Ein Bürgerbus ist ein Nahverkehrsangebot, das sich in der Regel auf eine bürgerschaftliche Initiative gründet, um Lücken im öffentlichen Personennahverkehr auszugleichen. Auch die jeweils eingesetzten Fahrzeuge werden als Bürgerbus bezeichnet.

Ausgehend von den Niederlanden, wo das Konzept 1977 als Buurtbus (Nachbarschaftsbus) entstand, wurden in den 1980er Jahren in einzelnen Gemeinden Nordrhein-Westfalens erstmals in Deutschland Bürgerbusse erprobt. Dabei wurden Kleinbusse (Mercedes-Benz 207/208/307 oder VW LT) eingesetzt. Ab Mitte der 1990er Jahre haben sich in mehreren deutschen Städten und Gemeinden sogenannte Bürgerbusvereine gegründet, um Lücken in den ÖPNV-Fahrplänen in räumlicher wie auch in zeitlicher Hinsicht zu schließen. Auch in der Schweiz gibt es inzwischen Bürgerbusse, die ländliche Regionen als Ersatz für wenig genutzte Postautokurse bedienen. mini|hochkant=1.5|Bürgerbus Altena in Nordrhein-Westfalen

Funktionsweise Bürgerbusvereine arbeiten ehrenamtlich und finanzieren ihre Leistungen über Fahrgeldeinnahmen, Mitgliedsbeiträge, Spenden und teilweise kommunale Zuschüsse. In einzelnen Fällen trägt auf dem Fahrzeug angebrachte Werbung, meist regionaler Unternehmen, zur Finanzierung bei. Bürgerbusse können sowohl im Linienverkehr nach einem festen Fahrplan als auch nach Bedarf als Rufbus betrieben werden. Je nach Gestaltung sind sie an die Regeln des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) gebunden (genehmigungspflichtiger Verkehr nach Personenbeförderungsgesetz). Bei einem Betrieb nach PBefG werden zwischen dem Träger des ÖPNV, dem lizenzierten Verkehrsunternehmen und einem Bürgerbus-Verein entsprechende Verträge geschlossen. Es gelten dieselben Anforderungen an den Betrieb wie im regulären ÖPNV, d. h. Kriterien wie Tarifpflicht, Beförderungspflicht oder Betriebspflicht müssen eingehalten bzw. gewährleistet werden. Erfolgt der Betrieb genehmigungsfrei, sind keine Verträge notwendig, Auflagen gibt es lediglich zur maximalen Fahrzeuggröße und bei der Erhebung von Fahrgeldern. Der Bürgerbusverein stellt das Fahrpersonal, das unentgeltlich arbeitet, und sorgt für die Ausbildung der Fahrerinnen und Fahrer.

Die Fahrzeuge sind in den meisten Fällen Kleinbusse mit bis zu acht Fahrgastsitzen. Unterhalb der Grenze von acht Fahrgastplätzen (insgesamt neun Sitze inkl. Fahrer) kann somit der Erwerb eines Busführerscheins für die Fahrer umgangen werden. Allerdings benötigen im genehmigungspflichtigen Betrieb alle Fahrer einen Personenbeförderungsschein (Führerscheinklasse D1, im genehmigungsfreien Betrieb wird der Erwerb lediglich empfohlen). Ein weiterer Vorteil von Kleinbussen ist ihre Wendigkeit, sodass sie auch auf Strecken einsetzbar sind, auf denen größere Fahrzeuge (mehr als neun Sitzplätze) nicht verkehren können. Kommen diese zum Einsatz, ist der Betrieb ausschließlich nach PBefG möglich.

Die meisten Bürgerbusse verkehren in dünn besiedelten Orts- oder Stadtteilen, in denen die Rentabilität für eigenwirtschaftlichen Verkehr nicht gegeben ist und die kommunalen Aufgabenträger kein Angebot mit Aufwandsentschädigungen bestellen. So werden durch diese Vereine Aufgaben von Stadt- oder Ortsbuslinien übernommen. Die Angebotsqualität kann sämtliche Varianten des Busbetriebes umfassen. Diese kann von Anrufbuslinien bis hin zum täglichen Betrieb mit Taktfahrplan reichen. Viele Vereine gründen sich mit einer starken Zielgruppen-Fokussierung. So zielen manche Bürgerbusvereine speziell auf Discogänger und bieten für diese Abend- und Nachtverkehre an. Andere Bürgerbusvereine zielen speziell auf Senioren. Diese setzen entsprechend angepasste Fahrzeuge mit Niederflurtechnik (beispielsweise standardisierte Fahrzeuge auf der Basis VW T5) ein. Diese ermöglichen einen barrierefreien Einstieg.

Einige Bürgerbusvereine (zum Beispiel in Emsbüren, Linnich oder Schmallenberg) haben neben dem Dienst im Nahverkehr die Aufgabe, Kindergartenkinder zu befördern. Die Fokussierung auf spezielle Zielgruppen kann jedoch nur außerhalb des genehmigungspflichtigen Betriebs erfolgen, da bei einem genehmigungspflichtigen Betrieb Beförderungspflicht herrscht, d. h., dass niemand von der Beförderung ausgeschlossen werden kann.

