Die deutsch-slowenischen Beziehungen sind heute geprägt von der Partnerschaft Sloweniens innerhalb der Europäischen Union mit Deutschland als größter Volkswirtschaft der Gemeinschaft. Innerhalb der EU haben beide Länder den Euro als Währung eingeführt und sind Teil des Schengen-Raums. Außerhalb der EU sind sie Mitglieder des Europarates, der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa sowie der NATO. Vom Deutschen Auswärtigen Amt werden die Beziehungen als „sehr gut und von gegenseitigem Vertrauen gekennzeichnet“ eingeschätzt.
Geschichte Die Beziehungen zwischen Deutschland und Slowenien können geschichtlich schon auf die Vorgängerstaaten, nämlich Karantanien auf der einen sowie das Fränkische Reich bzw. danach das Ostfrankenreich und besonders das bairische Stammesherzogtum zurückgeführt werden.
Ab der zweiten Hälfte des 6. Jahrhunderts waren die baiuwarischen Agilolfinger die Kontrahenten der nach dem Fall des Römischen Reichs in den Raum des heutigen Sloweniens eingewanderten slawisch-awarischen „Völkergemeinschaft“. 592 kam es zum ersten großen Zusammenstoß mit Tassilo I., Herzog der Bajuwaren, dem die Alpenslawen unterlagen. 595 hingegen verloren die bairischen Agilolfinger fast ihr gesamtes Stammesheer, 2000 Krieger, als die Slawen von der Reiterei des awarischen Chagans unterstützt wurden. Beide Auseinandersetzungen sind im heute österreichischen oberen Drautal zu lokalisieren.
Nach der Schwächung der Awaren im Jahr 626 durch Auseinandersetzungen mit dem Byzantinischen Reich entstand im Machtvakuum zwischen den Bayern und den Awaren das slawische Samo-Reich, zu dem nach Meinung tschechischer und slowakischer Historiker die Gebiete des heutigen Kärnten sowie der heutigen Republik Slowenien allerdings nicht gehörten, wenngleich Samo seinen Einfluss auch auf die Alpenslawen ausdehnen konnte. Für andere Historiker waren Kärnten und Slowenien hingegen sehr wohl Teil des Samo-Reiches. Mit Samos Tod 658 enden auch die Berichte über sein Reich, doch auch nach dem Tode Samos blieben die Alpenslawen unter ihrem Wallucus (Herrscher) frei von der Botmäßigkeit gegenüber den Awaren.
Um oder nach 610 setzten sich die Alpenslawen erneut gegen die Bayern durch, diesmal gegen den Agilolfinger-Herzog Garibald II. in Aguntum im heutigen Osttirol. Mit diesen kriegerischen Auseinandersetzungen erweiterte sich der alpenslawische Einflussbereich bis an die obersteirische Enns, in den salzburgischen Enns-Pongau, die Pongauer Seitentäler der Salzach bis in das Gasteinertal, und bis nach Innichen im Pustertal im heutigen Südtirol. Dieses unter alpenslawischer Führung entstehende proto-slowenische Fürstentum mit dem Zentrum in Karnburg (slow. Krnski grad) am Zollfeld nördlich von Klagenfurt wurde Karantanien genannt.
Wirtschaft mini|Slowenien ist Teil des Europäischen Binnenmarkts. Zusammen mit Deutschland und 18 weiteren EU-Mitgliedstaaten (blau) bildet es eine Währungsunion, die Eurozone. Die wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen den beiden Staaten kann sich innerhalb der Europäische Zollunion und des Europäischen Binnenmarktes (freier Verkehr von Waren, Dienstleistungen, Kapital und Personen) der Europäischen Union frei entfalten. Durch die Gemeinschaftswährung „Euro“, der die Slowakei im Jahr 2007 beitrat, sind auch innergemeinschaftliche Wechselkursrisiken und die dadurch notwendigen Währungsabsicherungen für deutsche und slowenische Unternehmen entfallen.
19,3 % aller slowenischen Exporte gingen im Jahr 2016 nach Deutschland. Auch bei den Importen nach Slowenien lag Deutschland mit 16,8 % auf dem ersten Platz. Damit ist Deutschland Sloweniens wichtigster Handelspartner vor Italien und Österreich.
Laut dem Auswärtigen Amt sind ca. „570 deutsche Unternehmen und Unternehmen mit deutscher Beteiligung“ in Slowenien engagiert.
Verkehr, Reisen und Tourismus Straße Da beide Staaten dem Schengen-Raum angehören, finden im Normalfall untereinander keine Grenzkontrollen mehr statt. Allerdings kommt es seit der Flüchtlingskrise in Europa ab 2015 wieder verstärkt zu Kontrollen an der deutsch-österreichischen Grenze und somit auf dem Weg von Slowenien in Richtung Bayern.
