Die Maestrale-Klasse war eine Klasse von vier Zerstörern der Königlich Italienischen Marine, die im Zweiten Weltkrieg und teilweise danach zum Einsatz kamen. Die im Herbst 1934 in Dienst gestellten Schiffe, entstanden auf den Werften Cantieri del Tirreno in Riva Trigoso und Cantieri Navali Riuniti in Ancona, die von der Marine schon Aufträge für Zerstörer der vorangegangenen Klassen erhalten hatten. Da die vier Schiffe alle nach Mittelmeerwinden benannt waren (Maestrale, Grecale, Scirocco und Libeccio), wurden sie auch als classe venti bezeichnet.

Sie waren eine vergrößerte Version der Zerstörer der Dardo- und Folgore-Klasse, waren 10 m länger und mit einer neueren Version des 120-mm-Zwillingsgeschütz ausgerüstet. Die bis zum Kriegsbeginn folgenden italienischen Zerstörer der Oriani- und Soldati-Klasse glichen ihnen weitgehend.

Als Italien 1940 in den Zweiten Weltkrieg eintrat, bildeten die vier Schiffe der Klasse das auf Sizilien stationierte 10. Zerstörergeschwader. Drei Einheiten gingen während des Krieges verloren. Nur Grecale überlebte den Weltkrieg, wurde 1957 in eine Fregatte umklassifiziert und erst 1964 gestrichen.

Die Namen der Schiffe fanden Anfang der 1980er-Jahre Verwendung für Neubauten von Fregatten der Maestrale-Klasse.

Geschichte der Klasse Die Kiellegung der vier Zerstörer der Maestrale-Klasse erfolgte im Herbst 1931, als mit der Freccia gerade das erste Schiff der Dardo-Klasse abgeliefert wurde. Von diesen ersten Ein-Schornstein-Zerstörern der Regia Marina entstanden mit Freccia und Saetta auch zwei Einheiten bei Cantieri del Tirreno in Riva Trigoso. Von der folgenden und den Maestrale-Zerstörern unmittelbar vorangehenden Folgore-Klasse waren alle vier Einheiten 1931 vom Stapel gelaufen. Ursache für die Rumpfvergrößerung war die Tatsache, dass die bis dahin gebauten italienischen Zerstörer ihre ursprüngliche Konstruktionsverdrängung übertrafen und zu viel Gewicht über der Wasserlinie hatten.

Daher wurde ein neuer Rumpf entwickelt, der dieses Problem (schlechte Seeeigenschaften) reduzieren sollte und trotz seiner Größe bei ähnlicher Maschinenanlage die geforderte Höchstgeschwindigkeit auch im Einsatz erreichen konnte. Der neu konstruierte, etwa 10 m längere Rumpf (106,7 m üa./ 101,6 m pp) und die auf bis zu 10,15 m erhöhte Breite ermöglichten bei einer Antriebsanlage von 44.000 PS mit drei Yarrow-Kesseln und zwei Parsons-Getriebeturbinen weiterhin die Höchstgeschwindigkeit von 38 kn. Der größere Rumpf erlaubte eine bessere Gewichtsverteilung, die den neuen Zerstörern unter den verschiedenen Einsatzbedingungen eine um 2 kn höhere Geschwindigkeit gegenüber den Vorgängerklassen ermöglichte. Trotz aller Bemühungen überschritten die Schiffe der Maestrale-Klasse auch ihre geplante Standardverdrängung von 1449 t und verdrängten 1615 t unter Standardbedingungen.

Die Maestrale-Klasse erhielt verbesserte 120-mm-Zwillings-Geschütze der Bauart OTO 1931 bei gleicher Grundauslegung und Verteilung der Bewaffnung. Wie bei den Vorgängern wurden zwei 40-mm-L/39-Geschütze der Bauart Vickers-Terni und zwei Zwillings-13,2-mm-Fla-MGs der Bauart Breda Modell 31 aufgestellt. Die Zerstörer verfügten weiterhin über zwei 553-mm-Torpedorohr-Drillingssätze auf der Mittschiffslinie und zwei Wasserbomben-Werfer. Eine vorhandene Schienenanlage machte die Mitnahme und den Einsatz von bis zu 56 Seeminen möglich.

Schon vor dem Kriegseintritt Italiens begann die Umrüstung der Zerstörer zur Verbesserung ihrer Flugzeug-Abwehr-Fähigkeiten. Für die veralteten 40-mm-Kanonen und die beiden MG-Zwillinge kamen sechs 20-mm-L/65-Maschinenkanonen der Bauart Breda 1939/1940 sowie zwei weitere Wasserbombenwerfer an Bord.

