Diese Liste ehemaliger Stadttore in Hamburg enthält sämtliche ehemaligen Stadttore der Freien und Hansestadt Hamburg sowie die der früheren Nachbarstädte Altona, Bergedorf und Harburg.
mini|hochkant=1.3|Hamburg um 1590: Der Plan zeigt die mittelalterliche Stadtmauer und den im 16. Jh. erbauten Neuen Wall mit 9 Stadttoren (im Uhrzeigersinn von links unten): Schaartor, Millerntor, Dammtor (auf dem Alsterdamm), Alstertor, Spitaler Tor, Steintor, Winsertor, Brooktor, Sandtor. Das zwischen Stein- und Winsertor gelegene Niederntor war beim Bau des Neuen Walls geschlossen worden. alternativtext=|mini|hochkant=1.3|Um 1730 hat der neue große Wallring nur noch sechs Tore: Millern-, Damm-, Stein-, Deich-, Brook- und Sandtor. Hinzu kommen zwei Ausgänge im „Neuen Werk“ vor St. Georg: Das „Lübsche“ sowie das hier noch als „Hammer Tor“ bezeichnete Berliner Tor.
Übersicht Im Hamburger Stadtgebiet sind zahlreiche Straßen, Brücken, Plätze und (Hafen-)Gewässer nach früheren Stadttoren benannt. Die große Zahl resultiert dabei nur zum geringen Teil daraus, dass das heutige Hamburg aus mehreren, einstmals selbständigen Städten (Altona, Bergedorf, Harburg, Wandsbek) zusammengewachsen ist, sondern vor allem aus dem Umstand, dass die Stadt bereits im Mittelalter und in der Frühen Neuzeit stark anwuchs und deshalb auch seine Stadtbefestigungen mehrfach an das gewachsene Territorium anpassen musste. Dabei lassen sich mehrere Entwicklungsphasen unterscheiden: Die mittelalterliche Stadtmauer aus dem 13. Jahrhundert umfasste etwa den heutigen Stadtteil Hamburg-Altstadt und war mit zehn Stadttoren versehen (siehe nebenstehende Abbildung). Diese Mauer wurde im 15. und 16. Jahrhundert durch vorgelagerte Wälle (Alter und Neuer Wall) und Wassergräben verstärkt; dabei wurden die vorhandenen Tore zum Teil versetzt, mindestens ein Tor (Niederntor) wurde auch ganz geschlossen. Im 17. Jahrhundert wurde unter Leitung von Johan van Valckenburgh ein neuer, deutlich größerer Wallring errichtet, der auch die heutige Neustadt einschloss und noch heute im Stadtplan am Straßenverlauf des Rings 1 erkennbar ist. Dabei wurde die Zahl der Tore aus militärstrategischen Gründen auf sechs reduziert. Hinzu kam eine weitere Festungsmauer vor der östlichen Vorstadt St. Georg (das „Neue Werk“) mit zwei weiteren Toren. Diese Befestigung hatte bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts Bestand. Nach dem Ende der Franzosenzeit wurden die militärisch obsolet gewordenen Befestigungen abgetragen und in Parkanlagen umgewandelt. Dabei wurden auch die alten Stadttore abgerissen und durch zeitgemäße Neubauten ersetzt, die noch bis zur Aufhebung der Torsperre 1860 allabendlich verschlossen wurden. Für den zunehmenden Verkehr in die Vorstädte wurden zusätzliche Ausgänge geschaffen (Ferdinands-, Hafen-, Holsten- und Klostertor).
Weit vor den Toren gab es bis weit in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts an den größeren Ausfallstraßen zusätzlich die sogenannten (Schlag-)Bäume – bewachte Durchlässe, die sowohl der Kontrolle des Personen- und Warenverkehrs als auch der Erhebung des Wegzolls dienten, aus dem seinerzeit der Unterhalt der Landstraßen finanziert wurde. Einige dieser Bäume haben sich ebenfalls in Form von Straßen- oder Stadtteilnamen erhalten, z. B. Eppendorfer Baum, Hammer Baum oder Rother Baum.
