Die Gießen 46ers (Eigenschreibweise GIESSEN 46ers, gesprochen Forty-Sixers) sind eine deutsche Basketballmannschaft aus dem mittelhessischen Gießen. Seit Gründung der Basketball-Bundesliga (BBL) 1966 spielte die Mannschaft (bzw. der Stammverein MTV Gießen, der bis heute Spitzname des Clubs ist) bis zum Abstieg in der Saison 2021/22 über ein halbes Jahrhundert in der ersten Liga. Nach dem ersten Abstieg 2013 folgte zwei Jahre später der Aufstieg aus der zweithöchsten Basketball-Liga ProA 2015, bevor 2022 der neuerliche Ligaverlust folgte. Sportlich wären sie allerdings bereits in den Saisons 2003/04, 2008/09, 2011/12 und 2020/21 abgestiegen, konnten aber durch Wildcards oder den Rückzug anderer Mannschaften in der Liga verbleiben.
Gegründet wurde die Basketballabteilung 1937 als Teil des MTV Gießen, aus dem die Profiabteilung in den 1990er Jahren in die Gispo-Sportmarketing Gesellschaft Gießen mbH ausgegliedert wurde. Die Mannschaft hat mehrere Namensänderungen hinter sich und spielte vorher als MTV 1846 Gießen, Gießen Flippers, Avitos Gießen, LTi Gießen 46ers und Jobstairs Gießen 46ers. Ab 2013 hatte man keinen Namensgeber aus der Wirtschaft, ab dem 28. August 2019 firmierte der Club unter dem Namen Jobstairs Gießen 46ers. Die Gießener Milch & Zucker Talent Acquisition & Talent Management Company AG, zu der das Portal Jobstairs gehört, hatte für vier Spielzeiten die Namensrechte der Mittelhessen erworben. 2023 wurde die Zusammenarbeit um ein Jahr verlängert. 2024 lief die Vereinbarung aus.
Geschichte Anfänge 1937 wurde innerhalb des 1846 gegründeten Männerturnvereins Gießen die Basketballabteilung etabliert. Sie ist somit eine der ältesten in Deutschland. Bereits 1939 qualifizierte sich die Mannschaft erstmals für die Endrunde um die deutsche Meisterschaft. Aufgrund des Zweiten Weltkriegs kam der Spielbetrieb jedoch zum Erliegen.
In der Nachkriegszeit begann der Verein 1948 wieder mit regelmäßigem Training und gewann im selben Jahr erstmals die Hessenmeisterschaft. Die Mannschaft stieg schließlich 1950 in die damals höchste deutsche Spielklasse auf, nämlich die in mehrere Gruppen aufgeteilte Oberliga, wo die Gießener in der Gruppe Südwest spielten. Jedoch entschied man sich nach nur einer Saison aus finanziellen Gründen, in die Landesliga zurückzukehren. Nachdem man 1953 erneut die hessische Meisterschaft gewonnen hatte, war der MTV 1955 Mitglied der neugegründeten Oberliga Hessen. Nach zwei Jahren stieg man erneut in die Landesliga Nordhessen ab.
1962 bis 1979: Aufstieg der Gießener zur Meistermannschaft Saisondaten 1966–1979 Saison Platz* Punkte Saisonnotizen 1966/67 1 32:4 Gründung der zweigliedrigen BBL 1967/68 1 33:3 1968/69 1 32:4 Vizemeister, Pokalsieger 1969/70 1 32:4 Vizemeister 1970/71 2 28:8 1971/72 1 26:2 Vizemeister 1972/73 1 28:0 Vizemeister, Pokalsieger 1973/74 1 26:2 1974/75 1 22:6 1975/76 5 20:16 Einführung der eingleisigen Bundesliga 1976/77 4 24:12 1977/78 2 28:8 1978/79 1 26:10 Pokalsieger, Vizemeister grün unterlegt: Deutscher Meister*Platzierung nach Ende der Hauptrunde
Nach vielen Jahren in der Landesliga schafften es die Gießener 1962 wieder in die Oberliga Südwest aufzusteigen, auch dank Neuzugang Ernest Butler, einem der ersten Amerikaner im deutschen Basketball. Auch gewann man im selben Jahr zum dritten Mal die Hessenmeisterschaft. Bereits im ersten Jahr qualifizierte sich die Mannschaft für die Endrunde um die deutsche Meisterschaft. Dort scheiterte man in der zweiten Runde am späteren Deutschen Meister aus Aachen, obwohl man es schaffte, den Aachenern die einzige Saisonniederlage zuzufügen. 1965 konnten die Gießener erstmals in das Finale der Meisterschaft vordringen, welches in Heidelberg stattfand. Durch den entscheidenden Korb von Butler gewann die Mannschaft von Trainer Peter Nennstiel mit 69:68 gegen den VfL Osnabrück die erste deutsche Meisterschaft.Wolfgang Lehmann: Jung, unorthodox, erfolgreich: Peter Nennstiel. In: Giessen46ers.de, abgerufen am 26. Mai 2018. Dieses Duell war das erste von mehreren Kämpfen in den kommenden Jahren gegen die Osnabrücker um den Gewinn des Titels. mini|Holger Geschwindner im Nationaldress, 1972
Mit der Gründung der zweigliedrigen Basketball-Bundesliga im Jahr 1966 traten die Gießener Spieler in der höchsten Klasse des Deutschen Basketball Bundes (DBB) an. Gleich in der ersten Bundesliga-Saison errang man die zweite Meisterschaft im Finale gegen Osnabrück, welche man mit 85:73 gewann. Im darauffolgenden Jahr konnte der Titel verteidigt werden. Im Endspiel besiegte man erneut die diesmal gastgebende Osnabrücker Mannschaft mit 79:69.
