Operation Husky war die Codebezeichnung für die alliierte Invasion Siziliens ab der Nacht vom 9. auf den 10. Juli 1943. Sie war der eigentliche Beginn des „Italienfeldzuges“ (engl. Italian campaign) im Zweiten Weltkrieg.
Die strategische Situation Bis Anfang 1943 fehlte dem alliierten Oberkommando ein strategisches Gesamtkonzept, wie sich die in der ARCADIA-Konferenz festgelegte Strategie „Europe first“ umsetzen ließ. Klarheit bestand nur dahin gehend, dass Deutschland durch eine Landung auf dem europäischen Kontinent in die Knie gezwungen werden sollte. Das Unternehmen Roundup stieß sowohl bei den US-amerikanischen Planern als auch im britischen Generalstab auf Zustimmung. Allerdings zeigte sich nach dem April 1942 schnell, dass die alliierten Streitkräfte noch zu keiner Landung auf dem Kontinent – speziell in Frankreich – in der Lage waren. Eine am 19. August 1942 versuchte testweise Landung in Dieppe (Operation Jubilee, auch als Dieppe Raid bekannt) endete desaströs mit fast 1.200 Gefallenen (davon über 900 Kanadier); die Wehrmacht hatte weit weniger Verluste an Menschen und Material.
Vielmehr bestand durch die Offensiven der Wehrmacht im Afrikafeldzug und 1942 in der Sowjetunion die Gefahr einer Verschärfung der militärischen Lage – bis hin zum Ausscheiden der Sowjetunion aus dem Krieg. Die Alliierten konnten nur auf die Aktionen der Wehrmacht reagieren und entschieden sich in dieser Situation im Juli 1942 für eine Landung in Nordafrika – die Operation Torch.
Ende 1942 bzw. zu Beginn des Jahres 1943 änderte sich die Situation für die Alliierten grundlegend. Durch den Erfolg der britischen 8. Armee bei El Alamein und deren folgenden Vorstoß im Tunesienfeldzug, unterstützt von der westalliierten Landung in Marokko und Algerien (Operation Torch), wendete sich das Blatt in Nordafrika. Gleichzeitig gelang der Roten Armee in der Schlacht von Stalingrad die Einschließung und Vernichtung der 6. Armee. Allmählich geriet die Wehrmacht in die Defensive. Damit stellte sich den Vereinigten Stabschefs die Frage, welche Strategie sie wählen sollten. Für die USA stand fest, dass nach dem Abschluss der Aktionen in Tunesien die Landung auf dem Kontinent wieder in den Mittelpunkt rücken sollte; die Operation Torch wurde als eher kleine Abweichung vom eigentlichen Kriegsziel angesehen. Großbritannien wollte allerdings den Feldzug im Mittelmeer fortsetzen. Für Winston Churchill bzw. die britische Armeeführung war eine Fortführung des Krieges durch Operationen gegen Italien oder Südfrankreich denkbar. Als mögliche Ziele galten unter anderem Sardinien (Codename BRIMSTONE) und Sizilien (Codename HUSKY). Auch Vorstöße in Richtung Balkan wurden erwogen.
mini|250px|Die Teilnehmer der Konferenz in Casablanca. Im Vordergrund Churchill und Roosevelt, dahinter alliierte Stabschefs (unter anderem General Arnold und General Marshall) In diesem Klima traf die militärische Führung der Westalliierten im Januar 1943 in der Casablanca-Konferenz aufeinander. Obwohl sich US-Stabschef George Marshall vehement für die Fortführung der Operation ROUNDUP – wenn auch in modifizierter Form – einsetzte und die Position der Briten als Verschwendung von Ressourcen ansah, konnte sich die US-amerikanische Haltung letztlich nicht durchsetzen. Ein Grund war der immer noch andauernde Feldzug in Nordafrika. Eigentlich hatte man im alliierten Oberkommando darauf gesetzt, dass Tunesien zum Jahreswechsel 1942/1943 vollständig besetzt wäre – und die Truppen für Aktionen in Europa zur Verfügung standen. Stattdessen zogen sich die Kämpfe hin und es war klar, dass die Truppen für andere Operationen im Sommer 1943 nicht bereitstehen würden. Somit war eine Invasion Europas von Großbritannien aus zum geplanten Zeitpunkt unmöglich.