Hamburger Stadttore
Name/LageerbautBeschreibungBildAlstertor13. Jh.Teil der mittelalterlichen Stadtmauer als Verbindung vom Pferdemarkt zur (Binnen-)Alster, nach dem Bau des großen Wallrings obsolet geworden und nur als Straßenname erhaltenmini|Zucht- und Spinnhaus am Alstertor, vom Tor selbst ist offenbar keine Abb. überliefertBautor (edilis porta)13. Jh.Vorläufer des Brooktores in der mittelalterlichen Stadtmauer, etwa bei der späteren Kornhausbrücke, benannt nach dem damaligen städtischen Bauhof auf dem WandrahmBerliner Tor17. Jh.im „Neuen Werk“ vor St. Georg an der Landstraße nach Hamm (daher anfangs auch Hammer TorVgl. Hamburg-Karte von 1694 oder 1705.) und weiter nach Berlin, 1834–1836 umgestaltet und offiziell in Berlinerthor umbenanntGaedechens, Topographie S. 222., heute vor allem bekannt für den dortigen Hochhauskomplex Berliner Tor Center sowie den U- und S-Bahnhof Berliner Toralternativtext=|mini|Berliner Tor 1834Brooktor13. Jh.?bereits auf ältesten Karten als „Brukdor“ oder auch Bautor (nach dem damaligen Bauhof) verzeichnet, ursprünglich an der Brücke vom Grimm zum Grasbrook (Kornhausbrücke), später weiter südlich gelegen, namensgebend für den dortigen Brooktorkai und Brooktorhafenmini|Brooktor im Winter 1813/14, im Hintergrund die Pfahlbrücke nach HarburgDammtor13./17. Jh.ursprünglich als Mölendor (Mühlentor) am Reesendamm über die Alster gelegen (daher die Bezeichnung als Damm-Tor), beim Bau des großen Wallrings im 17. Jh. in die Nähe des heutigen Stephansplatzes versetzt, dort namensgebend für die Straßen Dammtordamm, Dammtorstraße, Dammtorwall sowie den Bahnhof Dammtormini|Altes Dammtor am Alsterdamm 1587Deichtor17. Jh.1644 zunächst in Holz erbaut und 1671–1673 durch einen repräsentativen Steinbau ersetzt, ersetzte das ältere Winsertor (siehe dort) am Meßberg und diente als elbnahe Verbindung zum Stadtdeich und Hammerbrook, 1828 abgebrochen und durch breitere Eisengattertore ersetzt (bis zur Aufhebung der Torsperre 1860/61), namensgebend für den Deichtorplatz und die Deichtorhallenmini|Deichtor 1828Doventorsiehe NiederntorEllerntor16. Jh.siehe Millerntormini|Ellern-/Millerntor bei der heutigen Ellerntorsbrücke um 1600Ferdinandstor19. Jh.nach der Schleifung des Wallringes am 1. November 1830Gaedechens, Topographie S. 209. anstelle der vormaligen Schanze Ferdinandus zunächst nur für den Fußgängerverkehr nach St. Georg geöffnet und 1857/58 für Fuhrwerke erweitertC. F. Gaedechens: Historische Topographie … (1880), S. 253.mini|Ferdinandstor um 1850, im Hintergrund St. Georgs-Hospital und KircheHadeler TorHafentor19. Jh.nach der Schleifung des Wallringes 1841Gaedechens S. 217. als zusätzlicher elbnaher Zugang nach St. Pauli bzw. zum Hafen geöffnet, bestehend aus 5 laternenbekrönten Pfeilern mit Eisengattern; das Wachgebäude diente ab 1851 auch als Militärarrestlokal, nach 1888 der Hafenpolizei, 1909 abgerissen für den Hochbahnbau; heute Name einer Straße östlich des U- und S-Bahnhofs Landungsbrücken sowie bis 1920 auch dieser Hochbahn-Stationmini|Das „neue“ Hafentor um 1860Holstentor19. Jh.1859 (1. Juni) als zusätzlicher westlicher Ausgang zwischen Damm- und Millerntor eröffnet, beim heutigen Johannes-Brahms-Platz, namensgebend für die dortige Abendschule vor dem Holstentor, aber auch für den hier abgehenden Holstenwallmini|Holstentor um 1860HopfentorKlostertor19. Jh.nach 1840 als zusätzlicher östlicher Ausgang zwischen Deich- und Steintor eröffnet, benannt nach dem seinerzeit am Klosterwall gelegenen St.-Johannis-Kloster, namensgebend für den dortigen Bahnhof Klostertor sowie den späteren Stadtteil Klostertoralternativtext=|mini|Klostertor um 1850Lübecker Tor17. Jh.im „Neuen Werk“ vor St. Georg, Beginn der Landstraße nach Wandsbek und weiter nach Lübeck, 1833–1836 neugestaltet, der Lübeckertordamm erinnert an den einstigen Standortalternativtext=|mini|Lübecker Tor nach 1836Millerntor13./17. Jh.