Eine schnelle Verbindung auf der Straße zwischen Süddeutschland und Slowenien stellt die österreichische Tauern-Autobahn und danach die Karawanken-Autobahn bis zur slowenischen Grenze dar.
Schiene Den Hauptbahnhof von Ljubljana erreicht man von München aus mit einem ein durchgehenden Eurocity in 6:15 Stunden.
Luftverkehr Vom und zum Flughafen Ljubljana gibt es Direktverbindungen mit Adria Airways, der nationalen slowenischen Fluggesellschaft und Lufthansa von und nach Frankfurt und München, darüber hinaus mit Adria Airways auch nach Hamburg. Mit VLM/Hahn Air gelangt man auch ohne umzusteigen von München nach Maribor. Die Flugzeit beträgt je nach Entfernung ca. 50 Minuten bis ca. zwei Stunden.
Am 16. März 2015 übernahm die deutsche Fraport AG den Flughafen Ljubljana zu 100 %.
Auf dem Wasser Die slowenischen Flüsse sind im Wesentlichen nicht schiffbar.
Durch den Hafen Koper an der Adria hat Slowenien Zugang zum Mittelmeer und zum Atlantischen Ozean. Somit ist das Land z. B. mit dem Hamburger Hafen verbunden – wenn auch nur im Zuge einer Umfahrung von Westeuropa.
Mit dem Fahrrad Deutschland ist durch die Eiserner-Vorhang-Route mit Slowenien verbunden (EuroVelo-Route EV13).
Zu Fuß Der Violette Weg der Via Alpina verbindet Deutschland über Österreich mit Slowenien.
Tourismus Deutsche Besucher stellten im Jahr 2016 mit 307.410 Ankünften die drittgrößte internationale Gästegruppe im Slowenientourismus nach Italienern und Österreichern. Der beliebteste Reisemonat war dabei der August. 38 % der deutschen Touristen übernachteten in den Bergen, 22 % am Meer, 15 % in Unterkünften des Gesundheitstourismus, 11 % in der Hauptstadt Ljubljana, 8 % in anderen Städten und 6 % in anderen Gemeinden.
Kultur, Wissenschaft und Medien mini|Ein Blatt der Freisinger Denkmäler
Kulturelle und wissenschaftliche Kontakte Die Freisinger Denkmäler, die in der zweiten Hälfte des 10. Jahrhunderts beziehungsweise der ersten Hälfte des 11. Jahrhunderts niedergeschrieben wurden, stellen die ältesten Zeugnisse der slowenischen Sprache dar. Der Name der Schriftstücke bezieht sich auf die Herkunft der Schriftstücke und weist auf die sehr alten kulturellen bzw. religiösen Beziehung zwischen dem bairischen und dem slowenischen Raum hin: Sie wurden im Rahmen der Missionstätigkeit des Bistums Freising in seinen Besitzungen in Kärnten verwendet. Heute zählen die „Denkmäler“ zu den Schätzen der Bayerischen Staatsbibliothek. Für das heutige Slowenien sind sie von überragender Bedeutung.
Die deutsch-slowenischen Kulturbeziehungen sind historisch auch geprägt durch die geografische Nähe, durch die lange Herrschaft der Habsburger über slowenische Gebiete und die auch damit zusammenhängende große Bedeutung der deutschen Sprache als Kultur- und Wissenschaftssprache über viele Jahrhunderte hinweg.
Heutzutage dient das Goethe-Institut in Ljubljana dem Kulturaustausch und der Förderung deutscher Kultur in Slowenien.
Wie das Auswärtige Amt schreibt, ist „an den Schulen [...] Deutsch die zweitstärkste Sprache nach Englisch. Insgesamt gibt es in Slowenien rund 70.000 Deutschlerner. Das Deutsche Sprachdiplom kann an insgesamt 22 Schulen erworben werden.“
An der Ludwig-Maximilians-Universität München kann die slowenische Sprache in Sprachkursen im Rahmen der slavischen Philologie erlernt werden. Auch an der Humboldt-Universität zu Berlin finden Sprachkurse statt.
An der Universität Ljubljana und der Universität Maribor kann Germanistik studiert werden.
Medien Von der deutschen Minderheit in der Slowenien erscheint seit 2017 wieder eine „Laibacher Zeitung“, anknüpfend an ein gleichnamiges Presseorgan in der Habsburger Monarchie bis 1918.
Arbeit und Leben Im Rahmen der EU-Arbeitnehmerfreizügigkeit können Deutsche in Slowenien und Slowenen in Deutschland problemlos arbeiten.
