Arlington ist eine Stadt (englisch City) im nördlichen Snohomish County im US-Bundesstaat Washington; sie ist Teil der Metropolregion Seattle. Die Stadt liegt am Stillaguamish River in den westlichen Ausläufern der Kaskadenkette in Nachbarschaft zu Marysville, etwa 16 km nördlich von Everett, dem County Seat, und 65 km nördlich von Seattle, der größten Stadt der Region. Nach dem United States Census 2020 hatte Arlington 19.868 Einwohner.
Arlington wurde in den 1880er Jahren von Siedlern gegründet; das Gebiet wurde für zwei Städte parzelliert, Arlington und Haller City. Haller City wurde vom größeren Arlington eingemeindet, als es 1903 als Gebietskörperschaft anerkannt wurde. Während der Großen Depression der 1930er Jahre wurde Arlington Ziel von Projekten von Bundes-Hilfsorganisationen; so wurde der Arlington Municipal Airport gebaut, der im Zweiten Weltkrieg als Marineflieger-Basis dienen sollte. In den 1980er Jahren begann Arlington die Auswirkungen der Suburbanisierung zu spüren, als es bis 2000 um mehr als 450 Prozent wuchs und das gemeindefreie Gebiet von Smokey Point im Südwesten eingemeindete.
Die Wirtschaft in Arlington fußt historisch auf Forst- und Landwirtschaft, hat sich seitdem aber hin zu einem Standort des Dienstleistungsgewerbes mit einigen Arbeitsplätzen in der Luftfahrt-Industrie rund um den Flugplatz entwickelt. Arlington wird von einem Bürgermeister mit einem Stadtrat (Mayor-Council Government) regiert. Der Stadtrat besteht aus sieben Mitgliedern. Die Stadt unterhält das städtische Park-System und Trinkwasser- und Abwasser-Leitungen. Weitere Dienste wie ein Öffentliches Versorgungsunternehmen, der Öffentliche Verkehr und Schulen sind an Unternehmen der Region oder des Countys ausgegliedert.
Geschichte Erkundung und Siedlungsgründung
Vor der Besiedlung durch weiße Amerikaner im 19. Jahrhundert war die Region am Puget Sound von den indigenen Küsten-Salish bewohnt. Der Zusammenfluss der beiden Quellflüsse des Stillaguamish River, der Ort der heutigen Innenstadt von Arlington, war ein beliebter Siedlungsort der Stillaguamish und der Sauk, die den Wanderfischen folgten; die Stillaguamish nannten den Ort Skabalko, und unterhielten ein Haupt-Dorf am Chuck-Kol-Che, flussaufwärts nahe dem heutigen Trafton.
Die Erkundung durch Weiße begann 1851, als der Prospektor Samuel Hancock von indianischen Führern auf einem Kanu den Stillaguamish River aufwärts geleitet wurde. Das Gebiet wurde nach dem Vertrag von Point Elliott von 1855 zwischen der US-Bundesregierung und den Stillaguamish, welche in die in Off-reservation trust land und in die Reservation der Tulalip vertrieben wurden, zum Holzeinschlag erschlossen. Die U.S. Army baute eine Militärstraße, die Fort Steilacoom mit Fort Bellingham verband und den Stillaguamish River nahe dem Zusammenfluss überquerte. In den 1880er Jahren wurden Planwagen-Straßen von Marysville im Süden und von Silvana im Westen aus in das Gebiet gebaut, die Unternehmer in die Holzfällerlager, informell „The Forks“ genannt, brachten. Der erste Laden der Region wurde 1888 von Nels K. Tvete und Nils C. Johnson eröffnet. Ihm folgte ein Hotel für die Unterbringung und Verpflegung der Holzfäller.
mini|Original-Flurkarte von Arlington (grün) und Haller City (blau), mit späteren Erweiterungen von Arlington (gelb), die von der heutigen Innenstadt von Arlington überlagert ist|alt=Karte der heutigen Innenstadt von Arlington mit hervorgehobenen Bereichen von Arlington und Haller City.
Zwei Siedlungen wurden südlich des Zusammenflusses gegründet in der Erwartung, dass die Seattle, Lake Shore & Eastern Railroad eine Eisenbahn durch das Gebiet bauen würde. G. Morris Haller, der Sohn von Colonel Granville O. Haller, gründete 1883 eine Siedlung am Ufer des Stillaguamish River und nannte sie „Haller City“. Die Seattle, Lake Shore & Eastern Railroad entschied sich zum Bau einer Bahnstation auf dem höher gelegenen Gelände südlich von Haller City und veranlasste so die Bauunternehmer Earl & McLeod, am 15. März 1890 eine neue Stadt an der Bahnstation zu gründen. Die neue Stadt wurde nach Henry Bennet, 1. Earl of Arlington „Arlington“ genannt, welcher Mitglied im Kabinett von König Karl II. von England war. Arlington und Haller City wurden 1890 jeweils innerhalb eines Monats parzelliert und entwickelten rasch eine Rivalität, die mehrere Jahre anhalten sollte.
