mini|hochkant=1.4|Luftbild von Skibo Castle aus südwestlicher Richtung mini|hochkant=1.4|Lageplan des Anwesens und Grundriss des Schlossgebäudes
Skibo Castle () ist ein Schloss im Stil des Scottish Baronials rund sechs Kilometer westlich von Dornoch in den schottischen Highlands. Ende des 19./Anfang des 20. Jahrhunderts ließ der Tycoon Andrew Carnegie das Gebäude erbauen, indem er ein etwa 25 Jahre zuvor errichtetes Herrenhaus umgestalten und ausbauen ließ. Carnegies Familie besaß das Schloss samt großem Anwesen bis in die 1980er Jahre, ehe es Derek Holt 1982 erwarb. Nach Restaurierungen und Modernisierungen für mehrere Millionen Pfund verkaufte Holt 1990 an Peter de Savary, der es zum Sitz des exklusiven Carnegie Clubs machte und 2003 wiederum an eine Gesellschaft von Mitgliedern dieses Clubs veräußerte.
Das Schloss steht gemeinsam mit seinem terrassierten Garten seit dem 4. März 2003 als Listed Building der Kategorie A unter Denkmalschutz. Der große Schlosspark wurde am 1. Juli 1987 zudem in das aufgenommen.
Geschichte
Anfänge im Mittelalter
Das Schloss geht auf eine Befestigung des 9. oder 10. Jahrhunderts zurück. Sie wurde vielleicht von Wikingern erbaut, denn der Name „Skibo“ ist vermutlich altnordischen Ursprungs. Laut William J. Watson ist „Skibo“ die Anglisierung des schottisch-gälischen „Sgiobal“, das wiederum von einem altnordischen Namen kommt, der entweder „Feuerholzlager“ oder „Wohnstatt von Skithi“ bedeutet. Das Land um Skibo wurde 1186 erstmals urkundlich genannt, als es König Wilhelm der Löwe als Lehen an Hugh Freskin gab. Der wiederum gab es als Afterlehen an seinen Verwandten Gilbert of Moray, der 1222/1223 Bischof von Caithness wurde. Während seiner Amtszeit ließ er in „Schytherbolle“, wie Skibo zu jener Zeit genannt wurde, auf den Überresten der alten Befestigung eine wehrhafte Burg errichten, die bis in das 16. Jahrhundert als eine der bischöflichen Hauptresidenzen fungierte. Hugh Freskins Sohn William wurde erster Earl of Sutherland und erneuerte die Belehnung an den Bischof. Allerdings waren sich Bistum und Earl nicht immer über die Eigentumsverhältnisse einig, denn für 1275 ist ein Streit darum überliefert.
Die Familien Gray und MacKay
Im Jahr 1544 nahmen die MacKays die Burg ein, doch schon im darauffolgenden Jahr gab der damalige Bischofselekt Robert Stewart die Anlage an John Gray, der zuvor schon von John Gordon, 11. Earl of Sutherland, mit viel Landbesitz um Skibo belehnt worden war. Zu jener Zeit war die Burg laut einer Urkunde aus dem 16. Jahrhundert allerdings in einem heruntergekommenen Zustand. Während der Kriege der Drei Königreiche hielten die Covenanters 1650 den in der Schlacht bei Carbisdale besiegten Royalisten James Graham, 1. Marquess of Montrose, in der Burg Skibo gefangen, ehe er zu seiner Hinrichtung nach Edinburgh gebracht wurde. Im 18. Jahrhundert musste der damalige Besitzer, ein weiterer John Gray, Skibo Castle verkaufen, um seine Schulden begleichen zu können. Die Anlage kam auf diese Weise 1744 an Grays Anwalt Sir Patrick Dowall, der aber weder Geld noch Motivation besaß, um das heruntergekommene Anwesen wieder herauszuputzen. 1751 wurde er von seinem Neffen, George MacKay, einem Sohn des dritten Lords Reay, beerbt. Im Gegensatz zu seinem Onkel kümmerte er sich sehr intensiv um seinen neuen Besitz. So ließ er die Höfe der Pächter instand setzen und abgeholzte Flächen aufforsten. Die alte Burg ließ er hingegen nicht wieder bewohnbar machen, sondern südlich und westlich des alten Keeps zwei neue Gebäude als Unterkunft für seine Familie und die Bediensteten errichten. Für die zahlreichen Verbesserungen und Neubauten musste sich MacKay stark verschulden und war schließlich gezwungen, Skibo 1756 zu verkaufen. Neuer Eigentümer wurde William Gray, ein Nachkomme der einstigen Besitzer, der auf Jamaika mit Zuckerplantagen ein Vermögen gemacht hatte. Er setzte die vom Vorbesitzer begonnenen Verbesserungen fort, indem er brachliegendes Ackerland kultivieren und neue Wohnungen für zusätzliche Pächter bauen ließ. Gray hatte auch Wiederaufbaupläne für die alte Burg, doch starb er 1760, ehe er sie in die Tat umsetzen konnte. Seine Witwe Janet Sutherland setzte die Arbeiten ihres Mannes zunächst fort. So erhielt die Burg ein neues Schieferdach – als erstes Gebäude in Sutherland neben der Kathedrale von Dornoch. Allerdings sagte ihr London als Wohnsitz wesentlich mehr zu, und so verließ sie Skibo in den frühen 1760er Jahren für immer und überließ das Anwesen wieder sich selbst.
