mini|Das Tannenberg-Denkmal (Juni 1940)
Das Tannenberg-Denkmal (offiziell Tannenberg-Nationaldenkmal, ab 1935 Reichsehrenmal Tannenberg) wurde von 1924 bis 1927 bei Hohenstein in der Provinz Ostpreußen errichtet. Es erinnerte an die Schlacht bei Tannenberg 1410 während des Polnisch-Litauisch-Deutschen Krieges, die Tannenbergschlacht im August 1914 und die Schlacht an den Masurischen Seen im September 1914. Pioniere der Wehrmacht sprengten das Denkmal im Januar 1945 vor der anrückenden Roten Armee. Von 1934 bis 1945 standen die Särge Paul von Hindenburgs und seiner Frau Gertrud in einer Gruft im Hindenburgturm des Denkmals.
Benennung und Ort mini|Trauerfeier für Reichspräsident Paul von Hindenburg am 7. August 1934 Die Erste Schlacht bei Tannenberg, im Polnischen Schlacht bei Grunwald (Bitwa pod Grunwaldem) genannt, wurde 1410 zwischen dem Deutschen Orden und der Polnisch-Litauischen Union bei Grünfelde (heute Grunwald), einem Dorf zwischen Tannenberg (Stębark) und Ludwigsdorf (Łodwigowo), geschlagen. Die nächstgelegene Stadt war Gilgenburg (Dąbrówno). Die Geschichtsschreibung des Deutschen Ordens nannte die Schlacht schlicht grossen streyth, den „großen Streit“. In Banderia Prutenorum und den Annales, mehrere Jahrzehnte später von Jan Długosz verfasst, wird die Schlacht in Latein nicht als Schlacht von Grünfelde, sondern als Schlacht von Grunwald bezeichnet. Die Benennung Grunwald hatte Długosz fälschlicherweise der in lateinischen Urkunden verwendeten Ortsbezeichnung Grunenvelt entlehnt. Długosz war es jedoch auch, der die Ritter des Deutschen Ordens rückwirkend als Preußen bezeichnete und damit den historischen Brückenschlag zwischen dem Ordensstaat und dem Preußischen Königreich für die polnische Geschichtsschreibung legte. Der im Litauischen verwendete Name Žalgiris, abgewandelt von žalia giria („Grüner Wald“), ist eine schlichte Übersetzung der Ortsbezeichnung Grunwald. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges kam Grünfelde zu Polen und wurde mit Verweis auf die Schlachtenbenennung im Polnischen in Grunwald umbenannt. Deutschsprachige Publikationen verwenden den Namen Tannenberg,Sven Ekdahl: Die Schlacht bei Tannenberg 1410: Einführung und Quellenlage. Duncker & Humblot, 1982, ISBN 3-428-05243-9, (online) S. 13ff.Stephen R. Turnbull, Richard Hook: Tannenberg 1410: Disaster for the Teutonic Knights. Osprey Publishing, 2003, ISBN 1-84176-561-9, (Leseprobe online) bei Übersetzung in slawische Sprachen kommt Grunwald zum Zuge,Stephen Turnbull: Grunwald/Tannenberg 1410. Grada Publishing, 2008, ISBN 978-80-247-2376-1. Ersterscheinen 1965. (Leseprobe in polnischer Sprache online) oder es werden gleich drei Namen aufgelistet.Sven Ekdahl: The Battle of Tannenberg-Grunwald-Žalgiris (1410) as reflected in Twentieth-Century monuments. In: Victor Mallia-Milanes, Malcolm Barber: The Military Orders Volume 3: History and Heritage. Ashgate Publishing, 2008, ISBN 978-0-7546-6290-7, S. 175ff. (online)
Die Zweite Schlacht bei Tannenberg war eine Schlacht des Ersten Weltkrieges, die in der Gegend südlich von Allenstein (Olsztyn) in der Provinz Ostpreußen stattfand. Dabei handelte es sich um eine Kesselschlacht, die ein sehr weites Territorium mit einbezog. Der Ring des Kessels zog sich kurz vor der Kapitulation der russischen 2. Armee über die Ortschaften Hohenstein (Olsztynek), Neidenburg (Nidzica), Willenberg (Wielbark), Ortelsburg (Szczytno) und Passenheim (Pasym). Der Ort der historischen Tannenberg-Schlacht, von Hohenstein ca. 14 Kilometer entfernt, lag in der Endphase außerhalb des Geschehens, war aber anfangs mit einbezogen. Hindenburg selbst sprach in seiner an die deutsche 8. Armee gerichteten Ansprache von den Gefechten zwischen Allenstein und Neidenburg. Auch im kaiserlichen Glückwunschtelegramm wurde die Bezeichnung Schlacht bei Allenstein genutzt. Nachträglich wurde auf Initiative Hindenburgs und unter Mitwirkung Erich Ludendorffs und Max Hoffmanns jedoch die Bezeichnung Schlacht bei Tannenberg propagiert, um die Niederlage der Ritter des Deutschen Ordens gegen die Polnisch-Litauische Union 1410 überstrahlen zu lassen.Frithjof Benjamin Schenk: Tannenberg/Grunwald. In: Etienne François, Hagen Schulze (Hrsg.): Deutsche Erinnerungsorte. Band 1. C. H. Beck, München 2001, ISBN 3-406-59141-8, S. 438–454.Jesko von Hoegen: Der Held von Tannenberg. Genese und Funktion des Hindenburg-Mythos (1914–1934). Böhlau, Köln/Wien 2007, ISBN 978-3-412-17006-6, S. 40f.Holger Afflerbach (Bearb.): Kaiser Wilhelm II. als Oberster Kriegsherr im Ersten Weltkrieg. Quellen aus der militärischen Umgebung des Kaisers 1914–1918. Verlag Oldenbourg, München 2005, ISBN 3-486-57581-3, S. 148.