Einsätze bei der Regia Marina Während des Spanischen Bürgerkriegs wurden die vier Zerstörer zur Überwachung des Schiffsverkehrs nach Spanien eingesetzt. Maestrale und Scirocco begleiteten italienische Handelsschiffe, die angebliche Freiwillige nach Spanien transportierten, die auf Seiten Francos am Bürgerkrieg teilnahmen. Zeitweise waren die vier Zerstörer der Klasse in Tanger stationiert, um mit anderen italienischen Schiffen Transporte der Nationalisten von Spanisch-Marokko zum Festland zu sichern. Insbesondere die Grecale wurde auch vor der spanischen Westküste eingesetzt und besuchte im August 1936 Belgien und im Juli 1939 in Lissabon.

An der Italienischen Besetzung Albaniens im April 1939 waren Libeccio, Grecale und Scirocco in der gegen Vlora (Valona) eingesetzten Kampfgruppe beteiligt.

Nach Kriegsbeginn in Europa begann die vorgenannte Umrüstung der Flugabwehrbewaffnung der Maestrale-Klasse. Die vier Zerstörer bildeten das auf Sizilien stationierte 10. Zerstörergeschwader (X Squadriglia Cacciatorpediniere), das im Juni 1940 beim Eintritt Italiens in den Zweiten Weltkrieg an der Seite Deutschlands mit den schweren Einheiten der Flotte eingesetzt werden sollte.

1940 Ein erster Einsatz erfolgte am 10. Juni 1940, als die vier Zerstörer des 10. Geschwaders Messina mit den schweren Kreuzern Pola, Trento und Bolzano der Division III zu einer ersten (ergebnislosen) Suche nach britischen Einheiten verließen. Am 2. Juli 1940 ging das Geschwader mit seinen vier Zerstörern und den Leichten Kreuzern Giovanni delle Bande Nere und Bartolomeo Colleoni in See, um die aus Tripolis zurückkehrenden und von vier Torpedobooten begleiteten Truppentransporter Esperia und Victoria aufzunehmen und nach Neapel zu begleiten. Als zusätzliche Sicherung war auch die Division I mit den Schweren Kreuzern Zara, Fiume und Gorizia und dem 9. Zerstörergeschwader mit Vittorio Alfieri, Alfredo Oriani, Vincenzo Gioberti und Giosue Carducci der Oriani- oder Poeti-Klasse als Fernsicherung in See. mini|Giovanni delle Bande Nere Am 6. Juli verließ das 10. Zerstörergeschwader mit den vorgenannten Leichten Kreuzern zusammen mit dem bislang größten italienischen Konvoi Neapel. Der nach Bengasi laufende Konvoi bestand schließlich aus den Fahrgastschiffen Esperia (11.398 BRT) und Calitea (4013 BRT) sowie den Fähren Marco Foscarini (6342 BRT), Vettor Pisani (6339 BRT) und der aus Catania ausgelaufenen Francesco Barbero (6343 BRT) sowie sechs Torpedobooten. An Bord der Schiffe befanden sich 2200 Soldaten, 300 Panzerfahrzeugen und Lkw sowie 16.000 t Material.Rohwer: Seekrieg, 6. – 11.7.1940 Mittelmeer, Seeschlacht bei Punta Stilo (Kalabrien).

Nachdem der Konvoi ohne Verluste am 8. Juli sein Ziel erreichte, liefen Bande Nere und Colleoni mit Maestrale, Libeccio, Grecale und Scirocco zurück zu ihrer Basis Augusta, um sich dann der italienischen Flotte anzuschließen, die einen Vorstoß gegen die britische Mittelmeerflotte durchführte, der am 9. Juli mit der Seeschlacht bei Punta Stilo endete. Das von den Schlachtschiffen auf großer Distanz geführte Gefecht wurde von den Italienern nach einem schweren Treffer der Warspite auf der Giulio Cesare abgebrochen. Das 10. Zerstörergeschwader erreichte das Gefecht zu spät, um sich noch an dem abschließenden italienischen Zerstörerangriff zu beteiligen.

Vom 27. Juli bis zum 1. August begleiteten die vier Zerstörer erneut einen Geleitzug von sieben Transportern und vier Torpedobooten nach Tripolis. Dabei stieß das Geschwader aus Catania zu dem aus Neapel kommenden Konvoi, der am vorletzten Marschtag vom britischen U-Boot Oswald angegriffen wurde. Die Grecale konnte einem auf sie abgefeuerten Torpedo ausweichen und das U-Boot abdrängen.

In den Nächten zum 9. und 10. August legten die vier Zerstörer in jeder Nacht 216 Minen westlich Pantelleria während zeitgleich das Minenschiff ScillaScilla III, ursprünglich diesel-elektrische Bahn- und Autofähre für die Straße von Messina, gesichert durch die Torpedoboote Sagittario und Antares gleich umfangreiche Sperren näher zu der italienischen Insel verlegte. Auf der von den Zerstörern gelegten Sperre ging am 23. August der britische Zerstörer Hostile verloren.Rohwer: Seekrieg, 6. – 10.8.1940 Mittelmeer, Offensive Minenunternehmungen der Italiener in der Straße von Sizilien.