(Milderdor, Mildradisdor, Diester- oder Düstertor, Ellerntor, Altonaer Tor) ursprünglich an der Ecke Rödingsmarkt/Graskeller, im 15./16. Jahrhundert bei der heutigen Ellerntorsbrücke gelegen, beim Bau des großen Wallrings im 17. Jahrhundert schließlich in die heute so bezeichnete Gegend versetzt, dort namensgebend für Millerntordamm, Millerntorplatz und Millerntor-Stadion sowie den U-Bahnhof Millerntor (heute: St. Pauli)mini|Millerntor und „Michel“ um 1820, das linke der beiden Wachhäuser ist bis heute erhalten.Minentor17, Jh.?kein reguläres Tor, sondern eine sog. Poterne im „Neuen Werk“ zwischen Berliner und Lübecker Tor auf Höhe der Minenstraße, benannt nach den Mineuren, diente u. a. der Müllabfuhr als Zugang zu einem „Gassenkummerplatz“ vor dem Wall, und zwar auch noch eine Zeitlang nach Schleifung der WälleVgl. Stadtpläne von 1841 und 1853.Niederntor13. Jh.(Nedderndor) in der mittelalterlichen Stadtmauer am Ende der Niedernstraße, beim Bau des Neuen Walls im 16. Jh. geschlossen und erst Mitte des 19. Jh. durch das Klostertor ersetztSandtor16. Jh.?ursprünglich als Schaaltor etwa bei der heutigen Brooksbrücke, später nach Süden auf die Elbinsel „Sand“ (heute Kehrwieder) verlagert, Namensgeber für Sandtorhafen, Sandtorkai und Sandtorparkmini|Sandtor nach 1820Scha(a)ltor13. Jh.in der mittelalterlichen Stadtmauer am Übergang vom Cremon zum Grasbrook, Namensursprung unklar, später durch das südlicher gelegene Sandtor ersetztmini|Brooksbrücke um 1587, dahinter das Schaaltor (mit einem Turm), am linken Bildrand das benachbarte Schaartor (mit zwei Türmen)Scha(a)rtor13. Jh.Teil der mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Befestigung am Südende von Rödingsmarkt und Alsterfleet, benannt vermutlich nach der dort gelegenen Scharkapelle, diese benannt nach Erzbischof Ansgar oder auch aufgrund ihrer Nähe zum Ufer (shore), nach Einbezug der Neustadt in den Wallring obsolet geworden, namensgebend für Schaarmarkt, Schaarsteinweg, Schaartorbrücke und SchaartorschleuseSchultor12. Jh.auch Magna porta (Großes Tor), spätere Bezeichnung nach der benachbarten Domschule, vermutlich erstes Stadttor Hamburgs am sog. Heidenwall, das Fundament wurde in den 1960er Jahren ergraben und zunächst irrtümlich für den Bischofsturm gehaltenmini|Fundament des Torturms aus dem 12. JahrhundertSechslingspforte19. Jh.zwischen 1853 und 1864 angelegter alsternaher Ausgang im „Neuen Werk“ vor St. Georg, nach der Lage ursprünglich auch als „Alsterpforte“ bezeichnet; der volkstümliche Name Sechslingspforte rührt daher, dass ein privates Konsortium hier eine Gebühr von 6 Pfennigen erhob, und zwar nicht für die Passage des Tores, sondern für die Benutzung eines alsternahen Weges nach der gerade neu erschlossenen Uhlenhorst – heute Name einer parallel zum einstigen Wall verlaufenden Straßemini|Wahrzeichen der heutigen „Sechslingspforte“ ist die AlsterschwimmhalleSpitaler Tor13. Jh.auch Seekendor (Siechentor), Teil der mittelalterlichen Stadtmauer am Ostende der Spitalerstraße als Verbindung zum Leprosen-Hospital St. Georg, beim Bau des großen Wallrings im 17. Jh. zugunsten des nach Norden versetzten Steintors geschlossenmini|Spitaler Tor um 1600, im Hintergrund der AlsterseeSteintor13./17. Jh.auch Sachsentor oder Lübecker Tor, bereits Teil der mittelalterlichen Stadtmauer, ursprünglich zwischen Speersort und Steinstraße gelegen (siehe Schultor), später ans Ostende der Steinstraße versetzt (beim heutigen U-Bahnhof Steinstraße), beim Bau des großen Wallrings im 17. Jahrhundert nach Norden versetzt (Höhe Mönckebergstraße/Hauptbahnhof), dort Namensgeber für Steintordamm, Steintorplatz, Steintorwall und Steintorweg, östlich des ZOB befindet sich noch ein als Restaurant genutztes ehemaliges Wachhaus aus dem frühen 19. Jahrhundert (erbaut von Carl Ludwig Wimmel)mini|Steintor um 1600Winsertor15. Jh.1445Laut Pabel, Alte Hamburger Straßennamen, S. 257, existierte ein Vorgängerbau sogar schon seit 1264. erbaut am Ostrand des Meßbergs und Beginn der Straße nach Winsen, überspannte zugleich die östliche Hafeneinfahrt in das Dovenfleet, die nachts durch einen Baumstamm (den Winserbaum) gesichert wurde; nach der Verlagerung der Stadtbefestigung zum Deichtor (siehe dort) diente der Turm des Winsertores noch lange Zeit als Gefängnis und Kornspeicher („Roggenkiste“) und wurde erst 1832 abgerissenmini|Winsertor 1587 (Vorgänger des Deichtores)
Stadttore der Nachbarstädte Altona