Im Verhältnis zum regulären öffentlichen Personenverkehr stellen Bürgerbusse eine Ergänzung dar. Diese kann sich auf die Betriebszeiten beziehen, etwa im Nachtverkehr, oder auf das Betriebsgebiet, etwa im dünn besiedelten Raum oder auf schwach nachgefragten Querverbindungen. In dieser Funktion stellen sie Selbsthilfemaßnahmen im Bereich der Mobilität dar. Kurzfristiges Ziel der Initiativen ist die Ergänzung, und in Fällen von Angebotsstreichungen die Aufrechterhaltung des Personenverkehrs. Langfristiges Ziel ist es, soweit möglich, das Angebot in regulären öffentlichen Personenverkehr zu überführen.

Verbreitung in Deutschland Das Vorbild für Bürgerbuslinien sind ähnliche Initiativen in Großbritannien und die seit 1977 verkehrenden niederländischen Buurtbussen (dt.: Nachbarschaftsbus).

Den Grundstein für Bürgerbusse in Deutschland legte das nordrhein-westfälische Ministerium für Landes- und Stadtentwicklung 1983 mit dem Projekt „BürgerBus“. Mit diesem System sollte eine weitere Bedienform des Öffentlichen Nahverkehrs geschaffen werden. Durch Förderungen sollten Bürger animiert werden Bürgerbus Vereine zu gründen, die ehrenamtlich öffentlichen Nahverkehr mit Kleinbussen anbieten. Die Förderrichtlinien sahen Zuschüsse für die Beschaffung von Kleinbussen bis 8 Fahrgastplätze und jährliche Zuschüsse für den Betrieb vor, sofern der Betrieb folgende Eigenschaften erfüllte: Keine Personalkosten, günstige Fahrpreise, fester Fahrplan im Linienverkehr und keine Konkurrenz zu bestehenden Linien. Zunächst beschränkte man sich auf die Förderung von fünf Projekten. Diese waren in Heek/Legden (seit 2. März 1985), Heimbach (seit 29. September 1986), Emmerich (seit 11. November 1986), Vreden (seit 7. Februar 1987) und Schalksmühle (seit 27. November 1988). Ein sechstes Projekt in Kalletal (seit 25. September 1989) wurde im Rahmen des „ÖPNV-Modell Lippe“ gefördert. Im Jahr 1991 wurde die Begrenzung auf fünf Projekte aufgehoben. (PDF; 4,1 MB)

Mittlerweile verkehren in Deutschland nach Angaben des Dachverbands Pro Bürgerbus NRW e. V. 260 Bürgerbusse (Stand November 2015). Darunter über 110 in Nordrhein-Westfalen sowie rund 60 in Niedersachsen.

Baden-Württemberg In Baden-Württemberg startete 2003 der erste Bürgerbus in Salach im Landkreis Göppingen. Es gibt derzeit in Baden-Württemberg über 50 Bürgerbusverkehre. Darüber hinaus gibt es seit 2013 erste Ansätze zur Erprobung elektrisch betriebener Bürgerbusse (sog. e-Bürgerbusse). Im September 2014 wurde in Uhingen der Landesverband der baden-württembergischen Bürgerbusvereine gegründet (Stand April 2018: 68 Mitglieder). Das Land hat eine Förderrichtlinie erlassen, die Investitionen und Personenbeförderungsscheine bezuschusst bzw. übernimmt. Zum ersten Präsidenten wurde der Landtagsabgeordnete Sascha Binder gewählt.Karin Tutas: . Neue Württembergische Zeitung, 15. September 2014, abgerufen am Tage darauf.

Bayern In Bayern existiert seit 2003Bürgerbus fährt nur ehrenamtlich ein Bürgerbus im Chiemgau, der Prien am Chiemsee mit den Orten der Chiemgauer Seenplatte verbindet, seit 2011 ein Bürgerbus in Langenzenn. Seit 2012 gibt es im Landkreis Lichtenfels zwei Bürgerbuslinien für die Orte Burgkunstadt und Ebensfeld.