Grunwald- und Tannenbergmythos mini|hochkant=2|Die Schlacht bei Grunwald (Historiengemälde von Jan Matejko) Der Grunwaldmythos, der nach der Reichsgründung von 1871 einen enormen Bedeutungsgewinn erfuhr, wurde zu einem beliebten Sujet der polnischen Malerei und Literatur. In Deutschland wurde der Tannenbergmythos als Gegenbewegung beim Sieg über die russischen Truppen im August 1914 mit der Schlacht von 1410 verknüpft. Der Sieg von 1914 spielte eine wichtige Rolle im Hindenburgkult und das Nationaldenkmal Tannenberg wurde zum Ort großer deutschnationaler und nationalsozialistischer Feiern.
Das erste Mal wurde Grunwald in der Literatur wie Adam Mickiewicz’ Versepos Konrad Wallenrod (1828) als historisches Sujet genutzt, um Kritik an der aktuellen russischen Politik in ein unverdächtiges historisches Gewand zu kleiden. Mickiewicz verlegte den aktuellen polnisch-russischen Konflikt ins Mittelalter, verwandelte die Russen in deutsche Ordensritter und umging damit die russische Zensur.
Karol Szajnochas Geschichtserzählung Jadwiga i Jagiełło, die auf Jan Długosz’ Annalen beruhte, wie auch das erste Buch über die Krzyżacy (Kreuzritter) von Józef Ignacy Kraszewski aus dem Jahr 1874 dämonisierte die Ordensritter. Als sich im Bismarckschen Kulturkampf der Druck auf die katholische Kirche und die polnische Sprache erhöhte, war die Rückbesinnung auf Grunwald naheliegend. Der Maler Jan Matejko und der Schriftsteller Henryk Sienkiewicz prägten den politischen Mythos entscheidend. Matejko zieht den Zuschauer in das Kampfgeschehen hinein. Nach eigenem Bekunden hatte Matejko das Gemälde „mit Wut“ auf die deutsche Polenpolitik gemalt. Die Bevölkerung nahm das Gemälde an, während die professionelle Kunstkritik die Komposition kritisierte. Das Gemälde inspirierte den späteren Literaturnobelpreisträger Henryk Sienkiewicz zu seinem patriotischen Roman Krzyżacy. Sienkiewicz schilderte die Auseinandersetzung zwischen polnischer Krone und den Ordensrittern als Kampf zwischen Gut und Böse und zog eine direkte Linie zum polnisch-deutschen Kulturkampf in der Provinz Posen. Der Roman war ein großer internationaler Erfolg und wurde in viele Sprachen übersetzt.
Erstmals wurde der Jahrestag der Grunwaldschlacht im Jahre 1902 als Nationalfest begangen. Die Organisatoren in Galizien reagierten damit auf die Verschärfung des polnisch-deutschen Konflikts, den Wreschener Schulstreik von 1901, die darauf folgenden Prozesse und die antipolnische Rede Kaiser Wilhelms II. auf dem Johanniterfest auf der Marienburg 1902. Höhepunkt der Grunwaldbegeisterung war aber der 500. Jahrestag der Schlacht im Jahre 1910, der in Krakau stellvertretend für alle Teilungsgebiete begangen wurde. 150.000 Besucher nahmen an den dreitägigen Feiern teil.