In der Saison 1968/69 gelang es den Osnabrückern zum einzigen Mal die Gießener im Finale zu schlagen. Vor heimischen Publikum verlor man diesmal mit 69:76 gegen den Rivalen. Zwei Monate revanchierten sich die Gießener, indem sie mit einem 75:74-Sieg gegen den VfL ihren ersten Pokalsieg errangen. Auch im darauffolgenden Jahr musste man sich mit dem Titel des Vizemeisters zufriedengeben, diesmal nach einer 73:76-Niederlage gegen TuS 04 Leverkusen. In der Spielzeit 1970/71 gelang es der Mannschaft erstmals seit der Gründung der Bundesliga nicht, in das Finale einzuziehen. Man musste sich mit dem dritten Platz zufriedengeben, welchen man in zwei Spielen gegen USC Heidelberg erringen konnte. In der darauffolgenden Spielzeit verlor man im Finale erneut gegen Leverkusen, diesmal mit Niederlagen in beiden Endspielen.
1973 kam es wohl zum spannendsten Endspiel in der Gießener Geschichte. Da sowohl das Hin- als auch das Rückspiel jeweils unentschieden endeten, ging das Rückspiel in Heidelberg in die Verlängerung. Dort unterlagen die Gießener schließlich mit einem Punkt Unterschied (70:71). Dies war nun die vierte Vizemeisterschaft in den vorangegangenen fünf Jahren. Kurze Zeit später sicherte sich die Mannschaft zumindest den Pokalsieg gegen den MTV Wolfenbüttel. Auch im darauffolgenden Jahr reichte es erneut nicht zum Titel, man verlor nach zwei Spielen im Halbfinale aufgrund der schlechten Punktedifferenz gegen den SSV Hagen.
Nach einer siebenjährigen Durststrecke konnten die Gießener 1975 ihre vierte deutsche Meisterschaft gewinnen. Erneut ging es gegen den Rivalen aus Heidelberg, gegen den man vor zwei Jahren nur knapp verloren hatte. Diesmal konnten sich die Gießener dank der besseren Differenz aus den beiden Spielen durchsetzen und ihren Titel feiern. Trotz einer zusammengebliebenen Mannschaft konnte der MTV im Folgejahr nicht an den Leistungen anknüpfen und erreichte am Ende in der nun eingleisigen Bundesliga, in welcher es keine Endrunde mehr gab, sondern nur noch Hin- und Rückspiele, einen enttäuschenden fünften Platz.
Für die Spielzeit 1976/77 gab es wieder eine Endrunde, in welcher die besten sechs Mannschaften ihre Punkte mitnahmen und nochmals gegeneinander spielten. K.-o.-Spiele wie früher gab es jedoch trotzdem keine. Nachdem die Gießener in der Hauptrunde erneut den fünften Platz belegten, spielten sie sich dank einer guten Endrunde bis auf den dritten Platz. Zwar schien zwischenzeitlich auch ein erneuter Gewinn des Titels möglich, jedoch mussten nach Niederlagen gegen die Spitzenmannschaften aus Heidelberg und Leverkusen alle Hoffnungen begraben werden.