Als in der Nacht zum 12. November 1940 Swordfish der Illustrious die im Hafen von Tarent liegende italienische Flotte angriffen (Operation Judgment), wurde neben drei Schlachtschiffen und einem schweren Kreuzer auch die Libeccio von einer Bombe getroffen. Diese durchschlug den Zerstörer allerdings ohne zu explodieren, so dass er nur leicht beschädigt wurde.Rohwer: Seekrieg, 4. – 14.11.1940 Mittelmeer, Brit. Flottenoperation mit Trägerangriff auf Tarent.

1941, Verlust der Libeccio Ab dem Frühjahr 1941 waren Maestrale, Grecale, Libeccio und Scirocco häufig im Geleitdienst nach Nordafrika im Einsatz. Allerdings wurden die Zerstörer der Klasse seltener in einem Verband eingesetzt. Bei einem Nachschubgeleit Mitte Mai mit vier italienischen Transportern sowie den deutschen Schiffen Preussen und Wachtfels bildete Grecale mit Aviere, Geniere und Camicia Nera der Soldati-Klasse sowie der Dardo die Nahsicherung; während Maestrale und Scirocco zu einer großen Fernsicherungsgruppe gehörten, der neben vier Leichten Kreuzern weitere sieben Zerstörer (drei Soldati-Klasse, vier Navigatori-Klasse) angehörten.Rohwer: Seekrieg, 8. – 15.5.1941 Mittelmeer.

Nach weiteren Geleiteinsätzen war die Scirocco am 3. Juni nordöstlich von Tripolis mit fünf Kreuzern und sechs Zerstörern der Navigatori-Klasse an der Verlegung zweier Defensiv-Minensperren gegen britische Vorstöße auf die Küste beteiligt. Diese Sperren wurden am 19. Dezember 1941 der britischen Force K zum Verhängnis, deren drei Kreuzer auf der bis dahin nicht erkannten Sperre Minentreffer erhielten.Rohwer: Seekrieg, 3.6.1941 Mittelmeer.Neptune und der ihr zur Hilfe eilende Zerstörer Kandahar sanken. Die schwer getroffene Aurora und die beschädigte Penelope konnten von Begleitzerstörern nach Malta eingebracht werden. Zwei am 7. Juli in der Straße von Sizilien von vier leichten Kreuzern und fünf Zerstörern der Navigatori-Klasse sowie Maestrale, Grecale und Scirocco ausgebrachte Sperren hatten nicht einen ähnlichen Erfolg.

Vom 19. bis 20. August lief ein schnelles Truppentransportgeleit mit den vier Truppentransportern Marco Polo, Esperia, Neptunia und Oceania unter Sicherung der Zerstörer Ugolino Vivaldi, Nicoloso Da Recco, Gioberti, Oriani und des Torpedobootes Giuseppe Dezza von Neapel nach Tripolis. Aufgrund der Entschlüsselung des italienischen Funkverkehrs erkannten die Briten, dass das Geleit abweichend von der sonstigen Route westlich von Sizilien vorbeilief und hatten die U-Boote Urge und Unbeaten bei Pantelleria und Unique vor Tripolis aufgestellt. Nördlich von Pantelleria verfehlte Unbeaten die Esperia. Trotz weiterer Verstärkung der Sicherung durch die Zerstörer Maestrale, Grecale und Scirocco gelang es Unique am 20. direkt vor Tripolis mit drei Torpedotreffern die Esperia (11.398 BRT) zu versenken. Die Sicherungszerstörer retteten 1139 Überlebende von 1170 Mann.Rohwer: Seekrieg, 12.- 24.8.1941 Mittelmeer.

Ab dem 7. November lief der Italienische Nachschubgeleitzug Beta (oft auch als Duisburg-Konvoi bezeichnet) mit seinen sieben Schiffen, begleitet von den Zerstörern Maestrale, Fulmine, Euro, Grecale, Libeccio, Oriani und gesichert durch eine Ferndeckungsgruppe mit den Schweren Kreuzern Trento, Trieste und der 13. Zerstörer-Flottille mit Granatiere, Fuciliere, Bersagliere und Alpino der Soldati-Klasse, von Neapel durch die Straße von Messina nach Tripolis. Nachdem Ultra den Funkverkehr der deutschen Luftwaffe auffangen und entschlüsseln konnte, wurde der Konvoi am 8. November schließlich von einem Maryland-Bomber der 69. RAF-Squadron aus Malta entdeckt.