mini|hochkant|Das Khanda, das religiöse Symbol der Sikhs mini|hochkant|Das Ik Onkar, das den zentralen Grundsatz der Einheit Gottes darstellt, ist ein weiteres Symbol des Sikhismus. Es entstammt der Gurmukhi-Schrift.
Die Sikh-Religion () ist eine im 15. Jahrhundert entstandene monotheistische Religion, die auf den Gründer Guru Nanak Dev zurückgeht. Die im Punjab (Nordwestindien) gegründete Religionsgemeinschaft wird weltweit als Sikhismus bezeichnet und hatte im Jahr 2007 rund 25 bis 27 Millionen Anhänger, wovon die Mehrheit in Indien lebt.Angaben zur Verbreitung: Brockhaus Religionen. Mannheim 2007.
Die Sikh-Religion betont die Einheit der Schöpfung und verehrt einen gestaltlosen Schöpfergott, der geschlechtsneutral ist. Weitere wesentliche Merkmale sind die Abkehr von sogenanntem Aberglauben und traditionellen religiösen Riten, wie sie zum Beispiel im Hinduismus vorherrschen. Obwohl das Kastensystem den Alltag der Sikhs durchdringt, weil es im indischen Alltag übermächtig ist, wird es abgelehnt. In der religiösen Praxis gibt es verschiedene formale Vorgaben zum Beispiel bezüglich Kleidung, Namensgebung und Auftreten.
Die Sikh-Religion orientiert sich nicht an der Einhaltung religiöser Dogmen, sondern hat das Ziel, religiöse Weisheit für den Alltag nutzbar und praktisch zu machen. Guru Nanak sowie seine neun nachfolgenden Gurus (religiöse Vorbilder/Lehrer) unterstreichen in ihren Einsichten, die schriftlich in dem Werk Sri Guru Granth Sahib überliefert sind, ihr Verständnis, über vorhandene Religionen hinauszugehen, und distanzieren sich inhaltlich von den dominierenden religiösen Traditionen ihres Zeitalters, darunter Buddhismus, Hinduismus und Islam.
Verbreitung mini|hochkant=1.3|Verbreitung der Sikhs in der Welt Über 80 Prozent der rund 25 bis 27 MillionenMichael McDowell; Nathan Robert Brown: World Religions at Your Fingertips. Alpha Books, 2009, ISBN 978-1-59257-846-7, S. 232. Sikhs (wörtlich Schüler) leben in der indischen Ursprungsregion: in den Bundesstaaten Punjab und Haryana sowie in den Unionsterritorien Delhi und Chandigarh. Von diesen knapp 19 Millionen indischen Sikhs leben 75 Prozent im Bundesstaat Punjab. In Indien bilden Sikhs mit rund zwei Prozent Bevölkerungsanteil die viertgrößte Religionsgemeinschaft des Landes.
In Kanada (rund 770.000 (Stand 2021)https://www.statcan.gc.ca/o1/en/plus/5966-sikh-strong), Großbritannien (rund 230.000) sowie in südostasiatischen Staaten, vor allem in Malaysia, Singapur und Thailand, leben zusammengenommen mehr als eine Million Sikhs. In Deutschland leben über 25.000 Sikhs, vor allem in Ballungszentren wie Frankfurt am Main, Köln, Hamburg, München und Stuttgart. In Österreich lebten 2001 knapp 2.800 Sikhs; für 2021 werden sie nicht eigens ausgewiesen. In der Schweiz sind keine genauen Zahlen bekannt, die Zahl wird auf etwa 1000 geschätzt.Sikh werden nicht separat erfasst. In der Volkszählung erscheinen sie unter «Andere Religionen» Zurzeit gibt es in der deutschsprachigen Schweiz drei Gurdwaras (Gebets- und Schulstätten), in Genf ist ein Gurdwara im Entstehen.info-religions-geneve.chZahlen zur Verbreitung, soweit nicht anders angegeben, wurden dem Brockhaus Religionen (Mannheim 2007) entnommen. In Frankreich leben etwa 10.000 Sikhs, fast alle im Großraum Parishttps://www.persee.fr/doc/homig_1142-852x_2007_num_1268_1_4637. In Italien wird ihre Zahl auf etwa 40.000 bis 70.000 geschätzt, vor allem in den Regionen Lombardei und Emilia-Romagna, wo sie eine wichtige Rolle bei der Herstellung von Parmesan spielen.Ohne Sikhs gäbe es keinen Parmesan mehr. Rund 50.000 indische Sikhs melken die Kühe der Poebene – In Novellara steht der zweitgrößte Sikh-Tempel Europas. Der Standard, 13. Oktober 2008 Im Gegensatz zu Großbritannien, Kanada und den USA, wo Sikhs weithin bekannt sind und auch wichtige staatliche Ämter bekleiden, sind sie in Mitteleuropa aufgrund ihrer relativ geringen Zahl eher unbekannt. In Essen kam es 2016 zu einem Sprengstoffanschlag durch zwei als salafistisch eingestufte Jugendliche auf das Gebetshaus der Sikh-Gemeinde Gurdwara Nanaksar.