Brandenburg Seit Juli 2004 sind auch in Brandenburg Bürgerbusse im Einsatz. Der erste „ostdeutsche“ Bürgerbus-Verein wurde in Gransee ins Leben gerufen, es folgten im September 2006 der Bürgerbus Hoher Fläming, der die Kreisstadt Bad Belzig mit den Amtssitzen Wiesenburg/Mark und Niemegk verbindet, sowie als dritter Bürgerbus im Dezember 2007 eine Linie in Brieselang. Diese Linie verbindet die Ortsteile Bredow, Zeestow und Brieselang. Im Jahr 2010 kamen der Bürgerbus Lieberose/Oberspree und der Bürgerbusverein (Sängerstadtbus) Finsterwalde im Landkreis Elbe-Elster hinzu. Der Bürgerbus Verein Dallgow-Döberitz schloss sich als sechster Bürgerbus im Land Brandenburg am 16. Dezember 2013 als bisher letzter Verein an. Seit 1. August 2025 fährt auch in Schönwalde-Glien ein Bürgerbus.Homepage des Betreibervereins abgerufen am 19. Juni 2026

Der Bürgerbus Gransee stellte seinen Betrieb im Juni 2022 ein.MOZ vom 10. Juni 2022 Ein Jahr später bietet der MOHVER der Oberhaveler Verkehrsgesellschaft ein ähnliches Angebot.Pressemeldung o. Datum der OVGabgerufen am 19. Juni 2026 Der Bürgerbus Hoher Fläming stellte nach 20 Jahren seinen Betrieb zum 1. Juni 2026 ein.Seite des Betreibervereins des Bürgerbus abgerufen am 19. Juni 2026

Hamburg In Hamburg fährt seit dem 3. März 2020 ein Bürgerbus auf telefonische Vorbestellung speziell für den Bereich Niendorf-Ost im Hamburger Norden. Der Bürgerbus Niendorf-Ost holt die Fahrgäste an der Haustür ab und befördert diese zum Ziel der Wahl. Die Fahrgäste werden im Bereich von Niendorf-Ost aufgenommen. In Niendorf selber werden alle Ziele nach Wunsch der Fahrgäste angesteuert. Nach Schnelsen fährt der Bürgerbus nur zu medizinischen Einrichtungen. Die Projektentwicklung begann im August 2019. Der Bürgerbus in Niendorf-Ost ist ein Projekt des Bürgervereins Hoheluft-Grosslokstedt von 1896 e. V. Die Freie und Hansestadt Hamburg, Bezirksamt Eimsbüttel, hat die Projektentwicklung gefördert und unterstützt auch den laufenden Betrieb.

Hessen Seit 2018 fördert das Land Hessen Bürgerbusse im Rahmen des Förderprogramms „Land hat Zukunft“. Seitdem wurden 125 Fahrzeuge über das Förderprogramm in Dienst gestellt (Stand Oktober 2025). Weitere 45 Bürgerbusse entstanden unabhängig von der Förderung oder existierten bereits vor dem Programmstart. In Hessen fahren Bürgerbusse zum Beispiel in Biedenkopf, Kirchheim (Hessen), Homberg (Efze), Linden (Großen-Linden), Espenau, Niedernhausen, Hohenstein, Herborn, Hilders und Ringgau/Weißenborn (Hessen). Eine aktuelle Gesamtübersicht bietet die Website der Landesstiftung Miteinander in Hessen.

Niedersachsen mini|links|280px|Bürgerbusse Achimobil 1 und Achimobil 2 am Bahnhof Achim Im Bundesland Niedersachsen verkehren ca. 64 BürgerBusse (Stand März 2020). Eine aktuelle Gesamtübersicht und viele weitere Informationen bietet die Internetpräsenz des Dachverbandes Pro-BürgerBus-Niedersachsen.

Seit 2001 bieten auch im Bereich des Verkehrsverbund Bremen/Niedersachsen (VBN) BürgerBusse ein festes, regelmäßiges Fahrplanangebot an (Stand März 2020: 23 Vereine mit 53 Linien) Neben den BürgerBussen in Weyhe und Ganderkesee bieten seit Anfang/Mitte 2008 auch die BürgerBusse in Bassum, Syke und Butjadingen im Gebiet des VBN ein regelmäßiges Fahrplanangebot. Im Oktober 2009 kam der BürgerBus Kirchlinteln hinzu, im April, Juni und November 2010 die BürgerBusse in Sottrum, Westerstede und Grasberg/Worpswede. Im Jahr 2011 nahmen BürgerBusse in den Gemeinden Thedinghausen und Ottersberg sowie in den Städten Wildeshausen und Achim den Linienbetrieb auf. Im Dezember 2012 startete der BürgerBus in Rotenburg (Wümme), ein Jahr später der BürgerBus in Zeven, am 14. April 2014 der BürgerBus in Ritterhude sowie im Juni bzw. September 2014 die BürgerBusse in Rastede und Bad Zwischenahn. 2015 gingen die BürgerBusse in den Gemeinden Gnarrenburg und Oyten am 3. September in Betrieb. Am 1. Februar 2017 folgte der BürgerBus Edewecht. Durch Erweiterung des VBN-Verbundgebietes wurde auch der seit Dezember 2007 verkehrende BürgerBus Visselhövede ein VBN-BürgerBus. Und im Oktober 2019 ging der BürgerBus Stadland in Betrieb.

Insgesamt verkehren 23 Bürgerbusvereine im Gebiet des Verkehrsverbunds Bremen/Niedersachsen (VBN). Pro Jahr nutzten gut 300.000 Fahrgäste die Linienangebote der im VBN-Gebiet verkehrenden BürgerBusse.

mini|VBN-BürgerBus