiligen Gefallenendenkmal ihres Heimatortes.

Die ersten Verlegungen in der Region erfolgten in den Gemeinden Cartelègue, Coux und La Brède am 24. August 2015.

Opfergruppen Die Stolpersteine der Region Nouvelle-Aquitaine decken ein breites Spektrum an Opfergruppen ab. Sie berücksichtigen eine fünfköpfige jüdische Familie, ermordet im Rahmen des Holocaust, ein Ehepaar, das der Résistance angehörte, drei österreichische Spanienkämpfer, die sich ebenfalls dem französischen Widerstand angeschlossen hatten, und vier Kriegsgefangene, die in Deutschland Zwangsarbeit verrichten mussten und dort getötet wurden. Der Südwesten des Landes wurde zunächst von der 7. Armee unter General Friedrich Dollmann besetzt, ab Mai 1942 von der 1. Armee unter General Johannes Blaskowitz. Am 21. September 1942 erschossen die deutschen Besatzer im Camp de Souge siebzig französische Widerstandskämpfer. Unter den Opfern war auch der kommunistische Funktionär Raymond Rabeaux, für den Gunter Demnig einen Stolperstein in Bègles verlegte.

Verlegte Stolpersteine Die Tabellen sind teilweise sortierbar; die Grundsortierung erfolgt alphabetisch nach dem Familiennamen. Bègles In Bègles wurden zwei Stolpersteine an einer Adresse verlegt.

Stolperstein Übersetzung Verlegeort Name, Leben120px HIER WOHNTEPAULA RABEAUXGEB. TRAPY 1911WIDERSTANDSKÄMPFERINVERHAFTET 1942INTERNIERT IM FORT DU HÂDEPORTIERT 1943AUSCHWITZERMORDET 15.3.1943 75 Rue du Maréchal Joffre wurde am 17. März 1911 als Paula TrapyCharlotte Delbo: Convoy to Auschwitz. Women of the French Resistance. Northeastern University Press, Boston 1997, ISBN 1-55553-313-2, S. 183. in Saumur im Département Maine-et-Loire geboren. Sie war die dritte von sechs Geschwistern. 1918 zog die Familie um nach La Rochelle im Département Charente-Maritime. Paula absolvierte die Pflichtschule und arbeitete danach zuerst in einer Apotheke, später in einer Schmuckfabrik. 1931 heiratete sie Raymond Rabeaux, einen Klempner, Schwimmer und Kommunisten. 1932 kam der gemeinsame Sohn Jack zur Welt, 1939 die gemeinsame Tochter, die jedoch bereits im Alter von sieben Monaten verstarb. Das Ehepaar war eng befreundet mit anderen kommunistischen Paaren, die ebenfalls gerne Sport betrieben. Nach der Machtübernahme des NS-Regimes in Frankreich, schlossen sich die Eheleute der Résistance an. Raymond Rabeaux bekam die Verantwortung für die Regionen Nantes und La Rochelle übertragen. Aus Gründen der Sicherheit übersiedelte die Familie nach Bègles, wo weiterhin Flugblätter und Aufklärungsschriften produziert sowie Waffen und Munition für die bewaffneten Kämpfer bereitgestellt wurden. Aufgrund einer Denunziation wurde Raymond Rabeaux gemäß der Zeitzeugin Charlotte Delbo am 6. August 1942, nach Recherchen des Comité des fusillés du camp de Souge, die sich auf eine Polizeiakte stützen, am 30. Juli 1942 verhaftet. Am 21. September 1942 wurde er vom NS-Regime, gemeinsam mit 69 weiteren Widerstandskämpfern, hingerichtet. Am 6. August 1942 wurde auch Paula Rabeaux von der französischen Gendarmerie verhaftet. Der Sohn Jack befand sich damals bei Paulas Schwester auf Urlaub und konnte in der Folge das NS-Regime überleben. Auch Paula Rabeaux wurde, wie ihr Ehemann, im Château du Hâ interniert, später im Internierungslager von Romainville. Als die französischen Widerstandskämpferinnen, unter ihnen Paula Rabeaux, am 27. Januar 1943 im Frauenlager des KZ Auschwitz-Birkenau ankamen, sollen sie die Marseillaise gesungen haben. Auf Paulas linkem Unterarm wurde die Nummer 31725 eintätowiert, ihre drei Registrierungsfotos vom 3. Februar 1943 sind erhalten. Nach grausamen MisshandlungenBaumgartner, Girstmair, Kaselitz (Hrsg.): Wer widerstand? Biografien von WiderstandskämpferInnen aus ganz Europa im KZ Mauthausen und Beiträge zum internationalen Symposium 2008, Edition Mauthausen, Wien 2008, ISBN 978-3-902605-08-5, S. 223 war ihre Zunge so geschwollen, dass sie bald weder essen, noch atmen konnte. Sie wurde in das Krankenrevier überstellte und verstarb am 13. oder 15. März 1943.Mémoire vive: Paula RABEAUX, née Trapy – 31725, mit den drei Fotos von Auschwitz, abgerufen am 20. Februar 2018Caroline Moorehead: A Train in Winter. A Story of Resistance, Friendship and Survival in Auschwitz, Vintage Books, London 2012, ISBN 978-0-09-952389-5, Paula Rabeaux: S. 333 (Google Books teildigitalisiert) Félicienne Bierge, eine der Widerstandskämpferinnen, blieb bis zum Ende bei ihr.120px HIER WOHNTERAYMOND RABEAUXGEB. 1911WIDERSTANDSKÄMPFERVERHAFTET 1942INTERNIERT IM FORT DU HÂFÜSILIERT 21.9.1942CAMP DE SOUGE 75 Rue du Maréchal Joffre wurde am 15. September 1911 in Chinon im Département Indre-et-Loire geboren. Er arbeitete bis 1938 als Klempner für die Union Française in La Pallice, betrieb viel Sport und engagierte sich für die Gewerkschaft und die Kommunistische Partei (PCF). Er war der erste Schwimmer, der die Strecke zur Île de Ré und zurück bewältigte. Er heiratete 1931 Paula, geborene Trapy. Das Paar hatte zwei Kinder: Sohn Jacky, geboren 1932, und 1939 wurde eine Tochter geboren, die jedoch im Alter von sieben Monaten verstarb. Rabeaux wurde Sekretär der PCF von La Rochelle und organisierte nach der Machtübernahme des NS-Regimes den Widerstand in der Region. Aufgrund des Verfolgungsdrucks zog er mit seiner Familie nach Bègles, wo er im Haus 75 rue du Maréchal Joffre wohnte. Er wurde zum Propagandaleiter für die Südwest-Region ernannt, kümmerte sich um Flugschriften und Aufklärung der Arbeiter, versorgte aber auch den militärischen Arm der Résistance, die Francs-tireurs et partisans (FTPF), mit Waffen. Raymond Rabeaux wurde nach Quellenlage entweder am 30. Juli oder 6. August 1942 verhaftet und am 21. September 1942 im Camp de Souge erschossen.Das Militärgelände Camp de Souge, ca. 20 km westlich von Bordeaux gelegen, wurde von 1940 bis 1944 von der Wehrmacht im Rahmen der Widerstandsbekämpfung und der Judenverfolgung als Erschießungsort benutzt. Quelle: RABEAUX Raymond, auf L’association du souvenir des fusillés de Souge, (abgerufen am 5. Mai 2018)

