Brüsewitz ist eine Gemeinde im Süden des Landkreises Nordwestmecklenburg in Mecklenburg-Vorpommern (Deutschland). Sie wird vom Amt Lützow-Lübstorf mit Sitz in Lützow verwaltet.

Geografie mini|links|Sendeturm auf dem Hütterberg Das Gemeindegebiet von Brüsewitz grenzt unmittelbar an den Nordwesten der Landeshauptstadt Schwerin. Durch die Gemeinde verläuft die Nordsee-Ostsee-Wasserscheide. Während die hier entspringende Stepenitz in Richtung Ostsee entwässert, entwässert der Neumühler See, dessen Nordwestzipfel zu Brüsewitz gehört, in die Nordsee. Die Stepenitz durchfließt westlich von Gottmannsförde den Rehmsee, der durch Anstauung Anfang der 1980er Jahre vergrößert wurde, und den Speicher Faulmühle, einen Stausee, in den bei Brüsewitz der Gadebuscher Bach mündet. Der zwischen den Ortsteilen Gottmannsförde und Herren Steinfeld liegende Hütterberg erreicht mit die größte Höhe im direkten Umland Schwerins und im Amt Lützow-Lübstorf; auf ihm steht ein Turm, auf dem die Deutsche Telekom Sendeanlagen betreibt.

Umgeben wird Brüsewitz von den Nachbargemeinden Dragun und Cramonshagen im Norden, Pingelshagen und Schwerin im Osten, Wittenförden im Südosten, Grambow und Gottesgabe im Süden sowie Lützow im Westen.

Gemeindegliederung

Zu Brüsewitz gehören die Ortsteile Gottmannsförde, Groß Brütz und Herren Steinfeld.

Weitere Siedlungen im Gemeindegebiet sind Brützer Bauern, Eulenkrug, Faulmühle, Klein Amerika, Rosenberg und Wahrholz.

Geschichte Der Name der Gemeinde Brüsewitz ist polabischen Ursprungs und könnte ursprünglich Brezavici oder Brysavici (Breza/Bryza = Birke, vici = Kennzeichnung eines Ortes), also Ort der Birken, geheißen haben. Die Birke ist ein typischer Baum für morastige, sumpfige Gebiete, wie sie auch in Brüsewitz entlang des Gadebuscher Grabens zu finden sind.

Die erste urkundliche Erwähnung ist auf den 25. Mai 1220 datiert. Graf Gunzelin von Schwerin schenkte seiner Gemahlin Oda Bruseuizdhorp (Brüsewitzdorf) als Allodialgut (Erbbesitz, kein Lehen). Auf Gräfin Odas Wunsch verlieh er gleichzeitig den dort ansässigen Slawen das deutsche Recht. Im Zuge der deutschen Kolonisierung wurde der Ort in Klein Brütz umbenannt, da die herrschenden Deutschen in der Nähe eine neue Siedlung mit dem Namen Groß Brütz gründeten. 1337 wird Johannes von Halberstadt als Burgmann zu Schwerin in Brütz genannt.Wolf Lüdeke von Weltzien: Die von Halberstadt. 1266–1788. In: Wolf Lüdeke von Weltzien: Familien aus Mecklenburg und Vorpommern. Band 1: Genealogien erloschener und lebender Geschlechter. Buch & Bild, Nagold 1989, ISBN 3-926341-04-1, S. 105–123, hier S. 105. mini|rechts|Denkmal d. Fam. v. Schack. 1878. Trotz des Klein im Namen blieb Brüsewitz das Hauptgut mit dem Herrschaftssitz, sodass unter dem Besitzer von Schack eine Rückbenennung von Klein Brütz zu Brüsewitz am 2. Oktober 1820 beim damaligen Großherzog Friedrich Franz I. von Mecklenburg-Schwerin erwirkt wurde. Der Gutsherr Rudolf Graf von Schack-Zülow war mit Jenny Gräfin von Pückler verheiratet. 1906 kam Gut Brüsewitz durch Heimat an die Familie von Boddien. Die Hochzeit der Maria Anna von Schack, Erbin und Fideikommissherrin von Brüsewitz, mit dem kgl. preuß. Rittmeister Albert von Boddien fand in Brüsewitz statt. Beide galten als gleichberechtigte Inhaber. Maria Anna von Boddin war die Halbschwester des Grafen Ulrich von Schack, dessen Sohn Adolf Friedrich Graf von Schack-Zülow 1945 vom NS-Regime hingerichtet wurde. Ende der 1920er Jahre umfasste Gut Brüsewitz mit Flächen in Rosenberg und Eulenkrug gesamt 1059 ha. Der Sohn Hans Albrecht von Boddien kaufte mit Schwarzenhof noch einen Besitz bei Waren (Müritz) hinzu. Anna von Boddien starb 1946 in Bremen, ihr Mann 1953 in Bayern. Dort und in Westfalen leben heute die Nachfahren.Hans Friedrich von Ehrenkrook, Jürgen von Flotow, Friedrich Wilhelm Euler, Walter von Hueck, Johann Georg von Rappard et al.: Genealogisches Handbuch der Adeligen Häuser. B (Briefadel). 1956. Band II, Band 12 der Gesamtreihe GHdA, Hrsg. Deutsches Adelsarchiv, C. A. Starke, Glücksburg an der Ostsee 1998, , S. 34–35.