Arlington und Haller City wuchsen in den ersten Jahren rasch und hatten 1893 zusammen 500 Einwohner, die vornehmlich von Landwirtschaft, Milchwirtschaft und der Herstellung von Holz-Schindeln lebten. Beide Städte gründeten ihre eigenen Schulen, Postämter, Saloons, Geschäfte, Kirchen, Clubs und Hotels. Beide Städte waren durch ein 16 ha (40 ac) großes Stück Land zweier Siedler getrennt, um die Vereinnahmung einer Stadt durch die andere zu verhindern. Während der späten 1890er Jahre wurde der Grundstücksstreit beigelegt und die Händler begannen in das stärker prosperierende Arlington abzuwandern, was das Ende von Haller City signalisierte. Heute wird an Haller City durch einen nach der Stadt benannten Park in der Innenstadt von Arlington erinnert; außerdem ist eine Mittelschule des Arlington School District nach ihr benannt.
Incorporation und frühe Jahre mini|links|alt=Ein kleines zweigeschossiges Gebäude mit einem Schild „Arlington Hardware & Lumber“ an der Straßenfront, das von ähnlichen Gebäuden mit anderen Geschäften begrenzt wird.|Die Fronten der Geschäfte an der Olympic Avenue in Downtown Arlington wurden in den frühen Jahren der Stadt gestaltet und seitdem durch die Stadt erhalten.
Arlington wurde am 20. Mai 1903 als Stadt 4. Klasse (gemäß der damaligen Klassifikation bei einer Einwohnerzahl zwischen 300 und 1.500) als Gebietskörperschaft anerkannt, wobei die Überbleibsel von Haller City (nördlich der heutigen Division Street) einbezogen wurden. Die Eingliederung folgte einem Referendum, in dem am 5. Mai 134 von 173 Stimmberechtigten diese befürworteten. Die neue Stadt wählte den Besitzer einer Schindel-Fabrik, John M. Smith, zu ihrem ersten Bürgermeister. In den Folgejahren gründete Arlington eine örtliche Bank, eine Molkerei-Genossenschaft, einen Stadtpark, eine Bibliothek, ein Elektrizitätswerk und einen Telefondienst.
Während des frühen 20. Jahrhunderts blieben Säge- und Schindelwerke die größten Arbeitgeber in Arlington. Andere Industriezweige wie Milchverarbeitung, metallverarbeitende Betriebe, Lager und Fabriken gewannen nach dem Ersten Weltkrieg während einer Wachstumsperiode der Stadt an Bedeutung. Die Große Depression der 1930er Jahre zwang alle holzverarbeitende Werke außer einem zu schließen, so dass die Arbeitslosigkeit in Arlington und den benachbarten Städten anstieg. Die Bundesregierung gründete in der Nähe von Darrington ein Lager des Civilian Conservation Corps (CCC), um zeitweise Arbeit zu schaffen; die jungen Männer bauten Infrastrukturen und führten Brandbekämpfungsmaßnahmen im Mount Baker National Forest durch. Die Works Progress Administration und die Civil Works Administration finanzierten den Bau der Bürgersteige, einer Highschool und des Arlington Municipal Airport, welcher 1934 eröffnet wurde.
Bei Ausbruch des Zweiten Weltkriegs verlegte die U.S. Navy Einheiten nach Arlington, nachdem der Flugplatz 1943 zur Marineflieger-Basis erklärt wurde. Die Navy baute neue Landebahnen und Hangars; 1946 wurde der Gemeinde gestattet, zivile und geschäftliche Dienste auf dem Flugplatz anzubieten. 1959 wurde das Eigentum am Flugplatz formell von der Bundesregierung an die Gemeinde Arlington übertragen.
Am 19. Oktober 1959 verunglückte eine Boeing 707-227 während eines Testfluges am Ufer des North Fork Stillaguamish River, wobei acht Besatzungsmitglieder getötet wurden. Das Flugzeug, von Boeing-Testpiloten geflogen, welche Angestellte der Braniff International Airways einwiesen, verlor drei Triebwerke; nach einer „Dutch Roll“ bei Überschreitung der Grenzwerte brach Feuer im vierten aus. Es wurde ein Notlandeversuch im Flussbett unternommen, nachdem ein nahegelegenes offenes Feld nicht erreicht werden konnte.