Vor diesem Hintergrund musste nach der Eroberung Tunesiens ein Ziel festgelegt werden. Eine Fortsetzung der Operationen im Mittelmeerraum erschien aus Sicht der britischen Führung logisch. Churchill setzte nicht einfach nur auf eine Schwächung der Achsenmächte. Weitere Angriffe gegen Italien könnten nicht nur zu dessen Ausscheiden aus der Achse Berlin-Rom führen. Bereits während der Operationen in Nordafrika war die deutsche Verteidigung Südfrankreichs gestärkt worden (Unternehmen Anton am 11. November 1942), was die Verteidigung entlang der Atlantikküste schwächte. Für den Fall, dass die Westalliierten eine Mittelmeerinsel oder gar das italienische Festland angriffen, war mit einem noch größeren Materialeinsatz der Wehrmacht zu rechnen. Zur Auswahl standen für weitere Operationen (neben Sizilien und Sardinien) Korsika, Kreta und der Balkan. Aufgrund verschiedener Vorzüge und logistischer Sachzwänge entschieden sich die Westalliierten am 18. Januar 1943 für die Operation HUSKY – eine Invasion Siziliens.
Dafür sprach unter anderem, dass Truppen nach Abschluss der Eroberung Tunesiens bereits in unmittelbarer Nähe der Insel zur Verfügung standen. Mit einer Operation im Mittelmeer in Richtung Sizilien würde man erreichen, dass die zur Verlegung der Truppen notwendige Transportkapazität leichter zu beschaffen wäre. Zudem hätte eine Besetzung Siziliens den Alliierten die direkte Verbindung zwischen dem Sueskanal und der Straße von Gibraltar geöffnet – was zu einer deutlichen Verkürzung der Schifffahrtswege führen würde. Bis dahin musste der westalliierte Schiffsverkehr aus dem Pazifik oder Indien – oder in die entgegengesetzte Richtung – den Umweg um das Kap der Guten Hoffnung nehmen, weil Deutschland und Italien von sizilianischen Flugfeldern aus die Schifffahrt im südlichen Mittelmeer kontrollieren konnten.
Für Sizilien als nächsten Schritt sprach zudem die Hoffnung, eine Landung auf italienischem Boden würde die Stimmung im faschistischen Italien soweit beeinflussen, dass Italien aus der Achse ausschied. Die alliierte Armeeführung ging für diesen Fall von einer Intervention der Wehrmacht in Italien aus, was den Druck an anderen Frontabschnitten deutlich verringern konnte. In welche Richtung sich die Strategie der Westalliierten weiterentwickeln sollte, ließen die Vereinigten Stabschefs auch nach ihrer Entscheidung für die Landung auf Sizilien offen.
Mit der Schlacht um Stalingrad hatte die Rote Armee bewiesen, dass sie nun auch aktiv erfolgreich gegen die Deutsche Wehrmacht vorgehen konnte. Die sowjetische Rüstungsindustrie hatte sich auf Kriegsproduktion umgestellt und lieferte gewaltige Mengen an modernen Rüstungsgütern. Mit dem Leih- und Pachtgesetz wurden nun, da die Transportwege entsprechend auf- und ausgebaut waren, zusätzliche Rüstungsgüter in großen Mengen in die Sowjetunion geliefert. Ein Sieg der Roten Armee galt inzwischen als sicher; Großbritannien und die USA mussten sich deshalb Gedanken über die Nachkriegsordnung machen. Eine Landung auf dem Balkan hätte diese Länder dem Einfluss der Sowjetunion entzogen; die Westalliierten waren dazu aber noch nicht in der Lage. Erst mussten die Transportwege durch das Mittelmeer gesichert werden und dies sprach für eine Landung auf Sizilien und in Süditalien.
Planung Obwohl Sizilien und Tunesien nur 160 Kilometer trennen,https://www.luftlinie.org/Kelibia,TUN/Petrosino,Trapani,ITA waren die Schwierigkeiten von Beginn an erheblich. Eines der Hauptprobleme war die Sicherstellung des Nachschubs, nicht die Anlandung der ersten Welle. Ein direkter Angriff auf einen Hafen von einer Größenordnung wie Catania oder Messina fiel wegen der starken Küstenbefestigungen aus. Damit mussten die Landungsstrände so ausgewählt werden, dass mit möglichst wenig Gegenwehr durch die Verteidiger zu rechnen war, Häfen gleichzeitig relativ leicht zu erreichen waren.