Religiöse Praxis Erscheinungsbild mini|Sikh-Familie: Der Vater und der ältere Sohn tragen den traditionellen Turban, die jüngeren Söhne den für Jungen üblichen „Patka“, der aus einem Stück Stoff besteht. Praktizierende Sikhs, vor allem männliche Religionsanhänger, erkennt man an einem kunstvoll gebundenen Turban (Dastar). Die Kopfbedeckung samt ungeschnittenem Haar – eine Tradition, die zu Zeiten der Gurus fortschreitend an Bedeutung gewann – drückt entsprechend dem Selbstverständnis der Sikhs Weltzugewandtheit, Nobilität und Respekt vor der Schöpfung aus.Vgl. Uberoi, 1996. Der Turban soll zu jeder Zeit und an jedem Ort getragen werden. Im Alter zwischen 12 und 16 Jahren bekommen die Jungen in der Dastar-bandi-Zeremonie im Gurdwara ihren ersten Turban überreicht.Arvind-Pal Mandair: Sikhism. A Guide for the Perplexed. London, 2013. Manche Sikh-Frauen, besonders in England, tragen ebenfalls einen Dastar.
mini|Kara (Armreif), Kangha (Kamm) und Kirpan (Dolch) Sikhs, die sich in die Bruderschaft des Khalsa Panths initiieren lassen, heißen Amritdharis und tragen die fünf Ks. Kesh (ungeschnittenes, gepflegtes Haar): Abgrenzung von asketischen Traditionen, Respektsbekundung für die Schöpfung, d. h., ein Sikh lehnt sich nicht gegen die Naturgesetze auf, die Gott erschuf. Kangha (Holzkamm): Er wird für die Haarpflege genutzt und zeigt die Bedeutung von Disziplin und Reinheit der Sikhs.sikhiwiki.org Kirpan (Dolch/Schwert): Als Zeichen dafür, dass Sikhs Schwache und Unschuldige verteidigen. Kara (eiserner Armreif): Der Reif symbolisiert die Hingabe an die Anweisungen des 10. Gurus und erinnert den Khalsa daran, in ewiger Verbundenheit zu Gott zu bleiben und mit dieser Hand nichts Unrechtes zu tun, wie z. B. zu stehlen.sikhiwiki.org Kachera (eine knielange Unterhose) gilt als Zeichen der ehelichen Treue und Kontrolle von Lust (Kaam).
Namensgebung Sikhs tragen in der Regel denselben Nachnamen. Als Ausdruck von Brüderlichkeit tragen Sikh-Männer den gemeinsamen Nachnamen Singh (Löwe), Frauen haben den Nachnamen Kaur (Prinzessin; grammatikalisch richtig: Prinz). Die Namensgebung wurde von Guru Gobind Singh im 17. Jahrhundert eingeführt. Die Verwendung der gleichen Namen soll einen Kontrapunkt zu der in Indien verbreiteten sozialen Hierarchisierung (das Kastenwesen) darstellen, die sich in den Nachnamen zeigt. Dennoch verwenden die meisten Sikhs einen Nachnamen, zum Beispiel den ihrer Vorfahren oder ihres Herkunftsortes; zuweilen stellen sie ihren Beruf vor den Namen oder verwenden als getaufte Sikhs den Zunamen Khalsa.
Männliche Sikhs werden mit Sardar oder dem eher ländlichen Bhaiji oder Bhai Sahib („Bruder“) angesprochen, weibliche mit Sardarni, Bibiji („Frau“) oder Bhainji („Schwester“).
Gurdwara mini|hochkant|Der Goldene Tempel in Amritsar, Indien
Ein Gurdwara („Tor zum Guru“) ist ein Tempel der Sikh. Gurdwaras werden errichtet, wo die Anzahl der Sikhs es rechtfertigt, einen solchen zu bauen. In Gurdwaras beten die Sikh und halten Gebetsgesänge (shabad kirtan) ab. Gurdwaras stehen allen Menschen unabhängig von ihrer Konfession offen. So weisen z. B. im bekanntesten Tempel, dem Goldenen Tempel von Amritsar, vier Eingänge in die vier Himmelsrichtungen, um zu zeigen, dass die Sikhs allen Menschen offen gegenüberstehen und sie in ihrem Tempel willkommen heißen.