Suburbanisierung und Gegenwart
Die Fertigstellung der Interstate 5 in Washington und der Washington State Route 9 in den späten 1960er Jahren erzeugte in Arlington ein starkes Bevölkerungswachstum, so dass eine Schlafstadt für Menschen entstand, die nach Everett und Seattle zu pendeln begannen. Die Entwicklung als Vorort begann in den 1980er und 1990er Jahren, als Arlington bis 2007 um 450 Prozent auf etwa 15.000 Einwohner anwuchs. Nach einem langen Rechtsstreit wurde Smokey Point eingemeindet, entlang der Interstate 5 südwestlich der Stadt gelegen. In der Auseinandersetzung unterlag Marysville, was anstelle von Smokey Point North Lakewood im Westen eingemeindete. Die Stadt entwickelte in den 1990er Jahren ein großes Gewerbegebiet um den Flugplatz herum, so dass die Zahl der Arbeitsplätze bis 2003 auf 11.000 anstieg.
Die Stadt Arlington beging 2003 ihren 100. Gründungstag mit einer Parade, einem Festival zu Ehren der Stadtgeschichte, Sportereignissen sowie Musik- und Theateraufführungen. Die Feierlichkeiten gipfelten in der Einweihung des 44 Mio US$ teuren Campus der Arlington High School, der die Zusammenführung aller Klassen der alten Schule ermöglichte. 2007 renovierte die Stadt sechs Häuserblocks der Olympic Avenue in der Innenstadt für 4,4 Mio. US$, wobei gleichzeitig die Gehwege verbreitert, Straßenbegleitgrün angelegt und die Straßenbeleuchtung neu installiert wurden. Das Projekt nutzte auch der Revitalisierung der Innenstadt und der Umwandlung der Olympic Avenue zu einer Bummelmeile und einem Veranstaltungsort für Festivals.
Am 22. März 2014 ereignete sich ein großer Erdrutsch nahe Oso, der etwa 2,6 km² erfasste und den North Fork Stillaguamish River mit Erd- und Geröllmassen staute. 43 Personen wurden getötet und etwa 50 Objekte zerstört. Der Erdrutsch sperrte die Washington State Route 530 nach Darrington und schnitt diese Stadt von der Außenwelt ab; Arlington wurde so zum Koordinationszentrum der Hilfsleistungen. Arlington erfuhr viel Anerkennung für seine Rolle bei der Hilfe für die Opfer und beherbergte Präsident Barack Obama während seines Besuchs des Katastrophengebietes im April.
Geographie mini|Luftansicht der Innenstadt von Arlington und der Aue des Stillaguamish River|alt=Eine kleine Stadt von land- und forstwirtschaftlich genutzten Flächen umgeben, durchzogen von Flüssen und Straßen.
Nach dem United States Census Bureau nimmt die Stadt Arlington eine Gesamtfläche von 23,98 km² ein, von denen 23,96 km² auf Land- und 0,02 km² auf Wasserflächen entfallen. Die Stadt liegt im nordwestlichen Teil des Snohomish County in West-Washington und wird als Teil der Metropolregion Seattle aufgefasst. Arlington liegt etwa 66 km nördlich von Seattle und 16 km nördlich von Everett. Arlingtons Stadtgrenzen sind im Allgemeinen definiert durch die Washington State Route 531 (172nd Street NE) und grob die 165th Street NE im Süden, die Interstate 5 in Washington im Westen, das Stillaguamish River Valley im Norden und die Ausläufer der Kaskadenkette im Osten. Die Ausdehnungsgrenzen zur Eindämmung der Zersiedelung wurden auf einer Fläche von insgesamt 27 km² festgesetzt.
Die Stadt liegt auf einer im Pleistozän beim Rückzug des Inlandeises der Kordilleren geformten Terrasse. Arlington bedeckt eine Reihe von Hügeln mit Höhenlagen zwischen 30 und 60 Metern über dem Meeresspiegel. Die Innenstadt befindet sich an einem Steil-Ufer am Zusammenfluss von North und South Fork zum Stillaguamish River. Der größte Teil von Arlington liegt auf der Wasserscheide zwischen dem Stillaguamish River mit dem Portage Creek und dem Snohomish River mit dem Quilceda Creek. Von verschiedenen Punkten der Stadt aus sind die Olympic Mountains, Mount Pilchuck und der Mount Rainier am Horizont zu sehen.