Neue Blüte unter der Familie Dempster
mini|hochkant|George Dempster of Dunnichen baute das Anwesen weiter auf; Porträt von James T. Nairn
Nach Janets Tod im Jahr 1785 stellte sich heraus, dass auch William Gray hoch verschuldet gestorben war und die Verbindlichkeiten weder zu seinen Lebzeiten noch zu denen seiner Witwe beglichen worden waren. Der High Court in Edinburgh beschloss deshalb 1780, dass Skibo als Konkursmasse anzusehen sei, und stellte es unter Zwangsverwaltung. Offizieller Eigentümer wurde zunächst der Court of Session. Er verkaufte das Anwesen 1786 für 11.500 Pfund an den Parlamentsabgeordneten George Dempster of Dunnichen. Dieser modernisierte und baute das Anwesen nicht nur weiter aus, sondern vergrößerte den Besitz zudem durch den Zukauf von Pulrossie und Overskibo. Unter ihm wurden auch die verwilderten Schlossgärten wiederhergestellt. Weil Dempsters Ehe kinderlos geblieben war, wollte er Skibo dem einzigen Sohn seines Bruders hinterlassen, doch der starb im April 1801. Nur einen Monat später erfuhr Dempster, dass sein Bruder John bei einem Schiffsunglück im Oktober 1800 im Indischen Ozean umgekommen war, und so übertrug er Skibo Castle Harriet Milton, einer unehelichen Tochter seines verstorbenen Bruders, die mit Colonel William Soper verheiratet war. Ihre Familie nannte sich nachfolgend Soper-Dempster. Im Erbgang kam das Schloss an den Sohn des Paares, George Soper-Dempster, der jedoch auch keine Kinder hatte und das Anwesen 1866 an einen Australier namens Chirnside veräußerte. Zu jenem Zeitpunkt war der Keep der Anlage mittlerweile zu einer Ruine verfallen.
Neu- und Umbau unter Evan Charles Sutherland-Walker
mini|Aussehen Skibo Castles nach dem Neubau unter Evan Charles Sutherland-Walker
Der neue Eigentümer behielt Skibo jedoch nicht sehr lange. Nach nur sechs Jahren verkaufte er das Schloss samt 20.000 Acres Landbesitz 1872 für 130.000 Pfunde an Evan Charles Sutherland-Walker. Der neue Schlossherr nahm erneut Veränderungen und Modernisierungen am Besitz vor. So baute er einen neuen Wirtschaftshof, errichtete zusätzliche Ställe und ließ auch den Grundstein für den heutigen Schlosspark legen. Ebenso stammen einige heute noch erhaltene Gewächshäuser nördlich des Schlosses und vermutlich die Ost-Lodge von ihm. Sutherland-Walker nahm sich schließlich auch der Keepruine an. An ihrer Stelle ließ er etwa 1875 durch die Glasgower Architekten Clarke & Bell ein repräsentatives, neugotisches Herrenhaus errichten. Ob dies unter der Verwendung von mittelalterlicher Bausubstanz geschah, ist bisher ungeklärt. Wie MacKay und Gray vor ihm, stürzte sich Evan Charles Sutherland-Walker für die zahlreichen Veränderungen auf Skibo in hohe Schulden, die er schließlich nicht mehr begleichen konnte. Er ging insolvent, musste das Schloss sowie die dazu gehörenden Ländereien an einen gerichtlich bestellten Treuhänder übergeben und Skibo verlassen. Er verbrachte seinen Lebensabend in Inverness.