Ein weiteres Kernproblem bestand im Aufbau einer Führungsstruktur für die beteiligten Truppen, die aus Streitkräften der Vereinigten Staaten, Großbritanniens und Kanadas bestanden. Commander-in-Chief wurde General Dwight D. Eisenhower, zu dessen Stellvertreter (Deputy C-in-C) berief man Harold R. L. G. Alexander, der gleichzeitig das Kommando über die Bodentruppen erhielt. Das Kommando über die beteiligten Marinestreitkräfte übergab man Andrew B. Cunningham, während Air Chief Marshal Arthur Tedder das Kommando über die alliierten Luftstreitkräfte führte. Mit der Operation HUSKY legten die Westalliierten den Grundstein für das später gut funktionierende Kommandosystem – bestehend aus unabhängigen Planungskomitees für die einzelnen Teilstreitkräfte. Im Zuge der Vorbereitungen für die Landung auf Sizilien zeigten sich allerdings deutlich dessen Schwächen.
Die ersten Planungsschritte für die Operation HUSKY begannen bereits Ende Januar 1943 – mit der Gründung der Task Force 141 in Algier. Diese Bezeichnung erhielt der zuständige Planungsstab, aus dem später die 15. Armeegruppe hervorgehen sollte. Mit den strategischen Planungen beauftragt, entwickelte die TF 141 zuerst einen Plan, der vom späteren Ergebnis deutlich abwich. Die Eastern Task Force (hauptsächlich aus britischen Streitkräften bestehend), sollte im Osten der Insel bei Syrakus und Gela landen. Die Western Task Force erhielt Palermo bzw. den Südwesten Siziliens als Angriffsziel. Diese Aufteilung der Invasionsstreitkräfte sollte die Kräfte der Verteidiger binden und konzentrierte Angriffe auf die Invasionstruppen verhindern. Ein Fokus der Planer lag dabei auf dem Südosten Siziliens rund um Syrakus und den Flugfeldern nahe Gela. In den ursprünglich entworfenen Plänen sollten an den Landungen im Südosten der Insel drei britische Divisionen und eine US-Division beteiligt sein. Zwei Tage nach dieser Landung waren weitere Operationen gegen Palermo geplant.
Der später umgesetzte Operationsplan, basierte vor allem auf der Intervention Bernard L. Montgomerys. Ab dem 13. März 1943 begann dieser aktiv in die Planungen zur Operation HUSKY einzugreifen – unter anderem durch die Forderung, der östlichen Landungstruppe größere Kontingente an Truppen und Material zur Verfügung zu stellen. Angeregt wurde eine Schwächung des auf Gela gerichteten Landekopfs. Allerdings bestand Arthur Tedder auf einer Einnahme der Flugfelder, um die alliierten Streitkräfte früh aus der Luft unterstützen zu können. Ein weiteres Problem entstand durch die begrenzten Transportkapazitäten. Die Verstärkung der für den Südosten geplanten Operation hätte die gegen Palermo gerichtete Landung der US-Streitkräfte nicht nur geschwächt. Es wäre auch zu Störungen des Zeitplans gekommen.
Ein Grund für die Ablehnung des ursprünglichen Operationsplans durch den Kommandierenden der 8. Armee war die in seinen Augen falsche Einschätzung der Verteidigung Siziliens. Montgomery ging davon aus, dass Italiener und Wehrmacht den Angreifern heftigen Widerstand entgegensetzen würden. Aufgrund seiner Annahme regte Montgomery Änderungen an und legte eigene Pläne für die Invasion vor. Ein Schritt, den viele Beteiligten kritisierten – unter anderem Admiral Andrew Cunningham und Arthur Tedder.
Einige Beteiligte reagierten erleichtert. Bislang verliefen die Planungen zur Operation HUSKY alles andere als reibungslos. Gerade das Chaos und die Zurückhaltung der Oberbefehlshaber wurde immer mehr zum Problem. Ein Grund hierfür bestand in der Tatsache, dass die militärische Führung der einzelnen Planungsstäbe – wie beispielsweise General Harold Alexander – noch bis ins Frühjahr 1943 mit den Kämpfen in Tunesien beschäftigt war. Damit fehlte den Planungsstellen die nötige Führungsautorität. Die bereits für Juni 1943 geplante Landung musste auf den Juli 1943 verschoben werden.