Vom ehemaligen Herrenhaus in Brüsewitz sind nur noch die Reste des alten Parkes erhalten. Das Gebäude selbst wurde 1988 gesprengt, weil bei der Trockenlegung des Burggrabens das Pfahlfundament zerstört wurde. 1998/99 wurde die Realschule mit Grundschulteil saniert.

Eulenkrug wird immer im Zusammenhang mit Brüsewitz genannt. Die Siedlung war so im Ritterschaftlichen Amt Schwerin.Regierungs-Blatt für das Großherzogthum Mecklenburg-Schwerin. No. 20-Jahrgang 1879, Schwerin 1879, S. 167. Der Ortsname trat 1835 in Deutschland zehnmal auf.F. W. Heidemann: Topographisch-statistisches Wörterbuch der Preußischen Monarchie. Band 1, Breitkopf & Härtel, Leipzig 1835, S. 259 f.Vgl. Willi Loewenberger von Schönholtz: Alphabetisches Verzeichnis sämmtlicher Städte, Ortschaften und einzelner Besitzungen des Norddeutschen Bundes. Band 1, Ernst Siegfried Mittler und Sohn, Berlin 1869, S. 410.

Der Wohnplatz Faulmühle fand im 19. Jahrhundert mehrfach in der Statistik des Landes Mecklenburg Erwähnung. Um 1850 sind acht Einwohner bezeugt.Archiv für Landeskunde in den Großherzogthümern Mecklenburg und Revue der Landwirtschaft. In: Neue Folge-Mecklenburgisches Gemeinnütziges Archiv, Verlag der Expedition (Selbstverlag), Schwerin 1854, S. 461. 1885 befand sich dort ein Schmiedegehöft und war Teil des Lehngutes Gottmansförde.Oskar Brunkow: Die Wohnplätze des Deutschen Reiches. Auf Grund der amtlichen Urmaterialien. Band (Abth.) II: Die ausserpreußischen Staaten und die Reichslande. 2. Band, 2. Auflage, Selbstverlag d. Verfassers, Berlin 1885, S. 14.

Das Gut Gottmannsförde besaß die uradelige Familie von Drieberg (Altschreibweise von Driberg),Johann Friedrich Gauhe: Des. Heil. Röm. Reichs Genealogisch-Historischen Adels-Lexici. 2. Band (Theil), Johann Friedrich Gleditsch, Leipzig 1747, S. 220 ff. u. a. Bolto von Drieberg, bis 1781. Danach war kurz Hofrat Gottlieb Schnelle Gutsbesitzer.Friedrich Schlie: Die Kunst- und Geschichtsdenkmäler des Großherzogthums Mecklenburg-Schwerin. II. Band: Die Amtsgerichtsbezirke Wismar, Grevesmühlen, Rehna, Gadebusch und Schwerin. 2. Auflage, K. F. Köhler Leipzig, Bärensprung, Schwerin 1899, S. 645 f. Johann Friedrich von Böhl erwarb es 1829 für seine Nachfahren. Das Böhl’sche Gutshaus ist von 1847.Gutshäuser- und Schlösser in Mecklenburg-Vorpommern (Hrsg.): Gutshaus Gottmannsförde. Letzte Vertreter der Familie waren u. a. Raimar von Böhl (1856–1935), verheiratet mit Charlotte von Mecklenburg (1874–1953),Walter von Hueck, Friedrich Wilhelm Euler: Genealogisches Handbuch der Adeligen Häuser / B (Briefadel / nach 1400 nobilitiert) 1977. Band XII, Band 64 der Gesamtreihe GHdA, Hrsg. Deutsche Adelsverbände in Gemeinschaft mit dem Deutschen Adelsarchiv, C. A. Starke, Limburg an der Lahn 1977, , ISBN 3-7980-0764-0, S. 25–26. Tochter des Landrats Dietrich von Mecklenburg. Charlotte und Raimar hatten keine eigenen Kinder, sie adoptierten 1934 Heinz (Heinrich) von Klaß (1914–1941), der sich fortan Heinz von Böhl von Klaß nannte und 1939 in GottmannsfördeGothaisches Genealogisches Taschenbuch der Adeligen Häuser. Zugleich Adelsmatrikel der D.A.G. Teil B (Briefadel). 1942. Vierunddreizigster Jahrgang, Justus Perthes, Gotha 1941, S. 484. Siehe: FamilySearch (Kostenfrei) seine Frau Margot von Schroeder (1914–1986) heiratete.Walter von Hueck, Klaus Freiherr von Andrian-Werburg et al.: Genealogisches Handbuch der Adeligen Häuser / B 1998. Band XXII, Band 115 der Gesamtreihe GHdA, Hrsg. Deutsches Adelsarchiv, C. A. Starke, Limburg an der Lahn 1998, , S. 193–194. Da Heinz von Klaß als Oberleutnant d. R. im Krieg bliebMatthias Graf von Schmettow (Hrsg.): Gedenkbuch des deutschen Adels. (Hauptband), In: Aus dem Deutschen Adelsarchiv. 3; C. A. Starke, Limburg an der Lahn 1967, S. 30. wurde seine junge Frau Margot von Böhl von Klaß die letzte Gutsherrin und ging nach der Enteignung 1945 nach Westdeutschland. Charlotte von Böhl dagegen blieb in der DDR und lebte in Ribnitz. Am 1. Juli 1950 wurde die bis dahin eigenständige Gemeinde Gottmannsförde eingegliedert.

