Die Genotypisierung bezeichnet Methoden zur Bestimmung von Unterschieden in der genetischen Zusammensetzung (Genotyp) eines Lebewesens durch Untersuchung seiner genetischen Information.
Eigenschaften Zur Unterscheidung von DNA-Sequenzen zweier Individuen einer Art werden Bereiche des Genoms untersucht, die innerhalb einer Population stärker voneinander abweichen, wie SNP, Mikrosatelliten, Minisatelliten und copy number variants.Federico Innocenti: Pharmacogenomics. In: Methods in Molecular Biology, Band 311. Springer Science & Business Media, 2005, ISBN 978-1-592-59957-8, S. 65–66. Bei der Genotypisierung transgener oder mittels Genome Editing veränderter Organismen kann es genügen, eine einzige genomische Region zu untersuchen, um den Genotyp zu bestimmen.
Methoden Genotypisierungen können mit verschiedenen Verfahren durchgeführt werden. Dabei wird häufig ein Genetischer Fingerabdruck erzeugt. Zu den verwendeten Verfahren gehören die Polymerase-Kettenreaktion (wie die STR-AnalyseI. Baine, P. Hui: Practical applications of DNA genotyping in diagnostic pathology. In: Expert review of molecular diagnostics. Band 19, Nummer 2, Februar 2019, S. 175–188, , PMID 30638393.), teilweise mit allelspezifischen Oligonukleotiden und als qPCR, RFLP (inkl. Ribotyping, ARDRA), PFGE, RAPD, DGGE und TGGE.Dongyou Liu: Molecular Detection of Human Bacterial Pathogens. CRC Press, 2011, ISBN 978-1-439-81238-9, S. 259. Damit werden keine DNA-Sequenzen bestimmt, sondern nur zwei Genome unterschieden. Die verschiedenen Methoden werden zunehmend durch die DNA-Sequenzierung ersetzt, bei der die DNA-Sequenz bestimmt wird.
Anwendungen Typische Anwendungen der Genotypisierung sind die Bestimmung von einzelnen Vertretern einer Art von Lebewesen (z. B. beim Abstammungsgutachten, BlutgruppenbestimmungC. M. Westhoff: Blood group genotyping. In: Blood. Band 133, Nummer 17, April 2019, S. 1814–1820, , PMID 30808639. und der Geschlechtsbestimmung, in der LandwirtschaftA. Scheben, J. Batley, D. Edwards: Genotyping-by-sequencing approaches to characterize crop genomes: choosing the right tool for the right application. In: Plant biotechnology journal. Band 15, Nummer 2, Februar 2017, S. 149–161, , PMID 27696619, .), zur Bestimmung der Evolution (mit aDNA)Anastasia V. Poznyak, Tatyana Vladimirovna Kirichenko: Ancient DNA studies: Common limitations and Genotyping. In: Journal of Angiotherapy (2024), Band 8(6), 1–8, 9750. doi:10.25163/angiotherapy.869750 oder zur taxonomischen Unterscheidung von Arten oder Stämmen,M. M. Ochoa-Díaz, S. Daza-Giovannetty, D. Gómez-Camargo: Bacterial Genotyping Methods: From the Basics to Modern. In: Methods in molecular biology. Band 1734, 2018, S. 13–20, , PMID 29288442. in der Epidemiologie bei der Verbreitung von Krankheiten.D. García De Viedma, L. Pérez-Lago: The Evolution of Genotyping Strategies To Detect, Analyze, and Control Transmission of Tuberculosis. In: Microbiology spectrum. Band 6, Nummer 5, Oktober 2018, , PMID 30338753, .
Ethische Aspekte Durch flächendeckende Genotypisierung können größere Bevölkerungsteile auf Gendefekte und genetische Prädispositionen untersucht werden. Das erzeugt verschiedene ethische Bedenken. Beispielsweise kann eine Diagnose einer genetischen Prädisposition psychische Schäden bewirken, ohne dass die Krankheit eventuell jemals ausbricht. Genetische Vor- (z. B. beim Hochleistungssport) und Nachteile (bei Gendefekten) können zu einer Diskriminierung führen. Der Umgang mit sensiblen persönlichen Daten erfordert einen erhöhten Datenschutz.
Einzelnachweise
Kategorie:Genetik Kategorie:Nukleinsäure-Methode Kategorie:Biochemisches Nachweisverfahren