Ein neuer Schlossherr ab 1898: Andrew Carnegie
mini|hochkant|Andrew Carnegie auf Skibo Castle, 1914
1898 erwarb der amerikanische Stahl-Tycoon Andrew Carnegie das heruntergekommene Anwesen für 85.000 Pfund. In den Jahren zuvor hatten er und seine Frau Louise jeden Sommer in Schottland verbracht und dabei auf Cluny Castle gewohnt. Aber dieses Anwesen stand nicht zum Verkauf, und so entschied sich Carnegie zum Erwerb von Skibo, weil es zwei von ihm verlangte landschaftliche Merkmale vorzuweisen hatte: einen ausgedehnten Blick aufs Meer und einen Bach, an dem er Forellen angeln konnte. Lediglich den ebenfalls gewünschten Wasserfall konnte Skibo nicht bieten, dafür aber einen großen Landbesitz, der bei Bewirtschaftung nach modernen Gesichtspunkten gewinnträchtig zu sein versprach. Unter dem Amerikaner wurde das Anwesen vollkommen umgestaltet. Die beiden von George MacKay errichteten Gebäude ließ er vollständig abreißen und das unter Evan Charles Sutherland-Walker gebaute Herrenhaus ab dem 23. Juni 1899 in ein großes Landschloss umbauen. Die Pläne für das neue Gebäude lieferte das Architektenbüro Ross & MacBeth aus Inverness, das bei der Planung und Gestaltung mit Louise Carnegie zusammenarbeitete. Der neue Schlossherr hatte sämtliche Aufgaben im Zusammenhang mit dem Umbau an seine Frau delegiert. Das Schloss wurde eines der letzten großen Häuser im Stil des Scottish Baronials, der gegen Ende des 19. Jahrhunderts eigentlich schon wieder aus der Mode war. Die 100 Räume des Neubaus waren mit der neuesten Technik ausgestattet und boten außerordentlich hohen Komfort. So war Skibo Castle das erste Gebäude in Schottland, in das ein Aufzug des Unternehmens Otis eingebaut wurde. Carnegie beschränkte sich in seinen Umgestaltungen aber nicht nur auf das Schlossgebäude, sondern ließ das gesamte Anwesen verändern. Für die vielen technischen Neuerungen auf dem Areal wurde eine eigene Wasser- und Elektrizitätsversorgung installiert sowie zahlreiche neue Gebäude errichtet, so zum Beispiel neue Pächterhäuser, ein Hallenbad, eine Molkerei, ein Kutschenhaus, Remisen, Geflügelställe und ein Gestüt mit 20 Pferden. Den Wirtschaftshof nordöstlich des Schlosses ließ Andrew Carnegie verändern und erweitern.
Auch die Umgebung des Schlosses veränderte der neue Eigentümer durchgreifend. Die Hauptzufahrt zum Schloss ließ er an die Westseite verlegen und an ihrem Startpunkt die West-Lodge als Wohnung für seinen Oberforstmeister bauen. Außerdem entstanden unter ihm drei künstliche Lochs: Loch Evelix als Angelteich (nach dem Zufluss Evelix benannt), Margaretʼs Loch und Lake Louise, einer der wenigen „Lake“ anstatt „Loch“ genannten Seen Schottlands. Am Ufer des Dornoch Firth entstand ein Schiffsanleger für Carnegies Privatyacht und in der Nähe davon ein 9-Loch-Golfplatz. Für die Umgestaltung der Gärten, die direkt am Schlossgebäude lagen, engagierte Andrew Carnegie 1904 den Landschaftsarchitekten Thomas Mason. Auf ihn gehen der heutige Terrassengarten sowie die Allee zwischen West-Lodge und Schloss zurück. Zeitgleich ließ Carnegie von dem Unternehmen MacKenzie & Moncur diverse Gewächshäuser und eine Orangerie errichten. Sämtliche Arbeiten waren etwa 1905 beendet und schlugen mit insgesamt rund zwei Millionen Pfund zu Buche.
Bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs verbrachten die Carnegies jedes Jahr einen Teil des Sommers und des Herbstes auf Skibo Castle und empfingen sowie unterhielten dort von Beginn an Freunde, Bekannte und Geschäftspartner. Die Gesellschaften waren meist bunt gemischt: Angehörige des Adels saßen während der Veranstaltungen neben Intellektuellen aus dem Bürgertum, internationalen Politikern oder Mitgliedern aus Andrew Carnegies schottischer Verwandtschaft. Zu den illustren Gästen auf Skibo zählten unter anderem Woodrow Wilson, Theodore Roosevelt, der englische König Edward VII., Herbert Henry Asquith, Helen Keller, Rudyard Kipling sowie Mitglieder der Familien Vanderbilt und Rockefeller. Zu Carnegies Zeit als Schlossherr entstand ein Brauch, der noch heute gepflegt wird: Gäste werden auf Skibo Castle jeden Morgen um acht Uhr von der Musik eines Dudelsackspielers geweckt.
Die Familie Carnegie (1919 bis 1982)
mini|Skibo Castle nach dem Neubau unter Andrew Carnegie, ca. 1913