mini|Ishigaki Eitarō mit seiner späteren Ehefrau Ayako, 1927

Ishigaki Eitarō (; geb. 1. Dezember 1893 in Taiji, Präfektur Wakayama; gest. 23. Januar 1958 in Tokio) war ein japanischer Maler im „westlichen Stil“ während der Taishō- und Shōwa-Zeit.

Leben

Frühe Jahre an der US-Westküste (1909–1915) Ishigaki Eitarō wurde am 1. Dezember 1893 in Taiji, Präfektur Wakayama geboren. Über seine Kindheit in Japan ist nichts bekannt. 1909, im Alter von 16 Jahren, folgte er seinem Vater, der 1901 ausgewandert war, in die Vereinigten Staaten. Laut der Kurzbiographie in dem Sammelband Asian American art, 1850-1970 kam Ishigaki bei seinem Vater in Seattle an und zog gemeinsam mit diesem im folgenden Jahr ins kalifornische Bakersfield.Mark Dean Johnson, Paul Karlström, Sharon Spain, Ishigaki Eitarō, in: Gordon H. Chang et al. (Hrsg.), Asian American art, 1850-1970, Stanford University Press, Redwood City, CA 2008, S. 338f. ShiPu Wang gibt hingegen an, dass Ishigaki von Japan aus direkt nach Bakersfield einwanderte, wo sein Vater Arbeiter war. Wie die Mehrheit der asiatischen Einwanderer an der US-Westküste erlebte Ishigaki zu dieser Zeit das Leben in den Vereinigten Staaten als Wanderarbeiter, der unterbezahlte und physisch anstrengende Arbeiten zu verrichten hatte. So arbeitete er als Tagelöhner auf Obstplantagen, Bedienungshilfe (busboy) in Restaurants und als Reinigungskraft in Hotels in Bakersfield, San Francisco und Seattle.ShiPu Wang, The Other American Moderns. Matsura, Ishigaki, Noda, Hayakawa, Penn State University Press, State College, PA 2017, S. 45.

In Bakersfield kam Ishigaki im Rahmen des Englischunterrichts in einer Kirchengemeinde, in der er auch Bibelstudium betrieb, erstmals in Kontakt mit sozialistischem Gedankengut. Ishigakis tiefere Auseinandersetzung mit Sozialismus und Kommunismus erfolgte jedoch erst, nachdem er 1912 zu seiner Tante nach San Francisco gezogen war. Dieser Umzug soll im Zusammenhang mit Spannungen in der japanischen Community in Bakersfield gestanden haben, in der sich japanische Einwanderer, die für Assimilation eintraten, und zu denen Ishigaki gehörte, solchen gegenüberstanden, die einen japanischen Nationalismus tradieren wollten.

Im Frühjahr 1914 lernte Ishigaki Sen Katayama in San Francisco kennen. Katayama war ein Pionier der japanischen Arbeiterbewegung und wirkte sowohl an der Gründung der ersten sozialdemokratischen Partei Japans sowie der Kommunistischen Partei Japans wie auch der Kommunistischen Partei der USA (CPUSA) mit. Während seines dritten Aufenthaltes in den Vereinigten Staaten galt er in kleinen Kreisen der japanischen Einwanderer in San Francisco und ab 1917 New York als einflussreicher Aktivist. In der Folge wurde Katayama ein Mentor und eine Vaterfigur für Ishigaki, der in dem bekannten japanischen Magazin Kaizō dessen erste Autobiographie herausgab. Laut Ishigakis eigenen Angaben trafen sich bei ihm im Atelier Katayama und ein kleiner Zirkel japanischer Einwanderer, zu dem unter anderem Taguchi Unzō und Inomata Tsunao – später einflussreiche Autoren und linke Politiker in Japan – gehörten. Als Form der geistigen Unterstützung der Russischen Revolution diskutierten sie beispielsweise Lenins Schrift Staat und Revolution. Katayama riet Ishigaki, nach Japan zurückzukehren, um dort Schulen zur Propagierung des Leninismus einzurichten und so ein Führer der Revolution zu werden. Dieser kam diesem Ansinnen jedoch nicht nach.ShiPu Wang, The Other American Moderns. Matsura, Ishigaki, Noda, Hayakawa, Penn State University Press, State College, PA 2017, S. 47.

mini|Bain News Service, Takeshi Kanno und Gertrude Boyle Kanno, 1914.