Jeder, der einen Gurdwara betritt, ist zum Tragen einer Kopfbedeckung verpflichtet. Dagegen ist eine Verbeugung vor dem Altar, auf dem der Guru Granth Sahib aufbewahrt wird, keine allgemeine Pflicht, sondern drückt nur die Ehrerbietung gegenüber den Gurus aus. In den meisten Gurdwaras ist vor dem Altar ein Opferstock angebracht. Eine Spende einzuwerfen ist üblich, jedoch keineswegs Pflicht. Das Geld wird kurz vor der Verbeugung eingeworfen, der Betrag ist frei wählbar. Manche große Gurdwaras sind rund um die Uhr zugänglich. Getrennt wird der Gurdwara in Bereiche für Männer und Frauen, wobei kleine Kinder sich meistens bei ihren Müttern befinden. Trotzdem ist es gestattet, sich auf die Seite des anderen Geschlechtes zu setzen. Gesessen wird im Schneidersitz und auf dem Boden.
Morgens, mittags und abends findet ein gemeinsames vegetarisches Mahl statt, das Langar. Es wird durch die Spenden finanziert und von ehrenamtlich arbeitenden Sikhs zubereitet. Hauptbestandteile eines solchen Langars sind meistens die Linsensuppe Dal, die oft Speise der Armen ist und daher die Gleichheit aller Menschen betont, und Chapati roti, manchmal auch Reis und Sabji, Mischgemüse.
Während der Gottesdienste wird aus dem Siri Guru Granth Sahib vorgelesen. Das heilige Buch der Sikhs (vormals Adi Granth) ist die höchste Instanz und wird als der ewige Guru verehrt. Es enthält Lieder, Hymnen und Gedichte. Schriftvorlesungen werden von einem „Granthi“ vorgenommen, der die heiligen Texte ausgiebig studiert hat. Grundsätzlich kann jeder Sikh, Mann oder Frau, als Granthi wirken.sikhiwiki.org
Ernährungsgewohnheiten Fleischverzehr wird in der Sikh-Religion kontrovers diskutiert. Es gibt sowohl Sikhs, die Fleisch verzehren, als auch Vegetarier. Abgelehnt wird der Verzehr des Fleisches eines rituell getöteten Tieres, also Halāl-Fleisch und koscheres Fleisch.
Im Sikh Rehat Maryada, Rehat Maryada dem Code der Verhaltensnormen, sind Tabak (den Guru Gobind Singh als „jagat jhoot“,Seite 12 die Lüge der Welt, bezeichnete), alkoholische Getränke und andere Drogen, die den Geist beeinflussen, untersagt.
Materielle Bedürfnisse Im Gegensatz zum Hinduismus akzeptieren Sikhs die Bedeutung materieller Bedürfnisse und deren Befriedigung. Sie lehnen die Askese entschieden ab. Vielmehr gilt ehrliche Arbeit als ein Weg zur Erlösung. Brüderlichkeit, auch mit Nichtgläubigen, gehört zu den Grundsätzen des Sikhismus, weshalb der Ertrag ihrer Arbeit mit anderen geteilt werden soll.
„Nur der allein, Oh Nanak, kennt den Weg,der arbeitet im Schweiße seines Angesichtsund dann teilt mit all den anderen.“ (Guru Granth, S. 1245)
Persönlicher Reichtum ist für das geistliche Leben eines Sikhs dennoch kein Hindernis. Religionslehrer predigen ihren Anhängern, dass sie ein normales Leben führen sollen, was für Sikhs auch Reichtum beinhalten kann. Neben dem Streben nach Wohlstand steht die Sikh-Religion auch dem Streben nach Ansehen nicht im Weg, es wird sogar gesagt:
„Ein Sikh muss anderen ein Beispiel geben; er soll ein besserer Bauer, ein besserer Geschäftsmann und ein besserer Beamter sein.“ (Gobind Singh Mansukhani: Introduction to Sikhism)
Der Guru Granth Sahib Die Lebensweise der Sikhs ist in den Schriften der Begründer verwurzelt. Die gesammelten Schriften der Gurus sowie der Heiligen aus Nord-Indien wird Guru Granth Sahib genannt. Das Werk wird von Sikhs als ewiger Guru angesehen, da es das spirituelle Vermächtnis der zehn Sikh-Gurus darstellt. Granth kommt von dem Sanskrit-Wort grantha, zu Deutsch „Buch“. Das Wort Sahib (Herr) drückt die große Wertschätzung aus. Das Werk, geschrieben in der von den Gurus entwickelten Schrift Gurmukhi, setzt sich aus ausführlichen Niederlegungen der ersten fünf Gurus, des neunten Gurus sowie der „Bhagats“ – Heilige und Weise verschiedener sozialer Herkunft – zusammen. Die Schriften wurden von Guru Arjan, dem fünften Guru, im Jahre 1604 in dem Werk Adi Granth zusammengetragen. Später ergänzte der zehnte Guru, Guru Gobind Singh, das Werk mit den Schriften des 9. Gurus. Das Werk ist seither als Guru Granth Sahib bekannt. Ihm wird seit 1708 die Autorität und Würde des Gurus zugesprochen.