Herren Steinfeld, in älteren Schriften häufig Herrensteinfeld geschrieben, war eine Staatsdomäne des Freistaates Mecklenburg-Schwerin und wurde durch Pächter betrieben. Der Umfang betrug 508 ha. Auch das dortige (vermutlich) herzogliche Gutshaus existiert nicht mehr; die Auffahrt und einige Parkbäume deuten auf das Gut hin.

Bevölkerung Jahr Einwohner 1990 1472 1995 1977 2000 2606 2005 2381 2010 2115 2015 2030 Jahr Einwohner 2020 1975 2021 1967 2022 1874 2023 1853 2024 1842

Stand: 31. Dezember des jeweiligen JahresStatistisches Amt Mecklenburg-Vorpommern: Statistischer Bericht. Bevölkerungsstand. Bevölkerungsentwicklung der Kreise und Gemeinden, ab 2022 auf Basis des Zensus 2022

Politik Gemeindevertretung Die Gemeindevertretung von Brüsewitz besteht aus 12 Mitgliedern. Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte bei einer Wahlbeteiligung von 73,2 % zu folgendem Ergebnis:Ergebnis der Kommunalwahl am 9. Juni 2024

Partei / Wählergruppe Stimmenanteil2019Ergebnis der Kommunalwahl am 26. Mai 2019 Sitze2019 Stimmenanteil2024 Sitze202 Freie Wähler – – 62,5 % 7 CDU 40,5 % 6 32,3 % 4 FDP 24,9 % 3 5,2 % 1 SPD 13,8 % 1 – – Die Linke 12,0 % 1 – – Einzelbewerber Maik Bosselmann 8,9 % 1 – – Insgesamt 100 % 12 100 % 12

Bürgermeister 2019–2024: Steffen Meyer (CDU) seit 2024: Alexander Dutz (Freie Wähler)

Bei der Bürgermeisterwahl am 26. Mai 2019 wurde Meyer mit 53,0 % der gültigen Stimmen gewählt.Ergebnis der Bürgermeisterwahl am 26. Mai 2019

Am 9. Juni 2024 wurde Dutz mit 69,2 % der gültigen Stimmen zu seinem Nachfolger gewählt.Ergebnis der Bürgermeisterwahl am 9. Juni 2024 Seine Amtsdauer beträgt fünf Jahre.Kommunalverfassung für das Land Mecklenburg-Vorpommern § 37 (3)

Wappen

Flagge Die Flagge ist gleichmäßig längs gestreift von Blau und Gelb. In der Mitte des Flaggentuchs liegt, auf jeweils zwei Drittel der Höhe des blauen und des gelben Streifens übergreifend, das Gemeindewappen. Die Höhe des Flaggentuchs verhält sich Länge wie 3:5.Hauptsatzung § 1 (PDF; 269 kB).

Dienstsiegel Das Dienstsiegel zeigt das Gemeindewappen mit der Umschrift „GEMEINDE BRÜSEWITZ • LANDKREIS NORDWESTMECKLENBURG“.

Sehenswürdigkeiten und Kultur

mini|hochkant|Dorfkirche Groß Brütz mini|hochkant|Kulturhaus Dorfkirche Groß Brütz als spätgotischer Bau von 1456 Ehemaliges Kulturhaus Brüsewitz von 1950/52 nach Plänen von Franz Schiemer (Schwerin) Eulenkrüger Allee, ein alter Verbindungsweg zwischen Brüsewitz und dem ehemaligen Eulenkrug an der B 104 Herrenhaus Gottmannsförde von 1847, früher im neogotischen Stil, während der DDR-Zeit wesentlich vereinfacht, sowie Reste des dazugehörenden Parks

Kultur Das Kino in der Dorfkirche Groß Brütz des Landesverbandes Filmkommunikation Mecklenburg-Vorpommern. Betrieben wird es vom örtlichen Filmklub im Pfarrhaus. Neben dem regelmäßigen Programm gibt es auch Gespräche mit Filmemachern (so auch als Teil der Findlingspreis-Tournee) und Freiluftkino.

Verkehr Durch das Gebiet der Gemeinde führt das Teilstück der Bundesstraße 104 von Schwerin über Gadebusch nach Lübeck. Ein Haltepunkt der Bahnlinie Parchim–Schwerin–Rehna befindet sich im Ortsteil Groß Brütz.

Weblinks

Einzelnachweise

Kategorie:Ort im Landkreis Nordwestmecklenburg