In San Francisco begann er seine künstlerische Ausbildung: 1913 besuchte er die William Best School of Art, 1914 das San Francisco Institute of Art. Er lernte den Dichter Takeshi Kanno und dessen Frau, die Bildhauerin Gertrude Boyle Kanno, kennen, über die er Kontakt zu Künstlern und Schriftstellern wie etwa Joaquin Miller erhielt. Es entwickelte sich in der Folge eine Dreiecksbeziehung, die aufgrund der Bekanntheit der Kannos in Kalifornien einige Aufmerksamkeit erhielt. Gertrud Boyle Kanno verließ 1915 ihren Mann und zog nach New York City, der siebzehn Jahre jüngere Ishigaki folgte ihr.ShiPu Wang, The Other American Moderns. Matsura, Ishigaki, Noda, Hayakawa, Penn State University Press, State College, PA 2017, S. 48.

Linker Künstler und Aktivist in New York City (1915–1951)

Ishigakis persönliche Beziehungen Boyle Kanno und Ishigaki lebten in New York im Stadtviertel Greenwich Village, ihr Mann folgte ihnen und lebte in der Nähe. Die Dreiecksbeziehung zwischen der amerikanischen Bildhauerin und den beiden japanischen Einwanderern war vor dem Hintergrund der bestehenden anti-miscegenation laws, Gesetzgebung, die Rassentrennung auf der Ebene von Beziehung und Sexualität durchsetzen sollte, ein Skandal. 1929 versöhnten sich die Kannos wieder. Neben Boyle hatte Ishigaki freundschaftlichen und kollegialen Umgang mit einer Reihe politische aktiver Frauen. Im selben Gebäude wie das Paar wohnte Margaret Sanger, die sich für das Recht auf Empfängnisverhütung einsetzte. Ishigaki bewunderte ihren Einsatz und sorgte dafür, dass ihre Schriften Über Verhütung in dem japanischen Magazin Kaizō publiziert wurden. 1922 unterstützte er zudem ihre Japanreise. Sanger machte Ishigaki mit H. G. Wells bekannt, von dem er die Publikationsrechte der Erzählung Men Like Gods für Kaizō erwarb.ShiPu Wang, The Other American Moderns. Matsura, Ishigaki, Noda, Hayakawa, Penn State University Press, State College, PA 2017, S. 48–50. Ein regelmäßiger Gast in der Atelierwohnung von Boyle und Ishigaki war zudem die Journalistin und Autorin Agnes Smedley, die sich unter anderem für die antikoloniale Bewegung in Indien und die Chinesischen Kommunisten in den 1930er-Jahren engagierte. Er schätzte Smedley als Künstlerin und betrachtete sie trotz ihres ähnlichen Alters als reifere Persönlichkeit.ShiPu Wang, The Other American Moderns. Matsura, Ishigaki, Noda, Hayakawa, Penn State University Press, State College, PA 2017, S. 50.

Im Januar 1927 besuchte die Frauenrechtlerin und Autorin Tanaka Ayako Ishigaki in seiner Wohnung in der Horatio Street, wo seine Werke sie beeindruckten. Sie schätzte zudem seinen Respekt für Frauen, den sie in seiner Japan und Amerika verbindenden Identität begründet sah. Tanaka war 1926, nachdem sie in Japan für ihre Tätigkeit als Aktivistin inhaftiert worden war, mit ihrer Schwester, deren Mann Diplomat in Washington, D.C. war, in die Vereinigten Staaten ausgewandert. Sie zog trotz Widerspruch aus ihrer Familie nach New York und heiratete 1931 Ishigaki zwar mit dem Einverständnis ihres Vaters, der jedoch keine Hochzeitsgeschenke machte oder Glückwünsche übermittelte. Im August 1932 bekamen die Ishigakis eine Tochter, die jedoch bereits nach zehn Tagen starb. Als Ishigaki Ayako 1940 unter dem Pseudonym Haru Matsui ihre Autobiographie Restless Wave veröffentlichte, enthielt das Buch von ihrem Ehemann angefertigte Illustrationen.ShiPu Wang, The Other American Moderns. Matsura, Ishigaki, Noda, Hayakawa, Penn State University Press, State College, PA 2017, S. 50f.