Im Jahre 1978 feierten die Gießener ihre fünfte und auch letzte Meisterschaft. Als Dritter der Hauptrunde, punktgleich mit den beiden erstplatzierten Rivalen aus Heidelberg und Leverkusen, hatten die Gießener gute Chancen, den Titel erneut zu gewinnen. Die Gießener spielten eine gute Endrunde und dank eines 67:65-Siegs gegen den MTV Wolfenbüttel am vorletzten Spieltag machte die Mannschaft vorzeitig den Gewinn des Titels klar. Auch 1979 gingen die Gießener als Mitfavorit um den Titel in die Saison, was sich als Tabellenführer nach dem Ende der Hauptrunde als berechtigt erwies. In der Endrunde schwächelten die Gießener jedoch und konnten nur 4 der 10 Spiele gewinnen. Am Ende landete man dennoch knapp auf dem zweiten Platz, deutlich abgeschlagen hinter dem neuen Meister aus Leverkusen. Dahingegen errangen die Gießener ihren dritten Pokalerfolg, indem sie gegen SSC Göttingen in zwei Spielen knapp gewannen.
Insgesamt fünf deutsche Meisterschaften (1965, 1967, 1968, 1975, 1978) und drei Pokalsiege (1969, 1973, 1979) konnte der MTV in dieser Zeit gewinnen.
1980 bis 1990: Gießen als Talentsprungbrett Saisondaten 1980–1990 Saison Platz* Punkte Saisonnotizen 1979/80 3 28:8 1980/81 4 22:14 1981/82 6 16:20 1982/83 7 16:20 Erstmals Teilnahme an Relegationsrunde 1983/84 7 14:22 1984/85 6 16:20 1985/86 5 24:20 1986/87 6 20:20 1987/88 7 16:28 1988/89 8 16:28 1989/90 10 14:30 *Platzierung nach Ende der Hauptrunde
1980 stießen die Gießener ins Finale des Pokalwettbewerbs vor und verloren dort gegen BSC Saturn Köln nach Hin- und Rückspiel mit 132:146. Auch in der Meisterschaft reichte es für die von Hannes Neumann trainierten Lahnstädter für den dritten Platz. Danach übernahm Bernd Röder an der Seitenauslinie. In den zwei Folgejahren blieb Gießen zum ersten Mal seit vielen Spielzeiten chancenlos in beiden Wettbewerben. 1982 beendete Hans Georg Heß nach vierzehn Jahren im Trikot der Männerturner seine Spielerkarriere. Im selben Jahr kehrte Neumann auf die Trainerbank zurück. Am Ende der Saison 1982/83 ging es für Gießen als Tabellensiebter im Abschlussklassement erstmals in die Abstiegsrunde. Der Klassenverbleib wurde aber souverän sichergestellt.
Auch in den Jahren 1983 bis 1985 gelang es nicht, an alte Erfolge anzuknüpfen. Im Dezember 1983 trennte sich der MTV nach sieben Niederlagen in Folge von Trainer Neumann, Klaus Jungnickel übernahm. Im Alter von 17 Jahren gab 1983 in Gießen Michael Koch sein Bundesligadebüt. Der spätere Nationalspieler zählt mit siebzehn gewonnen nationalen wie internationalen Titeln zu den erfolgreichsten deutschen Basketballern. Zur Saison 1985/86 stießen mit Henning Harnisch und Jan Villwock zwei weitere künftige Nationalspieler zum nun von Günther Lindenstruth und Hans Heß trainierten Gießener Kader. Angeführt von diesem jungen Trio qualifizierten sich die Mittelhessen im nächsten Jahr als Tabellensechster nicht nur für die Playoffs, sondern bezwangen im Viertelfinale Steiner Bayreuth mit 2:0. Erst im Halbfinale war nach einem 2:1 gegen den späteren Meister aus Köln Schluss. Koch verließ die Gießener danach in Richtung Bayreuth, auch Harnisch wechselte ein Jahr später nach Leverkusen. Beide gehörten zur goldenen Generation der deutschen Basketballnationalmannschaft und gewannen die Europameisterschaft 1993. Jan Villwock indes blieb den Mittelhessen bis 1995 treu. Er absolvierte 288 Spiele für Gießen, in denen er 4058 Punkte erzielte und damit einen Vereinsrekord aufstellte.
In den Meisterschaftsrunden der Jahre 1988 und 1989 scheiterte der MTV jeweils im Viertelfinale an Bayreuth. Zum Ende des Jahrzehnts trug der nach dem neunten Spieltag nachverpflichtete Johnnie Bell dazu bei, dass der Klassenverbleib in der Relegationsrunde erkämpft werden konnte.
1990 bis 2000: Namenswechsel und Professionalisierung Saisondaten 1990–2000 Saison Platz* Punkte Saisonnotizen 1990/91 6 24:40 1991/92 3 32:32 1992/93 4 32:32 1993/94 4 26:38 Umbenennung in Flippers 1994/95 4 28:36 1995/96 7 28:24 1996/97 10 24:28 Ausrichter BBL Top Four 1997/98 9 22:26 1998/99 7 28:14 1999/00 7 30:22 *Platzierung nach Ende der Hauptrunde