Bordeaux In Bordeaux wurden 21 Stolpersteine an neun Adressen verlegt.

Stolperstein Übersetzung Verlegeort Name, Leben 28 rue des Etuves 28 rue des Etuves 120px HIER WOHNTEABRAHAM BAUMGARTGEBOREN 1898 IN TOMASZÓW M.INTERNIERT 1940CAMP DE LA LANDEDEPORTIERT 20.7.1942AUSCHWITZERMORDET 1.12.1942 4 Place Saint Pierre wurde am 17. Juni 1898 in Tomaszów Mazowiecki geboren. Seine Eltern waren Moses Baumgart und Feiga, geborene Charnes.The Central Database of Shoah Victims’ Names: ABRAHAM BAUMGART, abgerufen am 20. Februar 2018 Nach Angaben in Find a Grave heiratete er Chana Kociolek, geborene Jawic, die einen Sohn in diese Ehe mitbrachte: Léon Henri Kociolek (geboren 1930 in Straßburg). Das Paar hatte zwei gemeinsame Söhne, beide in Straßburg geboren: Bernard (1933) und Roland (1936). Die Familie wurde 1940 in das Camp de la Lande de MontsDas Camp de la Lande de Monts war ein Internierungslager in der Gemeinde Monts (Indre-et-Loire). deportiert, 1942 getrennt. Abraham Baumgart und seine Frau wurden am 20. Juli 1942 mit dem Konvoi No. 8 in das Konzentrationslager Auschwitz deportiert, wo beide ermordet wurden. Yad Vashem gibt als Todestag den 1. Dezember 1942 an.