Etablierung als Künstler In New York setzte Ishigaki sein Kunststudium, das er 1918 abschloss, in der Arts Student League fort. Er besuchte die Abendklasse von John Sloan. Ishigaki war in New York Teil eines Netzwerks von Künstlern aus der japanischen Diaspora, mit denen er gemeinsam ausstellte: So war er 1922 Teil der Exhibition of Paintings and Sculptures by the Japanese Artists Society of New York City im Civic Club, dem heutigen New York Estonian House; 1927 zeigte er Werke in The First Annual Exhibition of Paintings and Sculptures by Japanese Artists in New York im Art Center.

mini|Ishigaki vor seinem Wandgemälde im Harlem Courthouse,1938.

Ishigaki war in mehrere Projekte im Rahmen des Federal Art Project der Works Progress Administration (WPA) involviert. In diesem Rahmen schuf er ab 1936 zwei Ölgemälde als Wandbilder im Harlem Courthouse mit den Titeln The Spirit of 1776 und Emancipation of Negro Slaves, die Amerikas Unabhängigkeit und die Befreiung der Sklaven zeigten und kontrovers diskutiert wurden. Unter anderem wurde die als zu dunkel empfundene Hautfarbe Abraham Lincolns sowie der zu ernste, nicht gütig genug wirkende Gesichtsausdruck George Washingtons kritisiert.ShiPu Wang, The Other American Moderns. Matsura, Ishigaki, Noda, Hayakawa, Penn State University Press, State College, PA 2017, S. 66. Diese Art von Kritik war rassistisch begründet und richtete sich auch gegen den Künstler selbst. Dieser entgegnete darauf in einem Interview im Daily Worker vom 5. April 1938: „I can characterize it in no other way than as another slander against the WPA by opponents of the present administration. They slander the murals also because a Japanese artist painted these scenes of early American history. ‘How can an alien understand the American struggle?‘ they say.“Louise Mitchell, The Fight for Negro Liberation, in: Daily Worker, 5. April 1938, S. 7, zitiert nach: Mark Dean Johnson, Paul Karlström, Sharon Spain, Ishigaki Eitarō, in: Gordon H. Chang et al. (Hrsg.), Asian American art, 1850-1970, Stanford University Press, Redwood City, CA 2008, S. 338. Nachdem eine versuchsweise Präsentation der Gemälde am 30. März 1938 zu erheblicher Kritik geführt hatte, ließ die Municipal Art Commission die Gemälde 1941 letztendlich zerstören. Noch während Ishigaki am Auftrag für das Harlem Courthouse arbeitete, wurde er im Juli 1937 zusammen mit anderen Emigranten aus dem Federal Art Project entlassen, da sie keine amerikanischen Staatsbürger waren. Auf diese Entscheidung reagierte Ishigaki mit Unverständnis, da er in den Vereinigten Staaten vollkommen assimiliert gewesen sei. So gab er an: „Ich lebe seit 30 Jahren in diesem Land, aber da Asiaten keine Bürger werden können, haben sie uns die einzige Möglichkeit zur Bestreitung des Lebensunterhaltes genommen. Obwohl wir wie andere Amerikaner leben - hier ausgebildet wurden, Steuern zahlen, die gleichen Mägen wie amerikanische Bürger haben -, ist es uns nicht erlaubt, eingebürgert zu werden. Man kann sehen, wie unfair dies ist.“ShiPu Wang, The Other American Moderns. Matsura, Ishigaki, Noda, Hayakawa, Penn State University Press, State College, PA 2017, S. 60. Originalzitat: „I have lived in this country for thirty years, but because Orientals cannot become citizens, they have taken our only means of livelihood from us. Though we live like other Americans - have been educated here, pay taxes, and have the same stomachs as American citizens - we are not allowed to become naturalized. You can see how unfair the whole thing is.“

Ishigaki schuf politische Gemälde, die sich mit dem Kampf der Arbeiter für ihre Rechte und dem Rassismus in den Vereinigten Staaten beschäftigten. Sie wurden in den 1920er-Jahren regelmäßig ausgestellt, in den 1930ern und 1940ern nur noch sporadisch. In den 1930er-Jahren war Ishigaki im American Artists’ Congress aktiv, in dessen Ausstellungen er von 1936 bis 1940 Werke zeigte. 1936 stellte er zudem in der Exhibition by Japanese Artists in New York in der ACA Gallery aus, die im selben Jahr und 1940 auch Einzelausstellungen Ishigakis zeigte. 1947 war Ishigaki zuletzt Teil der Ausstellung The Japanese American Artist Group im New Yorker Riverside Museum. Er fiel in der Folge mit seiner Kunst der verschärften politischen Situation in den USA zum Opfer.

Ishigaki als linker Aktivist in New York