Im protestantischen Preußen wurde dagegen der Deutsche Orden bis ins 19. Jahrhundert hinein kritisch betrachtet. Doch dann integrierte ihn Heinrich von Treitschke in die preußische Tradition als Verkörperung der deutschen „Mission im Osten“ und als Beleg einer „deutschen Kulturträgerrolle“. Die polnischen Feiern wurden im Deutschen Reich aufmerksam beobachtet. Deutsche Historiker deuteten daraufhin Tannenberg als ehrenhafte und tragische Niederlage gegen einen heimtückischen Feind. Kennzeichnend dafür war die Inschrift des Jungingensteins, der 1901 für Ulrich von Jungingen auf dem Schlachtfeld aufgestellt wurde: „Im Kampf für deutsches Wesen, deutsches Recht starb hier der Hochmeister Ulrich von Jungingen am 15. Juli 1410 den Heldentod“.
Errichtung Der zehn Tonnen schwere Gedenkstein, der den Namen des damals gefallenen Hochmeisters Ulrich von Jungingen trägt, ist heute noch vorhanden. Allerdings wurde er nach 1945 durch Polen mit der Vorderseite nach unten gestürzt, sodass die deutsche Inschrift nicht mehr lesbar ist. mini|Der Jungingenstein wurde 1901 zum Andenken an den 1410 gefallenen Hochmeister Ulrich von Jungingen errichtet. Er befindet sich heute auf der Gedenkstätte Grunwald. Zum fünften Jahrestag der Schlacht schlug der Bund der Veteranen der Provinz Ostpreußen vor, am Ort der Schlacht ein Denkmal zu bauen und die Gefallenen dort zu ehren. Das Schlachtfeld war schließlich das einzige des Weltkrieges, das innerhalb des Reichsgebietes lag. Für die ostpreußische Bevölkerung war dies immer der Ort, an dem der russische Vormarsch nach der deutschen Kriegserklärung vom 1. August 1914, der gewaltige Flüchtlingsströme verursachte und empfindliche Kollateralschäden nach sich zog, gestoppt wurde. Somit war dies der Ort der Rettung des Vaterlandes. Am 31. August 1924 fand die feierliche Grundsteinlegung in Hohenstein statt, an der neben Hindenburg und Ludendorff insgesamt 60.000 Menschen teilnahmen, die meisten Veteranen der nun genau zehn Jahre zurückliegenden Schlacht. Hindenburg begleitete seine zeremoniellen Hammerschläge auf den Grundstein mit dem „Hammerspruch“
der im Wesentlichen der Inschrift des Nationaldenkmals auf dem Berliner Kreuzberg von 1821 entspricht.
Der Entwurf (Titel: „Gode Wind“) dieses größten deutschen Kriegsdenkmals stammte von den Berliner Architekten Walter und Johannes Krüger. Sie hatten beim Wettbewerb 1925 unter 385 Einsendungen den ersten Preis errungen. Die Architektur sollte an das neolithische Stonehenge und an das mittelalterliche, oktogonale Castel del Monte erinnern. Die Anlage ist im Grundriss oktogonal, wobei sich jeweils in der Mitte der acht Ringmauerabschnitte ein 20 Meter hoher rechteckiger Turm aus roten Backsteinen erhebt.
Diesen Türme, entgegen dem Uhrzeigersinn von 1 bis 8 nummeriert, wurden verschiedene heroisierende Symbolfunktionen zugeordnet:Reichsehrenmal Tannenberg, original offizieller Reiseführer des Ehrenmals
1. Eingangsturm, Aufenthaltsraum der Ehrenwache der Wehrmacht am Sarg Hindenburgs, Verwaltungshaus des Denkmals. An ihm hing eine bronzene Ehrentafel mit den Worten der Einweihungsrede von Hindenburg.
2. Weltkriegsturm. In ihm stand vom 7. August bis zum 2. Oktober 1935 der Sarg Hindenburgs.
3. Ostpreußenturm, diente der Darstellung der Wehrgeschichte Ostpreußens von der Frühzeit bis zum Nationalsozialismus.
4. Fahnenturm, in ihm waren alle Fahnen der deutschen Regimenter, die bei Tannenberg gekämpft hatten, ausgestellt. In der Decke befand sich ein Lichtdurchlass in Form eines Eisernen Kreuzes. mini|hochkant|1935 errichtetes Standbild im Hindenburg-Turm des Tannenberg-Denkmals 5. Hindenburgturm. In diesem Turm, der keine Zwischendecken besaß, befand sich eine 4 Meter hohe Hindenburg-Statue und später auch die Hindenburg-Gruft. Er stand gegenüber dem Einlass.
6. Soldatenturm diente der besonderen Ehrung des deutschen Kämpfers und zugleich als Aussichtsplattform.
7. Weiheturm, den Opfern des Weltkrieges gewidmet.
8. Feldherrenturm. Im ihm waren Bronzebüsten der Befehlshaber der selbstständigen Truppenverbände in der Tannenbergschlacht aufgestellt.