Deutschland gehörte zu den EU-15-Staaten, die ihren Arbeitsmarkt im Zuge der EU-Erweiterung 2004, während der auch Slowenien der Gemeinschaft beitrat, mit am stärksten abschotteten. Das Thema war im Vorfeld kontrovers diskutiert worden, wobei die Angst geäußert wurde, dass der deutsche Arbeitsmarkt einem „Ansturm“ nicht gewachsen sein könnte und es zu erhöhter Arbeitslosigkeit unter der heimischen Bevölkerung kommen könnte. Deutschland beschränkte demnach im Rahmen der 2-3-2-Formel den Zugang zu seinem Arbeitsmarkt und gehörte zusammen mit Österreich zu den beiden Ländern, für die die vollständige Freizügigkeit erst ab dem 1. Mai 2011 galt. Die Beschränkungen der Arbeitnehmerfreizügigkeit waren im Falle Sloweniens reziprok, d. h., dass Slowenien seinerseits den Zugang zu seinem Arbeitsmarkt für Angehörige der „alten“ EU-15 ebenfalls beschränkte.
Sport Fußball Bisher bestritt die slowenische Fußballnationalmannschaft nur ein einziges Spiel gegen die deutsche Fußballnationalmannschaft. Das Freundschaftsspiel in Celje am 26. März 2005 ging für Slowenien nach einem Tor von Lukas Podolski mit 0:1 verloren.
Bei der Qualifikation zur Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland scheiterte Slowenien an Italien und Norwegen und war daher nicht auf dem Turnier vertreten.
Handball Bei der Handball-Europameisterschaft der Männer 2004 in Slowenien konnte sich die deutsche Handballnationalmannschaft mit einem Finalsieg gegen den Gastgeber zum ersten Mal den Titel sichern.
Skisport Slowenien ist eine Skination. Bei der in Deutschland und Österreich ausgetragenen Vierschanzentournee konnten bis jetzt die beiden Slowenen Primož Peterka und Peter Prevc den Sieg davontragen.
Auf der Skisprungschanze Letalnica bratov Gorišek im slowenischen Planica errangen bisher bei internationalen Wettbewerben die Deutschen Ralph Gebstedt, Martin Schmitt, Sven Hannawald, Hansjörg Jäkle und Michael Uhrmanneinen ersten Platz.
Gegenseitige Wahrnehmung: Verwechslungsgefahr mit der Slowakei mini|Die Slowakei (orange) befindet sich östlich von Österreich, Slowenien (grün) hingegen südlich. Einige Deutsche haben Schwierigkeiten, die Slowakei und Slowenien auseinanderzuhalten, was bei den Slowenen zu Unmut führen kann. Tatsächlich stammen beide Ländernamen von der Urbezeichnung aller Slawen, der Sloveni, ab. Nicht zur Erleichterung der Lage trägt dabei ein, dass die slowakische Eigenbezeichnung für ihr Land „Slovensko“ lautet.
Beide Staaten berufen sich auf eine slawische Identität, wobei die Slowaken zu den Westslawen, die Slowenen hingegen zu den Südslawen gezählt werden. Bis zum Ersten Weltkrieg waren sowohl die Slowakei als auch Slowenien Teil Österreich-Ungarns, wobei die Slowakei zum Königreich Ungarn, Slowenien hingegen größtenteils zum österreichisch dominierten Cisleithanien gehörte, lediglich das nordöstliche Übermurgebiet war ebenfalls Teil der ungarischen Reichshälfte. Beide Länder waren auch während eines großen Teils des 20. Jahrhunderts Teil eines größeren Gesamtstaates: Die Slowakei war in die Tschechoslowakei integriert, Slowenien in Jugoslawien. Slowenien erkämpfte sich seine Eigenständigkeit in kurzen Kämpfen gegen die Jugoslawische Volksarmee (JNA) im 10-Tage-Krieg (Unabhängigkeitserklärung am 25. Juni 1991). Die Slowakei erreichte ihre Unabhängigkeit friedlich zum 1. Januar 1993.
Deutsche in Slowenien, Slowenen in Deutschland mini|Altsag (Stare Žage): eines der sechs Dörfer, in denen noch Gottscheer Familien leben mini|Altsag (Stare Žage): traditionelles Gottscheer Haus mit Gang Eine deutsche Minderheit in Slowenien verschwindet: die Gottscheer Die traditionelle deutschsprachige Minderheit der Gottscheer ist heute in Slowenien so gut wie verschwunden. mini|Nesseltal (Koprivnik): Museum der Einrichtung für die Erhaltung des Kulturerbes Nesseltal, geleitet von Matjaž Matko